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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Archiv für die Kategorie 'Arbeitsplatz'

Tabubruch im Berliner Trinkbetrieb

Samstag 9. Juli 2011 von htm

„Ich bin alkoholkrank“: Der CDU-Abgeordnete Schockenhoff bricht mit seinem mutigen Bekenntnis ein Tabu. Trinkende Politiker gibt es in Berlin zuhauf, doch niemand redet gerne darüber. Beginnt jetzt eine neue Debatte über das Thema Sucht und Politik?
Der Abgeordnete Andreas Schockenhoff fiel bislang eher selten auf. Als Außenpolitik-Experte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion arbeitete er ruhig seine Themen ab. Doch nun steht er plötzlich im Rampenlicht. Sein Bekenntnis ist äußerst ungewöhnlich: “ Mir ist bewusst, dass ich alkoholkrank bin“, gab er in einer persönlichen Erklärung zu.
Auslöser für das Geständnis war ein Problem mit der Justiz: Dem stellvertretenden Unionsfraktionsvorsitzenden steht ein Ermittlungsverfahren wegen Unfallflucht und Trunkenheit im Verkehr bevor, seine Immunität soll aufgehoben werden. (Quelle: Google Alkohol News, 9.7.11) spiegel.de, 8.7.11

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D: Schnapsverkauf an Kinder schreckt in Villingen-Schwenningen auf

Samstag 18. Juni 2011 von htm

Das städtische Bürgeramt ging in den letzten Wochen mit minderjährigen Testkäufern für Alkohol und Tabak auf Tour. Dabei wurden 55 Einzelhandelsbetriebe im Stadtgebiet kontrolliert. Die Altergrenzen für den Verkauf der Waren wurden jedoch oftmals einfach ignoriert.
Das gibt zu denken: Bei Testkäufen durch Jugendliche hat das städtische Bürgeramt festgestellt, dass viele Geschäfte harten Alkohol und Zigaretten an Heranwachsende verkaufen, obwohl das gesetzlich verboten ist. Das Ergebnis war selbst für die Behörde in seiner Häufigkeit überraschend: Trotz einer bundesweit umfangreichen Aufklärung und Prävention zu diesem Thema verkauften 62 Prozent der überprüften Betriebe Alkohol oder Zigaretten an Minderjährige. Im Bereich der Lebensmittelgeschäfte lag der Anteil sogar bei 69 Prozent, was bedeutet, dass zwei von drei Betrieben gegen das Jugendschutzgesetz verstießen. Für die Geschäfte zieht das nun Bußgelder nach sich. … (Quelle: Google Alkohol News, 18.6.11) suedkurier.de, 17.6.11
unser Online-Kommentar: Erfreulich, dass die meisten Kommentatoren die Testkäufe unterstützen und die large Handhabung kritisieren. Als Strafmassnahmen würde sicher ein befristeter Lizenzentzug für Alkoholika etwas bringen. Nur das Risiko einer deutlichen Gewinnschmälerung wird dieses katastrophale Testergebnis verbessern.
Sicher ist das Alkoholproblem ein gesellschaftliches Problem. Beauftragt, die Interessen dieser Gesellschaft zu vertreten, sind die Politiker in den Behörden. Sie sollten endlich die nötigen wirksamen Massnahmen ergreifen, die längst bekannt sind und dem Druck der Alkoholindustrie und -Lobby widerstehen. Bei der Atomkraft geht es doch auch. Im Gegensatz zum Atomstromkonsum macht Alkoholkonsum allerdings abhängig.

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D: Anwesenheit trotz Krankheit doppelt so teuer wie Fehlzeiten

Mittwoch 8. Juni 2011 von htm

München – Die deutsche Volkswirtschaft verliert mit 225 Milliarden Euro jährlich rund ein Zehntel des Bruttoinlandproduktes durch kranke Arbeitnehmer. Der durch reine Fehlzeiten bedingte Betrag von 1.197 Euro pro Mitarbeiter und Jahr erfasst dabei nur rund ein Drittel dieser Kosten.
Der erheblich höhere Teil entsteht dadurch, dass Arbeitnehmer trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen (Präsentismus). Ihre eingeschränkte Einsatzfähigkeit vermindert die Arbeitsqualität, erhöht die Fehleranfälligkeit und Anzahl von Unfällen. Das berichtet die Strategieberatung Booz & Company aufgrund einer Studie für die Felix Burda Stiftung.
Laut der Untersuchung schafft eine betriebliche Gesundheitsvorsorge strategische Wettbewerbsvorteile und kann die Kosten massiv senken, die Unternehmen und Volkswirtschaft jedes Jahr durch kranke Arbeitnehmer entstehen. (Quelle: aerzteblatt.de, 7.6.11) unser Online-Kommentar: Eine kürzliche schweizerische Untersuchung kam auf 2% alkoholbedingte Personalkosten, 14’000 Franken pro Person, total eine Milliarde. Diese Studie hier legt nahe, dass diese Kosten weit höher sind wegen des Präsentismus. Gerade beim Alkohol im Betrieb wird oft sehr lange gewartet, bis das Problem eines Mitarbeiters erkannt wird und auch Massnahmen ergriffen werden. Prävention im Betrieb ist deshalb sehr profitabel.
Ein anderes, unverständliches Kapitel ist die Komplizenschaft der Wirtschaft mit der Alkoholindustrie. Mindestens in der Schweiz bekämpfen die Wirtschaftsverbände seit jeher jede wirksame Alkoholprävention. Dabei würden ihre Betriebe damit nur gewinnen. Die Aktionäre sind blind und taub.

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D: Hessischer Wirtschaftsminister plant Verbot von Alkohol-Partys in Gaststätten

Samstag 4. Juni 2011 von htm

Mit einem Verbot von Alkohol-Partys in Gaststätten will Hessen den Jugendschutz verbessern und gegen die vor allem bei jungen Leuten beliebten Saufgelage vorgehen. Den Wirten soll mit einem Bußgeld von 10 000 Euro und sogar mit dem Entzug ihrer Betriebserlaubnis gedroht werden, wenn sie sogenannte Flatrate-Partys oder ähnliche Billig-Angebote machen und ihre Gäste damit zu übermäßigem Alkoholkonsum animieren. … (Quelle: Google Alkohol News, 4.6.11) bild.de, 3.6.11

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TOP NEWS: CH: Der Rausch und die Politik

Samstag 4. Juni 2011 von htm

Warum Politiker privat zwar Wein trinken dürfen, aber öffentlich Wasser predigen sollten.
Es geschah spätnachts in einem Zürcher Restaurant. Die Wahlfeier lag in den letzten Zügen, die Feiernden waren erschöpft. Ein frisch Gewählter mit gläsernen Augen und schwerer Zunge fuchtelte unkontrolliert in der Gegend herum und schmiss ein Weinglas zu Boden, wo es klirrend zersprang. Andere lachten. Anwesende Journalisten auch. Es war klar, dass darüber nie eine Zeile in der Zeitung stehen würde.
Angesäuselte Politiker sind so normal, dass sich niemand darüber wundert, geschweige denn darüber schreibt. So soll es unter Bundeshaus-Journalisten ein «Gentleman’s Agreement» gegeben haben, nichts über den grossen Weissweinkonsum von Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz zu schreiben. Was in Frankreich die sexuellen Eskapaden der Mächtigen, sind hierzulande deren Trinkgewohnheiten: Privatsache.
Trinkende Politiker sind nicht nur normal, Alkohol scheint geradezu das Schmiermittel der Schweizer Politik zu sein. Und manchmal wird auch etwas zu stark geschmiert, da kräht kein Hahn danach. Der Griff zum Glas ist für Exekutivpolitiker, die in ihrer Arbeit ersaufen, naheliegend. An gesellschaftlichen Anlässen steht der Wein zuvorderst auf dem Apéro-Buffet, Anstossen wird erwartet. … (Quelle: Tages-Anzeiger, 4.6.11) Kommentar: Leider muss man sagen, dass die Politiker zu den Berufsgruppen mit hohem Alkoholiker-Risiko gehören. Das ist nicht nur bei uns so. Vor einigen Jahren hatte einer meiner Freunde, selbständiger Alkoholberater, ein Mandat im Deutschen Bundestag. Diese Investition würde sich auch in Bern lohnen. In der gleichen Nummer veröffentlicht der Tages-Anzeiger meinen ausführlichen Leserbrief. Gestern mein Porträt mit Foto. Mir scheint, dass unsere grösste Nicht-Boulevard-Zeitung das Thema Alkohol plötzlich ernster nimmt.

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CH: Testkäufe wirken – Minderjährige kommen schwerer zu Alkohol

Mittwoch 25. Mai 2011 von htm

Alkohol-Testkäufe von Jugendlichen scheinen die Verkäufer zu mehr Aufmerksamkeit getrieben zu haben. Im vergangenen Jahr sind Minderjährige weniger leicht an Alkohol gekommen. Am ehesten kamen die Jugendlichen noch in Cafés und Restaurants zu alkoholischen Getränken.
In 26,8 Prozent der Fälle erhielten die jugendlichen Testkäufer Alkohol, wie die Eidgenössische Alkoholverwaltung (EAV) mitteilte. Dies sind 5,8 Prozent weniger als im Vorjahr. Ausserdem handelt es sich um die tiefste Rate seit Beginn der landesweiten Erfassung der Testkäufe im Jahr 2000. (Quelle: SF1, Tagesschau, 23.5.11) Kommentar: Es ist positiv zu vermerken, dass der Trend der an Minderjährige verkauften alkoholischen Getränke nach unten zeigt. Aber nach 10 Jahren immer noch rund ein Viertel ungesetzliche Verkäufe sind immer noch viel zu viele. Hinter diesen Zahlen stehen Tausende von Jugendlichen, die sich an den Alkoholkonsum gewöhnen und viele von ihnen werden später Alkoholprobleme haben mit Folgen für die ganze Gesellschaft.
Es ist nun dringend nötig, dass die eidg. Räte die gesetzlichen Grundlagen schaffen, damit die Kantone häufiger kontrollieren und härter strafen. Sonst wird es immer noch viele Wirte und Händler geben, die lieber an den Jugendlichen verdienen, als den Jugendschutz einzuhalten.

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CH: Alkohol und Tabak an Jugendliche verkauft

Sonntag 22. Mai 2011 von htm

Die Zürcher Stadtpolizei führte am letzten Mittwoch mit 13 – 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in 17 Läden, Kiosken und Tankstellenshops Testkäufe durch. In 7 (41%) erhielten sie problemlos Alkohol und/oder Tabakwaren. Die fehlbaren Verkäufer wurden verzeigt. (Quelle: Tages-Anzeiger, 21.5.11) Kommentar: Nicht einmal bei 13-Jährigen werden Verkäufer aufmerksam. Und das nach einem Jahrzehnt mit Testkäufen!

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CH: Heisse Diskussion um Alkohol-Testkäufe

Sonntag 22. Mai 2011 von htm

«Testkäufe: Weiterführen und die Sünder härter bestrafen», Ausgabe vom 19. Mai.
Lukas Nussbaumer selber stellt im Schlussabsatz fest: Offen bleibt, ob hohe Bussen den Alkoholmissbrauch von Jugendlichen eindämmen können. Der ganze Artikel aber stellt Wirtsleute und Verkaufspersonal als Sünder dar, die nichts lieber tun, als nachlässig und geldgierig den Jugendlichen Alkohol zu verkaufen.
Alkoholtestkäufe sind ein unterhaltsames Katz-und-Maus-Spiel der Beamten der Alkoholverwaltung, aber sie senken definitiv den Alkoholkonsum der Jugendlichen nicht. Wenn die Gesellschaft krankt, die Familie nicht funktioniert und der Einzelne nie Selbstverantwortung übernehmen muss, dann braucht es Sündenböcke. … (Quelle: Google Alkohol News, 21.5.11) obwaldnerzeitung.ch, /Luzerner Zeitung, 21.5.11 Kommentar: Sünder sind die Besitzer, die ihr Personal nicht gründlich schulen, weil sie das Problem entweder nicht ernst nehmen oder so lange wie möglich daran verdienen wollen. Schuld ist aber auch die Politik, die seit einem Jahrzehnt es nicht fertig bringt, wirksame Massnahmen zu ergreifen. Auch bei ihnen sind u.a. wirtschaftliche Interessen im Spiel.

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D: Landwirt verkaufte unerlaubt Alkohol

Samstag 21. Mai 2011 von htm

Wegen unerlaubten Handels mit Alkohol ist ein Landwirt zu einer Haftstrafe von zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Der Mann habe 10.000 Liter Alkohol verkauft, ohne Steuern zu zahlen, teilte das Hauptzollamt Saarbrücken am Montag mit. Dem Fiskus sei dadurch Branntweinsteuer in Höhe von 130.000 Euro hinterzogen worden. Diese Summe muss der Mann nun nachzahlen. Außerdem stellten die Zollfahnder 3.000 Liter Alkohol in der Brennerei des 58-Jährigen sicher. Die Brennerlaubnis wurde entzogen. … (Quelle: Google Alkohol News, 17.5.11) nachrichten.t-online.de, 16.5.11

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Leserbrief zu Testkäufen im Zürcher Kantonsrat, 1. Lesung

Freitag 15. April 2011 von htm

12.4.2011

Redaktion
Tages-Anzeiger
Leserforum
Zürich

Per e-mail

Au „Zürich legalisiert Alkohol-Testkäufe durch Minderjährige – vorläufig“, am 12.4.11

Testkäufe sind praktisch die einzige Möglichkeit, das Jugendschutzgesetz durchzusetzen. Sie nützen aber nur maximal, wenn Strafen möglich sind. Dass nur die oft gestressten VerkäuferInnen bestraft werden, ist allerdings stossend. Den Profit machen ja die skrupellosen Inhaber. Ob die Grünen dann zustimmen, wenn in dieser Richtung verbessert wird? Oder die FDP wieder abwinkt, die erstaunlicherweise einmal positiv überrascht?

Es ist natürlich zu hoffen, dass der Bund ebenfalls die im Entwurf des Alkoholgesetzes angekündigte Gesetzesregelung bringt. Leider ist das noch gar nicht sicher, obwohl dies der einzige wirklich positive Mehrwert wäre. Bis jetzt wehrt der Bundesrat sich immer noch stur gegen wirksame Massnahmen, die das Alkoholproblem entschärfen würden. Und die Medien unterstützten ihn bisher dabei, indem sie ihre Macht der Nicht-Information ausübten. Dass der Tages-Anzeiger sogar einen intelligenten Kommentar auf Seite 2 brachte, lässt wieder einmal hoffen.

Dass die Grünen in der Alkoholfrage mit der SVP zusammengehen, erstaunt mich immer wieder. Wie kann man sich für eine naturnahe, gesunde Umwelt einsetzen und dabei die Gesundheit des Menschen ausser acht lasssen, der doch im Zentrum unserer Umwelt steht? Ihr Argument, die Jugendlichen würden zu Gesetzesbrechern und missbraucht, ist nicht stichhaltig. Diese jungen Menschen gehören zum Umfeld des Blauen Kreuzes, sind geschult und durch die Vertrautheit mit dem Problem motiviert. Eine wertvolle Lektion in praktischer Staatsbürgerkunde, die kaum dazu führt, dass die Gegner der Vorlage aus ihren Reihen, sind sie einmal stimmberechtigt, zusätzliche Wählerstimmen erhalten werden. Ob dies auch ein Grund für die Gegnerschaft ist?

Warum wehrt sich der Wirte-Vertreter gegen ein solches Gesetz, wenn doch nur die Läden, d.h. seine Konkurrenz, betroffen sind? Weil die SVP-Ideologie sein Denken überflüssig macht, oder ihn seine Lieferanten unter Druck setzen? Also auch er, wie wir alle Passivtrinker, ein Unfreier trotz mehr Freiheit und weniger Staat?
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon
(ungekürzt, mit kleinen redaktionellen Änderungen, veröffentlicht, am 15.4.11)

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