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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für Juni 2021

Leserbrief nochmals zum Thema kontrolliertes Trinken

Samstag 12. Juni 2021 von htm

7.06.2021

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu “Das Unweigerliche am ersten Glas ist das zweite” vom 7.6.21

Es ist eigentlich müssig, über die Kosten des kontrollierten Trinkens zu fachsimpeln. Wesentlich sind doch vielmehr die Kosten und die menschlichen Kolateralschäden, die während diesen langen Therapiephasen entstehen. Und diese sollten auf alle Beteiligten grossen Druck ausüben, doch wenn immer möglich die Abstinenz anzupeilen. Am besten mit gleichzeitiger Begleitung in einer Selbsthilfe- oder Abstinentengruppe.

Kontrolliertes Trinken heisst nichts anderes als weitertrinken, in an- und absteigenden Wellen. Das kann ein ganzes Leben dauern. Das kann heissen, auf alle bekannten Arten im Zusammenhang mit Alkohol straffällig werden: Eine Firma in den Ruin treiben, mehrere Ehen zerstören, den Kindern eine grauenvolle Kinder- und Jugendzeit bescheren, häusliche, öffentliche und sexuelle Gewalt. Die Rolle des Alkohols wird oft heruntergespielt, tabuisiert. Unser legales Suchtmittel muss weiter gewinnbringend verkauft werden können.

Und jetzt wird gross diskutiert, wie an Suchttherapien besser gespart werden könnte, bei ein paar tausend Personen pro Jahr, wo es doch gegen 300’000 Alkoholkranke und über 100’000 Kinder und Jugendliche in alkoholkranken Familien in der Schweiz gibt. Die Frage müsste doch lauten: Wie verbessern wir die Alkoholprävention im Einklang mit der WHO,  dass diese Tragödien nicht erst entstehen müssen. Leider haben unsere Politiker und Politikerinnen während der letzten Jahrzehnte mit einer unsäglichen Alkoholpolitik genau des Gegenteil vollbracht.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(ohne Änderung am 12.6.21 veröffentlicht)

Kategorie: Allgemein, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Kinder, Leserbriefe, Medien, Politik, Prävention, Rehabilitation, Schweiz, Sozialkosten, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Leserbrief zu Studie über die Wirksamkeit der Arbeit von Alkoholfachstellen

Samstag 5. Juni 2021 von htm

3.06.2021

e-mail Redaktion ZOL

Per e-mail

Leserbrief zu „Alkoholfachstellen bremsen Studie aus“ vom 2.6.21

Der Autor der Studie über die Effizienz von Alkoholtherapien, Martin Sieber, bringt es auf den Punkt: „Das Resultat passte den Fachstellen nicht. Es ist politisch zu heikel“. Was er mit Zahlen belegt, könnte jeder und jede mit etwas gesundem Menschenverstand und etwas Kenntnis des Themas Alkohol auch herausfinden.

Als in den 1990er-Jahren die grosse Alkoholliberalisierungswelle über unser Land hinwegschwappte, suchte man nach neuen, niederschwelligen Angeboten, um therapiewilligen Alkoholkranken den Gang zur Alkoholberatung zu erleichtern. Das Therapieziel „kontrolliertes Trinken“ versprach Besserung ohne totale Abstinenz. Und war vielen hochwillkommen. Wer will sich schon freiwillig ins gesellschaftliche Abseits stellen, wenn es auch anders geht!  Leider funktioniert es, wie vorauszusehen war, mehrheitlich nicht.

Dass diese Entwicklung politisch heikel ist, kann gut nachvollzogen werden. Die Politik sieht es nicht gerne, wenn die Ergebnisse ihrer unsäglichen Alkoholpolitik der letzten Jahrzehnte ans Tageslicht kommen. Aber keine Angst, genau so, wie die vom Bundesrat mitunterzeichneten Empfehlungen der WHO für eine Globale Alkoholstrategie in den Berner Schubladen verschwanden, genau so wird auch diese Untersuchung kaum positive Folgen haben. Und die ach so ehrlichen und kritischen Medien werden wieder die Tabu-Politik weiterführen und schweigen.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(Am 5.6.21 gekürzt veröffentlicht)

Kategorie: Abhängigkeit, Allgemein, Gesundheit, Leserbriefe, Medien, Politik, Prävention, Rehabilitation, Schweiz, Veröffentlichungen, Verschiedene, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie | Keine Kommentare »

Gastkommentar zu Artikel in der NZZ zum dänischen Film Druk

Freitag 4. Juni 2021 von htm

Der Kater kommt auf leisen Sohlen 

NZZ vom 10.5.2021 

Brillant hat Redaktor Bühler das Geschehen im neuesten dänischen Film „Druk“ beschrieben. Man bekommt eine gute Präsentation dessen, was das Werk des Regisseurs Vinterberg vermitteln will, und das Bild des saufenden Lehrers mit seiner Schülerschar im Zentrum der Seite ergänzt den Text anschaulich. Aspekte verschiedenster Art werden beleuchtet, und das Bemühen, nebst den hochgejubelten Wirkungen des Alkoholgebrauchs auch die negativen Folgen zu erwähnen, ist einigermassen zu erkennen.

Trotzdem bleibt ein ungutes Gefühl. Man fragt sich unwillkürlich, ob wirklich der Stellenwert der beiden Gegenpole realistisch und ausgewogen gewichtet wurde. Ein bisschen Spass und Animation durch berauschende Getränke – das tönt harmlos, aber allein in der kleinen Schweiz beispielsweise leben rund 250000 Alkoholiker, bei denen, um die Worte Bühlers zu benützen, „das Drama seinen Lauf“ genommen hat. Den betroffenen Familien und ihrem Umfeld wird immenses Leid zugefügt, und diese Leute werden das Hochlebenlassen des Alkohols zweifellos als bitteren Hohn empfinden. Bei „Man kann (und soll) sich einen Tag schöntrinken“ hätte Bühler deshalb meines Erachtens die zwei Wörter in Klammer besser weggelassen.

Hans-Peter Köhli, Zürich

(mit Kürzungen veröffentlicht)

(mit freundlicher Erlaubnis des Autors)

Kategorie: Alkoholkrankheit, Allgemein, Feste und Feiern, Geschichten, Internationales, Kultur, Leserbriefe, Medien, Veröffentlichungen | Keine Kommentare »

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