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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Forschung'

Chirurgie: Warum Alkohol am Abend vorher tabu sein sollte

Mittwoch 20. April 2011 von htm

Ein Glas in Ehren kann niemand verwehren. Das mag im Allgemeinen zutreffen, doch Chirurgen sollten am Abend vor einem anstrengenden Arbeitstag im OP-Saal besser darauf verzichten, wie zwei „naturalistische“ Experimente aus Irland zeigen. Im ersten Experiment durften 16 Studenten an einem Trainingsgerät das minimal-invasive Operieren ausprobieren. Für alle war es das erste Mal.
Am Abend danach lud Anthony Gallagher vom National Surgical Training Centre in Dublin sie zum Dinner ein. Gespeist wurde getrennt in zwei Gruppen. In der ersten Gruppe wurden alkoholische Getränke zum Essen serviert. Die Studenten durften sich frei bedienen. In der anderen Gruppe gab es nur nicht alkoholische Getränke. Am nächsten Morgen wurde dann der Workshop fortgesetzt.
In allen drei Endpunkten (Dauer, Fehlerzahl und sparsamer Einsatz der Diathermie) schnitten die Studenten, die am Vorabend Alkohol getrunken hatten, schlechter ab, berichtet Gallagher. Vor allem beim Test um 9 Uhr morgens waren ihre Leistungen signifikant schlechter. … (Quelle: aerzteblatt.de, 19.4.11)

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TOP NEWS: «Moderater Alkoholkonsum hat keinen lebensverlängernden Effekt»

Mittwoch 20. April 2011 von htm

Epidemiologe Jürgen Rehm sagt, auf das tägliche Glas Wein oder Bier zu verzichten, könne sinnvoll sein. (Interview)
Herr Rehm, für viele überraschend, zeigte kürzlich eine grosse Studie, dass selbst moderates Trinken von Alkohol das Krebsrisiko erhöht (TA vom 14. 4.). Ist dieser Zusammenhang gesichert, oder gibt es dazu noch eine Debatte?
Der Zusammenhang kann heute als gesichert gelten. Die International Agency for Research on Cancer (IARC) in Lyon ist eine Unterorganisation der Vereinten Nationen, die sich ausschliesslich mit Krebs und Risikofaktoren für Krebs beschäftigt. Sie hat den Konsum alkoholischer Getränke ohne Wenn und Aber als Kausalfaktor für bestimmte Krebsarten klassifiziert. Im Bericht von 2010 wird ausdrücklich festgehalten, dass es dabei keinen Schwellenwert gibt. Das heisst, dass jeder Konsum von Alkohol mit einem bestimmten Risiko behaftet ist. IARC-Berichte entstehen aufgrund von gut vorbereiteten Treffen der wissenschaftlichen Spezialisten. Im Falle des Restrisikos für Krebs auch bei moderatem Konsum gab es Einstimmigkeit. … (Quelle: Tages-Anzeiger, 20.4.11) Kommentar: Freude herrscht! Der Tages-Anzeiger hat den Einstieg ins Thema gefunden und recherchiert. Jürgen Rehm ist einer der führenden Wissenschafter auf diesem Gebiet mit Verbindung zu Zürich. Wir haben ihn schon mehrmals erwähnt. Dürfen wir annehmen, dass unser ständiges Drängen mit Newsletter, Webseitenkommentaren und Leserbriefen zu dem positiven Umschwung beigetragen haben? Vielleicht auch, dass der Konkurrent NZZ trotz grossen Wertedeklamationen noch immer in Abwarteposition verharrt? Egal, Hauptsache, eine gute Basis ist gelegt. Päventive Gedanken müssten eigentlich automatisch folgen. Die kommende nationale Dialogwoche und das neue Alkoholgesetz wären passende Aufhänger. Aber bitte kritisch!

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Riskante Alkohol-Energy-Drinks

Dienstag 19. April 2011 von htm

Ein Mix aus Alkohol und Energy-Drink ist gefährlicher als Alkohol pur zu sich zu nehmen, so eine US-Studie. Fans der mit Alkohol versetzten Aufputsch-Getränke fühlen sich durch die Kombination noch angeregter und impulsiver als beim Konsum von Alkohol alleine, berichten Forscher von der Northern Kentucky University. (Quelle: Google Alkohol News, 19.4.11) menshealth.de, 18.4.11

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D: Werbung verführt doch!

Samstag 16. April 2011 von htm

Durch Alkoholwerbung wird der Alkoholkonsum angeregt und gesteigert – insbesondere bei Jugendlichen. Das belegt eine Studie der DAK Krankenkasse.
Jugendliche, die viel Alkoholwerbung sehen, konsumieren auch mehr Alkohol. Dies belegt eine Studie der IFT Nord, die im Auftrag der DAK Krankenkasse durchgeführt wurde, Dabei wurde das Verhalten von 2130 Schülern im Alter zwischen zehn und 17 Jahren untersucht.
45 Prozent der Jugendlichen, die oft Alkoholwerbung sahen oder damit konfrontiert wurden, begannen in der Folge erstmals Alkohol zu trinken. Dagegen konsumierten lediglich 18 Prozent der Jugendlichen Alkohol, die selten oder kaum Kontakt zu Alkoholwerbung hatten. … (Quelle: Google Alkohol News, 16.4.11) fitforfun.de, 12.4.11 unser Online-Kommentar: Dass Werbung wirkt, ist schon seit Jahren nachgewiesen, der gesunde Menschenverstand müsste es auch schon lange wissen. Diejenigen, auf die es ankäme, wollen es nicht verstehen, die Regierungen und Parlamente. Sie sind dermassen alkoholabhängig, dass sie ihren Amtseid vergessen und das Wohl der ihnen anvertrauten Bevölkerung ausser Acht lassen. Man kann das auch Korruption nennen. Bei einigen werden auch finanzielle Interessen mitspielen.
Dass der Staat ein finanzielles Interesse am Alkoholkonsum hat, kann nicht belegt werden. Übersteigen doch die alkoholbedingten Sozialkosten die vom Fiskus erhobenen Alkoholsteuern bei weitem. Auch sind diese so niedrig, dass sie den erwünschten Rückgang des Alkoholkonsums nicht bewirken können. (Ausnahme: Skandinavien)

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Gesundheitsfördernde Aspekte von Wein

Samstag 16. April 2011 von htm

Wein ist gesundheitsfördernd! Alkohol gilt im Allgemeinen als gesundheitsschädlich, doch maßvoller Weingenuss kann durchaus eine gesundheitsfördernde Wirkung haben. Bereits in der Antike wussten Griechen und Römer von der positiven Wirkung des Weins auf die Gesundheit – sie erkannten die beruhigende Wirkung auf das Gemüt und die anregende Wirkung auf den Verdauungstrakt sowie den Kreislauf. Nicht unterschätzt wurden bereits zur damaligen Zeit die Nebenwirkungen, die ein zu hoher Weinkonsum mit sich brachte. … (Quelle: Google Alkohol News, 16.4.11) biotechgov.org unser Online-Kommentar: Auch Wein enthält bekanntermassen Alkohol. Nach der grossen EU-Krebsstudie vom 9.4.11 kann ehrlicherweise nicht mehr vom gesunden Wein gesprochen werden, denn bereits geringe Mengen können krebsfördernd sein.
Dass immer nur der Wein als gesundheitsfördernd propagiert wird, obwohl alkoholfreie Trauben- und andere Fruchtsäfte und auch Gemüse die gleichen Antioxidantien oder Resverartrol enthalten, zeigt doch, dass rein finanzielle Interessen dahinter stehen, weil mit Wein mehr verdient werden kann. (Auf Kosten der Volksgesundheit)

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Alkohol stresst das Immunsystem

Freitag 15. April 2011 von htm

Stuttgart – Chronischer Alkoholkonsum setzt der Leber stark zu und kann zum Absterben von Leberzellen infolge von Entzündungen führen. Bindegewebe ersetzt dann die abgestorbenen Leberzellen. Wenn ein Großteil der Leber von Bindegewebe durchzogen ist, spricht man von Leberzirrhose. Bisher wurde das Entstehen einer Leberzirrhose vor allem auf eine direkte Schädigung der Leber durch Alkohol zurückgeführt. Eine Untersuchung unter Leitung des Internisten Christian Schäfer vom Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart, die kürzlich auf einem Fachsymposium vorgestellt wurde, deutet jedoch darauf hin, dass es noch einen anderen Schädigungsweg gibt. … (Quelle: stuttgarter-zeitung.de, 14.4.11)

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TOP NEWS: CH: Nur kein Glas Wein pro Tag ist wirklich gesund

Donnerstag 14. April 2011 von htm

Kommentar: Grosse Freude herrscht!! Der Tages-Anzeiger, die grösste Nicht-Boulevard-Tageszeitung der Schweiz, bringt heute auf der halben Titelseite und auf zwei Dritteln der Wissen-Seite die grosse EU-Krebsstudie, über die wir hier berichtet haben. Im englischen Teil berichteten wir hier, mit dem Link auf den Studienbericht im British Medical Journal.
Die Titelseite ist halb gefüllt mit einem Cartoon des hauseigenen Cartoonisten SCHAAD und auch der Titel sagt alles. Bemerkenswert ist, dass der Tages-Anzeiger wie auch die übrige schweizerische Presse seit der WHO-Resolution im Mai 2010 für eine globale Alkoholstrategie solche Meldungen boykottiert hat. Die deutschen Medien haben sofort reagiert. Jetzt ist zu hoffen, dass auch fundiert über die Aspekte einer wirksamen Alkoholprävention berichtet wird und die andern Medien nachziehen. Die Aktualität mit dem neuen Präventionsgesetz, der Revision des Alkoholgesetzes und der kommenden nationalen Dialogwoche Alkohol wäre ja gegeben. (Qelle: Tages-Anzeiger, 14.4.11)

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Russland muss Kampf gegen Alkohol aufnehmen

Mittwoch 13. April 2011 von htm

Russland kann die sinkende Lebenserwartung seiner Bevölkerung einer Studie zufolge nur durch einen Kampf gegen den Alkohol aufhalten.
Russland kann die sinkende Lebenserwartung seiner Bevölkerung einer Studie zufolge nur durch einen Kampf gegen den Alkohol aufhalten. Alkohol sei der wichtigste Faktor für die „starke negative Entwicklung“ bei der Demographie, sagte der Direktor des Berlin-Instituts, Reiner Klingholz, am Dienstag bei der Vorstellung einer Russland-Studie in der Bundeshauptstadt. … (Quelle: Google Alkohol News, 13.4.11) stern.de, 12.4.11

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D: Alkohol verursacht bei Männern 18 000 Krebsfälle jährlich

Mittwoch 13. April 2011 von htm

Krebs ist ein grausames Schicksal, doch ist die Krankheit wirklich nur Schicksal? Eine neue Studie zeigt, dass in Deutschland jährlich rund 18 000 Krebserkrankungen bei Männern durch Alkoholkonsum ausgelöst werden. Das ist in Europa ein trauriger Rekord. „Nach unseren Ergebnissen wären bereits sehr viele Krebsfälle vermeidbar, wenn die Empfehlungen der Gesundheitsorganisationen berücksichtigt würden, das heißt, wenn man als Mann nicht mehr als zwei Gläser beziehungsweise als Frau nicht mehr als ein Glas eines alkoholischen Getränks pro Tag konsumiert“, sagt Madlen Schütze, Erstautorin der Studie und Epidemiologin am DIfE. „Noch mehr Krebserkrankungen ließen sich vermeiden, wenn jeder ganz auf Alkohol verzichten würde.“ (Quelle: Google Alkohol News, 13.4.11) bild.de, 12.4.11 unser Online-Kommentar: An diesem Krebs-Bericht ist vor allem interessant, dass bei völligem Verzicht auf Alkohol viele Krebserkrankungen vermieden werden könnten. Bisher wollte uns ein Teil der Wissenschaft einreden, ein bis zwei Gläser pro Tag seien gesund.
Was die Möglichkeiten angeht, wie der Alkoholkonsum zum Wohl der ganzen Bevölkerung reduziert werden könnte, sind die Regierungen voll im Bild. Sie haben im Mai 2010 in Genf an der Generalversammlung der WHO eine Resolution für eine globale Alkohol-Strategie einstimmig beschlossen, die sie jetzt auf freiwilliger Basis in den Ländern umsetzen sollten. Leider sind viele Regierungen alkoholabhängig und nicht willens, dies zu tun. Statt dessen gibt es unnütze Alibiübungen und vor allem an die Jugend gerichtete Aktionen, die Erwachsenen werden geschont. Weiter wie bisher: Die Profite der Alkoholindustrie, die Schäden dem Volk.

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Leserbrief zur schweizerischen Schülerbefragung zum Suchtverhalten

Dienstag 12. April 2011 von htm

31.3.2011

Redaktion
Neue Zürcher Zeitung
8001 Zürich

Per e-mail
Leserbrief zu „Wenig verändertes Suchtverhalten“ vom 30.3.2011
Wenn man den Verlauf des Alkoholkonsums vergleicht, wird klar, dass bei den 15-Jährigen der wöchentliche Konsum seit der letzten Befragung 2006 zugenommen hat. Vergleicht man mit der Zeit vor der Alkopop-Hausse, sieht man, dass auch hier ein Anstieg festzustellen ist.
In den 90-er Jahren ist die staatliche Prävention angetreten, den Jugendalkoholismus zu vermindern. Wir haben immer noch einen Anstieg. Die staatlich verordnete Prävention setzte voll auf die neu erfundene Gesundheitsförderung, d.h. die Verhaltensprävention und vernachlässigte die strukturelle-, heute Verhältnisprävention genannt, weitgehend. Ausnahmen sind die lange sträflich verzögerte Herabsetzung der Promillegrenze und die nur auf die Jugend zielende Alkopopsteuer. Die Kantone und Gemeinden versuchten, mit Testkäufen den Jugendschutzgesetzen Nachachtung zu verschaffen, aber die unklare Rechtslage verhinderte auch hier ein befriedigendes Resultat. Die Alkopopsteuer erwies sich als isoliertes Heilmittel insofern als ungenügend, weil die Jugendlichen auf selbstgemixte Getränke auswichen und sich dem billigen Importschnaps zuwandten. Immerhin hat sie einmal mehr bewiesen, dass mit dem Preis der Konsum gesteuert werden kann.
Nun wird in den Medien wieder zur Tagesaktualität gewechselt, der Jugendalkoholismus ist wieder einmal erwähnt worden, aber Fragen werden keine verfolgt. Man macht sich keine Gedanken darüber, was mit diesen rauschtrinkenden Jugendlichen in einigen Jahren geschieht, obwohl bereits Untersuchungen vorliegen. Wirkende Alkoholsteuern dürfen nicht thematisiert werden, sie könnten dem Alkoholgewerbe schaden. Dafür darf vom Bundesrat eine Verteuerung der Autobahnvignette um über 100% vorgeschlagen werden, die als Kopfprämie Wenig- und Vielfahrer gleich treffen würde. Eine lebensrettende Verteuerung alkoholischer Getränke ist tabu. – Die Liberalen haben plötzlich gemerkt, dass die Eigenverantwortung bei der Atomkraft nicht funktioniert. Wann merken sie es beim Alkoholproblem?
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer

Gleicher Text auch an Redaktion Zürcher Oberländer
Redaktion Der Landbote
(In der NZZ nicht erschienen, bei den andern unbekannt)

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