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Datum Quelle, Zitat und Kommentar
30.11.2007

 

 

 

 

 

 

 

 

 

02.11.2007

(30.10.2007)  Bundespräsidentin Calmy-Rey forderte am Verleger-Kongress politischen Journalismus.

"Halten Sie an der politischen Berichterstattung fest. Lassen Sie auf Ihren Redaktionen weiterhin Meinungen zum Ausdruck kommen - möglichst viele und unterschiedliche."
(Quelle: Tages-Anzeiger, 22.9.07)

(14.08.2007) Leserbrief in der Neuen Zürcher Zeitung am 14.8.07:

Christian Müller, Feldbrunnen, schreibt u.a. unter dem Titel "Was es für guten Journalismus braucht":

"Als ehemaliger Journalist, Chefredaktor und heutiger Verlagsmanager habe ich da allerdings eine andere Sicht: Ob guter Journalismus überlebt oder sogar eine Zukunft hat, hängt weniger von den Journalisten und ihrer Ausbildung ab als von der Frage, ob es - um an ein Bonmot von Gerd Bucerius anzuknüpfen - in Zukunft noch Verleger gibt, die sich auch für Inhalte interessieren und die ihren Journalisten zwischen den Inseraten ausreichend Platz und geistigen Freiraum gewähren."


(08.07.2007) Rolf Weilenmann, Leiter des Jugenddienstes der Kantonspolizei Zürich, im Interview mit dem Tages-Anzeiger, 7.7.07 mit dem fetten Titel: "Der Alkohol ist das grösste Probblem der Jugendlichen": (Leider nicht online)

"Meiner Meinung nach ist der Alkohol das Hauptproblem der Jugendlichen - aber auch hier lautet meine Devise: Vorsicht vor Pauschalurteilen. Die Jugend ist das Spiegelbild der Erwachsenenwelt, denn sie kopiert diese. Man sollte vielleicht auch nachfragen, was mit der Gesellschaft eigentlich nicht stimmt, bevor man die auffälligen Jugendlichen pauschal verurteilt."

Kommentar: Nun hat der Tages-Anzeiger die Wende wahrscheinlich endgültig vollzogen. Nach dem starken Artikel von J.-M. Büttner "Der Rausch auf dem Felde" vom 3.7.07 und unserem veröffentlichten Leserbrief kommt nun der dritte Artikel mit klarem Bezug auf das Alkoholproblem der Jugendlichen und die Verantwortung der Gesellschaft, wie wir das seit langem stipuliert haben. Jetzt hätten die Politiker vor den Wahlen Gelegenheit, den Ball aufzunehmen und zu ihrem Standpunkt zu stehen. Die meisten werden das heisse Eisen aber wie bisher nicht anfassen, dabei wären hier Lorbeeren zu gewinnen. (Allerdings mit hohem Risiko!)


(03.07.07) Jean-Martin Büttner im Tages-Anzeiger: "Der Rausch auf dem Felde". Ein Bericht über das St. Galler Openair mit neuen Tönen.  (Leider nicht online)

"Wer sich also über das Alkoholproblem junger Rauschtrinker empört, sollte sich erst mal den Widerspruch zwischen Markt und Gesundheit eingestehen. Und dann versuchen, den unsteten Gestalten auf dem Gelände diesen Widerspruch zu erklären."

"Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Alkoholindustrie der einzige Dealer auf dem Platz wäre."

Kommentar: Man kann für unser Land nur hoffen, dass dies eine Trendwende und keine Eintagsfliege beim Tages-Anzeiger ist. Im ersten Zitat wird seit langem erstmals die gesellschaftliche Relevanz des Alkoholproblems angedeutet. Und gezeigt, wie unglaubwürdig und damit erfolglos die heutige Erwachsenenwelt ist, wenn sie Alkoholprävention für Jugendliche betreibt. (Siehe Zitat auf dieser Seite zuoberst.) Im zweiten Zitat nimmt der Autor Bezug auf den Hasch-Konsum am Open Air, der die Konsumenten beruhigt. Dabei nennt er die Alkoholindustrie "Dealer". Wo hat man schon je so was gelesen, wo sich sogar Gesundheits-Fachleute aus taktischen Gründen kaum getrauen, Alkohol als Droge zu bezeichnen, aus Angst, man könnte Leute vor den Kopf stossen! Dem Autor gebührt grossen Dank und Anerkennung. Leserbrief


(16/17.06.2007) Michael Agoras, Managing Director  von Adecco Schweiz im Interview bei NZZexecutive:

"Ich bin stolz, dass ich in meiner Jugend alles ausprobiert habe- und nicht auf die schiefe Bahn geraten bin."

Kommentar: Für Aussenstehende ist es schwierig abzuschätzen, wie stark sein eigenes Verdienst dafür zählt. Vielleicht wäre es etwas bescheidener von ihm zu sagen, er danke Gott für den guten Ausgang. Denn viele der heutigen Rauschtrinker werden es nicht schaffen. Und wie heute in der NZZ am Sonntag steht, werden noch die Enkel darunter zu leiden haben. Ob die dann auch stolz auf ihren Grossvater sein werden?


(07.06.07) Benedikt Weibel, Chef-Delegierter des Bundesrates für die EURO 2008 im Tages-Anzeiger-Interview vom 7.6.07: "Wir gelten als relativ kalte Krämerseelen":

Frage: "Bei Gewalt ist oft auch Alkohol ein grosses Problem. In den Stadien herrscht an der Euro 08 ein Alkoholverbot, aber davor können sich die Fans betrinken. Nehmen Sie das einfach so hin?"

Benedikt Weibel: "Ich weiss hier keine Antwort auf das Problem. In bestimmten Fangruppen ist der Alkohol ein derart bestimmendes Moment, da habe ich gar keine Hoffnung, dass man das korrigieren kann. An gut gemeinte Appelle glaube ich nicht."

Kommentar: Ich auch nicht. Wie wär's, wenn die guten Beispiele von Rom und Portugal beachtet würden?
Oder wenn den Alkoholverkäufern schon vorher klar gemacht würde, dass man sie für alle Schäden und Ermittlungskosten haftbar machen werde und sie die Lizenz verlören, wenn sie nicht freiwillig auf den Verkauf in der fraglichen Zeit verzichten würden? Oder wie wär's mit einem einfachen Blastest bei der Eingangskontrolle? Wer anspricht, verliert sein Ticket. Die Tickets gelangen sofort in den Verkauf und decken die Kontrollkosten.


(14.05.2007) Tages-Anzeiger-Interview mit dem neuen Tamedia-Verleger Pietro Supino am 4.5.07:

Frage: Funktioniert ein Medienhaus wie jedes börsenkotierte Unternehmen?

Pietro Supino: Die Medienbranche hat, wie andere Branchen auch, ihre grossen Besonderheiten. Tamedia stellt Plattformen für den öffentlichen Diskurs zur Verfügung. Diese Plattformen sind unverzichtbar für das Funktionieren und die Fortentwicklung unserer freien Gesellschaft. Verleger und Journalisten nehmen die Funktion der vierten Gewalt wahr, indem wir einflussreiche Institutionen und Personen beobachten. Und damit exponieren wir auch Personen und Organisationen in der Öffentlichkeit. Das macht unsere Arbeit interessant und bringt gleichzeitig eine ganz besondere Verantwortung mit sich.  (usw.)

Kommentar: Er hat noch weitere, ähnlich unschuldig tönende Sätze geäussert. Wir werden versuchen, ihm unsere Beschwerde beim Presserat zur Kenntnis zu bringen. Denn gerade dieser von ihm erwähnte öffentliche Diskurs wird vom Tages-Anzeiger beim Thema Alkohol auf Sparflamme gehalten. Und von eigener lösungsorientierter Recherche findet sich keine Spur. Er will Mittel für Recherchen bereitstellen. Ob auch fürs Thema Alkoholproblem?


(25.04.2007)   Tages-Anzeiger-Artikel von Jürg Schmid über die Arbeit des Jugenddienstes der Stadtpolizei Winterthur: "Mädchen prügeln wie Knaben":

"Und weshalb kommt es zu Delikten? (.. Überforderte ausländische Eltern) ..Und zunehmend spielten Alkohol (Rauschtrinken) und Drogen sowie starker Gruppendruck bei Mädchen und Knaben eine grosse Rolle."


 (13.04.2007)  Myrta Schläpfer, zitiert vom Tages-Anzeiger, 13.4.07, im Artikel: Das Tessin reagiert gelassen auf das Rauchverbot: "Weshalb verbietet das Tessin eigentlich nicht den Alkohol? Raucher werden ja schliesslich nicht ausfällig, und sie fahren auch keine Leute um, Süffel hingegen schon."

Kommentar: Wäre Alkohol heute eine neue Erfindung, würde ihre Frage wahrscheinlich positiv beantwortet. Da sich die Bevölkerungsmehrheit trotz oder wegen keinem oder mässigem Konsum nicht mitverantwortlich fühlt, ist es nicht einmal möglich, die Schäden auf ein erträgliches Mass zu reduzieren. Die Dummen sind sie trotzdem selber. Sie können einem Alkoholisierten zum Opfer fallen und sie zahlen jährlich über Fr. 800.-- pro Kopf (immaterielle Schäden inklusiv) (Schweiz) an die Schäden. Hauptschuldige sind natürlich die Alkoholbranche mit ihren Werbern, Medien, Politikern und weiteren Kreisen, die vom Leid anderer profitieren, sei es aktiv oder durch passives Wegschauen und tolerieren.


(29.03.2007)  Interview in der Coopzeitung  vom 27.3.07 mit WWF-CEO Hans-Peter Fricker:

Frage des Coopzeitungs-Redaktors Daniel Sägesser: Coop verkauft auch Benzin und Heizöl und fördert damit indirekt den CO2-Aussstoss. Hat der WWF da keine Skrupel?

Antwort des WWF-CEO Hans-Peter Fricker: Uns ist wichtig, dass bei der Zusammenarbeit unter dem Strich möglichst viel für Umwelt und Gesundheit herausschaut. Natürlich begrüssen wir aber den Verkauf von Heizöl und Benzin nicht. Unglaubwürdig wäre Coop, wenn sie den Verkauf speziell fördern würde.

Kommentar: Coop fördert (mindestens bisher den Verkauf mittels Bons. Z.B. 3 Rp. Rabatt pro Liter . Die Rechte weiss nicht, was die Linke tut? Uns interessierte allerdings mehr, ob Coop in Anbetracht der 6.5 Mia. Franken Alkoholschäden in der Schweiz nicht auch wenigstens auf die speziellen Alkohol-Verkaufs-Förderaktionen verzichten könnte?          (siehe kommenden Leserbrief dazu)


(23.02.2007)  Zu den Unterlagen der Aktion "Brot für alle" und "Fastenopfer" gehört die AGENDA 2007. Sie trägt den Titel "Wir glauben. Arbeit muss menschenwürdig sein." Der erste Slogan ist ein Zitat von Johannes Rau, ehem. Deutscher Bundespräsident:

"Wo Menschenwürde berührt ist, zählen keine wirtschaftlichen Argumente."

Kommentar: Schön wär's. Die Hälfte des bei uns konsumierten Alkohols wird von Abhängigen und starken Trinkern konsumiert, bei deren Konsum die Menschenwürde sehr oft verloren wird. Die Gewinnerin ist die Alkoholindustrie, die ohne diesen Alkoholmissbrauch kaum leben könnte. Auch bei den Politikern zählen oft nur die wirtschaftlichen Argumente. Sie nennen das dann einen politischen Entscheid.

Schon das zweite Zitat zeigt die Ahnungslosigkeit der Herausgeber:

"Wer Wein verdient, soll nicht Wasser bekommen." (Sprichwort aus Ghana)

Kommentar: Das weckt Erinnerungen an die biblische Hochzeit zu Kanaa. Aber auch der Wein kann zum Verlust der Menschenwürde führen. In Südafrika war - und ist z. Teil vielleicht immer noch - das sogen. Tot-System üblich: Arbeiter im Rebberg erhielten einen Teil des Lohns täglich in Naturalien, d.h. als Wein. Sie lehnten sich in ihrer Alkohol-Abhängigkeit nicht gegen die teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen oder gegen das Apartheid-Regime auf. Vielleicht ist der Satz auch nur einem Übersetzungsfehler wie die vielen "Wein-Stellen" in der Bibel zum Opfer gefallen. Dort wird alles mit Wein übersetzt, auch wenn es sich um frischen Saft, frische Trauben, getrocknete Weinbeeren, Beerenmus, vergorenen oder unvergorenen Saft handelt. Es gibt auch Ausdrücke im Urtext, die beide Bedeutungen haben können, vergoren und unvergoren. Welche Bibelübersetzung räumt mit dieser historischen Lüge einmal auf? Das wäre wichtige Prävention.
Der Wein wird zu etwas sehr gutem hochstilisiert, dabei ist gerade Wasser das höchste Gut im trockenen Afrika. Der Alkoholkonsum in Entwicklungsländern, gefördert durch die Alkoholmultis, macht einen nicht unbedeutenden Teil unserer Entwicklungshilfe zunichte. Das sollten auch unsere Entwicklungsorganisationen endlich zur Kenntnis nehmen.


(14.02.2007)  Jürgen Margraf, Basler Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie in einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung am 14.2.07:

"Wissen ist die beste Grundlage der Prävention"

Kommentar: Bei der Alkoholprävention ist das nicht anders. Die Frage ist nur, welche Prävention wird angestrebt und entsprechend mit Wissensvermittlung vorbereitet. Da Politiker und Medien sich offensichtlich weigern, sich mit dieser Frage - trotz klarer wissenschaftlicher Grundlagen - auseinanderzusetzen, kommen wir nicht weiter, können die Schäden nicht vermindert werden.


(23.12.2006) Michel Graf, Direktor der SFA, Schweiz. Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme in Lausanne im Interview der Neuen Zürcher Zeitung, am 23.12.06:

Frage: Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag?

Antwort: "Die Präventionsarbeit wird von Politikerinnen und Politikern weder wirklich verstanden noch geschätzt. Wir müssen deshalb ständig darum kämpfen, dass unsere Anliegen berücksichtigt werden."

Kommentar: Beizufügen wäre noch: Diese sind damit für Milliardenschäden und unsägliches Leid in hohem Masse mitverantwortlich, die das Volk seit Jahrzehnten zu tragen hat.


(4.12.2006)  Christine Davatz, Vizedirektorin des Schweizerischen Gewerbeverbandes im Interview der Neuen Zürcher Zeitung am 2./3.12.2006:

a) Frage: Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag?
Antwort: Über jene, die vorgeben, eine Sache zu vertreten, aber nur den persönlichen Vorteil suchen. Manchmal sage ich es ihnen.
b) Frage: Was stört Sie am meisten als Staatsbürgerin?
Antwort: Zwei Dinge: der mangelnde Nationalstolz der Schweizerinnen und Schweizer und der fehlende Mut, Missstände energisch und konsequent anzugehen.

Kommentar: Da fällt einem doch gleich der Gewerbeverband ein.


(26.10.2006)   Hans-Peter Bieri in einer Tages-Anzeiger Glosse "Zugespitzt" am 25.10.06 im Zusammenhang mit Warnungen vor Radarfallen:

"Prävention versperrt den Himmel. -

Für die SVP sind die Warnungen nicht nur kein Problem, sondern legitime zivile Selbstverteidigung - mit geradezu segensreichen Auswirkungen. Ohnehin ist jeder Batzen, den man dem Moloch Staat entreisst, sein Gewicht in Gold wert. Und er ist noch wertvoller, weil er im Umlauf bleibt: Der Besitzer wird ihn verkonsumieren - und Umsatz und Gewinne der KMU erhöhen. Oder er wird ihn investieren - und nochmals Umsatz und Gewinne der KMU steigern. Oder er wird ihn aufs Sparkonto legen - und erneut durch billige Kredite Umsatz und Gewinne der KMU maximieren. (Das ist Ihnen zu einseitig? Aber wofür soll sich die SVP denn sonst einsetzen?)"

Kommentar: Die Frage kann klar beantwortet werden: Für eine wirksame Besteuerung alkoholischer Getränke, wie sie z.B. in unserer Projekt-Idee skizziert wird. Dann erreicht die SVP genau die gleichen KMU-positiven Auswirkungen wie oben beschrieben.


(21.10.2006)  Umfassendes Tabak- und Alkohol- Werbeverbot gefordert. Die Schweiz soll die Steuern auf Alkohol und Tabak erhöhen und die Werbung dafür verbieten, rät ihr ein Expertenbericht von WHO und OECD, der einen bunten Strauss von Reformideen präsentiert.

Überschrift in "20 Minuten" am 19.10.06. Siehe auch unsere Meldungen unter Aktuell am 18. und 20. Okt. 06 mit Link zu Tages-Anzeiger-Artikel             Leserbrief unterwegs


(21.10.2006) Der Tages-Anzeiger schliesst eine 6-teilige Serie über Jugendgewalt ab. Unter dem Titel "Jugendgewalt ist Chefsache" (von Claudia Imfeld und Stefan Hohler) werden einige bemerkenswerte Feststellungen getroffen. Leider werden online nur die Statistiktabellen gezeigt. Im Schlussabschnitt heisst es:
"Neben der klassischen Prävention braucht es auch jene, die viele nur indirekt mit Jugendkriminalität oder Jugendgewalt in Verbindung bringen, die aber bei den wirklichen Ursachen ansetzt. Dazu gehört die Drogenaufklärung: Denn wenn Jugendliche dreinschlagen, sind sie oft betrunken oder stehen unter anderen Drogen."
Und zum Schluss:
"Aber die Regierung muss sich auch dann für ihr neues Schwerpunktthema einsetzen, wenn es nicht offensichtlich die Aufschrift "Jugendkriminalität" trägt. Sie muss dies auch tun gegen den Widerstand derer, die sich mit kostenintensiver Prävention schwerer tun als mit Repression - und noch schwerer damit, die äusseren Umstände zu ändern. Diese Umstände sind es, die die Kriminalität begünstigen - auch bei Jugendlichen. Jugendkriminalität ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft."

Kommentar: Der letzte Satz müsste wohl heissen: "Die Jugend ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft." Dass Drogenaufklärung normalerweise nichts bringt, sollte auch bekannt sein. Es geht effektiv um die Änderung der äusseren Umstände, des Umfeldes, unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit. Das ist Politik.
Leserbrief unterwegs


(01.10.2006)  Thomas Zeltner, BAG-Direktor, im Interview in der SonntagsZeitung vom 24.09.06:  

Für Prävention ist immer weniger Geld vorhanden. Wie wollen Sie da noch erfolgreich wirken?

"Es stimmt, wir mussten Aktivitäten einstellen, für die Alkoholprävention haben wir praktisch kein Geld mehr.   (Siehe bei Top aktuell)


(30.09.2006)  Tages-Anzeiger, 28.09.2006: "Ein erfrischend direkter Wissenschaftler". Berichtet wird über Heinz Wanner, Schweizer Klimaforscher von Weltruf. Er erhielt eben den inoffiziellen Nobelpreis für Geografie, den "Vautrin Lud". Martin Läubli schreibt über ihn u.a.:

"Wanner sieht sich nicht nur als Lieferant von Forschungsresultaten. Wissenschaftler müssten "auf die Politiker losgelassen werden". Mehrmals haben er und weitere Kollegen Bundesräte instruiert, Parlamentarier aufgeklärt, wieso sie mehr für den Klimaschutz tun sollten. "Den Einzelnen kann man rasch überzeugen, aber im parlamentarischen Prozess läuft alles wieder anders.""


(24.07.2006)  Bundespräsident Moritz Leuenberger im Tages-Anzeiger-Interview "Das Glück lässt sich nicht halten" am 24.7.06:

Frage: Soll denn der Staat den Menschen vorgeben, worin ihr Glück zu bestehen habe?

Antwort: Er tut es jedenfalls: Er setzt Grenzen, etwa bei Menschen, die ihr individuelles Glück mit harten Drogen wie LSD suchen. Hier sagt der Staat: Du darfst dich nicht auf Kosten eines kurzen Glücks langfristig kaputt machen. Wir schützen dich vor dier selber, aber auch die Allgemeinheit, die sonst deine Gesundheitskosten bezahlen muss.

Kommentar: Beim Alkohol, der ein Mehrfaches an Leid und Kosten für die Allgemeinheit bringt, ist der Staat immer noch viel nachsichtiger.


(09.06.2006) Thomas Daum, seit 1.6.06 neuer Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes im Interview in der COOPZEITUNG Nr. 9 vom 1.3.06:

"Und auch als Liberaler kann und muss man soziale Verantwortung tragen."


(16.05.2006) Erwin Haas im heutigen Tages-Anzeiger unter "Gewalt in den Stadien": "Lieber Ethik als Fussball": 

"Die Hooligans nähren ihre Aggressivität aus einer hochexplosiven Mischung. Treibstoff liefern die Beigeisterung für den Sport, die Identifikation mit der eigenen Mannschaft, die Energie der "erlebnisorientierten" Matchbesucher (...) - aber auch der Alkohol. Gelegenheitszuschauer stellen mit Erstaunen fest, dass man keine Rivella-Petflasche ins Stadion mitnehmen darf, weil sie als Wurfgeschoss dienen könnte. Bier in Plastikbechern fliesst aber in Strömen, obwohl es gereizte Fans dazu anregt, ganze Stühle auf den Rasen zu schmeissen. Ein Alkoholverbot in den Stadien ist ein Muss."

 

(12.05.2006) Bundesrat Ch. Blocher bei der Mitgliederversammlung des Verbandes Schweizer Werbung am 21.4.06:

a) "Der Markt ist gnadenlos und kennt keine Moral." 

b) "Sowohl die Marktwirtschaft wie auch die Demokratie setzen Gedankenfreiheit, Meinungsfreiheit, Rede- und Pressefreiheit sowie Freiheit für die Werbung voraus."
(Quelle: Schweizer Werbung SW - Aktuell - Newsartikel)

Kommentar:  a) Gerade deshalb muss die Politik Priorität vor der Wirtschaft haben. Und dort, wo letztere dem Volk schadet, muss die Politik Grenzen setzen. 
b) Freiheit für die Werbung ist in der Demokratie kein Grundrecht. Die andern Freiheiten werden dagegen von der Wirtschaft sehr willkürlich, d.h. den eigenen Zwecken dienend gehandhabt. Sie werden eingefordert aber andern nicht gewährt.

(11.04.2006) Aus dem Interview mit dem EU-Abgeordneten Martin Schulz im Tages-Anzeiger am 11.4.06: "Europa hat zu passiv zugeschaut"

Frage: "Ist Berlusconi ein rein italienisches Phänomen?" Antwort Schulz: "Nein, die Kombination von politischer Macht und medialer Macht ist ein Phänomen, das über Italien hinausweist. Die Medien spielen heute in der Öffentlichkeit eine quasi konstitutionelle Rolle. Sie sind die vierte Macht im Staat. Wir müssen deshalb darüber nachdenken, wie die Trennung von politischer und medialer Macht zu organisieren ist."

Frage: "Ist das ein Plädoyer für eine stärkere staatliche Kontrolle der Medien?" Antwort Schulz: "... Und es braucht gesetzliche Regelungen über die Trennung von medienpolitischen Einflüssen von Politikern sowie von politischen Einflüssen von Medienunternehmern." 

Kommentar: Ausgerechnet der Tages-Anzeiger liefert in der gleichen Nummer ein treffendes Beispiel zur obigen Aussage: Unter dem Titel "Neuer Anlauf ohne die Cannabis-Frage" berichtet er über die Sitzung der nationalrätlichen Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit. Dass diese auch zuhanden der Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK-N) eine Empfehlung für eine substantiell höhere Biersteuer  ausgesprochen hat, wird unterschlagen. Wir berichteten am 10.4.06 unter Aktuell darüber.

(29.03.2006) Im Tages-Anzeiger vom 29.3.06: 
"Zugespitzt": "Wie man Sucht bewirtschaftet" von Hans-Peter Bieri:

"Der Staat holt Geld, wo die öffentlichen Kosten am kleinsten, und verzichtet auf Geld, wo sie am grössten sind." (Er vergleicht Glückspiel mit Alkohol, Tabak und andern Drogen.)

Kommentar: Wenn der Autor aber schreibt "Suchtbewirtschaftung nach dem Zufallsprinzip", muss doch klargestellt werden, dass die Besteuerung oder Nicht-Besteuerung der alkoholischen Getränke absolut nicht dem Zufallsprinzip unterliegt, sondern sehr genau gezielt den Interessen gewisser Kreise dient. Letztes Beispiel: Die Biersteuer. Ausnahme: Die Alcopopsteuer (Aber immer noch zu tief, Mindestpreise fehlen, wie sie beim Tabak jetzt kommen sollen.)


(02.03.2006) "Brot für alle und das Fastenopfer" haben ihre Agenda 2006 herausgegeben. Thema: "Wir glauben, Menschenrechte fordern Einsatz." 

Kommentar: Auch in der Alkoholfrage spielen Menschenrechte eine wesentliche Rolle: Z.B. die Rechte der Kinder in einer alkoholbehinderten Familie auf Lebenschancen. Deshalb hier einige Zitate aus der Agenda:

"Sind die Rechte eines Menschen bedroht, werden die Rechte aller gemindert." (John F. Kennedy, 1917-1963, ehem. Präsident der USA)

"Gesundheit sollten wir uns nicht nur wünschen, sondern als Recht erkämpfen." (Kofi Annan, *1938, UNO-Generalsekretär)

"Wer das Übel akzeptiert, ohne dagegen zu protestieren, verbindet sich in Wirklichkeit mit ihm." (Martin Luther King, 1925-1968, amerikanischer Bürgerrechtler)

"Wählt die, denen ihr vertrauen könnt." Man könnte auch sagen: "An ihren Taten könnt ihr sie erkennen." - Nutzen wir die Möglichkeiten, die wir mehrmals im Jahr haben, um diejenigen zu wählen, die für mehr Menschlichkeit und eine gerechtere Schweiz einstehen? Die Botschaft gilt auch für uns: "Wählt die, denen ihr Vertrauen könnt, und messt sie an ihren Taten." (dö)

 

(24.02.2006)  "Politiker sprechen von Gewissen - handeln aber  nicht nur danach"

Überschrift eines Artikels im Tages-Anzeiger vom 18.2.06 von Michael Meier über "Ethik 2006. Ethikbilanz in der Schweizer Politik. NZZ Libro, Zürich 2006, Hrsg.: Lassalle-Institut.
3700 Personen waren angeschrieben worden, 800 antworteten. "Überall wird der ethische Handlungsbedarf als hoch taxiert - vor allem im Bildungs- und Gesundheitswesen und bei den Finanzen." "Die grosse Mehrheit der befragten Politiker ist der Meinung, nicht eine äussere Instanz, wie etwa die Kirchen, gebe ethisch den Ton an - die Verantwortung liege vielmehr bei jedem Einzelnen und dessen Gewissen." "Schliesslich nennen die Politiker als Referenzpunkt ihrer persönlichen Ethik neben dem Gewissen fast ebenso oft die "Verantwortung für Erde und Kosmos " und "humanistische Prinzipien." "Auffallend ist, dass rechte Politiker ihr Ethikverständnis stärker auch auf Gesetze, Normen und gültige Verhaltensweisen stützen als linke."

Kommentar: Ist wohl die Interpretation gestattet, dass sich in der Alkoholfrage  rechte Politiker offenbar gern auf die Gesetze, die sie selbst gemacht haben, stützen, auf Normen und Verhaltensweisen, die sie nicht hinterfragen können oder wollen, weil sie mit "König" Alkohol vernetzt oder ihm untertan sind? Das nennen sie dann politische Entscheide. Ihren Amtseid, dem Volkswohl zu dienen, nehmen sie dann aber  doch nicht so ernst.


(26.01.2006)  Aus: Ein Kannibale und drei Konzerne". Beim Anti-WEF-Forum Public Eye wurden die drei übelsten Konzerne 2006 geehrt. Und gegen Moral argumentiert. (Tages-Anzeiger, 26.01.06) 

Zitiert wird Gret Haller in ihrem Eröffnungsreferat u.a.: "Nur griffige Gesetze hielten Menschen wie Konzerne in den Schranken. Absichtserklärungen seien schön, aber sobald sie dazu da seien, klare Regeln durch Freiwilligkeit zu ersetzen, seien sie gefährlich.

Kommentar: Siehe dazu die freiwilligen Werbeeinschränkungen der Alkoholindustrie.


(21.01.2006) Prof. Dr. Roger Blum, Direktor des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Uni Bern im Tages-Anzeiger vom 21.1.06: "Der manchmal notwendige 'Landesverrat'": 

"Der schweizerische berufsethische Kodex steht genau aus diesem Grund bei der Frage, was öfentlich werden soll, der Rechtsordnung in gewissen Punkten klar entgegen: - Er beharrt auf der Priorität der Öffentlichkeit ("Die Verantwortlichkeit der Journalistinnen und Journalisten gegenüber der Öffentlichkeit hat den Vorrang vor jeder anderen, insbesondere vor ihrer Verantwortlichkeit gegenüber ihren Arbeitgebern und gegenüber staatlichen Organen")

Kommentar: Wieder der berufsethische Kodex der Journalisten. Nur wagen sie es kaum, in der Alkoholfrage gegen ihre Arbeitgeber anzutreten.


(10.01.2006) Marcel Hänggi, Wissenschaftsredaktor bei der WOZ, im Tages-Anzeiger vom 10.1.06 unter dem Titel "Der Preis der privaten Finanzierung": 

"Die Nähe (von Wirtschaft und Wissenschaft) schafft Interessenkonflikte. Das Ethos des Forschers und das Ethos des Unternehmers sind nicht vereinbar. Eine klinische Studie über ein Medikament fällt mit deutlich grösserer Wahrscheinlichkeit zu Gunsten dieses Medikaments aus, wenn die Studie von der Pharmaindustrie gesponsert ist, als wenn sie neutral finanziert wird, selbst dann, wenn der Sponsor den Forschern völlig freie Hand lässt.

"Die öffentliche Hand muss dafür sorgen, dass gesellschaftlich wichtige, aber kommerziell uninteressante oder gar die Interessen der Industrie tangierende Forschung ausreichend finanziert wird - ..."

Kommentar:  Das gleiche Problem kennen wir bei den Medien. Die Folgen tragen wir schon lange.
                    (Siehe auch das Dossier "Wein (Alkohol) sei (mässig genossen) gesund"


(08.12.2005) Aus der Replik von Jean-Martin Büttner im Tages-Anzeiger vom 8.12.05 auf die Rede Christoph Blochers an die Journalisten:

"Wirklichkeit ist eine Funktion der Macht" ..."Wirklichkeit für einen Journalisten ist zum Beispiel, was sein Verlag als Wirklichkeit definiert haben möchte. ... Schreiben was ist? Schreiben was sein darf."

Kommentar: Ein namhafter Insider bestätigt unsere Meinung, die auch im Leserbrief vom 3.12.05 zum Ausdruck kommt.


(3.12.2005) Bundesrat Blocher im Tages-Anzeiger vom 3.12.05:

"Journalisten müssen schreiben, was ist!"  

"Politiker neigen dazu - genauso wie alle Menschen -, die Dinge zu beschönigen. Journalisten müssen die Wirklichkeit darstellen. Das kann subversiv und gefährlich sein, ist aber wichtig für Bürgerinnen und Bürger."

(Rede von Christoph Blocher anlässlich der Lokaljournalistenpreise der "Berner Zeitung" und der "Swiss Press Photo" Preise der Espace Media am 2.12.05 im Landesmuseum in Zürich.)

Kommentar: Bundesrat Blocher's Rede strotzt nur so von hehren Wünschen an die Zunft der Journalisten. Doch vergisst er zu sagen, dass die Verleger nur abdrucken lassen, was in ihr Konzept passt. Die Schere der Selbstzensur wirkt schon zum voraus derart mässigend, dass wir Bürgerinnen und Bürger die Wahrheit in der Alkoholfrage nicht zu lesen bekommen. Liegt es wohl daran, dass u.a. die SVP beim Alkoholproblem noch immer so wirklichkeitsfremd politisiert?  Auch Neue Zürcher Zeitung online, 3.12.05  
Leserbrief pendent

 

23.11.2005 Chris Martin, Sänger der englischen Top-Band Coldplay im Migros-Magazin vom 22.11.05
"Politiker verändern Dinge erst, wenn sie das Gefühl haben, dass alle darüber reden."

31.10.2005

 

In der Wirtschaftszeitung "Bilanz" Nr. 18/05 schrreibt Prof. Dr. med. Oswald Oelz, Chefarzt am Zürcher Triemlispital: "Diagnose - Ein Notfall für sich: Das Problem der steigenden Gesundheitskosten wäre leicht zu lösen: Man bestrafe Raucher, Trinker und Fette, schule Ärztinnen zu Kosmetikerinnen um und stoppe die Forschung. Doch wollen wir das?" 
In der Arenasendung von SF DRS1 vom 28.10.05 nahm Prof. Oelz darauf Bezug und erklärte, dass 30 - 50% der Spitalpatienten an "selbstverschuldeten" Zivilisationskrankheiten leiden. 

Kommentar: Der obere Wert ist der wahrscheinlich zutreffendere, wenn man die Zahlen der WHO über die weltweit häufigsten Todesursachen in Betracht zieht. (Übergewicht, Tabak, Alkohol) Prof. Oelz schüttet das Kind gleich provozierend mit dem Bade aus. Die Zivilisationskrankheiten mit Hilfe des Verursacherprinzips zu reduzieren, würde sicher auch von den erfolgreichen Direktbetroffenen im Nachhinein mit Dankbarkeit begrüsst. Für die Gesellschaft ist es das am meisten erfolgversprechende Mittel, die uns alle belastenden Schäden und grosses Leid zu vermindern. Unsere Projekt-Idee drängt sich als Lösungsweg geradezu auf.  (Brief an.... Arena-Frontteilnehmer unterwegs)

06.10.2005

"Das Podium war sich einig, dass Gottesdienste so oder so politisch sind, denn "kirchliche Verkündigung muss sich politisch äussern - sonst sind Gerechtigkeit, Solidarität und Bewahrung der Schöpfung leere Worte", wie Willy Spieler zusammenfasste."

In "forum", Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zürich Nr. 21/2005, 9./16. Okt. 05, Seite 26: 15 Jahre politische Abendgottesdienste - Gottesdienst ist immer politisch. http://www.politischegottesdienste.ch

07.09.2005

Bundespräsident Samuel Schmid an der 1. Augustfeier auf dem Rütli: "Eidgenossenschaft bedeutet auch, das Handeln am Wohl der Schwachen zu messen." (Quelle: Tages-Anzeiger, 7.9.05)

Kommentar: Die Alkoholindustrie gehört offenbar meistens zu den Schwachen.
Siehe Briefe an...

02.08.2005 Der Dalai Lama im Tages-Anzeiger vom 2.8.05: Auf die Frage "Sind Sie zuversichtlich für die Welt?" antwortet er: "Grundsätzlich hoffnungsvoll. Aber das heisst nicht, dass gute Dinge automatisch kommen. Nein. Wir müssen uns mehr anstrengen. Ich denke, das Potenzial ist da, jetzt müssen wir uns anstrengen, es zu realisieren."
11.05.2005 Bundesrat Merz an der Jubiläumsfeier zum 80-jährigen Bestehen der Schweizer Werbung SW, Dachorganisation der kommerziellen Kommunikation am 29.4.05 in Appenzell: Als Alternative gegen die zunehmende Verbotswelle empfiehlt Bundesrat Merz den Liberalismus. Und dabei meinte er nicht die parteipolitische Dogmatik, sondern die humane Philosophie, welche den selbstbestimmten, reifen Menschen ins Zentrum stellt, der Verantwortung für sich und seine Umwelt übernimmt. «Liberalismus bedeutet auch,» meinte Merz, «dass jeder Eingriff in die Privatsphäre des Menschen angemessen sein soll.» Und er folgerte daraus, dass Werbeverbote unter solchen Vorzeichen nicht zu rechtfertigen sind. «Unsere Gesellschaft wird lernen müssen, mehr Liberalismus zu leben und diesen von allen Formen des Missbrauchs abzugrenzen,» schloss Hans-Rudolf Merz seinen herzlich applaudierten Vortrag. (SW-News 2.5.05)

Kommentar: Suchtmittelwerbung ist ein unverhältnismässiger Eingriff in die Privatsphäre des Menschen und vor allem in die des Kindes und der Jugendlichen. Der reife Mensch, der für sich und seine Umwelt Verantwortung übernimmt, verschont die Gesellschaft vor der schädlichen Suchtmittelreklame. Auch liberale Freiheit hört dort auf, wo sie den Mitmenschen Schaden zufügt.
12.04.2005

Tribüne-Artikel des Tages-Anzeigers vom 12.4.05: Wie "positive" Studien noch "positiver" werden. Peter Kleist leitet den Stabsbereich Besondere Projekte beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic. Er schreibt: "Werden die Resultate mehrfach publiziert, überschätzen Leser den wahren Effekt".

Kommentar: Wie uns das doch bekannt vorkommt!
Siehe auch "Internationales" am 14.4.05)

15.02.2005 Der Chef von Gastro-Zürich, Ernst Bachmann, als Interviewpartner im "Kassensturz" von SF DRS1 als er die Kalkulation der Weinpreise im Gastgewerbe verteidigte: "Es ist nicht unsere Aufgabe, mit tiefen Weinpreisen den Alkoholismus zu fördern." (Aus dem Gedächtnis notiert. Siehe auch unter Top-Aktuell und Projekt-Idee)
20.01.2005

Gemäss Tages-Anzeiger vom 20.1.05 ist Beat Mühlemann vom Migros-
Genossenschaftsbund zum Werber des Jahres 2005 erkoren worden. Wir gratulieren. Zur Diskussion über Werbeverbote für Alkohol und Tabak sagt er im Interview: "Ich bin gegen Werbeverbote. Sie nützen nichts. Die Weichen werden im frühen Kindesalter gestellt, Werbung hat da später nur noch wenig Einfluss."

Kommentar: Auch ein Werber des Jahres sollte sich weiterbilden und nicht die Dogmen seiner Branchenkollegen unbesehen übernehmen. Z.B. die neuste Untersuchung des ISF, Institut für Suchtforschung,  Zürich, erschienen dieses Jahr:  Werbeverbote wirken; sie bringen eine Reduktion des Gesamtkonsums von 5 - 8%. Dadurch werden die Schäden vermindert. Darüber hinaus verbessern sie das suchtmittelgeprägte Umfeld unserer Jugend, die gesellschaftliche Wirklichkeit. Prävention wird so glaubhafter bei der Jugend und damit hat sie verbesserte Chancen zu wirken. 
Dass  Weichen (nicht alle) schon im frühen Kindesalter gestellt werden, ist dagegen richtig. Untersuchungen in Amerika haben gezeigt, dass Kinder die Alkoholwerbung besser verinnerlicht hatten als Erwachsene, weil die Alkoholwerbung vor allem auf die Sendezeiten ausgerichtet ist, wenn Kinder vor dem Kasten sitzen. Deshalb auch die verlangte Zulassung von Alkoholwerbung auf Lokalsendern. Diese werden von Jugendlichen am meisten geschätzt.  Siehe neuer Leserbrief (in Arbeit) und Briefe an ....

08.01.2005

Die Verarbeitung der Flutkatastrophe in Südasien bringt auch kritische Artikel hervor. Z.B. im Tages-Anzeiger vom 8.1.05: "Almosen sind gut, Entwicklung ist besser" von Marlène Schnieper, Genf. Zitat: "Das Sterben im Kongo summiert sich alle 4 Monate zu einer Tsunami-Tragödie." Oder von Christian Kortmann: "Tsunami oder Wie die Wissensgesellschaft versagt". Zitat: "Diese schizophrene, weil immer nur den gerade beleuchteten Teil der Wirklichkeit, nicht aber ihre Nachtseite im Blick habende Sprachpraxis decouvriert den Mythos von der Wissensgesellschaft: Bei aller Grossartigkeit unserer modernen Informationsressourcen ignorieren wir weiterhin Dinge so lange, wie sie uns nicht unmittelbar betreffen."

Kommentar:
Auch wenn es fast pietätlos anmutet, kann man auch tatsächlich sagen, dass die Alkoholnot sich alle 4 Monate weltweit zu einer Tsunami-Tragödie summiert, die von den meisten verdrängt wird, bis sie persönlich als Opfer betroffen sind. Dazu einige Zahlen: (WHO Global Status Report on Alcohol, 1999) Alkoholbedingte Todesfälle: 774'000 = 1,5%; alkoholbedingte Invalidität: 28,4 Mio. = 6%. Die Schweiz erleidet jährlich alkoholbedingte materielle Sozialkosten von ca 2,5 Mia. Fr. Die Bevölkerung von Europa, Russland und Nordamerika zählt etwa 1100 Mio. Menschen. Nimmt man pro unsere 7 Mio. Menschen nur 1 Mia. Kosten und rechnet die hoch, ergibt sich theoretisch ein jährlicher Schaden von 157 Mia. Fr. ohne die übrigen Gebiete.
06.01.2005
Tages-Anzeiger vom 6.1.05: "Exzessiv leben bis zum Umfallen". Nach der Schilderung des Risikoverhaltens der Jugendlichen und ihrer Befindlichkeit werden die Zahlen der Sozialkosten erwähnt und gesundheitsfördernde Präventionsmassnahmen aufgeführt. Hier der letzte Abschnitt wörtlich:
"Gefordert ist aber auch die Politik: Solange kurzfristige wirtschaftliche Überlegungen wichtiger sind als die Gesundheit der Jugendlichen, drohen Präventionsbemühungen zum Kampf gegen Windmühlen zu verkommen. Ohne Werbebeschränkungen und Preiserhöhungen, das zeigt sich im Ausland, läuft nichts. Denn das Suchtverhalten der Jugend, sagt Suchtforscher Ambros Uchtenhagen, sei "Spiegel der Gesellschaft und kein Naturereignis". " (Dazu soll eine Schrift herauskommen: "Die Gesundheit der Jugendlichen als Spiegel der Gesellschaft" (Uni Lausanne, Bern, Bellinzona und SFA)
05.01.2005
T
homas Held, Direktor von Avenir Suisse im grossen Interview des Tages-Anzeigers am 5.1.05: "Die Schweizer Politik hat immer wieder bewiesen, dass sie fähig ist, in schwierigen Situationen pragmatisch zu handeln. Irgendwann sagt man, jetzt reicht es mit der Blockade, und startet durch."
Kommentar: Hoffentlich hat er recht und diese Zeit kommt bei der Alkoholfrage bald! Mindestens die Wirtschaft sollte endlich gemerkt haben, dass Gesundheit Wohlstand bedeutet, auch für die Wirtschaft. Gemäss der gleichentags veröffentlichten Studie von Georg Lutz und Thomas Votruba stimmen die Stimmberechtigten meistens im Sinne der Wirtschaft. Die Chancen wären also gut. 
26.11.2005
Aus dem Tages-Anzeiger vom 26.11.04: "Er hat eine Generation welscher Journalisten geprägt." (Die Rede ist von Roger de Diesbach, der als Chefredaktor der "Liberté" in Freiburg zurücktritt.):
"...In dieser Zeit hat sich im Westschweizer Journalismus eine Art De-Diesbach-Schule entwickelt, die sich gegen den Trend wehrt, Information nach Marketingkriterien aufzubereiten. Kompromisslos beharrt Roger de Diesbach auf einer strikten Trennung von Journalismus und Kommerz. Als einer der "letzten Mohikaner" empört er sich noch, wenn sich Verleger in ihrer wirtschaftlichen Not von Grossinserenten dazu bewegen lassen, Werbung in immer unverschämteren Formen mitten in redaktionelle Texte einzutopfen."
Kommentar: Leider fehlt uns ein solcher Robin Hood in der deutschschweizerischen Presse. Und ein Verlag, der ihn machen liesse. Bitter nötig wären sie. 

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Stand: 30.12.2008