Archiv für die Kategorie 'Verhältnis-Präv.'
Mittwoch 23. Oktober 2019 von htm
12.10.2019
Neue Zürcher Zeitung
Redaktion Leserbriefe
8001 Zürich
Per e-mail
Es freut mich sehr, dass Herr Gmel den Jellinek-Award erhalten hat. Ich möchte ihm auf diesem Weg dazu herzlich gratulieren. Er ist einer der wenigen Fachleute, die bei diesem so wichtigen Thema geblieben sind, obwohl dabei kaum Lorbeeren zu ernten sind. Sehr viel Knowhow ist in den letzten zehn Jahren so verloren gegangen. Die geballte Macht der Alkohollobby hat Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dermassen in Geiselhaft genommen, dass nur ausnahmsweise (wie hier) über die negativen Seiten des Alkohols berichtet wird.
Der im Interview ein wenig auftauchende Gegensatz zwischen Wissenschaft und Präventionsfachleuten ist erklärbar: Seit der Einführung der 0,5 Promillegrenze und der Alcopop-Steuer ohne wirksame Begleitmassnahmen wurden praktisch alle möglichen präventiven Schritte abgewürgt und bestehende, altbewährte Massnahmen aufgehoben. Das hat viele Fachleute gezwungen, neue Wege der Prävention stärker zu betreiben, d.h. weg von der Verhältnis- hin zur Verhaltensprävention, die leider nur wenig erreichen kann.
Seriöse Wissenschafter auf dem Gebiet des Alkohols sind sich natürlich über die Wirksamkeit möglicher Gegenmassnahmen im klaren. Sie haben ja, wie Herr Gmel, zu den Vorbereitungen zur WHO-Resolution von 2010 in Genf über eine globale Alkoholstrategie beigetragen. Dass die Schweiz als Mitunterzeichnerstaat, diese Resolution in den Schubladen verschwinden liess, ist nur die Bestätigung des oben erwähnten Zustandes.
(veröffentlicht am 22.10.2019)
Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Dokumente, Gesundheit, Internationales, Jugend, Jugendliche, Leserbriefe, Medien, Politik, Schweiz, Statistik, Verhaltens-Präv., Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie |
Keine Kommentare »
Mittwoch 21. August 2019 von htm
21.8.2019
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich
Per e-mail
Leserbrief zu „Gegen Alzheimer kann man was tun“, Tages-Anzeiger vom 20.8.19
„Auf den Blutdruck achten, nicht rauchen, Übergewicht vermeiden – mit solchen und weiteren Massnahmen kann man einer Demenzerkrankung vorbeugen…“ Drei grosse aktuelle Studien sollen dies belegen.
Erstaunlich nur, dass auf der ganzen Artikelseite der bedeutende Risikofaktor Alkohol mit keinem Wort erwähnt wird. Ganz anders als im Artikel vom 7. Mai 2018 in dieser Zeitung, wo es in der Überschrift hiess: „Alkohol schlägt auch aufs Gehirn. Wer immer wieder zu viel trinkt, erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, später an Demenz zu erkranken. Helfen könne nur Prävention – und eine höhere Steuer auf alkoholische Getränke.“
Weiteres Zitat aus jenem Artikel: „Eine der grössten Studien zu diesem Thema kommt nun zum Schluss: Starker Alkoholkonsum wird als Risikofaktor für Demenz deutlich unterschätzt. «Alkohol sollte als einer der Hauptrisikofaktoren für alle Arten von Demenz anerkannt werden», fordert Michaël Schwarzinger von der Universität Paris Diderot und Mitautor der Studie, die kürzlich im Fachblatt «Lancet Public Health» erschienen ist. Dreifach erhöhtes Risiko In ihrer landesweiten Beobachtungsstudie werteten die Forscher die Krankenakten von mehr als 31 Millionen Franzosen aus, die zwischen 2008 und 2013 in französischen Krankenhäusern behandelt worden waren. Die Daten zeigen: Männer oder Frauen, die regelmässig viel Alkohol trinken, haben ein dreifach höheres Risiko, an einer Demenz zu erkranken als der Durchschnitt. Bei jenen, die früh an einer Demenz erkranken, also vor dem 65. Lebensjahr, tranken mehr als die Hälfte, nämlich 57 Prozent, regelmässig viel Alkohol. …“
Warum Alkohol in den neuen Studien oder vom Artikelschreiber ausgeklammert wurde, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht aus dem selben Grund, der dazu geführt hat, dass vor rund hundert Jahren der damalig führende Alkoholforscher, Prof. Dr. Auguste Forel, von seinen Professoren-Kollegen aus der Uni Zürich weggemobbt worden war.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
Effretikon
Link zum Artikel: https://www.tagesanzeiger.ch/zeitungen/alkohol-schlaegt-auch-aufs-gehirn/story/20283875#mostPopularComment
Link zu meinem veröffentlichten Leserbrief: https://www.alkoholpolitik.ch/2018/05/09/leserbrief-zu-alkohol-schlaegt-auch-aufs-gehirn/
(nicht veröffentlicht, Anfrage beim Tages-Anzeiger-Ombudsmann am 29.8.19)
Kategorie: Alkoholkrankheit, Allgemein, Alter, Gesundheit, Leserbriefe, Medien, Politik, Senioren, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen |
Keine Kommentare »
Mittwoch 21. August 2019 von htm
5.8.2019
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich
Per e-mail
Leserbrief zu „Zürich schampar joli an der Fête des Vignerons in Vevey“, Tages-Anzeiger vom 5.8.19
Man lese und staune: Unsere Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh, die Liberale von der Partei mit der Eigenverantwortung, bei der das Recht auf Rausch zu den zivilisatorischen Grundwerten zählt, bekennt sich (wahrscheinlich zum ersten Mal) zur Prävention. Sie rät der andächtig zu ihr aufschauenden Bevölkerung: „Wichtige Geschäfte soll man immer zweimal besprechen – zuerst betrunken und dann nüchtern“.
Warum fällt mir da sofort die Affäre ihres Parteikollegen BR Cassis ein mit dem Tabaksponsoring für den Schweizer Pavillon an der nächsten Weltausstellung? Nur muss da die zweite Besprechung erst nach den empörten Protesten stattgefunden haben. Verzögert sich die Einigung mit der EU wohl auch deshalb, weil die Schweizer Verhandlungspartner immer noch bei der ersten Besprechung stehen geblieben sind?
Unserer Regierungspräsidentin gebührt jedenfalls grosser Dank für diesen Einblick in die politischen Meinungsbildungsprozesse. Dass Alkohol dabei eine wichtige Rolle spielt, wissen wir zwar schon lange, aber von so kompetenter Stelle wurde uns dieser Sachverhalt noch kaum je erläutert.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
Effretikon
(nicht veröffentlicht)
Kategorie: Allgemein, Andere Drogen, Europaparlament / EU-Kommission, Feste und Feiern, Geschichten, Kultur, Leserbriefe, Medien, Politik, Prominenz, Schweiz, Veranstaltungen, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Zitate |
Keine Kommentare »
Sonntag 27. Januar 2019 von htm
18.1.2019
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich
Per e-mail
Leserbrief zu „Die gosse Trockenheit“ am 17.1.19
Ein grosses Kompliment an Berit Uhlmann, die wahrscheinlich als Erste im Tages-Anzeiger einen ausgewogenen Bericht über die Alkohol-Prohibition in den USA gewagt und geschrieben hat. Man könnte direkt denken, dies sei ein Produkt der neuen Ehrlichkeit eines verantwortungsbewussten Journalismus.
Es wäre interessant zu wissen, wie viele Fälle von Leberzirrhose in absoluten Zahlen vermieden werden konnten. Es heisst „die Hälfte“. Dazu müsste man noch die vielen andern Erkrankungen rechnen, vor allem Krebs, die vom Alkohol verursacht wurden, was man damals noch nicht wusste.
Die drei Lehren, die das NIAAA damals zog, gelten auch heute noch: Die wirksamsten Massnahmen, den Alkoholkonsum (und damit die alkoholbedingten Schäden) zu reduzieren sind steigende Preise und die Einschränkung der Verfügbarkeit. Diese anzuwenden wären eigentlich alle WHO-Mitgliedsländer moralisch verpflichtet. Damals haben die Politiker die Prohibition aufgehoben, um den Staat zu schonen und ihm die Steuermilliarden wieder zu schenken, auf Kosten der Volksgesundheit. Heute schonen die Politiker in der Schweiz die milliardenschweren Alkoholmultis auf Kosten der Volksgesundheit und der Öffentlichkeit, welche die Alkoholschäden trägt.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
Effretikon
(nicht veröffentlicht)
Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Alkoholsteuern, Allgemein, Erhältlichkeit, Gesundheit, Gewalt/Kriminalität, Internationales, Leserbriefe, Medien, Politik, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie |
Keine Kommentare »
Freitag 21. September 2018 von htm
21.09.2018
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich
Per e-mail
Betr. Meinungen
Leserbrief zu „Kulturverlust durch Abstinenz? Aber nein! Vom 21.9.2018
Um auf die Frage im Titel genauer zu antworten: Aber nein, sonst hätte die Mehrheit der Erdenbewohner keine Kultur! Und unsere alkoholische Scheinkultur wäre das Mass aller Dinge.
Zum Glück lesen die meisten Leute nur das Fettgedruckte. Immerhin hat Redaktor Hesse im ersten Teil richtige Fakten aufgetischt, aber gegen den Schluss wird er richtig komisch-ironisch. Damit bedient er die offenbar jetzt angesagte Masche, das Alkoholproblem zu verharmlosen. Jetzt, wo die Fakten derart erdrückend wurden, macht man sich lustig und verdeckt das bisherige Versagen.
Dazu wird das Schreckgespenst der totalen Nüchternheit als Ziel von WHO und EU-Kommissär an die Wand gemalt. Dabei war und ist das Ziel der Suchtprävention immer die Reduktion der suchtbedingten Schäden. Das kann erreicht werden, indem möglichst viele Massnahmen grossflächig getroffen werden, die den Konsum senken. Erstmals hat die WHO an ihrer Generalversammlung im Mai 2010 mit ihrer einstimmig verabschiedeten Globalen Alkohol Strategie die wirkungsvollsten Möglichkeiten für eine Konsumreduktion aufgelistet. Dies nach jahrelangen Verhandlungen auch mit der Alkoholindustrie auf allen Kontinenten. Die Schweiz hat mitunterzeichnet und den Beschluss sofort schubladisiert.
Die im Text erwähnte Konsumminderung ist natürlich nicht von selbst eingetreten. Während des ganzen letzten Jahrhunderts tobte ein dauernder Kampf zwischen der Alkoholindustrie, ihrer Lobby in Parlamenten, Regierungen und Medien und der Gesundheitslobby verschiedenster Schattierungen. Einiges wurde erreicht, einiges wurde in diesem Jahrhundert wieder aufgegeben. Begründung: Der Konsum geht ja zurück. Dabei wird verschwiegen, dass der Risikokonsum steigt. Die Schäden sind nach wie vor vorhanden. Von denen spricht niemand.
Bei der Untersuchung der Lebenszufriedenheit wurden sicher nicht die Opfer des übermässigen oder fahrlässigen Alkoholkonsums befragt: Die leidenden Ehepartner, die über 100‘000 Kinder und Jugendlichen in alkoholbelasteten Familien, die vergewaltigten Frauen, die ungeliebten, im Rausch erzeugten Kinder, die Hinterbliebenen von Gewalt- und Unfallopfern, die Invaliden, die Krebskranken, die sexuell ausgebeuteten, die von Hooligans verletzten Polizisten und Rettungsmannschaften, ganz zu schweigen von den Milliarden Franken, die uns diese Droge jährlich kostet. Sie ist die gefährlichste, wenn man ihre gesellschaftliche Relevanz mitberücksichtigt.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
Effretikon
(nicht veröffentlicht)
Siehe auch WHO Global Status Report on Alcohol and Health 2018
Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Europaparlament / EU-Kommission, Gewalt/Kriminalität, Internationales, Jugend, Kinder, Kultur, Leserbriefe, Medien, Parlamente/Reg., Politik, Prävention, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Verhältnis-Präv., Verkehr, Veröffentlichungen, Verschiedene, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie |
Keine Kommentare »
Sonntag 13. Mai 2018 von htm
11.5.2018
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich
Per e-mail
Sehr geehrte Leserbrief-Redaktion,
Vielen Dank, dass Sie meinen Leserbrief heute fast ungekürzt gebracht haben. Als Gegengewicht haben Sie einige Online-Kommentare aus der Internet-Ausgabe übernommen. Es wäre positiv, wenn Sie eine Erwiderung auf diese Kommentare mit nachfolgendem Text zuliessen. Besten Dank!
Leserbrief zu Leserbriefen über„Alkohol schlägt auch aufs Gehirn“, vom 7.5.18/11.5.18
In unserer Zeit der Fake-News sollte es möglich sein, auch auf einer Leserbriefseite gewisse Äusserungen richtigzustellen.
Bereits der Titel stimmt leider in dieser absoluten Form nicht. Will man die Alkohol-Schäden auf Landesebene verringern, geht es kaum ohne Verbote und Preisinterventionen. Das ist Prävention, wenn der Einzelne Einschränkungen auf sich nimmt, um dem Gesamtwohl zu dienen. Was schon lange bekannt war, hat die WHO 2010 in ihrer einstimmig angenommenen Resolution über eine globale Alkoholstrategie dargestellt: Die drei wirksamsten Massnahmen zur Schadensbekämpfung sind die Verteuerung der Produkte, die Einschränkung der Verfügbarkeit und die Reduzierung der Werbung; in dieser Reihenfolge.
Das Beispiel Skandinavien, das oft als Gegenbeweis angeführt wird, ist nicht stichhaltig. Dort herrscht eine andere Trinkkultur als in Mitteleuropa. Der Gesamtkonsum ist trotz dieses Alkoholtourismus‘ etwa gut halb so hoch wie bei uns, die Schäden sind entsprechend geringer. Die grosse Mehrheit ist eben sehr mässig beim Alkoholkonsum. Als die EU Schweden zwang, die Alkoholsteuern zu senken, sind die Schäden sprunghaft angestiegen.
Ob jemand länger leben will oder nicht, hat mit der Alkoholfrage nur indirekt zu tun. Das ist wirklich Privatsache. Für mich ist klar, wer lebenslang alkoholfrei lebt, hat eine grosse Chance lange und mit klarem Geist leben zu können. Eine Freundin hatte mit 97 Jahren genug, einer wurde auch diesen Frühling 100 Jahre alt, zwei werden es hoffentlich nächstes Jahr und alle bei frischem Geiste. Andererseits muss auch klargestellt sein, dass Untersuchungen immer nur Mittelwerte hervorbringen, die Abweichungen in beide Richtungen zulassen.
Herr Schrader hat offenbar den Artikel über die Studie nicht gelesen, dort steht der von ihm vermisste Hinweis drin. Herr Zulli würde gern wissen, wer die Studien finanziert hat. Bei den angeblich 50% gesundheitspositiven Untersuchungen zum Weinkonsum kann er dreimal raten. Dazu kann er noch die ausscheiden, bei denen die Auswahl der sogenannt abstinenten Kontrollgruppen manipuliert worden ist.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
Effretikon
(nicht veröffentlicht)
Kategorie: Alkoholsteuern, Allgemein, Erhältlichkeit, Forschungsbetrug, Gesundheit, Internationales, Leserbriefe, Medien, Medizin, Preisgestaltung, Reklame, Schweiz, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Weltgesundheits-Org., Werbung, WHO globale Alkohol-Strategie |
Keine Kommentare »
Mittwoch 9. Mai 2018 von htm
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich 7.5.2018
Per e-mail
Leserbrief zu „Alkohol schlägt auch aufs Gehirn“, vom 7.5.18
Schon seit Prof. Bunge, 1888 in seiner Antrittsvorlesung über Alkohol, an der Uni Basel oder Prof. Forel an der Uni Zürich hat es auch bei uns viele Untersuchungen über Alkohol und Gesundheit gegeben. Sowohl in den Medien wie in der Politik meist mit wenig Resonanz. Nun kommt noch der Zusammenhang mit den Demenzerkrankungen dazu. Erfreulich, dass der Tagi darüber berichtet.
Bei der WHO spricht man von ca 60 Krankheiten, die durch Alkohol bedingt oder mitbedingt sind. Ob die neuen Erkenntnisse nun unsere bürgerlichen, wirtschaftsfreundlichen PolitikerInnen bewegen wird, ihre Haltung in Bezug auf die Prävention zu ändern? Sie werden laufend von so vielen kleineren Problemchen und dem nächsten Wahlkampf absorbiert, dass sie leider keine Kraft haben, unser grösstes sozial-medizinisches Problem ernsthaft anzupacken. Es gibt natürlich auch andere Gründe für ihre diesbezügliche Passivität: Im Ausland spricht man z.B. von Korruption, wenn sich Politiker von Lobbyisten vereinnahmen und das Gehirn waschen lassen. Bei uns von fehlender Transparenz und geht zur Tagesordnung über. Auch bei Politikern kann Alkohol aufs Gehirn schlagen.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
Effretikon
(veröffentlicht mit kleiner Kürzung am 11.5.18)
Kategorie: Alkoholkrankheit, Allgemein, Forschung, Früherkennung, Gesundheit, Internationales, Leserbriefe, Medien, Medizin, Politik, Prävention, Schweiz, Senioren, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Vorsorge |
Keine Kommentare »
Dienstag 20. Februar 2018 von htm
Betr. Migros-Magazin vom 19.2.2018
Von der Redaktion ohne Prüfung abgeblockt. Offenbar bin ich auf einer schwarzen Liste.
Unnützes Wissen
Manchmal kann es nützlich sein, z.B. bei den „Bierideen“ dieser Kolumne in der Ausgabe des Migros-Magazins vom 19.2.18, darüber etwas mehr zu wissen.
Alkoholfreies Bier enthalte in Deutschland bis 0,5 Volumenprozent Alkohol. Das ist bei uns nicht anders und betrifft auch andere alkoholfreie Getränke. „Trockene“ Alkoholkranke haben deshalb Hemmungen, alkoholfreies Bier zu trinken.
Brauereiarbeiter erhalten in Bayern pro Woche 18 Liter Gratis-Bier als Teil ihres Lohnes. Das sind etwa 8 Gläser pro Tag. In der Schweiz gilt die Empfehlung von 2 – 3 Gläsern pro Tag für Männer bei wenn möglich 1 – 2 Abstinenztagen pro Woche. Mit 8 Gläsern pro Tag kann längerfristig die Alkoholabhängigkeit der Arbeiter und ihre Markentreue erreicht werden. Vielleicht verschenken oder verkaufen sie einen Teil, wenn sie das nötige Wissen besitzen.
In Südafrika erhielten die Arbeiter der Weinfarmen zur Zeit der Apartheid Wein als einen Teil des Lohnes. Als dieses „Tot-System“ bekannt wurde, erhob sich ein ziemlicher Aufruhr. Wie steht es wohl damit bei Bier und Wein heute in der Schweiz?
In brasilianischen Fussballstadien werde kein Bier verkauft. Dazu sollte man wissen, dass während der Fussball-WM in Brasilien die FIFA nach hartem Kampf erreicht hatte, dass diese Regel ausgesetzt wurde. Die Bier-Sponsoren hatten darauf bestanden und den Souverän zur Kapitulation gezwungen. In der Schweiz beugen sich die Parlamente permanent der Alkohollobby. Seltene Ausnahmen bestätigen die Regel.
Kategorie: Alkoholfreies, Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Allgemein, Arbeitsplatz, Gesundheit, Internationales, Leserbriefe, Medien, Politik, Schweiz, Sport, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Werbung |
Keine Kommentare »
Mittwoch 27. Dezember 2017 von htm
15.12.2017
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich
Per e-mail
Leserbrief zu „Die Migros, die Alkohol verkauft“ vom 14.12.2017
Seit 10 Jahren verkauft die Migros, wie berichtet wird, in der Genossenschaft Aare mit Hilfe des Franchisekonzepts in ihren Voi-Läden Alkohol und Tabak. Letzte Woche wurde die 30. Filiale eingeweiht. Nach den Zukäufen von Globus und Denner und den Migrolino Filialen ein weiteres Beispiel, wie die heutigen Migros-Manager das Erbe von Gottlieb Duttweiler missachten.
Nachdem ehemalige Brauerei-Verwaltungsräte in der Migros mitbestimmen, musste man damit rechnen, dass der Drang nach Grösse und Umsatz und der Konkurrenzkampf mit Coop um die Nummer eins in der Schweiz je länger je mehr in Richtung Alkohol und Tabak zielt. Lange Zeit konnte Adele Duttweiler und ihre Stiftung einen gewissen Widerstand leisten. Leider ist sie 1990 gestorben.
Dazu kommt, dass der Gedanke der Gesundheitsprävention in Bezug auf Alkohol und Tabak trotz ewig steigender Krankenkassen-Prämien sowohl in der Bevölkerung wie im Parlament stetig abnimmt.
Weichgeklopft durch jahrzehntelange Alkohol- und Tabakwerbung, regelmässiger Alkoholwerbung im Textteil der Medien, auch im Migros-Magazin, Liberalisierung oder Abschaffung wichtiger Gesetze der Alkoholprävention, laufender Verbilligung der Alkoholika in den Läden, die heute gemessen an den Löhnen ein Vielfaches weniger kosten als vor Jahrzehnten – all dies hat dazu geführt, dass die Bevölkerung und das Parlament nicht mehr verstehen, welche Bedeutung eine wirksame Alkoholpolitik für unser Land hat. Sogar die Kirchen schenken an ihren Anlässen Alkoholika aus und haben zum Teil einen eigenen Rebberg und Produktionsstätten, um ihre Schäfchen bei Laune zu halten.
Migros und Coop geben sich zwar Mühe, mit Bio- und andern Labels unsere gesunde Lebensweise zu unterstützen. Mit Alkohol und Tabak tragen sie leider viel dazu bei, unserer Gesundheit und unserer Gesellschaft zu schaden.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
Effretikon
(nicht veröffentlicht)
Kategorie: Allgemein, Erhältlichkeit, Feste und Feiern, Konsumhaltung, Leserbriefe, Neues Präventionsgesetz CH, Politik, Religion und Alkohol, Schweiz, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Werbung, Wirtschaft |
Keine Kommentare »
Mittwoch 22. November 2017 von htm
SVP-Nationalrat Claudio Zanetti verlangt in der Parlamentarischen Initiative «Aufhebung der diskriminierenden Biersteuer» die Aufhebung des Bundesgesetzes vom 6. Oktober 2006 über die Biersteuer. Er begründet die Forderung damit, dass die Biersteuer eine völlig willkürlich erhobene Steuer sei. Eine vergleichbare Steuer auf Wein, der einen höheren Alkoholgehalt aufweise, existiere nicht. Eine steuerliche Entlastung wäre zudem eine Anerkennung der Leistungen der Schweizer Brauereien und würde diese ermutigen, «… den Markt und die Kundinnen und Kunden weiterhin mit ihren ausgezeichneten Innovationen zu beleben und zu erfreuen.»Für den Fachverband Sucht ist die Parl. Initiative nach der Annahme der Motion «Für gleich lange Spiesse» (siehe weiter unten) ein weiterer Schritt zur Deregulierung des Alkoholmarktes, die bürgerliche Politiker derzeit zulasten der Prävention gezielt vorantreiben. Der Fachverband Sucht erarbeitet derzeit Strategien, um dieser neuen Parl. Initiative wirksam zu begegnen.
Quelle: Fachverband Sucht
Kommentar: Das wäre der richtige Moment, in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der WHO, eine seit langem fällige Weinsteuer einzuführen.
Kategorie: Alkoholsteuern, Allgemein, Politik, Schweiz, Verhältnis-Präv., Verschiedene |
Keine Kommentare »