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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Prävention'

D: Wangerland: Nur ein Geschäft verweigert 15-Jähriger Alkohol

Donnerstag 2. Juni 2011 von htm

Zehn von elf getesteten Geschäften im Wangerland haben einer 15-Jährigen alkoholische Getränke verkauft. Das ist das erschreckende Ergebnis von Testkäufen.
Das Jugendamt des Landkreises, das Ordnungsamt der Gemeinde Wangerland sowie die Polizei hatten in den Abendstunden gemeinsam mit der Testkäuferin elf Geschäfte besucht, darunter Supermärkte, Drogerien, Kioske und Tankstellen. Die überwiegende Zahl der Verkäufer verzichteten ganz auf die Vorlage des Ausweises, anderen war die Altersangabe auf dem vorgezeigten Ausweis offenbar egal: Sie verkauften dennoch Alkohol – Sechserträger Bier oder bierhaltige Getränke – an die 15-jährige Schülerin. Zehn von elf Läden sind auf diese Weise aufgefallen. … (Quelle: Google Alkohol News, 2.6.11) nwzonline.de, 1.6.11 Kommentar: 91% sind auch für erstmalige Kontrollen ein „Spitzenergebnis“. Leben die Verkäufer auf dem Mond? Da helfen nur massive „Quittungen“ und weitere Testkäufe.

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CH: Schwarzer Fussball-Frühling

Mittwoch 1. Juni 2011 von htm

Der Fussballverband sträubt sich gegen härtere Massnahmen gegen Hooligans
Die Gewalt bei Fussballspielen hat in diesem Frühling überdurchschnittlich zugenommen. Die Massnahmen gegen Hooligans greifen zu wenig.
Sie haben Scheiben eingeschlagen, Verkleidungen von Beleuchtungskörpern heruntergerissen und Handfeuerlöscher geleert. Während der Aufenthalte in Bahnhöfen schmissen sie Flaschen aus dem Zug und verletzten einen Passanten: die Fans des FC Sion, als sie am Sonntag zum Cup-Final nach Basel fuhren. Der Schaden, den die Hooligans im Extrazug angerichtet haben und den die SBB bezahlen müssen, geht in die Zehntausende von Franken. … (Quelle: NZZ, 31.5.11) Kommentar:Grosser Artikel aber kein Wort über Alkohol. Letztes Jahr drei Millionen Franken ungedeckte Schäden, massiv verbilligte Billette, alles zahlt der SBB-Kunde.

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Zürich: Testkäufer sind stolz auf ihren Erfolg

Mittwoch 1. Juni 2011 von htm

Gegner von Alkohol-Testkäufen argumentieren gern mit dem gefährdeten Wohl der jungen Testpersonen. Diese zeigen dafür kein Verständnis: Sie sind vom Nutzen ihrer Einsätze überzeugt. (Quelle: Tages-Anzeiger, 1.6.11, nicht online) Kommentar: Ein grosser Artikel nimmt meine Argumente auf, die ich in meinem Leserbrief vom 12./15.4.11 angeführt hatte. Im Gespräch erzählen 4 Jugendliche von ihren positiven Erfahrungen, die vom Leiter der Prävention beim Blauen Kreuz Zürich, Daniel Isenring, bestätigt werden. Es sei auch für die Testkäufer schwieriger geworden, an Alkohol zu kommen. Das erfülle sie mit Stolz. – Über die rechtliche Situation wird in einem separaten Kasten berichtet.

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Winterthur: Die Stadt schenkt weiterhin Alkohol aus

Mittwoch 1. Juni 2011 von htm

Stadtrat Nicolas Galladé (SP) zieht nach der Dialogwoche Alkohol Bilanz. Er erklärt, warum die Stadt an ihren Apéros weiterhin Wein ausschenken wird und wie er es selbst mit dem Alkohol hält. Galladé sagte u.a. zur teilweise schlechten Publikums-Beteiligung: „Wir haben daraus den Schluss gezogen, dass wir auf die Leute zugehen müssen und nicht erwarten dürfen, dass wir ein Podium organisieren und diese dann schon kommen.“ Und: „Alkohol ist Bestandteil unserer Gesellschaft und gehört bei gewissen Anlässen dazu.“ Auf die Frage nach weiteren strukturellen Massnahmen, meinte er: „Ich würde nicht primär neue Instrumente fordern, sondern die bestehenden durchsetzen. Der Kantonsrat wird bald über eine gesetzliche Grundlage für die Testkäufe entscheiden.“ (Quelle: Der Landbote, 1.6.11) Kommentar: Es wird sich nichts ändern. Eher verschlechtern. Siehe unsern pendenten Leserbrief.

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Bern: Polizei setzt Zeichen gegen Alkohol- und Gewaltexzesse

Mittwoch 1. Juni 2011 von htm

Mit einer Präventionswoche will die Kantonspolizei Bern ein Zeichen gegen Alkohol- und Gewaltexzesse bei Jugendlichen setzen. Vom 6. bis 11. Juni soll die Bevölkerung im ganzen Kanton für diese Themen sensibilisiert werden.
Praktisch jeden Tag stünden Polizisten wegen Gewalt von Jugendlichen und übermässigem Alkoholkonsum im Einsatz, heisst es in einem Communiqué vom Dienstag. … (Quelle: Google Alkohol News, 1.6.11) bernerzeitung.ch, 31.5.11

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Köln: Grüne wollen Alkohol-Werbung an Karneval verbieten

Mittwoch 1. Juni 2011 von htm

Bekommt Köln eine Plakat-Prohibition? Die Grünen machen jetzt den ersten Anlauf. In der Bezirksvertretung Innenstadt beantragen sie, dass die Kölner Außenwerbung während der Karnevalstage auf Werbung für alkoholischen Produkte verzichten soll.
„An diesen Tagen sind Jugendliche durch Alkohol besonders gefährdet“, so Fraktionschefin Roswitha Berscheid. Und all die Bemühungen der Stadt gegen den Missbrauch würden durch Alkohol-Werbung „konterkariert“. So plakatiert Köln etwa für die Aktion „Keine Kurzen für die Kurzen“. (Quelle: Google Alkohol News, 1.6.11) express.de, 31.5.11 Kommentar: Die grössere Alkoholwerbung bietet da wohl die Erwachsenen-Gesellschaft.

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Hamburg: HVV: Alkoholverbot gilt ab September

Mittwoch 1. Juni 2011 von htm

In Hamburgs Bussen und Bahnen darf künftig kein Alkohol mehr getrunken werden. Dass das Verbot kommt, war schon seit Längerem klar, nun gibt es einen Termin: Vom 1. September an ist das „Wegbier“ tabu. Im ersten Monat würden noch keine Strafen erhoben, teilte der Hamburger Verkehrsverbund (HVV) am Dienstag mit. Wer jedoch danach beim Trinken oder mit geöffneten Alkohol-Flaschen oder -Dosen erwischt wird, muss 40 Euro zahlen.
Weiterhin getrunken werden darf in Hadag-Fähren und Bahnen des Regionalverkehrs, welche die HVV-Grenzen in Richtung Schleswig-Holstein überschreiten. Dazu zählen die Nord-Ostsee-Bahn, die Nordbahn und DB Regio. (Quelle: Google Alkohol News, 31.5.11) ndr.de, 31.5.11

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Leserbrief zu „Mehr Schutz für die Jugend“

Dienstag 31. Mai 2011 von htm

24.05.2011

Coop Zeitung

Online

Leserbrief zu „Mehr Schutz für die Jugend“ vom 24.5.11

Das Heraufsetzen des Mindestalters ist eine von mehreren sinnvollen Massnahmen, wenn eine Gesellschaft ihr Alkoholproblem entschärfen will. Die Widerstände gegen ein Mindestalter sind immer die gleichen, egal bei welchem Alter. Auch wenn einige das Gesetz umgehen, ist der Effekt per Saldo eben doch vorhanden und wertvoll.
Wer von seinen Alkoholerfahrungen auf die Gesamtheit der Bevölkerung schliesst, unterliegt einer Selbsttäuschung.

So gesehen ist die Massnahme von Coop sinnvoll. Dass Coop damit Imagepflege betreibt, um ihre Rolle als grösster Alkoholhändler in der Schweiz zu bemänteln, ist ein anderes Kapitel. Mit ihrer aggressiven Tiefpreispolitik auf dem Alkoholsektor hat sie einen grossen Anteil am Leid und and den gesellschaftlichen Kosten, die das Alkoholproblem uns verursacht.

Mit freundlichen Grüssen
Hermann T. Meyer

(Am 31.5.11 gekürzt veröffentlicht)

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D: „Risikokonsum von Alkohol hat zugenommen“

Montag 30. Mai 2011 von htm

Experten der Stadt Düsseldorf nehmen Erwachsene als Trink-Vorbilder in die Pflicht.
Gerade ist auf dem Gustaf-Gründgens-Platz eine Präventionswoche gegen Alkohol zu Ende gegangen, etwa 1.000 Menschen haben sich über die Gefahren von übermäßigem Alkoholgenuss informiert. Experten kommen zu unterschiedlichen Einschätzungen, wenn man sie nach dem Trinkverhalten von Jugendlichen fragt.
Charlotte Dalheim ist die Suchtkoordinatorin der Stadt. Sie sagt zwar, dass der Alkoholkonsum von Jugendlichen zwischen 2001 und 2009 in Düsseldorf nicht gestiegen ist. „Aber unter denen, die trinken, hat der Risikokonsum zugenommen.“ Besonders stark ist das bei den Mädchen der Fall. (Quelle: Google Alkohol News, 30.5.11) wz-newsline.de, 29.5.11 Unser Online-Kommentar: Natürlich hat jeder Jugendliche seine Probleme. Das heisst aber nicht, dass es egal ist, wenn er sich noch ein Alkoholproblem zulegt. Das Rauschtrinken ist eine grosse Gefahr für das jugendliche, in Entwicklung begriffene Gehirn. Das sollte nicht mit Allgemeinplätzen abgetan werden. Ganz abgesehen von den eventuell damit verbundenen negativen gesellschaftlichen Folgen. (Gewalt, Vandalismus, sexuelle Gewalt, ungewollte Schwangerschaften, usw.)
Die Gesellschaft sollte endlich ihre Verantwortung wahrnehmen und den Stellenwert des Alkohols in der Öffentlichkeit abbauen. Die Regierungen stehen immer noch unter der Fuchtel der Alkohollobby und verweigern den Dienst an der Bevölkerung.

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Leserbrief zu „Wer gerne trinkt, muss auch den Kater lieben“

Sonntag 29. Mai 2011 von htm

29.5.2011

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Wer gerne trinkt, muss auch den Kater lieben“, TA vom 28.5.11

Offenbar möchte der Buchautor Peter Richter das Erbe von Günter Amendt antreten. Wie dieser vertritt er das Recht auf Rausch. Hoffentlich nimmt er nicht das gleiche Ende.

Zum Abschluss der ersten nationalen Dialogwoche „Alkohol“, die das Bundesamt für Gesundheit lanciert hat, bringt es der Tages-Anzeiger doch noch fertig, einen grossen Artikel zum Thema zu veröffentlichen. Das Motto der Aktion: „Zum Wohl? Die Schweiz spricht über Alkohol. Wir auch.“ Der Tages-Anzeiger spricht also mit Peter Richter über dessen Buch „Über das Trinken“. Er folgt damit der NZZ, die auch einen Deutschen beiziehen musste, um einen ebenso wertlosen Artikel zu bringen, welcher der Alkoholfrage wie auch dem Ruf der Zeitung in keiner Weise gerecht wird. Haben sich die Redaktionen wohl abgesprochen?

Der Alkoholkonsum gehe insgesamt zurück, behauptet Peter Richter. Schön wäre es. Tatsache ist, dass der Markt in der industrialisierten Welt ziemlich gesättigt ist, dafür vervielfachen die Alkoholmultis ihre Anstrengungen zur Gewinnung der Jugend, sowie in den Schwellenländern und in der Dritten Welt, die über keine Erfahrung in abwehrender Alkoholpolitik und über kein soziales Auffangnetz verfügen. Endlich hat die WHO im Mai 2010 mit ihrer globalen Alkohol-Strategie reagiert und in der EU kämpft die Alkoholindustrie noch verbissen gegen Präventivmassnahmen, die dringend nötig sind. Auch in der Schweiz. Auch wenn früher mehr Alkohol getrunken wurde, die Auswirkungen der Schäden liegen heute in einer ganz anderen Dimension.

Ein schöner Ausspruch Richters ist „Gefahr und Gefährdung gehören zu dem, was das Leben lebenswert macht“. Er versucht zwar gleich, die Schärfe herauszunehmen, indem er auf die Verheerungen verweist, die der Alkohol anrichten kann. Für die Gesellschaft, für den einzelnen Betroffenen und sein Umfeld wird dieser Ausdruck von grenzenlosem Egoismus jedoch damit nicht geniessbarer.

Dass die Gesellschaft jetzt von einem Extrem ins andere falle, ist eine schamlose Falschmeldung. Seit über 50 Jahren hat es in der Schweiz keine Volksabstimmung mit einem positiven Ausgang in Richtung mehr Alkoholprävention gegeben. Alle Vorlagen wurden mit Hilfe der Wirtschaftsverbände bachabgeschickt. (Untersuchung des BAG) Seit den 90er-Jahren findet eine beispiellose Liberalisierung in Bezug auf Alkohol statt. (Gastgewerbegesetze, Schnapssteuern, Ladenöffnungszeiten, Tankstellenshops, Partyszene, Internetshopping, Alkoholwerbung, Alkohol-Schleichwerbung als Lifestyle-Marketing, etc.) Die einzige Verbesserung war nach jahrzehntelangem Kampf die erfolgreiche Herabsetzung der Promillegrenze und die notfallmässig eingeführte Alcopopsteuer, aber ohne flankierende Massnahmen den Jugendalkoholismus per Saldo eher fördernd.

Bereits die Andeutung von möglichen Massnahmen wird als normative Nüchternheit diskreditiert. Andere rufen den Verbotsstaat herbei. Der Hang von Männern zur Kumpanei mit Hilfe des Schmiermittels Alkohol wird positiv bewertet. Von den derart abgeschlossenen Verträgen mit negativen Folgen keine Rede. Dass ein Verfechter der Alkoholinteressen es auch nützlich findet, wie Burschenschaften funktionieren, überrascht nicht, sind doch diese Studenten später als Wirtschaftsvertreter oder Politiker nicht in der Lage, vorurteilslos in Alkoholfragen zu urteilen und für die Interessen der Bevölkerung zu handeln.

Seine Schutzbehauptung, er schreibe nicht das Hohelied des Saufens, provoziert immerhin noch die Gegenfrage „Sondern?“. Die Antwort, „Alkohol sei ein Freund, aber auch ein gefährlicher Gegner“ ist ein Widerspruch in sich. Zum Schluss bedient sich der Autor von Halbvergorenem noch des griechischen Gottes Dionysos. Er mache „die Seinen stark, den Abtrünnigen raubt er die Kräfte.“ Dabei sind es gerade „die Seinen“, die in der Suchtklinik enden, und wenn diese einigermassen trocken zu den Abtrünnigen gehören, beginnen sie ein neues, sinnvolles Leben; vor allem, wenn sie das Glück haben, eine gute Nachbetreuung zu erfahren.

Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon

(gekürzt am 4.6.11 veröffentlicht)

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