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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Schweiz'

Leserbrief zur Kulturgeschichte des Alkohols

Samstag 13. Juli 2013 von htm

09.07.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief  zu „Die mächtigste Droge der Welt“ vom 9.7.13

Rechtzeitig, das Parlament und seine Kommissionen beraten gerade das neue Alkoholgesetz, widmet der Tagi dieser Buchbesprechung eine volle Seite. Obwohl einer der wichtigsten Sätze des Textes lautet: „Zur Kultur des Alkohols gehört die Verdrängung seiner Folgen,“ werden diese Folgen kaum erwähnt, und am Ende steht als Quintessenz der Slogan: „Nüchternheit wird überschätzt.“

Vielleicht kommt Jean-Martin Büttner auf Grund der von ihm erwähnten Leistungen von Winston Churchill (dessen Werke ich bewundernd gelesen habe)  zu diesem merkwürdigen Schluss? Oder findet er, wir sollten, wie die alten Römer, unser Trinkwasser wieder mit Alkohol desinfizieren? Jedenfalls wird Cäsars Befehl an seine Soldaten als einziges Zitat fett herausgehoben.

Diese Kulturgeschichte des Alkohols in Kurzform glänzt vor allem durch seine Auslassungen. Zum Beispiel begann der internationale Kampf gegen den Alkoholismus u.a. auch in der Schweiz, wo in den 1880er Jahren ein grosser Kongress von Wissenschaftern unter Leitung unseres Prof. August Forel in Zürich stattfand oder an der Uni Basel, als Prof. Bunge seine Antrittsvorlesung zum Alkoholproblem hielt. Seine Folgerung u.a. hiess zusammengefasst: „Die Mässigen sind die Verführer.“ Auch heute noch bedenkenswert.

Die Frauen, die sich um die Jahrhundertwende so vehement für mehr Nüchternheit einsetzten, die „Suffragetten“, erkämpften sich in den englischsprachigen Ländern nicht nur alkoholeinschränkende Gesetze, sondern auch das Frauenstimmrecht. Weil bei uns geschickte liberale(!) Politiker eine Alkoholgesetzgebung im Parlament durchbrachten, wurde den Frauen der Wind aus den Segeln genommen. So mussten sie noch lange auf ihr Stimmrecht warten.

Ist diese Buchbesprechung nun wertvoll für die laufenden parlamentarischen Diskussionen? Weder werden die Folgen für unsere Gesellschaft aufgezeigt noch mögliche Gegenmassnahmen auf ihre Tauglichkeit geprüft. Wahrscheinlich war dies auch nicht beabsichtigt. Viel eher ein Versuch, die schweren wirtschaftlichen und leidvollen Folgen zu verharmlosen, damit ja nicht Druck auf das Parlament für mehr wirksame Gegenmassnahmen aufkommen kann. Die Alkoholwirtschaft mit ihrer mächtigsten Droge der Welt und ihre befreundeten Lobbies werden danken. Eben wurde der internationale Bericht über Korruption veröffentlicht. Fast jeder 10. Schweizer sei involviert. Wurde wohl das Thema Alkoholpolitik auch untersucht?

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

(Ungekürzt veröffentlicht am 12.7.2013)

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Kultur, Leserbriefe, Medien, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Schweiz, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene | Keine Kommentare »

Leserbrief betr. häusliche Gewalt und Alkohol

Freitag 24. Mai 2013 von htm

22.05.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Sie sind randvoll, wenn „es“ passiert“ am 22.5.13

Bei fast jedem zweiten Fall von häuslicher Gewalt ist Alkohol im Spiel. Aber 70% der Täter geben an, bei ihnen gäbe es kein Alkoholproblem. Im ganzen Artikel fällt kein Wort zu den in diesen Familien lebenden Kindern. Sie sind die eigentlichen Opfer. Sie können sich nicht wehren, können nicht davonlaufen. Allein in der Schweiz gibt es deren über 100‘000. Es soll jetzt ein 24-Std. Notruf eingerichtet werden. Kostenpunkt bis zu drei Millionen Franken. Prävention soll es ab 2014 geben. Vielleicht wieder einmal eine schöne, nichts bringende, teure Plakatkampagne?

Bei den Kindern der Landstrasse und bei den Verdingkindern hat sich der Bundesrat für frühere Generationen entschuldigt. Die riesige Not der Millionen von Kindern nur schon der letzten 100 Jahre lässt ihn kalt. Er müsste ja selber eine charakterliche Kehrtwende vollbringen, wirksame Massnahmen einleiten, und dafür fehlt ihm der Mut.

Die Eisenbahner wehren sich, die Polizeigewerkschaften, das Spitalpersonal; das Hooliganproblem wird seit Jahren hin- und hergeschoben. Die Gewaltbereitschaft junger Männer im Ausgang hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. (TA 19.2.13) Seit 2001 hat sich die Zahl der Rettungseinsätze wegen Komatrinken und Flatratesaufen in Zürich von unter 25-Jährigen verdoppelt.(TA 2.2.13) Die Milliarden Franken Sozialkosten steigen laufend. usw. Nichts Wirksames passiert, denn der Bundesrat hält es nicht für nötig, auf die Schäden zu schauen. Er verweist auf den 20-prozentigen Konsumrückgang bei alkoholischen Getränken innert 20 Jahren. Mehr darf der Alkoholindustrie nicht zugemutet werden. Er schlägt auch die dringenden Ermahnungen und Vorschläge der WHO in den Wind und verhindert, dass die Bevölkerung davon erfährt. (WHO-Resolution für eine globale Alkohol-Strategie, Mai 2010)

Dafür wird laufend weiter liberalisiert. Das neue Spirituosengesetz führt dazu, dass die Schnapssteuern massiv sinken (gegen 50%) und den Gewinn-Anteil der AHV und den der Kantone für den Alkoholzehntel schmerzhaft reduzieren werden. (TA 8.5.13) Aus dem Alkoholzehntel werden Massnahmen in Prävention und Rehabilitation finanziert. Muss nun der Steuerzahler oder der Konsument mit der Mehrwertsteuer dafür herhalten?

Jetzt hat der Bundesrat anlässlich der Eröffnung der Generalversammlung der WHO in Genf die WHO dringend aufgerufen, den Worten Taten folgen zu lassen. – Bei der Bekämpfung der nichtübertragbaren Krankheiten. Ob er den Witz bemerkt hat? Zu den bedeutendsten nichtübertragbaren Krankheiten zählen die alkoholbedingten. Die WHO nennt um die 60!. Den andern Lehren erteilen und selber das Gegenteil tun? Er kann es sich leisten, denn die Medien klären die Bevölkerung ja nicht auf und die Parlamentsmehrheit ist noch wirtschaftsabhängiger als er selber.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon

PS

Dies ist seit Sommer 2012 der sechste Leserbrief, die fünf vorherigen wurden nicht veröffentlicht. Verlagsorder? Ihr Ombudsmann hat keine Erklärung.

(am 24.5.13 mit Kürzungen veröffentlicht)

 

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Allgemein, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Kinder, Leserbriefe, Medien, Neues Alkoholgesetz (CH), Nichtübertragbare Krankheiten, Politik, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Verhaltens-Präv., Verhältnis-Präv., Verschiedene, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Die Schweizer Ärzteschaft zum neuen Alkoholgesetz

Samstag 6. April 2013 von htm

Alkoholgesetzrevision – aus Sicht der Ärzteschaft: Derzeit befindet sich die Totalrevision des Alkoholgesetzes (AlkG) in der parlamentarischen Beratung. Diese Revision – im Kern eine Liberalisierungsvorlage – betrifft auch die Ärzteschaft.Artikel (pdf, 1S., 58Kb) in der Schweizerischen Ärztezeitung 11/2013. (Quelle: Newsletter Infoset April 2013)

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Leserbrief zum neuen Alkoholgesetz im Ständerat

Dienstag 2. April 2013 von htm

25.03.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Ständerat verbietet Billig-Wodka und Alkoholverkauf ab 22 Uhr“ am 21.3.13 und Leserbriefe dazu am 25.3.13

Der Ständerat als Erstrat bei der Behandlung des neuen Alkoholgesetzes hat mehrere Massnahmen vornehmlich zur Bekämpfung des Jugendalkoholismus beschlossen, was natürlich sowohl im Rat wie in der Bevölkerung auch Kritik hervorruft. Wenn auf der heutigen Leserbriefseite gross getitelt wird „Konstruktive Lösungen sehen anders aus“ kann insofern beigepflichtet werden, dass wieder nur einzelne Massnahmen ergriffen werden sollen, die ein wenig helfen können, aber keine umfassende Alkoholpolitik darstellen, welche das Alkoholproblem wirklich entschärfen könnte.

Wenn im Leserbrief erwähnt wird, dass zwischen 2003 und 2007 der Anteil junger Rauschtrinker abgenommen hat, muss man wissen, dass dies auf die Einführung einer Alcopop-Sondersteuer zurückgeführt werden kann. Dass der Gesamtalkoholkonsum innert 100 Jahren um die Hälfte abgenommen hat, ist sicher erfreulich, zeigt dies doch, dass die hart umkämpften  Präventionsbemühungen nicht ohne Erfolg geblieben sind. Nur müsste gleichzeitig erwähnt werden, dass die Folgen des Alkoholmissbrauchs in neuerer Zeit weit gravierender geworden sind als am Anfang des 19. Jh. Auch die Sensibilität dafür hat sich ein wenig geändert.  Dass bei uns über 100‘000 Kinder in alkoholbelasteten Familien aufwachsen müssen, kümmert immer noch viel zu wenig Politiker, obwohl man das Unrecht, das den Kindern der Landstrasse und den Verdingkindern angetan wurde, inzwischen erkannt worden ist. Dabei liegen die Zahlen der alkoholbehinderten Kinder, welche die Hölle durchleben müssen, in ganz andern Dimensionen.

Ein anderer Leserbriefschreiber sei „ein verantwortungsvoller und freiheitsliebender Bürger“, der über die „Verbotitis“ den Kopf schüttelt. Sein Kopf müsste ihn vor lauter Schütteln viel mehr schmerzen, wenn er mit etwas mehr Sachkenntnis erkennen würde, wie unsere Bevölkerung manipuliert und der Freiheit beraubt wird, damit sie sich nicht gegen die dauernde Bevormundung durch Politik und Wirtschaft erhebt, die dem Alkohol in unserer Gesellschaft einen derart hohen Stellenwert ermöglicht, dass kaum nennenswerte Verbesserungen möglich sind.

Heute erliess die Fachstelle Sucht Schweiz eine Pressemitteilung zu einer neuen Studie. „Ungefähr 90% der rund 12‘000 Personen, die im Jahr 2010 wegen Alkoholvergiftung hospitalisiert wurden, sind älter als 23 Jahre. Jugendliche und junge Erwachsene machen etwa 10% der hospitalisierten Personen aus. „Bei den Jugendlichen fällt auf, dass die Spitaleinweisungen wegen Alkoholvergiftung bei den 14- und 15-Jährigen am häufigsten sind, obwohl das Rauschtrinken bis zum jungen Erwachsenenalter zunimmt.“

Das Alkoholproblem, nicht nur in der Schweiz, ist ein Problem der ganzen Gesellschaft. Die Jugend ist das Spiegelbild der Erwachsenen. Wenn letztere wirklich verantwortungsbewusst handeln würden, wäre der Alkoholismus kein Thema. Davon sind wir noch weit entfernt. Die wenigen positiven Massnahmen in der neuen Alkoholgesetzgebung, die beim Nationalrat noch auf harten Widerstand stossen werden, werden leider noch lange nicht genügen. Dabei sind die nötigen Massnahmenpakete bekannt. Nur darf die Bevölkerung die möglichen positiven Auswirkungen nicht erfahren. Es könnte plötzlich den Sinn von Generalprävention erkennen, wie es gegenwärtig bei den Abzockerlöhnen, beim Berufsverbot für Pädophile in Erzieherberufen, beim Raumplanungsgesetz und bei den Zweitwohnungen der Fall gewesen ist.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alcopops (de), Alkoholkrankheit, Allgemein, Erhältlichkeit, Jugend, Jugendliche, Kinder, Leserbriefe, Nationales Programm Alkohol NPA, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Schweiz, Statistik, Verhältnis-Präv., Verschiedene, Wirtschaft, Zitate | Keine Kommentare »

Leserbrief zu „Städte wollen Alkoholverkauf einschränken“ im Tages-Anzeiger

Freitag 1. März 2013 von htm

19.02.2013

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
8004 Zürich

 

Leserbrief zu „Städte wollen Alkoholverkauf einschränken“ u.a. am 19.2.13

Nun ist für den Städteverband die Schmerzgrenze in Bezug auf die Auswirkungen des Nachtlebens erreicht. Er hat einige Massnahmen für Verbesserungen vorgeschlagen. Auch Exponenten der Städte Bern und Zürich haben noch eigene Vorschläge gebracht. Nachdem während Jahrzehnten der Alkoholkonsum nicht genug liberalisiert werden konnte, entsteht jetzt der Eindruck, dass man die Geister, die man wider besseres Wissen rief, nun nicht mehr loswird.

Interessant ist, dass vor allem die Auswirkungen an Ort als Grund für das Umdenken angegeben werden: Lärm, Littering, Gewalt. Dabei sind diese Schäden im Vergleich zur Wirkung des Alkohols auf die Tausende von vor allem jungen Menschen, die sich jedes Wochenende alkoholisieren, vernachlässigbar.  Da kann die WHO noch so vor den gesundheitlichen Folgen warnen, die Informationen erreichen die Bevölkerung nicht. Man wird sich dann in einigen Jahren wundern, warum die ca 60 alkoholbedingten Krankheiten und andern Schädigungen nicht abnehmen, wo doch der Gesamtkonsum zurückgegangen ist. Genauso wie der Bundesrat in seiner Botschaft zum neuen Alkoholgesetz findet, es seien keine Massnahmen nötig, um den Gesamtkonsum merklich zu senken, da dieser ja in den letzten 20 Jahren etwa 1% pro Jahr abgenommen habe. Dass sich in dieser Zeit z.B. die alkoholbedingte Gewalt verdoppelt hat, kümmert ihn offenbar nicht.

Die nun angedeuteten Massnahmen könnten leichte Verbesserungen bringen. Wenn sie einmal durchgeboxt sind. Denn ohne Widerstand der interessierten Kreise wird es ja nicht gehen. Die endlose Geschichte der Hooliganbekämpfung im Sport lässt nicht gross hoffen. Auch dass der Sprecher der Zürcher Stadtpolizei sagen kann, das Rad der Zeit könne man nicht zurückdrehen, zeigt, dass man aus Fehlern der Vergangenheit nicht lernen will. Dazu kommt, dass Gewerbeverband und economiesuisse wie bisher am Volk vorbeipolitisieren und nur ihre eigenen Interessen im Auge haben werden.

Der Kommentar von Peter Aeschlimann ist schon gut gemeint aber genauso wenig konkret realisierbar, wie vieles, das von anderer Seite verlautbart wurde. Auch gibt es schon einige Gemeinden, die Infrastrukturen für die Jugend zur Verfügung stellen, doch der Magnet Grossstadt zieht stärker an. Und nicht zu vergessen: Alkohol ist ein Suchtmittel, das auch die Erwachsenenwelt im Griff hat. Sonst hätten wir schon lange andere gesellschaftliche Zustände.  Also zahlen wir alle weiterhin ungefragt auch die nun noch zusätzlichen Kosten. Die Gewinne bleiben wie bisher bei der Alkoholindustrie und ihren Komplizen.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Erhältlichkeit, Gesundheit, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Leserbriefe, Medien, Neues Alkoholgesetz (CH), Passivtrinker, Politik, Schweiz, Sozialkosten, Sport, Verhältnis-Präv., Wirtschaft | Keine Kommentare »

Leserbrief: „Schluss mit öffentlichen Saufgelagen“

Dienstag 27. November 2012 von htm

15.11.2012

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Leserbrief zu „Schluss mit öffentlichen Saufgelagen“ vom 15.11.12

Dübendorf verbietet den unter 16-Jährigen in seiner neuen Polizeiverordnung den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Die Stadt Zürich hat diese Möglichkeit nicht ergriffen. SBB und ZVV sind auch nicht dafür. Der Dübendorfer Leiter der Kinder- und Jugendarbeit ist skeptisch, Prävention über den Preis wäre besser, meint er. Im Bezirk Uster soll dagegen diese Regel flächendeckend eingeführt werden.

In der Viersäulen-Theorie der schweizerischen Drogenpolitik stellt die Repression eine der Säulen dar, sozusagen die letzte Chance, grösseren Schaden zu begrenzen, wenn die eigentliche Prävention nichts gefruchtet hat. Natürlich stellt sich dabei die Frage der Verhältnismässigkeit. In Zürich wäre,  nach Aussage des Sprechers der Stadtpolizei, die Durchsetzung mangels genügender Polizeikräfte nicht denkbar.

Logischerweise müsste also die richtige Prävention früher ansetzen. Leider ist die Schweiz auf diesem Gebiet Entwicklungsland, man könnte auch sagen, eine „Bananenrepublik“. Partikularinteressen statt das Wohl der Bevölkerung bestimmen die Alkoholpolitik in Parlament und Regierung. Die Wirtschaft dominiert, wie auch in anderen Belangen, die Politik. Dazu kommt Angst und/oder komplizenhaftes Fühlen vor oder mit der Alkoholindustrie und der Werbebranche, mit denen viele verbandelt sind, sei es auch nur, weil fast alle Konsumenten dieser hochgejubelten Droge sind. Selbstverständlich werden auch internationale Entwicklungen auf diesem Gebiet, Forschung, Erfahrungen, internationale Gremien, nicht zur Kenntnis genommen. Unsere Souveränität verbietet es uns, auf diesem Gebiet, von andern zu lernen.

So kommt es, dass unsere Gesellschaft, seit Jahrzehnten von der Werbung und den Medien weichgeklopft, die Realität des Alkoholproblems nicht mehr sehen kann und sie verdrängt. Letztlich wird noch gegen Jugendliche vorgegangen, obwohl die Wirtschaft vor Verboten in ganzseitigen Inseraten warnt. Aber es ist immer noch einfacher, die Jugendlichen zu disziplinieren, als seine eigene unethische und letztlich unmenschliche Haltung zu überdenken und zu revidieren. Wir alle tragen die Folgen. Wir sind Passivtrinker, merken es aber nur, wenn wir persönlich betroffen werden. Man kann sich übrigens fragen, ob der Rückgang der Solidarität in der Gesellschaft nicht parallel, in Wechselwirkung, mit dem Rückgang des religiösen Engagements verläuft. Aber das wäre eine andere Diskussion, die nicht vom brennenden Alkoholproblem ablenken sollte.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholsteuern, Allgemein, Jugend, Kinder, Konsumhaltung, Leserbriefe, Medien, Passivtrinker, Politik, Religion und Alkohol, Schweiz, Sozialkosten, Verhältnis-Präv., Werbung, WHO globale Alkohol-Strategie, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Leserbrief zu „Der Horizont reicht bis zur Grenze“

Donnerstag 15. November 2012 von htm

05.09.2012

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Leserbrief zu „Der Horizont reicht bis zur Grenze“ vom 5.9.12

Die ETH hat in einer aufschlussreichen Studie festgestellt, dass sich unsere Parlamentarier einseitig an Schweizer Quellen orientieren. Sie sind sozusagen eine GmbH, ein Gesellschaft mit beschränktem Horizont.

Auch wenn sich die Studie auf die Sicherheitspolitik bezieht, kann dasselbe über die Alkoholpolitik gesagt werden. Obwohl fast täglich Pressemeldungen über Vorfälle erscheinen, die den schädlichen Einfluss des Alkoholkonsums auf unsere Gesellschaft aufzeigen, interessiert das die Politik in keiner Weise. Internationale Bestrebungen und Studien werden bestenfalls im kleinen Kreis der Bundesverwaltung und der ausserparlamentarischen Kommission verfolgt und nach aussen kaum transparent gemacht. Unsere Öffentlichkeit kann sich so auch nicht informieren und nötigenfalls Forderungen stellen.

Die kommenden Parlamentsdebatten über ein neues Alkoholgesetz wären eine Gelegenheit, einen Kurswechsel hin zu einer wirklichen, wirksamen Alkoholpolitik einzuläuten. Der neue Präsident von economiesuisse hätte hier Gelegenheit, seine theologischen Werthaltungen einzubringen und für die Bedürfnisse der ganzen Wirtschaft (nicht nur der Alkoholwirtschaft) einzutreten, wovon dann auch die ganze Bevölkerung profitieren würde.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Allgemein, Leserbriefe, Medien, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Schweiz, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Jetzt ist definitiv Schluss / Now this is the end of this website

Freitag 31. August 2012 von htm

After 10 years of full and one year with reduced activity this website is only working as an archive.

Nach 10 Jahren mit voller und einem Jahr mit reduzierter Aktivität wird diese Website zum Archiv.

Thanks to all readers who have profited from its content. Thanks also to all friends and public health specialists who have contributed to form and content.

Herzlichen Dank allen Leserinnen und Lesern, die den Inhalt nutzbringend verwendet haben. Vielen Dank auch allen Sympathisanten, FreundInnen und Fachleuten, die zu Form und Inhalt beigetragen haben.

It has been a fantastic task and a big challenge which gave me much satisfaction.

Es war eine fantastische Aufgabe und eine grosse Herausforderung, die mir Freude und Anerkennung gebracht hat. Alle, die durch meine Arbeitsbelastung zu kurz gekommen sind, bitte ich um Nachsicht.

Good bye, all the best!                Auf Wiedersehen und alles Gute!

Ausnahme:
Meine Leserbriefe werde ich weiterhin hier zeigen und archivieren.

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Kategorie: Global, Health, Schweiz, Veröffentlichungen | Keine Kommentare »

Einheitliche Zigarettenpackungen in Australien verfassungsgemäß

Donnerstag 16. August 2012 von htm

Sydney – Die in Australien erlassene Vorschrift zum Verkauf von Zigaretten in neutralen einfarbigen Packungen mit Bildern geschädigter Organe verstößt nicht gegen die Verfassung des Landes. Der Oberste Gerichtshof wies am Mittwoch eine Klage mehrerer großer Tabakkonzerne gegen die von kommendem Dezember an gültige Regelung ab, die unter anderem keine auffälligen Markenaufdrucke auf Zigaretten­päckchen mehr zulässt. Generalstaatsanwältin Nicola Roxon sprach von einem „Wendepunkt für die weltweite Tabakkontrolle“.

Nach den neuen Regelungen dürfen Zigaretten­packungen aller Hersteller ab Dezember nur noch einheitlich olivgrün sein. Aufgedruckt werden müssen drastische Bilder zu den gesundheitlichen Gefahren des Rauchens. Die klagenden Tabakhersteller sahen darin eine Verletzung ihrer Markenrechte, fürchten eine Ausweitung des Schwarzmarkts und klagen zudem in mehreren weiteren Verfahren auf Schadensersatz.

Nach Angaben der australischen Regierung sterben in dem Land jährlich 15.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. …

(Quelle: aerzteblatt.de, 15.8.12) Tages-Anzeiger, 15.8.12 mit einem Online-Kommentar.
Kommentar: Endlich eine Regierung, die wissenschaftliche Ergebnisse ernst nimmt und handelt. Die Schweizer Regierung sieht keinen Handlungsbedarf. Mehrere internationale Tabakmultis haben ihren Sitz in der Schweiz. Rechne! Was ist wichtiger?… Leider hinkt im Sektor Alkohol die Entwicklung hintendrein. Die Wirkung von Werbung auf Jugendliche ist auch hier längst bewiesen.

Kategorie: Allgemein, Andere Drogen, Diverse, Gerichtsfälle, Gesundheit, Internationales, Jugend, Jugendliche, Medien, Politik, Schweiz, Verhältnis-Präv., Verschiedene, Werbung | Keine Kommentare »

CH: Wenn Coop an junge Trinker denkt

Dienstag 14. August 2012 von htm

Während der Street-Parade machte eine Coop-Filiale in Zürich ihren trinkfreudigen Kunden ein verlockendes Angebot: Haufenweise gekühlten Vodka. Nicht nur Präventionsfachleute finden das eine Schnapsidee.

Gleich literweise stellte der Supermarkt am vergangenen Samstag hochprozentigen Alkohol griffbereit in grossen Kühltruhen zum Verkauf bereit – wo sonst Joghurt im Sonderangebot und Aktions-Pouletschenkel angeboten werden.

Eine Coop-Geschäftsstelle in der Zürcher Innenstadt witterte am vergangenen Samstag wohl das grosse Geschäft: Hunderttausende von jungen Menschen, die Party machen – und ordentlich eins über den Durst trinken wollten.

Für die Street-Parade-Organisatoren eine Schnapsidee: «Wir verzichten freiwillig auf den Verkauf von harten Alkoholika und würden uns wünschen, dass auch die Geschäfte unsere Präventionsbemühungen unterstützen würden», sagt Stefan Epli, Mediensprecher der Zürcher Street-Parade, als er mit dem Leserreporter-Bild konfrontiert wird. …
(Quelle: bazonline, 13.8.12)

unser Online-Kommentar: Als Information: Der Bund ist mit dem kommenden neuen Alkoholgesetz daran, das Alkoholmonopol aufzugeben. Das Monopol betraf nur reinen Alkohol, keine Trinkprodukte. Die Alkoholsteuern von total ca 400 Mio.CHF pro Jahr machen nicht einmal 10% der Schäden aus, die der Alkohol und seine Konsumenten verursacht. Vom Leid ganz zu schweigen. Den Rest bezahlen wir alle ungefragt. Das ist Freiheit. Prost!

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholsteuern, Allgemein, Erhältlichkeit, Feste und Feiern, Jugend, Neues Alkoholgesetz (CH), Schweiz, Verbraucherschutz, Verhältnis-Präv. | Keine Kommentare »

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