www.alkoholpolitik.ch

Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Medien'

Leserbrief zum Corona-Virus, Artikel im Tages-Anzeiger

Donnerstag 26. März 2020 von htm

26.03.2020

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Der ignorante Deutschschweizer“ im Tagi vom 26.3.20

Genf, die Waadt und das Tessin weisen die höchsten Fallzahlen auf. Und das Wallis? Philippe Reichen schreibt: „Die Erklärungsversuche fallen dürftig aus, nach Gründen will man mancherorts nicht einmal mehr suchen.“ Wie wäre es mit diesem Erklärungsversuch? Die Nicht-deutschschweizer Kantone weisen den höchsten Alkoholkonsum in der Schweiz auf. Alkohol schädigt bekanntlich das Immunsystem. Bisher habe ich weder in den Medien noch von Behörden eine entsprechende Warnung an die Bevölkerung gesehen oder gehört.

Wohl ist der Alkoholkonsum im Gastgewerbe nun unterbunden worden. Doch wer in der verordneten Quarantäne zu Hause über einen Wein- oder Biervorrat verfügt, ist in dieser psychisch anspruchsvollen Zeit erst recht versucht, Trost im Alkohol zu suchen. Auch wird in Lebensmittelgeschäften der Alkoholsektor nicht abgesperrt. Für Nachschub ist also gesorgt. Singles und die ältere Risikogruppe sind besonders gefährdet.

Ist ein Grund für die fehlende Information wohl die Befürchtung, die Alkoholindustrie, als systemrelevant, könnte leiden? Auch in der Zeit darnach? Oder will man damit erreichen, dass möglichst viele Menschen vom Virus infiziert und dann hoffentlich immunisiert werden? Kollateralschäden bei den Risikogruppen werden in Kauf genommen? Die belasten ja doch nur die Rentenversicherungen und die AHV?

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(Am 27.3.20 vollumfänglich veröffentlicht.)  Der verlinkte Online-Artikel wurde für die Druckausgabe gekürzt.

Nachtrag: Artikel im Tages-Anzeiger vom 28.3.20: „Online blüht das Geschäft“, gemeint ist das Geschäft mit Wein. Überschrift zum letzten Abschnitt: „Rentner bestellen fleissig.“ Letzte Sätze: “ Gleich doppelt so viel wie vor einem Jahr, so verraten ihm seine Statistiken, bestellen die über 65-Jährigen, die zu Hause blieben. Eigentlich eine gute Nachricht.“
Kommentar: Gut für den Weinhändler, schlecht für jene Kunden, die nicht masshalten können und den schon bestehenden Altersalkoholismus noch anheizen.

 

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Alter, Aufruf, Dokumente, Erhältlichkeit, Gesundheit, Internationales, Leserbriefe, Medien, Politik, Prävention, Schweiz, Senioren, Statistik, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Vorsorge, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Leserbrief zu Bestrebungen, Cannabis in der Schweiz zu legalisieren

Freitag 31. Januar 2020 von htm

31.01.2020

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Verantwortungsvoller Umgang mit Cannabis ist möglich“. TA vom 28.1.20

Ohne den Artikel gelesen zu haben, wird man sofort zustimmen und beipflichten, der verantwortungsvolle Umgang mit Cannabis ist möglich. Genauso möglich wie mit andern Drogen; es heisst ja immer wieder, es komme auf die Dosis an. Sogar mit Alkohol, der gefährlichsten Droge, wenn man die sozialen Kriterien mitberücksichtigt, ist ein „verantwortungsvoller Umgang“ möglich, was immer das heisst. Vergleicht man die bei Cannabis zu erwartenden Schäden mit denen des Alkoholkonsums in der Schweiz müsste man bei Cannabis von Bagatellen sprechen. Dass die Cannabis-Lobby trotzdem eine regulierte Abgabe befürwortet, ist lobenswert.

Wenn man bedenkt, dass in der vielfach gefährlicheren Alkoholfrage die Alkohollobby es mit ihren unbegrenzten Mitteln geschafft hat, unsere Regierungen und Parlamente dermassen lahmzulegen, dass von Prävention kaum mehr die Rede sein kann, ist es allerdings fraglich, ob diese Regulierung die erhoffte Wirkung im präventiven Bereich erreichen würde.

Mit Cannabis werde bereits jetzt ein Jahresumsatz von einer Milliarde Franken erzielt. Ist Cannabis einmal legalisiert, wird dieser Umsatz massiv ansteigen, denn sowohl die Tabak- wie auch die Alkoholindustrie wird massiv in diese Wachstumsindustrie investieren und mit ihrer Erfahrung auch in diesem Drogenproblem Regierungen und Parlamente unter ihren Einfluss bringen. Das Ergebnis kennen wir von Alkohol und Tabak: Die Kosten und die immateriellen Schäden trägt der Steuer- und Prämienzahler, die Bevölkerung; die Profite gehen an die Drogenindustrie.

Wer ein bisschen nachdenkt, kommt zum Schluss, dass die Parlamentarier und die Regierungen zuerst ihr Augenmerk auf die vernachlässigten Alkohol- und Tabakfragen richten, und ein Abgabe- und Steuersystem für alle Drogen einführen sollten.

Freundliche Grüsse

Hermann Meyer
Effretikon

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholsteuern, Allgemein, Andere Drogen, Erhältlichkeit, Gesundheit, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Jugendliche, Kultur, Leserbriefe, Medien, Medizin, Parlamente/Reg., Prävention, Schweiz, Sozialkosten, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Werbung | Keine Kommentare »

Leserbrief zu „Alkohol als Killer Nr. 1 bei 15-24-Jährigen

Mittwoch 23. Oktober 2019 von htm

12.10.2019

Neue Zürcher Zeitung
Redaktion Leserbriefe
8001 Zürich

Per e-mail

Betr. «Alkohol ist bei 15- bis 24-Jährigen der Killer Nummer eins», NZZ vom 12.10.19

Es freut mich sehr, dass Herr Gmel den Jellinek-Award erhalten hat. Ich möchte ihm auf diesem Weg dazu herzlich gratulieren. Er ist einer der wenigen Fachleute, die bei diesem so wichtigen Thema geblieben sind, obwohl dabei kaum Lorbeeren zu ernten sind. Sehr viel Knowhow ist in den letzten zehn Jahren so verloren gegangen. Die geballte Macht der Alkohollobby hat Politik, Wirtschaft und Gesellschaft dermassen in Geiselhaft genommen, dass nur ausnahmsweise (wie hier) über die negativen Seiten des Alkohols berichtet wird.

Der im Interview ein wenig auftauchende Gegensatz zwischen Wissenschaft und Präventionsfachleuten ist erklärbar: Seit der Einführung der 0,5 Promillegrenze und der Alcopop-Steuer ohne wirksame Begleitmassnahmen wurden praktisch alle möglichen präventiven Schritte abgewürgt und bestehende, altbewährte Massnahmen aufgehoben. Das hat viele Fachleute gezwungen, neue Wege der Prävention stärker zu betreiben, d.h. weg von der Verhältnis- hin zur Verhaltensprävention, die leider nur wenig erreichen kann.

Seriöse Wissenschafter auf dem Gebiet des Alkohols sind sich natürlich über die Wirksamkeit möglicher Gegenmassnahmen im klaren. Sie haben ja, wie Herr Gmel, zu den Vorbereitungen zur WHO-Resolution von 2010 in Genf über eine globale Alkoholstrategie beigetragen. Dass die Schweiz als Mitunterzeichnerstaat, diese Resolution in den Schubladen verschwinden liess, ist nur die Bestätigung des oben erwähnten Zustandes.

(veröffentlicht am 22.10.2019)

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Dokumente, Gesundheit, Internationales, Jugend, Jugendliche, Leserbriefe, Medien, Politik, Schweiz, Statistik, Verhaltens-Präv., Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Verschiedene, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie | Keine Kommentare »

Leserbrief zu „Gegen Alzheimer kann man was tun“

Mittwoch 21. August 2019 von htm

21.8.2019

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Gegen Alzheimer kann man was tun“, Tages-Anzeiger vom 20.8.19

„Auf den Blutdruck achten, nicht rauchen, Übergewicht vermeiden – mit solchen und weiteren Massnahmen kann man einer Demenzerkrankung vorbeugen…“ Drei grosse aktuelle Studien sollen dies belegen.

Erstaunlich nur, dass auf der ganzen Artikelseite der bedeutende Risikofaktor Alkohol mit keinem Wort erwähnt wird. Ganz anders als im Artikel vom 7. Mai 2018 in dieser Zeitung, wo es in der Überschrift hiess: „Alkohol schlägt auch aufs Gehirn. Wer immer wieder zu viel trinkt, erhöht damit die Wahrscheinlichkeit, später an Demenz zu erkranken. Helfen könne nur Prävention – und eine höhere Steuer auf alkoholische Getränke.“

Weiteres Zitat aus jenem Artikel:Eine der grössten Studien zu diesem Thema kommt nun zum Schluss: Starker Alkoholkonsum wird als Risikofaktor für Demenz deutlich unterschätzt. «Alkohol sollte als einer der Hauptrisikofaktoren für alle Arten von Demenz anerkannt werden», fordert Michaël Schwarzinger von der Universität Paris Diderot und Mitautor der Studie, die kürzlich im Fachblatt «Lancet Public Health» erschienen ist. Dreifach erhöhtes Risiko In ihrer landesweiten Beobachtungsstudie werteten die Forscher die Krankenakten von mehr als 31 Millionen Franzosen aus, die zwischen 2008 und 2013 in französischen Krankenhäusern behandelt worden waren. Die Daten zeigen: Männer oder Frauen, die regelmässig viel Alkohol trinken, haben ein dreifach höheres Risiko, an einer Demenz zu erkranken als der Durchschnitt. Bei jenen, die früh an einer Demenz erkranken, also vor dem 65. Lebensjahr, tranken mehr als die Hälfte, nämlich 57 Prozent, regelmässig viel Alkohol. …“

Warum Alkohol in den neuen Studien oder vom Artikelschreiber ausgeklammert wurde, darüber lässt sich nur spekulieren. Vielleicht aus dem selben Grund, der dazu geführt hat, dass vor rund hundert Jahren der damalig führende Alkoholforscher, Prof. Dr. Auguste Forel, von seinen Professoren-Kollegen aus der Uni Zürich weggemobbt worden war.

Freundliche Grüsse

Hermann  T. Meyer
Effretikon

Link zum Artikel: https://www.tagesanzeiger.ch/zeitungen/alkohol-schlaegt-auch-aufs-gehirn/story/20283875#mostPopularComment

Link zu meinem veröffentlichten Leserbrief: https://www.alkoholpolitik.ch/2018/05/09/leserbrief-zu-alkohol-schlaegt-auch-aufs-gehirn/

(nicht veröffentlicht, Anfrage beim Tages-Anzeiger-Ombudsmann am 29.8.19)

Kategorie: Alkoholkrankheit, Allgemein, Alter, Gesundheit, Leserbriefe, Medien, Politik, Senioren, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen | Keine Kommentare »

Leserbrief zum Artikel über das Fête des Vignerons im Tages-Anzeiger

Mittwoch 21. August 2019 von htm

5.8.2019

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Zürich schampar joli an der Fête des Vignerons in Vevey“, Tages-Anzeiger vom 5.8.19

Man lese und staune: Unsere Regierungspräsidentin Carmen Walker Späh, die Liberale von der Partei mit der Eigenverantwortung, bei der das Recht auf Rausch zu den zivilisatorischen Grundwerten zählt, bekennt sich (wahrscheinlich zum ersten Mal) zur Prävention. Sie rät der andächtig zu ihr aufschauenden Bevölkerung: „Wichtige Geschäfte soll man immer zweimal besprechen – zuerst betrunken und dann nüchtern“.

Warum fällt mir da sofort die Affäre ihres Parteikollegen BR Cassis ein mit dem Tabaksponsoring für den Schweizer Pavillon an der nächsten Weltausstellung? Nur muss da die zweite Besprechung erst nach den empörten Protesten stattgefunden haben. Verzögert sich die Einigung mit der EU wohl auch deshalb, weil die Schweizer Verhandlungspartner immer noch bei der ersten Besprechung stehen geblieben sind?

Unserer Regierungspräsidentin gebührt jedenfalls grosser Dank für diesen Einblick in die politischen Meinungsbildungsprozesse. Dass Alkohol dabei eine wichtige Rolle spielt, wissen wir zwar schon lange, aber von so kompetenter Stelle wurde uns dieser Sachverhalt noch kaum je erläutert.

Freundliche Grüsse

Hermann  T. Meyer
Effretikon

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Allgemein, Andere Drogen, Europaparlament / EU-Kommission, Feste und Feiern, Geschichten, Kultur, Leserbriefe, Medien, Politik, Prominenz, Schweiz, Veranstaltungen, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Zitate | Keine Kommentare »

Leserbrief über Artikel zur amerikanischen Prohibitionszeit

Sonntag 27. Januar 2019 von htm

18.1.2019

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Die gosse Trockenheit“ am 17.1.19

Ein grosses Kompliment an Berit Uhlmann, die wahrscheinlich als Erste im Tages-Anzeiger einen ausgewogenen Bericht über die Alkohol-Prohibition in den USA gewagt und geschrieben hat. Man könnte direkt denken, dies sei ein Produkt der neuen Ehrlichkeit eines verantwortungsbewussten Journalismus.

Es wäre interessant zu wissen, wie viele Fälle von Leberzirrhose in absoluten Zahlen vermieden werden konnten. Es heisst „die Hälfte“. Dazu müsste man noch die vielen andern Erkrankungen rechnen, vor allem Krebs, die vom Alkohol verursacht wurden, was man damals noch nicht wusste.

Die drei Lehren, die das NIAAA damals zog, gelten auch heute noch: Die wirksamsten Massnahmen, den Alkoholkonsum (und damit die alkoholbedingten Schäden) zu reduzieren sind steigende Preise und die Einschränkung der Verfügbarkeit. Diese anzuwenden wären eigentlich alle WHO-Mitgliedsländer moralisch verpflichtet. Damals haben die Politiker die Prohibition aufgehoben, um den Staat zu schonen und ihm die Steuermilliarden wieder zu schenken, auf Kosten der Volksgesundheit. Heute schonen die Politiker in der Schweiz die milliardenschweren Alkoholmultis auf Kosten der Volksgesundheit und der Öffentlichkeit, welche die Alkoholschäden trägt.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholindustrie, Alkoholkrankheit, Alkoholsteuern, Allgemein, Erhältlichkeit, Gesundheit, Gewalt/Kriminalität, Internationales, Leserbriefe, Medien, Politik, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Verhältnis-Präv., Veröffentlichungen, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie | Keine Kommentare »

Leserbrief zur Meldung in der Coopzeitung „Junge Frauen im Alkoholrausch“

Sonntag 11. November 2018 von htm

An die Redaktion
der Coopzeitung

coopzeitung@coop.ch

Sehr geehrte Damen und Herren,

„Junge Frauen im Alkoholrausch“

Ihre Kurznachricht an vorderer Stelle in der letzten Nr. 45 vom 6. Nov. 18 muss für Sie wie eine Erfolgsstory, ein Triumpfgesang tönen: Gemäss der aktuellen Gesundheitsbefragung des Bundesamtes für Statistik hat sich die Zahl der jugendlichen Rauschtrinkerinnen zwischen 2007 und 2017 verdoppelt. Bei den männlichen Jugendlichen gab es einen Anstieg von 19% auf ebenfalls 24%. Ihre Mitwirkung bei der Einführung der Alcopops hat sich somit ausgezahlt. Die Frauen und die Jugendlichen wurden damit für den Alkoholkonsum gewonnen, für Nachwuchs bei den Alkoholschäden haben Sie massgeblich, als grösster Alkoholhändler in der Schweiz mitgesorgt. Mindestens die heutigen über 100’000 Kinder und Jugendliche, die in alkoholbelasteten Familien aufwachsen müssen, und die kommenden Generationen werden es Ihnen hoffentlich danken.

Freundliche Grüsse

Hermann Meyer

(nicht veröffentlicht)

Kategorie: Alcopops (de), Allgemein, Erhältlichkeit, Geschlechtspezifische, Gesundheit, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Jugendliche, Kinder, Leserbriefe, Medien, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Veröffentlichungen, Werbung, Wirtschaft | Keine Kommentare »

Leserbrief zu „Kulturverlust durch Abstinenz? Aber nein!

Freitag 21. September 2018 von htm

21.09.2018

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Betr. Meinungen

Leserbrief zu „Kulturverlust durch Abstinenz? Aber nein! Vom 21.9.2018

Um auf die Frage im Titel genauer zu antworten: Aber nein, sonst hätte die Mehrheit der Erdenbewohner keine Kultur! Und unsere alkoholische Scheinkultur wäre das Mass aller Dinge.

Zum Glück lesen die meisten Leute nur das Fettgedruckte. Immerhin hat Redaktor Hesse im ersten Teil richtige Fakten aufgetischt, aber gegen den Schluss wird er richtig komisch-ironisch. Damit bedient er die offenbar jetzt angesagte Masche, das Alkoholproblem zu verharmlosen. Jetzt, wo die Fakten derart erdrückend wurden, macht man sich lustig und verdeckt das bisherige Versagen.

Dazu wird das Schreckgespenst der totalen Nüchternheit als Ziel von WHO und EU-Kommissär an die Wand gemalt. Dabei war und ist das Ziel der Suchtprävention immer die Reduktion der suchtbedingten Schäden. Das kann erreicht werden, indem möglichst viele Massnahmen grossflächig getroffen werden, die den Konsum senken. Erstmals hat die WHO an ihrer Generalversammlung im Mai 2010 mit ihrer einstimmig verabschiedeten Globalen Alkohol Strategie die wirkungsvollsten Möglichkeiten für eine Konsumreduktion aufgelistet. Dies nach jahrelangen Verhandlungen auch mit der Alkoholindustrie auf allen Kontinenten. Die Schweiz hat mitunterzeichnet und den Beschluss sofort schubladisiert.

Die im Text erwähnte Konsumminderung ist natürlich nicht von selbst eingetreten. Während des ganzen letzten Jahrhunderts tobte ein dauernder Kampf zwischen der Alkoholindustrie, ihrer Lobby in Parlamenten, Regierungen und Medien und der Gesundheitslobby verschiedenster Schattierungen. Einiges wurde erreicht, einiges wurde in diesem Jahrhundert wieder aufgegeben. Begründung: Der Konsum geht ja zurück. Dabei wird verschwiegen, dass der Risikokonsum steigt. Die Schäden sind nach wie vor vorhanden. Von denen spricht niemand.

Bei der Untersuchung der Lebenszufriedenheit wurden sicher nicht die Opfer des übermässigen oder fahrlässigen Alkoholkonsums befragt: Die leidenden Ehepartner, die über 100‘000 Kinder und Jugendlichen in alkoholbelasteten Familien, die vergewaltigten Frauen, die ungeliebten, im Rausch erzeugten Kinder, die Hinterbliebenen von Gewalt- und Unfallopfern, die Invaliden, die Krebskranken, die sexuell ausgebeuteten, die von Hooligans verletzten Polizisten und Rettungsmannschaften, ganz zu schweigen von den Milliarden Franken, die uns diese Droge jährlich kostet. Sie ist die gefährlichste,  wenn man ihre gesellschaftliche Relevanz mitberücksichtigt.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(nicht veröffentlicht)

Siehe auch WHO Global Status Report on Alcohol and Health 2018

Kategorie: Alkoholindustrie, Allgemein, Europaparlament / EU-Kommission, Gewalt/Kriminalität, Internationales, Jugend, Kinder, Kultur, Leserbriefe, Medien, Parlamente/Reg., Politik, Prävention, Schweiz, Sozialkosten, Statistik, Verhältnis-Präv., Verkehr, Veröffentlichungen, Verschiedene, Weltgesundheits-Org., WHO globale Alkohol-Strategie | Keine Kommentare »

Leserbrief an die Tages-Anzeiger Chefredaktorin

Sonntag 16. September 2018 von htm

08.09.2018

Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Leserbrief zu „Mehr Platz für Ihre Meinung“ vom 8.9.18

Sehr geehrte Frau Wittwer,

Sie berichten über die Ergebnisse Ihrer Umfrage vom 9. Juli. Ich möchte nachdoppeln beim Wunsch von Lesern, dass die Leserbriefseite vergrössert werde. Immer mehr wurde durch Werbung oder Beiträge von eigenen Leuten die Äusserungsmöglichkeiten der Leserschaft eingeschränkt. Auch die Karikaturisten sollten eine andere Seite erhalten.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich meine Anerkennung zollen, dass in kurzer Zeit mehrere Artikel mit Bezug aufs Thema Alkohol erschienen sind, welches in den letzten Jahren stark vernachlässigt worden ist. Zum ersten Mal scheint mir, dass das „Plädoyer für eine freie Presse“ von Herrn Supino, erschienen am 3.9.18 ernst gemeint war, wenn er schreibt, er verstehe es als Kern der verlegerischen Verantwortung, für unabhängige Medien einzustehen. Bisher konnte ich auf solche Äusserungen nur mit Unglauben reagieren.

Wenn ich mir einen Hinweis gestatten darf: In vielen aktuellen Themengebieten spielt Alkohol eine wesentliche Rolle, er wird aber nicht oder nur am Rande kurz erwähnt, weil er immer noch tabuisiert wird. Z.B. Gewalt gegen Behörden, Polizei, Rettungsmannschaften; oder die Armutsdiskussion (7.9.18) ein grosser Teil der Armut ist alkoholbedingt; oder Sex der jungen Schweizerinnen (8.9,18).

Der heutige Mamablog hat mich freudig überrascht. Soviel Sachverstand habe ich in letzter Zeit zum Thema noch selten im Tagi gefunden. Vielleicht können Sie ja mit der Zeit wieder einmal einen Sachbearbeiter einstellen, der das Thema fachlich einigermassen beherrscht und dauernd betreut.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(Mit Kürzungen am 15.9.18 bei Leserbriefen veröffentlicht)

Kategorie: Allgemein, Armut, Gewalt/Kriminalität, Jugend, Leserbriefe, Medien, Schweiz, Sport, Veröffentlichungen | Keine Kommentare »

Leserbrief zum schweiz. Aktionstag Alkoholprobleme

Dienstag 29. Mai 2018 von htm

27.05.2018

Zürcher Oberland Medien AG
Redaktion
Rapperswilerstrasse 1
8620 Wetzikon

E-Mail: redaktion@zol.ch

Leserbrief zu „Auf der Strasse des Rauschs Richtung Nirgendwo“ Im Zürcher Oberländer vom 24.5.18

Aus Anlass des alljährlich stattfindenden schweizerischen Aktionstages „Alkoholprobleme“ brachte der Zürcher Oberländer eine Seite über eine Effretikerin, die an dieser Krankheit leidet. Zuerst einmal danke, dass Sie wieder einmal auf unser grösstes sozialmedizinisches Problem mit diesem Artikel hinweisen. Es wurde in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt.

Als Kenner des Problems möchte ich zusätzlich auf ein paar Besonderheiten hinweisen: Dass es schwierig ist, seinen Drang nach Alkohol zu zügeln hat vor allem auch damit zu tun, dass Alkohol eine abhängigmachende und persönlichkeitsverändernde Droge ist. U.A. wird die Willenskraft geschwächt, die Rückfallgefahr besteht bis zum Lebensende.

Im Bericht steht nichts über die Wichtigkeit einer Nachbetreuung in der Gruppe. Einige Alkoholberatungsstellen oder Vereine bieten solche Gesprächskreise an, in denen vor allem der Wiedereintritt in die Gesellschaft nach einer Kur geübt und gestärkt werden kann. In der Forel-Klinik finden ab und zu Veranstaltungen statt, an denen solche Angebote vorgestellt werden.  Auch der erwähnten Frau Gerber würde eine solche Gruppentherapie wahrscheinlich helfen.

Vier Monate ist Frau Gerber „trocken“ und denkt schon daran, den Konsum wieder kontrolliert aufzunehmen. Sie glaubt, sie sei stärker als das Verlangen. Ein trügerischer Glaube. Herr Dinter,  der Therapeut, hat recht, wenn er sagt, es sei leichter, ganz abstinent zu leben. Hoffentlich kommt Frau Gerber möglichst bald auch zu dieser Einsicht.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer
Effretikon

(unbekannt ob veröffentlicht)

Kategorie: Alkoholkrankheit, Allgemein, Geschichten, Gesundheit, Leserbriefe, Medien, Rehabilitation, Schweiz, Veröffentlichungen | Keine Kommentare »

Powered by Gb-rugs.com - Rugs & Carpets

Get Adobe Flash player