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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Gewalt/Kriminalität'

Experten fordern mehr Aufklärung über Alkohol in der Schwangerschaft

Donnerstag 9. September 2010 von htm

Zum „Tag des alkoholgeschädigten Kindes“: Jedes Jahr werden in Deutschland tausende Babys mit alkoholbedingten Schäden geboren. Die Deutsche Kinderhilfe forderte deshalb am Mittwoch mehr Prävention und eine Ächtung des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft. Studien zufolge trinken zwölf bis 15 Prozent der werdenden Mütter mindestens einmal pro Monat Alkohol. Nach Schätzungen von Experten der Berliner Charité kommen wegen des Alkoholkonsums ihrer Mütter jährlich zwischen 4000 und 10.000 Kinder mit teils schweren körperlichen und geistigen Schäden auf die Welt. (Quelle: Google Alkohol News, 9.9.10) stern.de, 8.9.10

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Russland: Militante Alkohol-Gegner verprügeln Alkohol trinkende Jugendliche

Donnerstag 9. September 2010 von htm

In Russland treibt anscheinend eine Gruppe von militanten Alkohol-Gegnern ihr Unwesen. Mehrfach sollen die 14 bis 18 Jahre alten Jugendlichen Alkohol trinkende Jugendliche verprügelt haben. Laut ihrer eigenen Internetseite will die Gruppe von Alkohol-Gegnern „über die katastrophale Lage im Land“ aufklären. Auch Russlands Regierung betreibt eine Kampagne gegen übermäßigen Alkohol-Konsum. (Quelle: focus.de, 8.9.10)

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Leserbrief zu „Sich betrinken verboten!“

Mittwoch 8. September 2010 von htm

3.9.2010

Redaktion
Neue Zürcher Zeitung
8001 Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Sich betrinken verboten!“, vom 3.9.2010

„Mit immer neuen Verboten wächst die Unfreiheit“, schreibt Markus Spillmann. Er bezieht sich auf die vom Städteverband gewünschte gesetzliche Grundlage für lokale, begrenzte Alkoholverbote, wie sie mehrere Städte in der Schweiz und im Ausland mit gutem Erfolg eingeführt haben.

Er greift damit indirekt in die Diskussion um ein neues Alkoholgesetz ein, wie es einer Zeitung vom Format der NZZ wohl ansteht. Sie hat sich dafür immerhin fast drei Monate Zeit gelassen. Es wäre schön, wenn die Diskussion weitergehen und die NZZ auch andere als die eigene Meinung veröffentlichen würde. Zum Beispiel diese: Es ist nicht verwunderlich, dass die Städte, die am meisten von den Auswüchsen des Alkoholkonsums betroffen sind, sich nicht mehr anders als mit Verboten zu helfen wissen, weil die nationale Politik auf diesem Gebiet völlig versagt, und weil, wenn man den Entwurf des neuen Alkoholgesetzes kritisch anschaut, sich wahrscheinlich nicht viel ändern wird. Obwohl die richtigen Rezepte vorliegen.

Der Grund für das  Verdrängen dieses grössten sozialmedizinischen Problems liegt weitgehend bei der bürgerlichen Mehrheit in Parlament und Bundesrat, die immer wieder dem permanenten Druck der Alkohollobby und dem der mit ihr verlinkten Wirtschaftsverbände nachgibt. Auch die Medien unterliegen diesem Druck, sonst hätten sie schon lange dem Volk die tatsächlichen Zusammenhänge klarlegen und eine Politikänderung herbeiführen können.

Es ist leichtfertig, wenn Herr Spillmann ein Bier zu nächtlicher Stunde in Chur als Banalität im Vergleich zu schwerwiegenden Grenzverletzungen abtut und damit die ganze Alkohol-Problematik als erledigt betrachtet. Es ist auch scheinheilig zu schreiben, die Erziehungsberechtigten könnten sich quasi per Steuerzettel ihrer Erziehungsverantwortung entledigen. Dabei unterlässt er es tunlichst zu erwähnen, dass wir alle ein Leben lang ungefragt die enormen alkoholbedingten Sozialkosten per Steuerzettel und Versicherungsprämien tragen und die Einbussen an Lebensqualität ertragen. Das ist die Freiheit, die abhanden gekommen ist, seit die Alkoholindustrie und ihre Lobby die Allgemeinheit als Geisel genommen hat. Die WHO nennt uns deshalb Passivtrinker.

Ich bin immer wieder erstaunt, dass eine liberale Zeitung, die der Wirtschaft nahesteht, dieser nicht zeigt, wie sie sich selber mit ihrer alkoholfreundlichen Politik schadet. Man geht von 5% alkoholbedingten Personalkosten aus, die gespart werden könnten. Bei Abgaben an die Sozialwerke wird sogar um Promille gestritten. – Ganz abgesehen von der Möglichkeit alkoholbedingter Fehlentscheide in den Chefetagen.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
(pendent)
Nachtrag: Am 7.9.10 brachte die NZZ dazu einen Leserbrief, der voll die Thesen von Herrn Spillmann unterstützt. Unser Leserbrief wurde nicht veröffentlicht. So versteht die NZZ offenbar den öffentlichen Diskurs. Nur die eigene Meinung zählt. Ihre Leserschaft ist wahrscheinlich nicht reif genug, auch andere Meinungen gewichten zu können.

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Wo der Alkohol in Strömen fliesst – Europa eine Festhütte

Montag 6. September 2010 von htm

Die Sommerzeit bis in den Herbst zur Weinlese hinein wird gefestet. Der Alkohol fliesst in Strömen, die Rettungskräfte und Notfallstationen haben alle Hände voll zu tun. Diese paar Schlagzeilen nur zur Erinnerung, dass diese „Kultur“ weiterhin gedeiht und immer neue Blüten treibt. Wir alle, wir Passivtrinker, zahlen die Kosten.
– Tritte mit den Haferlschuhen. Am Wochenende kam es auf dem Erdinger Volksfest wieder zu Schlägereien. Ein 32-Jähriger traktierte einen auf dem Boden liegenden Jugendlichen mit seinen Haferlschuhen.
– Streit nach Fest: Täter ersticht Mitbewohner. U-Haft. Ein 50 Jahre alter Wuppertaler legt Geständnis ab.
– Ausnüchterungs-Zellen überfüllt. Die Bilanz der Polizei für das Dult-Wochenende ist gepflastert von „Alkohol-Leichen“. Jugendliche mit Wodka-Flaschen, Minderjährige mit Promille, Randalierer im Weinzelt und überfüllte Ausnüchterungs-Zellen berichten die Beamten. Eine feucht-unfröhliche Zwischenbilanz.
– Stühle flogen in der Notaufnahme. Zuerst in einem Club, dann auf einem Platz und schliesslich in der Notaufnahme des Zürcher Uni-Spitals gingen die Randalierer aufeinander los. Stühle wurden geworfen, ein Messer war auch dabei. Vier Verhaftungen, einer blieb im Spital.
Selbstverständlich sind auch die Blaufahrer übers Wochenende wieder besonders aufgefallen. Profiteur ist immer das Alkoholgewerbe, aber auch Sport- und andere Vereine, die ihre Verantwortung nicht sehen wollen.

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Interview zu Alkohol-Konsum-Verboten

Samstag 4. September 2010 von htm

Blick sprach mit Monique Helfer (42) Sprecherin von der Sucht-Info Schweiz.
Blick.ch: Frau Helfer, ist ein Verbot die Richtige Lösung gegen Saufgelage, Pöbeleien und Vandalismus?
Monique Helfer: Wenn eine Stadt zum Ziel hat, Ruhe und Ordnung zu schaffen, mag dies helfen. Wollen die Sozialdepartemente etwas gegen das Rauschtrinken bei Jugendlichen unternehmen, kommt man damit nicht weit. … (Quelle: blick.ch, 3.9.10) mit unserem Online-Kommentar: Es kann kein Konsens über das Behandeln des Alkoholproblems als solches bestehen, weil die Bevölkerung weder über dessen Tragweite noch über die Verbesserungsmöglichkeiten informiert ist. Medien und die Politik schirmen ab, um nicht mit der Alkoholindstrie in Konflikt zu geraten. Wir alle zahlen die Zeche – jeder ungefragt ein Leben lang in Tausenden und nehmen die Einschränkung der Lebensqualität und die Alkoholisierung immer neuer Generationen in Kauf.
(siehe auch Interview im Beobachter 19/2010)

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Alkohol am Tod des Glarner Waffennarren beteiligt?

Samstag 4. September 2010 von htm

Vor zweieinhalb Wochen sprengte sich ein Glarner Waffennarr mitsamt seines Hauses in die Luft. Nun wird gemeldet, er sei kurz vor seinem Tod vom Zürcher Bezirksgericht wegen einer Blaufahrt zu einer hohen Geldstrafe verurteilt worden. (Quelle: Tages-Anzeiger, 4.9.10)

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Intimate partner violence and alcohol

Samstag 4. September 2010 von htm

»Cheers to the family«
Das Internationale Institut der schwedischen IOGT-NTO-Bewegung hat eine englischsprachige Broschüre herausgegeben, die auf den Zusammenhang von innerfamiliärer Gewalt und Alkoholkonsum hinweist: »Wir leben in einer Welt, in der Gewalt zu oft zuhause ist. Studien aus aller Welt zeigen, dass keine Gesellschaft gegenüber Gewalt zwischen Intimpartnern gefeit ist. (Quelle: Google Alkohol News, 3.9.10) zeitschrift-rausch.de, 1.9.10

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CH: Städteverband wünscht lokal begrenzte Alkoholverbote

Freitag 3. September 2010 von htm

Im neuen Luzerner Sicherheitsbericht wird ein Alkoholverbot im öffentlichen Raum als Option erwähnt. Der Städteverband äusserte sich für eine solche Klausel im neuen Alkoholgesetz, doch der Bund winkt ab. Er sei nur für den Alkoholhandel zuständig. (Quelle: NZZ, 3.9.10) Siehe dazu auch: „Sichbetrinken verboten“ in der gleichen NZZ und unsern Leserbrief dazu. (pendent)

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Die Schwingfest-Puristen begehren auf

Freitag 3. September 2010 von htm

Das «Eidgenössische» wurde auch zum Schweizer Oktoberfest der Nichtschwinger. Trotzdem hält der Schwingerverband am neuen Konzept fest. Sponsoren wollen es so. Katerstimmung nach dem Fest: Am «Eidgenössischen» wurde randaliert.
Vor zwei Wochen frohlockten noch alle. Mit 260’000 Besuchern war es das grösste Eidgenössische Schwingfest aller Zeiten. Männiglich lobte die friedliche Atmosphäre in Frauenfeld, bei der es keine Hooligans und keine Polizeigrenadiere gab. Und OK-Präsident Urs Schneider bilanzierte, es sei gelungen, Tradition und Moderne zu vereinen.
Jetzt hat der «Blick» aber Bilder ins Internet gestellt, die ein Chaos zeigen: eine Halle mit wild durcheinandergewirbelten Festbänken, und der Boden übersät mit Bierflaschen. Kein Zweifel: Während draussen im Sägemehl wacker geschwungen wurde, sind hier im Alkoholrausch die Bänke geflogen. Kann man ein Schwingfest mit solchen Kollateralschäden noch als friedlich bezeichnen? (Quelle: Tages-Anzeiger, 3.9.10)

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Jugendliche und Alkohol: Kommunen fühlen sich im Stich gelassen

Donnerstag 26. August 2010 von htm

Die Region kämpft gegen trinkende Jugendliche an. Während es in Friedrichshafen und Konstanz ruhig geworden ist, ruft Radolfzell zum Feldzug auf. Für einmal verliert Jörg Schmidt seine Nüchternheit. Der Oberbürgermeister von Radolfzell ruft zum Feldzug auf: Es gehe darum, dass „die Bürger die Uferpromenade der Stadt von den Chaoten zurück erobern“. Die Chaoten – das sind Jugendliche und junge Erwachsene, die vor allem am Wochenende den Bereich als Treffpunkt nutzen. Bei schönem Wetter sind es bis zu 200 – viele von ihnen trinken Alkohol, sie sind laut und hinterlassen Müll. (Quelle: Google Alkohol News, 26.8.10) suedkurier.de, 25.8.10 unser Online-Kommentar: Die lokale Alkoholpolitik könnte viel besser funktionieren, wenn es eine nationale Alkoholpolitik gäbe, denn das Alkoholproblem ist ein Problem der ganzen Gesellschaft. Solange die Regierung in Berlin dies nicht einsieht und die nötigen Massnahmen trifft, wird sich auch lokal auf die Dauer nicht viel verbessern. Die Allgemeinheit, die „Passivtrinker“, wie die WHO sagt, zahlt weiterhin ungefragt die immensen Sozialkosten underträgt die verminderte Lebensqualität.

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