Archiv für die Kategorie 'Wirtschaft'
Samstag 4. August 2012 von htm
26.7.2012
Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich
Per e-mail
Leserbrief zu „Schleichende Einführung des Mindestalters 18 für Bier und Wein“ am 24.7.12
Da hat die Freiburger Kantonsregierung in der politikarmen Ferienzeit eine kleine Lawine losgetreten, die natürlich die üblichen Reaktionen hervorgerufen hat. Tatsache ist, dass ein höheres Mindestalter beim Alkohol sich auf die Alkoholproblematik positiv auswirkt, d.h. Schäden verringert.
Die Politiker, die sich sonst lieber mit dem Gewerbe gut stellen, sollten für einmal den Jugendschutz ernst nehmen. Wenn das neue Alkoholgesetz ins Parlament kommt, wäre eine gute Gelegenheit, diese Regelung schweizweit einzuführen. Das würde die Vielspurigkeit einer kantonsweisen Lösung ersparen und auch die Kontrolle erleichtern. Erfreulich, dass sogar ein FDP-Ständerat die Bedeutung einer Korrektur beim Mindestalter erkennt und dafür einsteht. Vielleicht bringen noch andere diesen Mut auf. Immerhin ergab die Online-Umfrage im Tages-Anzeiger vom 25.7.12 eine Ja-Mehrheit von 63%.
Die unermüdlichen Verfechter der persönlichen Freiheit sollten sich einmal eingestehen, dass sie ihre schon längst an die Alkoholindustrie und ihre Werbung verloren haben. Sie bezahlen wie alle andern ungefragt ein Leben lang immense Summen für alkoholbedingte Sozialkosten, von den sozialen Kollateralschäden ganz zu schweigen. Wir seien alle Passivtrinker, sagt man bei der WHO.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
(nicht veröffentlicht)
Kategorie: Alkohol-Testkäufe, Allgemein, Erhältlichkeit, Jugend, Kinder, Leserbriefe, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Schweiz, Sozialkosten, Verhältnis-Präv., Werbung, Wirtschaft |
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Montag 16. Juli 2012 von htm
Endlich Urlaub. Abschalten, Spaß haben, entspannen. Alkohol gehört für viele zu einem gelungenenen Urlaub dazu. Reiseveranstalter locken mit All-inclusive-Angeboten, Lokale mit Flatrate-Partys. Schon nach dem Frühstück gibt es an der Hotelbar alkoholische Getränke gratis, am Strand sorgen Cocktails für Urlaubsstimmung und abends geht die Party richtig los. Die Ferien, die als Erholung gedacht waren, werden zur Belastungsprobe für den Körper. Zu viel Alkohol ist nie gesund, doch bei hohen Temperaturen birgt Alkoholkonsum besondere Gefahren. In einem neuen Themenschwerpunkt auf www.kenn-dein-limit.de informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), wie schnell das Trinkvergnügen im Urlaub zur Belastung für die Gesundheit werden kann: …
(Quelle: gesundheit-adhoc.de, 16.7.12)
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Montag 14. Mai 2012 von htm
10.5.2012
Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich
Per e-mail
Leserbrief zu „Alkohol- und Tabakprävention wird trotz Kritik fortgesetzt“ vom 10.5.2012
Endlich wird einmal von einer neutralen Stelle Klartext gesprochen. Was man schon seit Jahren wissenschaftlich erhärtet weiss, dass die von unsern staatlichen Stellen betriebene Alkoholprävention wenig bis nichts nützt, ist nun deutlich geworden. Leider wird das unsere bürgerlichen Wirtschaftsvertreter in Bundesrat und Parlament wenig erschüttern, denn das ist ja gerade, was sie wollen.
Dass das BAG die kritisierten Punkte, d.h. die allein wirksamen Massnahmen zu Erhältlichkeit und Preisgestaltung nicht weiter verfolgen will, da politisch nicht mehrheitsfähig, ist verständlich. Diese Leute wollen ja ihren Job behalten. Also müsste Druck von aussen kommen, damit sich etwas ändert. Aber aus welcher Richtung? Nicht einmal die Kirchen wagen es, öffentlich gegen König Alkohol aufzutreten. Der Tenor „Man kann ja doch nichts machen“ ist weit verbreitet.
Sollte nun, wie im Artikel angedeutet, auch der Vorschlag eines Alkoholverkaufsverbotes in der Nacht zurückgezogen worden sein, sind im neuen Alkoholgesetz-Entwurf alle zusätzlichen Massnahmen gestrichen worden, die eine Mitverantwortung der Gesellschaft berücksichtigen. Damit würde sich der Bundesrat, der die Resolution für eine globale Alkoholstrategie 2010 in Genf bei der WHO mitunterzeichnet hat, desavouieren und als Heuchler dastehen. In der Politik heisst das pragmatisches Verhalten.
Heute, am 10. Mai 2012, ist Nationaler Aktionstag Alkoholprobleme. „Mit der Frage „Und wo ist das Problem?“ wollen Alkoholfachstellen den öffentlichen Dialog anregen. Betroffene, Nahestehende, Fachleute und weitere Stimmen aus der Bevölkerung zeigen die unterschiedlichen Wahrnehmungen von Alkoholproblemen. Allzu oft wird weggeschaut. Der Aktionstag will das Schweigen brechen.“
Dass auch die wirksame Prävention angesprochen wird, ist eher zweifelhaft. Dafür gibt es keine Lorbeeren, denn die bürgerliche Mehrheit regiert die Schweiz.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
(mit einigen Kürzungen und Umformulierungen am 14.5.12 veröffentlicht)
Kategorie: Alkoholsteuern, Allgemein, Leserbriefe, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Religion und Alkohol, Schweiz, Verhaltens-Präv., Verhältnis-Präv., Verschiedene, Weltgesundheits-Org., Wirtschaft |
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Freitag 4. Mai 2012 von htm
Tankstellenshops sollen rund um die Uhr geöffnet haben und das gesamte Sortiment verkaufen dürfen. Der Nationalrat hat heute eine Gesetzesänderung gutgeheissen. Stimmt auch der Ständerat zu, wollen die Gewerkschaften das Referendum ergreifen.
Heute dürfen Tankstellenshops nachts zwar Kaffee oder Sandwiches verkaufen, nicht aber andere Produkte. Viele Shops müssen deshalb einen Teil ihres Lokals absperren. Mit 105 zu 73 Stimmen bei 3 Enthaltungen hat der Nationalrat nun einer Änderung zugestimmt, die auf eine parlamentarische Initiative aus den Reihen der FDP zurück geht. …
(Quelle: Tages-Anzeiger, 4.5.12) (Leserbrief pendent)
Kommentar: Das Alkoholgeschäft lockt, wird aber nicht erwähnt.
Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Arbeitsplatz, Erhältlichkeit, Jugend, Kultur, Politik, Schweiz, Sozialkosten, Verhältnis-Präv., Verkehr, Verschiedene, Wirtschaft |
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Freitag 4. Mai 2012 von htm
04.04.2012
Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich
Der britische Premier Cameron verschreibe „seinem Land Abstinenz von oben herab“. Dabei sollen Mindestpreise pro „Unit“ ab 2014 dafür sorgen, dass weniger getrunken werde. Wenn irgendwo versucht wird, den Konsum zu reduzieren, wird sofort von Prohibition oder wie hier von verordneter Abstinenz gesprochen. Eine völlig lächerliche Übertreibung und Stimmungsmache. Die schwachen Preiserhöhungen werden nur wenig bewirken können. Trotzdem will die Alkoholindustrie deswegen vor Gericht gehen. Dabei profitiert sie noch von den Preiserhöhungen, die nicht an den Staat fallen, wie es bei Steuererhöhungen der Fall wäre.
Ich vermisse im Artikel den Bezug zur Schweiz. Auch wir haben ein Alkohol-Problem. Unser Alkoholkonsum liegt nur etwa 15% unter dem britischen. Der Bundesrat will mit einem neuen Alkoholgesetz wenigstens den Jugendschutz teilweise verbessern. Dass er in einem Entwurf auch einen Mindestpreis vorsah, wird von David Hesse nicht erwähnt. Zwei Gutachten hätten den Bundesrat an der Rechtmässigkeit im Vergleich zu EU-Recht zweifeln lassen, weshalb er diese Massnahme wieder gestrichen habe. Es ist interessant zu verfolgen, ob es innerhalb der EU nun Mindestpreise geben darf. Der Bundesrat würde sie allerdings kaum nachträglich wieder ins Gesetz aufnehmen, hat er doch vor allem auf den Druck der Wirtschaft reagiert, wie nach dem Auftritt des Wirtschaftsvertreters in „10 vor 10“ des Schweizer Fernsehens zu vermuten war.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
(nicht veröffentlicht)
Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholsteuern, Allgemein, Erhältlichkeit, Internationales, Jugend, Kultur, Leserbriefe, Neues Alkoholgesetz (CH), Politik, Prominenz, Schweiz, Statistik, Verbraucherschutz, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Wirtschaft |
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Dienstag 1. Mai 2012 von htm
Am Anfang war eine Festlegung. „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen“, heißt es in der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation WHO. Vereinfacht gesagt: Gesundheit ist das Paradies auf Erden. Und die WHO, die oberste Sachwalterin des globalen öffentlichen Gesundheitsdienstes, ist gekommen, um es einzurichten – mithilfe der Regierungen.
Beispiel Krebs. Mehr als die Hälfte aller Tumorleiden ließen sich verhüten, haben Experten für öffentliches Gesundheitswesen (Public Health) der Washington-Universität in St. Louis kürzlich in einer Studie im Fachblatt „Science Translational Medicine“ festgestellt. …
Darum haben die Public-Health-Fachleute inzwischen einen neuen Übeltäter ins Visier genommen: den Alkohol. Anders als das puritanische Amerika zu Zeiten der Prohibition argumentieren sie jedoch nicht moralisch, sondern medizinisch. Weltweit seien vier Prozent aller Todesfälle auf den Alkohol zurückzuführen, die Belastung durch alkoholbedingte Krankheiten sei ebenso groß wie die durch Tabak, stellte das Fachblatt „Lancet“ 2009 fest. Fürs Erste erhoffen sich Gesundheitsexperten, durch Preiserhöhungen den Konsum zurückzudrängen. In England und Schottland plant die Regierung einen Mindestpreis von rund 50 Cent pro Alkoholeinheit um, wie es heißt, das Komasaufen zurückzudrängen. Eine Flasche Rotwein würde dann nicht unter vier Euro 60, eine Büchse des beliebten Lager-Starkbiers nicht unter ein Euro 40 zu haben sein. …
(Quelle: Google Alkohol News, 29.4.12) tagesspiegel.de, 29.4.12
unser Online-Kommentar: Im Abschnitt Alkohol wird vernachlässigt, dass die Alkoholschäden in einer Gesellschaft nicht nur die Gesundheit betreffen. Neben den [b]horrenden Sozialkosten[/b], die wir alle ungefragt ein Leben lang bezahlen, gibt es ein lange [b]Liste von Leiden[/b], die von Unbeteiligten getragen werden müssen. Opfer von Gewalt, sexueller Gewalt, Kinder in alkoholbelasteten Familien, Ehepartner, Unfallopfer. Würden alkoholische Getränke heute neu erfunden und eingeführt, würden sie umgehend verboten. Die Politik müsste, unabhängig von den Druckversuchen der Alkoholindustrie, sofort wirksame Massnahmen ergreifen, um den Konsum zu reduzieren. Die Massnahmen sind bekannt. Die EU ringt gegen starken Widerstand der Industrie um eine Alkoholstrategie. Die Interessen der alkoholproduzierenden Länder stemmen sich dagegen.
Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Europaparlament / EU-Kommission, Gesundheit, Internationales, Politik, Sozialkosten, Verbraucherschutz, Verhältnis-Präv., Weltgesundheits-Org., Wirtschaft |
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Sonntag 15. April 2012 von htm
Lateinamerikas Staatschefs wollen die Legalisierung.
Ich bin nicht gegen jeden Krieg. Ich bin gegen dumme Kriege.« Barack Obama hat diesen Satz als junger Senator gesagt. Er meinte damals den Irak-Feldzug, nicht den aussichtslosesten und längsten Krieg, den die USA jemals begonnen haben. Eine ganze Amtszeit lang hat Obama den war on drugs, den Krieg gegen die Drogen, unvermindert weitergeführt wie schon fünf seiner Vorgänger. Nun spürt er zum ersten Mal massiven politischen Widerstand. Nicht von einer Friedensbewegung, sondern von Amtskollegen auf dem Kontinent. Anlässlich des Gipfeltreffens der amerikanischen Staats- und Regierungschefs, das am Samstag im kolumbianischen Cartagena beginnt, fordern die lateinamerikanischen Präsidenten zum ersten Mal eine offene Debatte über die Entkriminalisierung der Drogen. Schon vergangenen November hatte Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos die Strategie der Kriminalisierung als »anachronistisch« bezeichnet und eine internationale Debatte über die Legalisierung vorgeschlagen. Monate später setzte er sie auf die Agenda des Gipfels und überwand schon im Vorfeld die wichtigste Hürde: Barack Obama nahm die Einladung trotz der für ihn prekären Tagesordnung an. Eine Debatte über die Legalisierung von Drogen ist im Wahlkampf das Letzte, was er brauchen kann. …
(Quelle: zeit.de, 14.4.12) mit vielen Kommentaren
Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Allgemein, Andere Drogen, Aufruf, Entwicklungs- und Schwellenländer, Erhältlichkeit, Gewalt/Kriminalität, Internationales, Jugend, Konsumhaltung, Kultur, Politik, Prominenz, Sozialkosten, Verbraucherschutz, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Wirtschaft |
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Freitag 13. April 2012 von htm
CDU/CSU-Bundestagsfraktion bereitet Eckpunkte für eine nationale Präventionsstrategie vor.
Unter dem Leitmotiv „Glückliches Deutschland: Gesundheitsbewusstsein und Vorbeugung“ haben Abgeordnete der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, darunter Johannes Singhammer, Jens Spahn, Annette Widmann-Mauz, ein Arbeitspapier mit Eckpunkten für eine nationale Präventionsstrategie erarbeitet, das als Vorlage für die Klausurtagung der AG Gesundheit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion am 12./13. April in Niedernberg dient.
Primäres Ziel einer nationalen Präventionsstrategie müsse es sein, heißt es in dem Papier, die gesundheitliche Eigenkompetenz und Eigenverantwortung in allen gesellschaftlichen Schichten zu aktivieren. Erforderlich sei ein Paradigmenwechsel hin zu einer stärkeren Betonung von Prävention und Gesundheitsförderung; diese müssten im deutschen Gesundheitswesen neben Kuration und Rehabilitation gleichwertig und verbindlich geregelt werden. …
(Quelle: aerzteblatt.de, 12.4.12)
unser Online-Kommentar:
Es tönt alles sehr schön. Nur muss man wissen, dass gemäss heutigem Bericht der DHS der Alkoholkonsum praktisch gleich hoch geblieben ist, obwohl eine Unmenge an Verhaltens-Prävention gelaufen ist. Genau die Prävention, die in dem Papier angestrebt wird: Förderung der Eigenkompetenz und Selbstverantwortung. Das reicht offenbar nicht. Die Wissenschaft berichtet dies schon lange.
Andererseits wird erwähnt, „Diese Ziele sollten sich daran orientieren, wie verbreitet und schwerwiegend die Krankheit oder Gesundheitsstörung sind, wie beeinflussbar sie durch Maßnahmen der Prävention sind, welchen volkswirtschaftlichen Stellenwert sie haben und inwieweit Präventionsmaßnahmen evidenzbasiert sind und eine positive Kosten-Nutzen-Relation haben.“
Das wäre genau die Alkoholpolitik, die nötig wäre. Aber man kann jetzt schon davon ausgehen, dass dieser kleine Passus wichtiger sein wird: „welchen volkswirtschaftlichen Stellenwert sie haben.“ Der Einfluss der Alkoholindustrie wird alle schönen Ankündigungen wie bsher im Sand verlaufen lassen.
Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Allgemein, Arbeitsplatz, Gesundheit, Internationales, Jugend, Nichtübertragbare Krankheiten, Politik, Rehabilitation, Verhaltens-Präv., Verhältnis-Präv., Wirtschaft, Zitate |
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Dienstag 6. März 2012 von htm
Einleitung aus: SECO: Die Volkswirtschaft 1/2-2012
Mit der Totalrevision des 80-jährigen Alkoholgesetzes legt der Bundesrat den Grundstein für eine zeitgemässe, kohärente und wirksame Alkoholpolitik. Der Spirituosen- und Ethanolmarkt wird liberalisiert und der staatliche Aufgabenfächer gestrafft. Künftig konzentriert sich staatliches Handeln auf tatsächliche Brennpunkte. Zudem wird der Vollzug auf Bundesebene sowie die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen optimiert. Unter dem Strich führt die Revision sowohl auf Behördenseite wie auch auf Seiten der Wirtschaft zu einer bedeutenden Reduktion der eingesetzten Ressourcen. Nach der Verabschiedung der Botschaft durch den Bundesrat am 25. Januar 2012 wird nächstens das Parlament über die zwei neuen Gesetze – das Spirituosensteuergesetz und das Alkoholhandelsgesetz – entscheiden. …
(Quelle: Infoset Newsletter März 2012)
Kommentar: Zeitgemäss bedeutet hier Liberalisierung, kohärent ist die Erfüllung der Wünsche der Alkoholindustrie und wirksam ist wohl nur der Schutz der Alkoholinteressen. Der generelle Rückgang des Alkoholkonsums über 30 Jahre wird als Vorwand benutzt, keine wirksamen Massnahmen zu ergreifen. Es wird übersehen, dass die alkoholbedingten Schäden trotz des Rückgangs gewaltig sind und mit laufender Forschung noch zunehmen. Wenn auf 10 Milliarden Franken Jahresumsatz 6.5 Milliarden (1998) alkoholbedingte Schäden anfallen, spricht das Bände. Der Versuch, die Erhältlichkeit während der Nacht einzuschränken und die Testkäufe rechtlich abzusichern ist löblich. Ob das Parlament mitzieht, ist offen und was es schliesslich bringt, ebenfalls. An der Tatsache, dass die Bevölkerung keine Chance hat. sich über die wirklichen Zusammenhänge eine eigene Meinung zu bilden, weil die nötigen Informationen vorenthalten werden und oft nur die Desinformation via Werbung und Medien gepflegt wird, ändert dieses Gesetz nichts. Weiterhin wird gelten: Die Schäden der Bevölkerung, der Profit der Alkoholindustrie.
Weitere Artikel in dieser Nummer: Alkoholprävention – zum Wohl! Pascal Strupler
(Kommentar: Gute Situationsschilderung – ohne konkrete Erfolgsaussichten.)
Legalisierung von Testkäufen und verdeckte Ermittlungen im Gastgewerbe: Relationen sind aus den Fugen geraten. Bernhard Kuster
Kohärente Alkoholpolitik – zum Wohl von Individuum und Gesellschaft. Marina Carobbio
Kategorie: Alkohol-Testkäufe, Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Allgemein, Erhältlichkeit, Gesundheit, Jugend, Kinder, Konsumhaltung, Medien, Nationales Programm Alkohol NPA, Neues Alkoholgesetz (CH), Newsletter, Nichtübertragbare Krankheiten, Politik, Prominenz, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Verbraucherschutz, Verhältnis-Präv., Verkehr, Veröffentlichungen, Verschiedene, Werbung, Wirtschaft |
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Sonntag 4. März 2012 von htm
ZÜRICH – Kurz vor seiner Pensionierung schreckt der Verwaltungspräsident Claude Hauser Genossenschafter auf: Er hält das Alkoholverbot der Migros für altmodisch.
Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler würde sich im Grab umdrehen: Ausgerechnet das Verkaufsverbot für Alkohol will Migros-Präsident Claude Hauser umstossen. «Der Wein ist nichts schädliches, zumindest bei ihm – ich spreche nicht von Bier oder Spirituosen – gibt es eigentlich keine Rechtfertigung für ein Verbot», sagt der 69-Jährige in einem Interview mit der Zeitung «Sonntag».
In seiner Vision eines moderneren Grossverteilers sieht der Verwaltungsratspräsident Gestelle voller Weinflaschen. «Problematisch finde ich, wenn Coop den Jungen in ihren Shops auch spät in der Nacht Alkohol verkauft. Aber Wein in den Regalen zu haben, mit Schweizer Weinbauern zusammenarbeiten: Das wäre absolut unproblematisch.» …
(Quelle: blick.ch, 4.3.12) Tages-Anzeiger, 4.3.12
Kommentar: Migros-Präsident Hauser legt seinem Nachfolger oder seiner Nachfolgerin ein faules Ei ins Nest. Der einzige moralische Pluspunkt gegenüber der Konkurrenz ist noch dieses Alkohol- und Tabakverbot. Fallen diese weg, besteht kaum mehr ein Grund, nicht bei andern Detailhändlern einzukaufen. Bisher hat die Migros es geschafft, ohne diese Suchtmittel profitabel zu wirtschaften, was eine rühmenswerte Leistung darstellt.
Wird der Alkoholverkauf eingeführt, wird kaum mehr ein Unterschied zu Coop-Verkaufsmethoden bestehen. Verkaufszeiten, Billig-Aktionen, Alkohol-Werbung – alles würde ausgereizt werden, um die Konkurrenz zu übertreffen. Der Gesamtkonsum hängt bekanntlich mit der Erhältlichkeit, d.h. auch mit der Anzahl Verkaufsstellen zusammen.
Dass Wein nicht schädlich sei, weiss er aus der Weinwerbung, und weil er nicht die massgeblichen wissenschaftlichen Untersuchungen liest. Alkohol ist Alkohol, egal in welcher Lösung er auftritt. Bereits ein Standard-Glas täglich erhöht das Krebsrisiko messbar. Bei der Schädigung in der Familie oder weiteren Umwelt durch Gewalt, im Verkehr, beim Sex usw. ist es auch gleichgültig, ob Wein oder Bier im Spiel war.
Es bleibt zu hoffen, dass die Migros ihr (nach Le Shop, Denner und Migrolino) verbliebenes Prestige behält, das sie weltweit so ziemlich einmalig macht.
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