www.alkoholpolitik.ch

Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Sonntag 6. Januar 2013 von htm

After 10 years of full and one year with reduced activity this website is working as an archive.

Nach 10 Jahren mit voller und einem Jahr mit reduzierter Aktivität wird diese Website zum Archiv.

Da mich das Thema immer noch nicht loslässt, werde ich meine Webseite zum Bloggen einsetzen. Ab und zu werde ich einen Kommentar aufschalten. Vielleicht schauen Sie gelegentlich hinein. Mit den besten Wünschen zum neuen Jahr.

Hermann T. Meyer

Kategorie: Allgemein | Keine Kommentare »

Leserbrief zu „Alkohol als Killer Nr. 1 bei 15-24-Jährigen

Mittwoch 23. Oktober 2019 von htm

12.10.2019

Neue Zürcher Zeitung
Redaktion Leserbriefe
8001 Zürich

Per e-mail

Betr. «Alkohol ist bei 15- bis 24-Jährigen der Killer Nummer eins», NZZ vom 12.10.19

Es freut mich sehr, dass Herr Gmel den Jellinek-Award erhalten hat. Ich möchte ihm auf diesem Weg dazu herzlich gratulieren. Er ist einer der wenigen Fachleute, die bei diesem so wichtigen Thema geblieben sind, obwohl dabei kaum Lorbeeren zu ernten sind. Sehr viel Knowhow ist in den letzten zehn Jahren so verloren gegangen. Die geballte Macht der Alkohollobby hat Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dermassen in Geiselhaft genommen, dass nur ausnahmsweise (wie hier) über die negativen Seiten des Alkohols berichtet wird.

Der im Interview ein wenig auftauchende Gegensatz zwischen Wissenschaft und Präventionsfachleuten ist erklärbar: Seit der Einführung der 0,5 Promillegrenze und der Alcopop-Steuer ohne wirksame Begleitmassnahmen wurden praktisch alle möglichen präventiven Schritte abgewürgt und bestehende, altbewährte Massnahmen aufgehoben. Das hat viele Fachleute gezwungen, neue Wege der Prävention stärker zu betreiben, d.h. weg von der Verhältnis- hin zur Verhaltensprävention, die leider nur wenig erreichen kann.

Seriöse Wissenschafter auf dem Gebiet des Alkohols sind sich natürlich über die Wirksamkeit möglicher Gegenmassnahmen im klaren. Sie haben ja, wie Herr Gmel, zu den Vorbereitungen zur WHO-Resolution von 2010 in Genf über eine globale Alkoholstrategie beigetragen. Dass die Schweiz als Mitunterzeichnerstaat, diese Resolution in den Schubladen verschwinden liess, ist nur die Bestätigung des oben erwähnten Zustandes.

(veröffentlicht am 22.10.2019)

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Dokumente, Gesundheit, Internationales, Jugend, Jugendliche, Leserbriefe, Medien, Politik, Schweiz, Statistik, Verhaltens-Präv., Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie | Keine Kommentare »

Leserbrief zu „Gegen Alzheimer kann man was tun“

Mittwoch 21. August 2019 von htm

21.8.2019

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

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Leserbrief zu „Gegen Alzheimer kann man was tun“, Tages-Anzeiger vom 20.8.19

„Auf den Blutdruck achten, nicht rauchen, Übergewicht vermeiden – mit solchen und weiteren Massnahmen kann man einer Demenzerkrankung vorbeugen…“ Drei grosse aktuelle Studien sollen dies belegen.

Erstaunlich nur, dass auf der ganzen Artikelseite der bedeutende Risikofaktor Alkohol mit keinem Wort erwähnt wird. Ganz anders als im Artikel vom 7. Mai 2018 in dieser Zeitung, wo es in der Überschrift hiess: „Alkohol schlägt auch aufs Gehirn. Wer immer wieder zu viel trinkt, erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, später an Demenz zu erkranken. Helfen könne nur Prävention – und eine höhere Steuer auf alkoholische Getränke.“

Weiteres Zitat aus jenem Artikel:Eine der grössten Studien zu diesem Thema kommt nun zum Schluss: Starker Alkoholkonsum wird als Risikofaktor für Demenz deutlich unterschätzt. «Alkohol sollte als einer der Hauptrisikofaktoren für alle Arten von Demenz anerkannt werden», fordert Michaël Schwarzinger von der Universität Paris Diderot und Mitautor der Studie, die kürzlich im Fachblatt «Lancet Public Health» erschienen ist. Dreifach erhöhtes Risiko In ihrer landesweiten Beobachtungsstudie werteten die Forscher die Krankenakten von mehr als 31 Millionen Franzosen aus, die zwischen 2008 und 2013 in französischen Krankenhäusern behandelt worden waren. Die Daten zeigen: Männer oder Frauen, die regelmässig viel Alkohol trinken, haben ein dreifach höheres Risiko, an einer Demenz zu erkranken als der Durchschnitt. Bei jenen, die früh an einer Demenz erkranken, also vor dem 65. Lebensjahr, tranken mehr als die Hälfte, nämlich 57 Prozent, regelmässig viel Alkohol. …“

Warum Alkohol in den neuen Studien oder vom Artikelschreiber ausgeklammert wurde, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht aus dem selben Grund, der dazu geführt hat, dass vor rund hundert Jahren der damalig führende Alkoholforscher, Prof. Dr. Auguste Forel, von seinen Professoren-Kollegen aus der Uni Zürich weggemobbt worden war.

Freundliche Grüsse

Hermann  T. Meyer
Effretikon

Link zum Artikel: https://www.tagesanzeiger.ch/zeitungen/alkohol-schlaegt-auch-aufs-gehirn/story/20283875#mostPopularComment

Link zu meinem veröffentlichten Leserbrief: https://www.alkoholpolitik.ch/2018/05/09/leserbrief-zu-alkohol-schlaegt-auch-aufs-gehirn/

(nicht veröffentlicht, Anfrage beim Tages-Anzeiger-Ombudsmann am 29.8.19)

Kategorie: Alkoholkrankheit, Allgemein, Alter, Gesundheit, Leserbriefe, Medien, Politik, Senioren, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen | Keine Kommentare »

Leserbrief zum Artikel über das Fête des Vignerons im Tages-Anzeiger

Mittwoch 21. August 2019 von htm

5.8.2019

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

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Leserbrief zu „Zürich schampar joli an der Fête des Vignerons in Vevey“, Tages-Anzeiger vom 5.8.19

Man lese und staune: Unsere Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh, die Liberale von der Partei mit der Eigenverantwortung, bei der das Recht auf Rausch zu den zivilisatorischen Grundwerten zählt, bekennt sich (wahrscheinlich zum ersten Mal) zur Prävention. Sie rät der andächtig zu ihr aufschauenden Bevölkerung: „Wichtige Geschäfte soll man immer zweimal besprechen – zuerst betrunken und dann nüchtern“.

Warum fällt mir da sofort die Affäre ihres Parteikollegen BR Cassis ein mit dem Tabaksponsoring für den Schweizer Pavillon an der nächsten Weltausstellung? Nur muss da die zweite Besprechung erst nach den empörten Protesten stattgefunden haben. Verzögert sich die Einigung mit der EU wohl auch deshalb, weil die Schweizer Verhandlungspartner immer noch bei der ersten Besprechung stehen geblieben sind?

Unserer Regierungspräsidentin gebührt jedenfalls grosser Dank für diesen Einblick in die politischen Meinungsbildungsprozesse. Dass Alkohol dabei eine wichtige Rolle spielt, wissen wir zwar schon lange, aber von so kompetenter Stelle wurde uns dieser Sachverhalt noch kaum je erläutert.

Freundliche Grüsse

Hermann  T. Meyer
Effretikon

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Allgemein, Andere Drogen, Europaparlament / EU-Kommission, Feste und Feiern, Geschichten, Kultur, Leserbriefe, Medien, Politik, Prominenz, Schweiz, Veranstaltungen, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Zitate | Keine Kommentare »

Leserbrief über Artikel zur amerikanischen Prohibitionszeit

Sonntag 27. Januar 2019 von htm

18.1.2019

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

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Leserbrief zu „Die gosse Trockenheit“ am 17.1.19

Ein grosses Kompliment an Berit Uhlmann, die wahrscheinlich als Erste im Tages-Anzeiger einen ausgewogenen Bericht über die Alkohol-Prohibition in den USA gewagt und geschrieben hat. Man könnte direkt denken, dies sei ein Produkt der neuen Ehrlichkeit eines verantwortungsbewussten Journalismus.

Es wäre interessant zu wissen, wie viele Fälle von Leberzirrhose in absoluten Zahlen vermieden werden konnten. Es heisst „die Hälfte“. Dazu müsste man noch die vielen andern Erkrankungen rechnen, vor allem Krebs, die vom Alkohol verursacht wurden, was man damals noch nicht wusste.

Die drei Lehren, die das NIAAA damals zog, gelten auch heute noch: Die wirksamsten Massnahmen, den Alkoholkonsum (und damit die alkoholbedingten Schäden) zu reduzieren sind steigende Preise und die Einschränkung der Verfügbarkeit. Diese anzuwenden wären eigentlich alle WHO-Mitgliedsländer moralisch verpflichtet. Damals haben die Politiker die Prohibition aufgehoben, um den Staat zu schonen und ihm die Steuermilliarden wieder zu schenken, auf Kosten der Volksgesundheit. Heute schonen die Politiker in der Schweiz die milliardenschweren Alkoholmultis auf Kosten der Volksgesundheit und der Öffentlichkeit, welche die Alkoholschäden trägt.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Alkoholsteuern, Allgemein, Erhältlichkeit, Gesundheit, Gewalt/Kriminalität, Internationales, Leserbriefe, Medien, Politik, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie | Keine Kommentare »

Leserbrief zur Meldung in der Coopzeitung „Junge Frauen im Alkoholrausch“

Sonntag 11. November 2018 von htm

An die Redaktion
der Coopzeitung

coopzeitung@coop.ch

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Junge Frauen im Alkoholrausch“

Ihre Kurznachricht an vorderer Stelle in der letzten Nr. 45 vom 6. Nov. 18 muss für Sie wie eine Erfolgsstory, ein Triumpfgesang tönen: Gemäss der aktuellen Gesundheitsbefragung des Bundesamtes für Statistik hat sich die Zahl der jugendlichen Rauschtrinkerinnen zwischen 2007 und 2017 verdoppelt. Bei den männlichen Jugendlichen gab es einen Anstieg von 19% auf ebenfalls 24%. Ihre Mitwirkung bei der Einführung der Alcopops hat sich somit ausgezahlt. Die Frauen und die Jugendlichen wurden damit für den Alkoholkonsum gewonnen, für Nachwuchs bei den Alkoholschäden haben Sie massgeblich, als grösster Alkoholhändler in der Schweiz mitgesorgt. Mindestens die heutigen über 100’000 Kinder und Jugendliche, die in alkoholbelasteten Familien aufwachsen müssen, und die kommenden Generationen werden es Ihnen hoffentlich danken.

Freundliche Grüsse

Hermann Meyer

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alcopops (de), Allgemein, Erhältlichkeit, Geschlechtspezifische, Gesundheit, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Jugendliche, Kinder, Leserbriefe, Medien, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Veröffentlichungen, Werbung, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Leserbrief zu Zürcher Studie über Suchtmittelkonsum Jugendlicher

Sonntag 28. Oktober 2018 von htm

27.10.2018

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Jeder zehnte 11-jährige trinkt Alkohol“ vom 27.10.2018

Bisher erfuhr man aus Polizeiberichten und Zeitungsartikeln ab und zu, dass bei Delikten, verübt durch Jugendliche, Alkohol im Spiel war. Forderungen nach wirksamen Gegenmassnahmen liefen ins Leere. Nun kommt diese Langzeitstudie mit Zürcher Kindern und Jugendlichen, die zeigt, warum diese kriminell werden.

Die grosse Überschrift auf der Titelseite weckt die Erwartung, dass im Innern der Zeitung die Details zu erfahren sein würden. Weit gefehlt. Die ganze Seite 3 wird nur über die Folgen des Rauchens in diesem Zusammenhang berichtet, was an sich auch lesenswert, aber eigentlich schon lange bekannt ist. Es fehlt noch der Hinweis auf die retardierte Entwicklung des nikotingeschädigten Kindes als eine der Folgen der Hirnschädigung.

Auf die Folgen des Alkoholkonsums wird mit keinem Wort eingegangen. Das lässt erahnen, dass die Medien auch in Zukunft dieses Thema tabuisieren werden. Als ausgleichende Schlusspointe ist wohl der letzte Artikel dieser Tagi-Nummer anzusehen: „29 Milliarden Liter weniger Bier“. Als Ergebnis der Klimaerwärmung würde in Zukunft in einigen Ländern weniger Bier produziert, also auch weniger getrunken, was als weitere schlimme Folge des Klimawandels gewertet wird. Immerhin kann die Alkohollobby nun beruhigt sein, an Konsumenten-Nachwuchs wird es auch in Zukunft nicht fehlen.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

PS

Irgendwie einleuchtend, dass auf der Internetseite die Kommentarfunktion nach vier die Studie kritisierende Meinungen blockiert wurde.
Sie wurde am Sonntag wieder ermöglicht. Vielleicht nach meinem Leserbrief.

(nicht veröffentlicht)

 

Kategorie: Allgemein, Andere Drogen, Foetales Alkohol Syndrom, Jugendliche, Schweiz, Veröffentlichungen | Keine Kommentare »

WHO Global Status Report on Alcohol and Health 2018

Freitag 21. September 2018 von htm

PRESS RELEASE

Brussels, Belgium, 21st September 2018

We are still number one but hopefully not for long – Europe’s alcohol consumption
WHO Global Status Report on Alcohol and Health 2018

More than 3 million people died as a result of harmful use of alcohol in 2016, according to a report released by the World Health Organization (WHO) today. This represents 1 in 20 deaths. More than three quarters of these deaths were among men. Overall, the harmful use of alcohol causes more than 5% of the global disease burden.

Europe continues to have the highest per capita consumption in the world. The good news is that per capita consumption has decreased by more than 10% since 2010. However, Europe has the highest rates of current drinking among 15–19-year-olds, followed by the Americas (38%) and the Western Pacific (38%). School surveys indicate that, in many countries, alcohol use starts before the age of 15 with very small differences between boys and girls.

European Alcohol Policy Alliance (Eurocare) wants to remind the European Institutions of the Council Conclusions on Cross-border aspects in alcohol policy – tackling harmful use of alcohol during the Estonian Presidency in December 2017.

Mariann Skar, Secretary General of Eurocare said:
“Juncker’s Commission has neglected and ignored alcohol policy. We are still waiting for decision on such, one might imagine, simple issue as whether consumers should have calories on the labels. Not to mention the missed opportunity of Audiovisual Media Services Directive to reduce exposure to alcohol advertising. Last but not least, we still have minimum excise duties from 1992. The progress we are seeing in Europe is because of courageous actions at a Member States level, countries such as Estonia, Lithuania, Poland, Scotland, Finland have implemented progressive alcohol policy solutions’‘.

Member States have clearly shown that there is a will to do more to tackle alcohol related harm. Juncker’s Commission has to quickly increase its efforts to find a way to actualise these Council Conclusions.
Conclusions highlighted several areas of action and call on the European Commission to:

  • Produce and adopt a new EU Alcohol Strategy
  • Monitor and evaluate the adequacy of the current measures in the online advertising of alcoholic beverages
  • Support Member States in the framework of a new Joint Action – RARHA
  • Support research and studies in areas such as for instance cross-border purchases
  • Propose better provisions for alcohol labelling by the end of 2019

WHO’s Global status report on alcohol and health 2018 presents a comprehensive picture of alcohol consumption and the disease burden attributable to alcohol worldwide. It also describes what countries are doing to reduce this burden.

Source: Eurocare, 18/09/21

Kategorie: Advertising, Alcohol taxes, Alerts, Allgemein, consumption, Documents, English Website, Global, Health, Labels, mortality, Parliaments / Governments, Politics, Prevention, Publications, Research, Social Costs, Statistics, Watchdogs, WHO, Youth | Keine Kommentare »

Leserbrief zu „Kulturverlust durch Abstinenz? Aber nein!

Freitag 21. September 2018 von htm

21.09.2018

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Betr. Meinungen

Leserbrief zu „Kulturverlust durch Abstinenz? Aber nein! Vom 21.9.2018

Um auf die Frage im Titel genauer zu antworten: Aber nein, sonst hätte die Mehrheit der Erdenbewohner keine Kultur! Und unsere alkoholische Scheinkultur wäre das Mass aller Dinge.

Zum Glück lesen die meisten Leute nur das Fettgedruckte. Immerhin hat Redaktor Hesse im ersten Teil richtige Fakten aufgetischt, aber gegen den Schluss wird er richtig komisch-ironisch. Damit bedient er die offenbar jetzt angesagte Masche, das Alkoholproblem zu verharmlosen. Jetzt, wo die Fakten derart erdrückend wurden, macht man sich lustig und verdeckt das bisherige Versagen.

Dazu wird das Schreckgespenst der totalen Nüchternheit als Ziel von WHO und EU-Kommissär an die Wand gemalt. Dabei war und ist das Ziel der Suchtprävention immer die Reduktion der suchtbedingten Schäden. Das kann erreicht werden, indem möglichst viele Massnahmen grossflächig getroffen werden, die den Konsum senken. Erstmals hat die WHO an ihrer Generalversammlung im Mai 2010 mit ihrer einstimmig verabschiedeten Globalen Alkohol Strategie die wirkungsvollsten Möglichkeiten für eine Konsumreduktion aufgelistet. Dies nach jahrelangen Verhandlungen auch mit der Alkoholindustrie auf allen Kontinenten. Die Schweiz hat mitunterzeichnet und den Beschluss sofort schubladisiert.

Die im Text erwähnte Konsumminderung ist natürlich nicht von selbst eingetreten. Während des ganzen letzten Jahrhunderts tobte ein dauernder Kampf zwischen der Alkoholindustrie, ihrer Lobby in Parlamenten, Regierungen und Medien und der Gesundheitslobby verschiedenster Schattierungen. Einiges wurde erreicht, einiges wurde in diesem Jahrhundert wieder aufgegeben. Begründung: Der Konsum geht ja zurück. Dabei wird verschwiegen, dass der Risikokonsum steigt. Die Schäden sind nach wie vor vorhanden. Von denen spricht niemand.

Bei der Untersuchung der Lebenszufriedenheit wurden sicher nicht die Opfer des übermässigen oder fahrlässigen Alkoholkonsums befragt: Die leidenden Ehepartner, die über 100‘000 Kinder und Jugendlichen in alkoholbelasteten Familien, die vergewaltigten Frauen, die ungeliebten, im Rausch erzeugten Kinder, die Hinterbliebenen von Gewalt- und Unfallopfern, die Invaliden, die Krebskranken, die sexuell ausgebeuteten, die von Hooligans verletzten Polizisten und Rettungsmannschaften, ganz zu schweigen von den Milliarden Franken, die uns diese Droge jährlich kostet. Sie ist die gefährlichste,  wenn man ihre gesellschaftliche Relevanz mitberücksichtigt.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(nicht veröffentlicht)

Siehe auch WHO Global Status Report on Alcohol and Health 2018

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Europaparlament / EU-Kommission, Gewalt/Kriminalität, Internationales, Jugend, Kinder, Kultur, Leserbriefe, Medien, Parlamente/Reg., Politik, Prävention, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Verhältnis-Präv., Verkehr, Veröffentlichungen, Verschiedene, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie | Keine Kommentare »

Leserbrief an die Tages-Anzeiger Chefredaktorin

Sonntag 16. September 2018 von htm

08.09.2018

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Mehr Platz für Ihre Meinung“ vom 8.9.18

Sehr geehrte Frau Wittwer,

Sie berichten über die Ergebnisse Ihrer Umfrage vom 9. Juli. Ich möchte nachdoppeln beim Wunsch von Lesern, dass die Leserbriefseite vergrössert werde. Immer mehr wurde durch Werbung oder Beiträge von eigenen Leuten die Äusserungsmöglichkeiten der Leserschaft eingeschränkt. Auch die Karikaturisten sollten eine andere Seite erhalten.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich meine Anerkennung zollen, dass in kurzer Zeit mehrere Artikel mit Bezug aufs Thema Alkohol erschienen sind, welches in den letzten Jahren stark vernachlässigt worden ist. Zum ersten Mal scheint mir, dass das „Plädoyer für eine freie Presse“ von Herrn Supino, erschienen am 3.9.18 ernst gemeint war, wenn er schreibt, er verstehe es als Kern der verlegerischen Verantwortung, für unabhängige Medien einzustehen. Bisher konnte ich auf solche Äusserungen nur mit Unglauben reagieren.

Wenn ich mir einen Hinweis gestatten darf: In vielen aktuellen Themengebieten spielt Alkohol eine wesentliche Rolle, er wird aber nicht oder nur am Rande kurz erwähnt, weil er immer noch tabuisiert wird. Z.B. Gewalt gegen Behörden, Polizei, Rettungsmannschaften; oder die Armutsdiskussion (7.9.18) ein grosser Teil der Armut ist alkoholbedingt; oder Sex der jungen Schweizerinnen (8.9,18).

Der heutige Mamablog hat mich freudig überrascht. Soviel Sachverstand habe ich in letzter Zeit zum Thema noch selten im Tagi gefunden. Vielleicht können Sie ja mit der Zeit wieder einmal einen Sachbearbeiter einstellen, der das Thema fachlich einigermassen beherrscht und dauernd betreut.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(Mit Kürzungen am 15.9.18 bei Leserbriefen veröffentlicht)

Kategorie: Allgemein, Armut, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Leserbriefe, Medien, Schweiz, Sport, Veröffentlichungen | Keine Kommentare »

Das «Gläschen in Ehren» schadet doch

Freitag 24. August 2018 von htm

Das Schweizer Radio srf berichtet heute in seinen Nachrichten über eine grosse amerikanische Studie, die aufräumt mit dem alten Märchen vom unbedenklichen mässigen Alkoholkonsum.

  • Alkohol zu trinken ist immer mit einem gesundheitlichen Risiko verbunden – auch bei geringer Menge.
  • Zu diesem Schluss gelangen die Autoren einer Studie über den weltweiten Konsum alkoholischer Getränke und den Zusammenhang mit 23 Krankheiten.

Die Forscher um Griswold und Emmanuela Gakidou, ebenfalls von der University of Washington, hatten 694 Studien über Alkoholkonsum und 592 Studien über Gesundheitsrisiken durch den Genuss von Alkohol ausgewertet. Die im Fachjournal «The Lancet» vorgestellten Daten umfassen die Bevölkerung von 15 bis 95 Jahren in 195 Ländern. Demnach stehen weltweit 2,8 Millionen Todesfälle pro Jahr mit Alkoholkonsum in Verbindung. ….

Weil in diversen Studien positive Effekte von mässigem Alkoholkonsum auf Diabetes oder die Erkrankung der Herzkranzgefässe festgestellt wurden, rechneten die Forscher dies gegen die negativen Folgen. «Insbesondere der starke Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und dem Risiko von Krebs, Verletzungen und Infektionskrankheiten gleicht die schützenden Wirkungen für Erkrankungen der Herzkranzgefässe bei Frauen in unserer Studie aus», so die Forscher.

Zehn Gramm Alkohol pro Tag – dies entspricht einem Glas Wein – erhöhen das Risiko, eine alkoholbedingte Krankheit zu bekommen, demnach um 0,5 Prozent. Bei 20 Gramm pro Tag steigt das Risiko bereits um 7 Prozent und mit jeder täglichen Alkoholeinheit mehr wird es höher.

Quelle: Radio srf, 24.8.2018

Kommentar: Ob die in Bern diese Meldung auch hören und, ihr eigenes Konsumverhalten vergessend, einmal für die Volksgesundheit politisieren können?

Kommentar nach der Sendung:

Nach einer kurzen Einführung zum Inhalt einer grossen internationalen Studie über die gesundheitlichen Risiken auch bei mässigem Alkoholgenuss wurde ein Ethiker der Uni Zürich als einziger zu seiner Meinung über die Studie befragt, die in der renommierten Fachschrift „The Lancet“ erschienen war.

Obwohl er sich als Nicht-Fachmann bezeichnete, erhielt er die ganze restliche Sendezeit, um seine Sicht über den Wert des mässigen Konsums zu verbreiten. Damit stellte er sich völlig gegen die Aussagen der vorgestellten Untersuchung und  blieb der seit vielen Jahren durch die Alkoholindustrie verbreiteten These treu, dass mässiger Alkoholkonsum  unbedenklich – ja sogar gesund –  sei.

Alkohol ist nicht nur ein abhängig machendes Rauschgift, es ist sozialmedizinisch die gefährlichste aller Drogen. Das wird gerne unterschlagen. Politiker und Wissenschaftler  kämpften deshalb für präventive Massnahmen,  die heute immer mehr abgeschafft werden. Der Konsum gehe ja zurück. Dabei steigt der Risikokonsum. Und über 100‘000 Kinder müssen bei uns in alkoholbelasteten Familien aufwachsen.

Beschwerde an den Ombudsmann für Radio und Fernsehen am 30.8.18

Die Sendung hat die sehr wichtige Studie einseitig präsentiert und ihren Wert für die Gesellschaft völlig ausgeblendet. Statt dass auch eine ausgewiesene Präventionsfachperson beigezogen wurde, erhielt der Hörer nur eine einseitige Privatmeinung zu hören, die dem wichtigen Thema bei weitem nicht gerecht wurde. Auf Grund der Sendung sich nun eine eigene fundierte Meinung zu bilden, war dem Laien nicht möglich.

 PS

Mein Bemühen, auf der Webseite einen Kommentar einzureichen, wurde mit technischen Tricks unterbunden. Ich habe den Kundendienst informiert, mit nichtssagender Antwort.

 

Kategorie: Allgemein, Diverse, Gesundheit, Medizin | Keine Kommentare »

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