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Alkoholpolitik und Volksgesundheit

Leserbrief zum Einfluss der Nachrichtenagentur

Mittwoch 17. Februar 2010 von htm

Leserbrief zu „Eine schreibt für alle“ im Tages-Anzeiger vom 30.1.2010:
Jean-Martin Büttner bringt es wieder auf den Punkt: „Der Einfluss einer Nachrichtenagentur zeigt sich nicht nur darin, worüber sie berichtet, sondern auch in dem, was sie verschweigt.“ Wie recht er doch hat. Genau wie damals, als er an gleicher Stelle schrieb, dass nur veröffentlicht wird, was sein darf.
Kumuliert man die beiden Tatsachen, trifft man präzise die Situation, die wir bei der Behandlung der Alkoholproblematik in unsern Medien vorfinden: Jüngste Beispiele:
Am 9.9.09 wurde der internationale Tag des Foetalen Alkoholsyndroms begangen: In Schweizer Medien kein Thema. Im November 2009 wurde versucht, mit einem Solidaritätstag auf die traurigen Lebensumstände der mehr als 100’000 Schweizer Kinder in alkoholbelasteten Familien aufmerksam zu machen: Es reichte gerade zu Kurzmeldungen. Kürzlich wurden Forschungsergebnisse einer Langzeitstudie bekannt, die zeigen, dass der vielgepriesene positive Effekt von mässigem Alkoholkonsum auf das Herz nicht zu belegen ist: Die Medien sind vielleicht noch am Ueberlegen, aber wahrscheinlich werden sie diese Meldung auch übergehen. Im Januar 2010 fand in Genf die Vorbereitungssitzung des Executive Board der WHO statt, die u.a. eine Resolution zu Handen der im Mai kommenden Generalversammlung verabschiedete, die den Mitgliedsstaaten eine umfassende Alkoholstrategie empfehlen möchte, mit der die weltweiten Schäden des Alkoholkonsums vermindert werden sollten. Aehnlich, wie vor Jahren die Tabakkonvention der WHO: Keine Reaktion in den Medien. In Deutschland ist die Presse voll von Berichten über Präventionsbemühungen im Hinblick auf Alkohol und die bevorstehende Fastnachtszeit: Bei uns kein Thema.
Dieses kombinierte Medienmonopol der Agentur, der Journalisten und Verleger wirkt sich auf die öffentliche Debatte in der Schweiz verheerend aus, d.h. diese wird erst gar nicht zugelassen. Unsere Stimmbürgerinnen und Stimmbürger haben keine Chance, sich für ihre Interessen zu wehren. Sie bleiben als ungefragte Passivtrinker in Geiselhaft der Alkoholindustrie und deren Komplizen.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer, Effretikon
(nicht veröffentlicht)
PS Korrektur: Der Solidaritätstag im November galt den alkoholkranken Männern. Auf die Kinder alkoholbelasteter Familien machte fast gleichzeitig die SFA mit einer Medienaktion aufmerksam. Wenigstens der Beobachter berichtete darüber ausführlich im Januar.

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Dieser Beitrag wurde erstellt am Mittwoch 17. Februar 2010 um 15:38 und abgelegt unter Alkoholindustrie, Allgemein, Leserbriefe, Rehabilitation, Schweiz, Verhaltens-Präv.. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Die Kommentare sind derzeit geschlossen, aber sie können einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

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