|

Homepage/Neue Zitate
| Datum |
Quelle, Zitat und Kommentar |
| 30.11.2007
02.11.2007 |
(30.10.2007)
Bundespräsidentin Calmy-Rey forderte am
Verleger-Kongress politischen Journalismus.
"Halten Sie an der politischen
Berichterstattung fest. Lassen Sie auf Ihren Redaktionen
weiterhin Meinungen zum Ausdruck kommen - möglichst
viele und unterschiedliche."
(Quelle: Tages-Anzeiger, 22.9.07)
(14.08.2007)
Leserbrief in der Neuen Zürcher Zeitung am 14.8.07:
Christian
Müller, Feldbrunnen, schreibt u.a. unter dem Titel "Was
es für guten Journalismus braucht":
"Als ehemaliger Journalist, Chefredaktor
und heutiger Verlagsmanager habe ich da allerdings eine
andere Sicht: Ob guter Journalismus überlebt oder sogar
eine Zukunft hat, hängt weniger von den Journalisten und
ihrer Ausbildung ab als von der Frage, ob es - um an ein
Bonmot von Gerd Bucerius anzuknüpfen - in Zukunft noch
Verleger gibt, die sich auch für Inhalte interessieren
und die ihren Journalisten zwischen den Inseraten
ausreichend Platz und geistigen Freiraum gewähren."
(08.07.2007)
Rolf Weilenmann, Leiter des Jugenddienstes der
Kantonspolizei Zürich, im Interview mit dem
Tages-Anzeiger, 7.7.07 mit dem fetten Titel: "Der
Alkohol ist das grösste Probblem der Jugendlichen":
(Leider nicht online)
"Meiner Meinung nach ist der Alkohol
das Hauptproblem der Jugendlichen - aber auch hier
lautet meine Devise: Vorsicht vor Pauschalurteilen. Die
Jugend ist das Spiegelbild der Erwachsenenwelt, denn sie
kopiert diese. Man sollte vielleicht auch nachfragen,
was mit der Gesellschaft eigentlich nicht stimmt, bevor
man die auffälligen Jugendlichen pauschal verurteilt."
Kommentar: Nun hat der
Tages-Anzeiger die Wende wahrscheinlich endgültig
vollzogen. Nach dem starken Artikel von J.-M. Büttner
"Der Rausch auf dem Felde" vom 3.7.07 und unserem
veröffentlichten Leserbrief kommt nun der dritte Artikel
mit klarem Bezug auf das Alkoholproblem der Jugendlichen
und die Verantwortung der Gesellschaft, wie wir das seit
langem stipuliert haben. Jetzt hätten die Politiker vor
den Wahlen Gelegenheit, den Ball aufzunehmen und zu
ihrem Standpunkt zu stehen. Die meisten werden das heisse Eisen aber wie bisher nicht anfassen, dabei wären
hier Lorbeeren zu gewinnen. (Allerdings mit hohem
Risiko!)
(03.07.07) Jean-Martin Büttner im
Tages-Anzeiger: "Der Rausch auf dem Felde". Ein Bericht
über das St. Galler Openair mit neuen Tönen. (Leider nicht online)
"Wer sich also über das Alkoholproblem
junger Rauschtrinker empört, sollte sich erst mal den
Widerspruch zwischen Markt und Gesundheit eingestehen.
Und dann versuchen, den unsteten Gestalten auf dem
Gelände diesen Widerspruch zu erklären."
"Nicht auszudenken, was passieren würde,
wenn die Alkoholindustrie der einzige Dealer auf dem
Platz wäre."
Kommentar: Man kann für
unser Land nur hoffen, dass dies eine Trendwende und
keine Eintagsfliege beim Tages-Anzeiger ist. Im ersten
Zitat wird seit langem erstmals die gesellschaftliche
Relevanz des Alkoholproblems angedeutet. Und gezeigt,
wie unglaubwürdig und damit erfolglos die heutige
Erwachsenenwelt ist, wenn sie Alkoholprävention für
Jugendliche betreibt. (Siehe Zitat
auf dieser Seite zuoberst.) Im zweiten Zitat nimmt
der Autor Bezug auf den Hasch-Konsum am Open Air, der
die Konsumenten beruhigt. Dabei nennt er die
Alkoholindustrie "Dealer". Wo hat man schon je so was
gelesen, wo sich sogar Gesundheits-Fachleute aus
taktischen Gründen kaum getrauen, Alkohol als Droge zu
bezeichnen, aus Angst, man könnte Leute vor den Kopf
stossen! Dem Autor gebührt grossen Dank und Anerkennung.
Leserbrief
(16/17.06.2007) Michael Agoras,
Managing Director von Adecco Schweiz im Interview
bei NZZexecutive:
"Ich bin stolz, dass ich in meiner Jugend alles
ausprobiert habe- und nicht auf die schiefe Bahn geraten
bin."
Kommentar: Für Aussenstehende ist es schwierig
abzuschätzen, wie stark sein eigenes Verdienst dafür
zählt. Vielleicht wäre es etwas bescheidener von ihm zu
sagen, er danke Gott für den guten Ausgang. Denn viele
der heutigen Rauschtrinker werden es nicht schaffen. Und
wie heute in der NZZ am Sonntag steht, werden noch die
Enkel darunter zu leiden haben. Ob die dann auch stolz
auf ihren Grossvater sein werden?
(07.06.07) Benedikt Weibel,
Chef-Delegierter des Bundesrates für die EURO 2008 im
Tages-Anzeiger-Interview vom 7.6.07: "Wir gelten als
relativ kalte Krämerseelen":
Frage: "Bei Gewalt ist oft auch
Alkohol ein grosses Problem. In den Stadien herrscht an
der Euro 08 ein Alkoholverbot, aber davor können sich
die Fans betrinken. Nehmen Sie das einfach so hin?"
Benedikt Weibel: "Ich weiss hier
keine Antwort auf das Problem. In bestimmten Fangruppen
ist der Alkohol ein derart bestimmendes Moment, da habe
ich gar keine Hoffnung, dass man das korrigieren kann.
An gut gemeinte Appelle glaube ich nicht."
Kommentar: Ich auch nicht. Wie wär's, wenn die
guten Beispiele von Rom und Portugal beachtet würden?
Oder wenn den Alkoholverkäufern schon vorher klar
gemacht würde, dass man sie für alle Schäden und
Ermittlungskosten haftbar machen werde und sie die
Lizenz verlören, wenn sie nicht freiwillig auf den
Verkauf in der fraglichen Zeit verzichten würden? Oder
wie wär's mit einem einfachen Blastest bei der
Eingangskontrolle? Wer anspricht, verliert sein Ticket.
Die Tickets gelangen sofort in den Verkauf und decken
die Kontrollkosten.
(14.05.2007)
Tages-Anzeiger-Interview mit dem neuen Tamedia-Verleger
Pietro Supino am 4.5.07:
Frage: Funktioniert ein
Medienhaus wie jedes börsenkotierte Unternehmen?
Pietro Supino: Die Medienbranche
hat, wie andere Branchen auch, ihre grossen
Besonderheiten. Tamedia stellt Plattformen für den
öffentlichen Diskurs zur Verfügung. Diese Plattformen
sind unverzichtbar für das Funktionieren und die
Fortentwicklung unserer freien Gesellschaft. Verleger
und Journalisten nehmen die Funktion der vierten Gewalt
wahr, indem wir einflussreiche Institutionen und
Personen beobachten. Und damit exponieren wir auch
Personen und Organisationen in der Öffentlichkeit. Das
macht unsere Arbeit interessant und bringt gleichzeitig
eine ganz besondere Verantwortung mit sich. (usw.)
Kommentar: Er hat noch weitere,
ähnlich unschuldig tönende Sätze geäussert. Wir werden
versuchen, ihm unsere Beschwerde beim Presserat zur
Kenntnis zu bringen. Denn gerade dieser von ihm erwähnte
öffentliche Diskurs wird vom Tages-Anzeiger beim Thema
Alkohol auf Sparflamme gehalten. Und von eigener
lösungsorientierter Recherche findet sich keine Spur. Er
will Mittel für Recherchen bereitstellen. Ob auch fürs
Thema Alkoholproblem?
(25.04.2007)
Tages-Anzeiger-Artikel von Jürg Schmid über die Arbeit
des Jugenddienstes der Stadtpolizei Winterthur: "Mädchen
prügeln wie Knaben":
"Und weshalb kommt es zu Delikten? (.. Überforderte
ausländische Eltern) ..Und zunehmend spielten Alkohol
(Rauschtrinken) und Drogen sowie starker Gruppendruck
bei Mädchen und Knaben eine grosse Rolle."
(13.04.2007) Myrta Schläpfer,
zitiert vom Tages-Anzeiger, 13.4.07, im Artikel: Das
Tessin reagiert gelassen auf das Rauchverbot: "Weshalb
verbietet das Tessin eigentlich nicht den Alkohol?
Raucher werden ja schliesslich nicht ausfällig, und sie
fahren auch keine Leute um, Süffel hingegen schon."
Kommentar: Wäre Alkohol
heute eine neue Erfindung, würde ihre Frage
wahrscheinlich positiv beantwortet. Da sich die
Bevölkerungsmehrheit trotz oder wegen keinem oder
mässigem Konsum nicht mitverantwortlich fühlt, ist es
nicht einmal möglich, die Schäden auf ein erträgliches
Mass zu reduzieren. Die Dummen sind sie trotzdem selber.
Sie können einem Alkoholisierten zum Opfer fallen und
sie zahlen jährlich über Fr. 800.-- pro Kopf
(immaterielle Schäden inklusiv) (Schweiz) an die
Schäden. Hauptschuldige sind natürlich die
Alkoholbranche mit ihren Werbern, Medien, Politikern und
weiteren Kreisen, die vom Leid anderer profitieren, sei
es aktiv oder durch passives Wegschauen und tolerieren.
(29.03.2007) Interview in der
Coopzeitung vom 27.3.07 mit WWF-CEO Hans-Peter
Fricker:
Frage des Coopzeitungs-Redaktors Daniel
Sägesser: Coop verkauft auch Benzin und
Heizöl und fördert damit indirekt den CO2-Aussstoss. Hat
der WWF da keine Skrupel?
Antwort des WWF-CEO Hans-Peter
Fricker: Uns ist wichtig, dass bei der
Zusammenarbeit unter dem Strich möglichst viel für
Umwelt und Gesundheit herausschaut. Natürlich begrüssen
wir aber den Verkauf von Heizöl und Benzin nicht.
Unglaubwürdig wäre Coop, wenn sie den Verkauf speziell
fördern würde.
Kommentar: Coop fördert
(mindestens bisher den Verkauf mittels Bons. Z.B. 3 Rp.
Rabatt pro Liter . Die Rechte weiss nicht, was die Linke
tut? Uns interessierte allerdings mehr, ob Coop in
Anbetracht der 6.5 Mia. Franken Alkoholschäden in der
Schweiz nicht auch wenigstens auf die speziellen
Alkohol-Verkaufs-Förderaktionen verzichten könnte?
(siehe kommenden Leserbrief dazu)
(23.02.2007) Zu den Unterlagen
der Aktion "Brot für alle" und "Fastenopfer" gehört die
AGENDA 2007. Sie trägt den Titel "Wir glauben. Arbeit
muss menschenwürdig sein." Der erste Slogan ist ein
Zitat von Johannes Rau, ehem. Deutscher Bundespräsident:
"Wo Menschenwürde berührt ist,
zählen keine wirtschaftlichen Argumente."
Kommentar: Schön wär's. Die Hälfte des bei uns
konsumierten Alkohols wird von Abhängigen und starken
Trinkern konsumiert, bei deren Konsum die Menschenwürde
sehr oft verloren wird. Die Gewinnerin ist die
Alkoholindustrie, die ohne diesen Alkoholmissbrauch kaum
leben könnte. Auch bei den Politikern zählen oft nur die
wirtschaftlichen Argumente. Sie nennen das dann einen
politischen Entscheid.
Schon das zweite Zitat zeigt die Ahnungslosigkeit
der Herausgeber:
"Wer Wein verdient, soll nicht
Wasser bekommen." (Sprichwort aus Ghana)
Kommentar: Das weckt Erinnerungen an die
biblische Hochzeit zu Kanaa. Aber auch der Wein kann zum
Verlust der Menschenwürde führen. In Südafrika war - und
ist z. Teil vielleicht immer noch - das sogen.
Tot-System üblich: Arbeiter im Rebberg erhielten einen
Teil des Lohns täglich in Naturalien, d.h. als Wein. Sie
lehnten sich in ihrer Alkohol-Abhängigkeit nicht gegen
die teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen oder gegen
das Apartheid-Regime auf. Vielleicht ist der Satz auch
nur einem Übersetzungsfehler wie die vielen
"Wein-Stellen" in der Bibel zum Opfer gefallen. Dort
wird alles mit Wein übersetzt, auch wenn es sich um
frischen Saft, frische Trauben, getrocknete Weinbeeren,
Beerenmus, vergorenen oder unvergorenen Saft handelt. Es
gibt auch Ausdrücke im Urtext, die beide Bedeutungen
haben können, vergoren und unvergoren. Welche
Bibelübersetzung räumt mit dieser historischen Lüge
einmal auf? Das wäre wichtige Prävention.
Der Wein wird zu etwas sehr gutem hochstilisiert, dabei
ist gerade Wasser das höchste Gut im trockenen Afrika.
Der Alkoholkonsum in Entwicklungsländern, gefördert
durch die Alkoholmultis, macht einen nicht unbedeutenden
Teil unserer Entwicklungshilfe zunichte. Das sollten
auch unsere Entwicklungsorganisationen endlich zur
Kenntnis nehmen.
(14.02.2007) Jürgen Margraf,
Basler Professor für Klinische Psychologie und
Psychotherapie in einem Artikel der Neuen Zürcher
Zeitung am 14.2.07:
"Wissen ist die beste
Grundlage der Prävention"
Kommentar:
Bei der Alkoholprävention ist das
nicht anders. Die Frage ist nur, welche Prävention wird
angestrebt und entsprechend mit Wissensvermittlung
vorbereitet. Da Politiker und Medien sich offensichtlich
weigern, sich mit dieser Frage - trotz klarer
wissenschaftlicher Grundlagen - auseinanderzusetzen,
kommen wir nicht weiter, können die Schäden nicht
vermindert werden.
(23.12.2006) Michel Graf, Direktor der
SFA, Schweiz. Fachstelle für Alkohol- und andere
Drogenprobleme in Lausanne im Interview der Neuen
Zürcher Zeitung, am 23.12.06:
Frage: Worüber ärgern Sie sich
immer wieder im beruflichen Alltag?
Antwort:
"Die Präventionsarbeit wird von Politikerinnen und
Politikern weder wirklich verstanden noch geschätzt. Wir
müssen deshalb ständig darum kämpfen, dass unsere
Anliegen berücksichtigt werden."
Kommentar: Beizufügen wäre noch:
Diese sind damit für Milliardenschäden und unsägliches
Leid in hohem Masse mitverantwortlich, die das Volk seit
Jahrzehnten zu tragen hat.
(4.12.2006) Christine Davatz,
Vizedirektorin des Schweizerischen Gewerbeverbandes im
Interview der Neuen Zürcher Zeitung am 2./3.12.2006:
a) Frage: Worüber ärgern Sie sich
immer wieder im beruflichen Alltag?
Antwort: Über jene, die vorgeben, eine Sache zu
vertreten, aber nur den persönlichen Vorteil suchen.
Manchmal sage ich es ihnen.
b) Frage: Was stört Sie am meisten als
Staatsbürgerin?
Antwort: Zwei Dinge: der mangelnde Nationalstolz
der Schweizerinnen und Schweizer und der fehlende Mut,
Missstände energisch und konsequent anzugehen.
Kommentar: Da fällt einem doch
gleich der Gewerbeverband ein.
(26.10.2006)
Hans-Peter Bieri in einer
Tages-Anzeiger Glosse "Zugespitzt" am 25.10.06 im
Zusammenhang mit Warnungen vor Radarfallen:
"Prävention versperrt den Himmel. -
Für die SVP sind die Warnungen nicht
nur kein Problem, sondern legitime zivile
Selbstverteidigung - mit geradezu segensreichen
Auswirkungen. Ohnehin ist jeder Batzen, den man dem
Moloch Staat entreisst, sein Gewicht in Gold wert. Und
er ist noch wertvoller, weil er im Umlauf bleibt: Der
Besitzer wird ihn verkonsumieren - und Umsatz und
Gewinne der KMU erhöhen. Oder er wird ihn investieren -
und nochmals Umsatz und Gewinne der KMU steigern. Oder
er wird ihn aufs Sparkonto legen - und erneut durch
billige Kredite Umsatz und Gewinne der KMU maximieren.
(Das ist Ihnen zu einseitig? Aber wofür soll sich die
SVP denn sonst einsetzen?)"
Kommentar: Die Frage kann klar
beantwortet werden: Für eine wirksame Besteuerung
alkoholischer Getränke, wie sie z.B. in unserer
Projekt-Idee skizziert wird. Dann erreicht die SVP genau
die gleichen KMU-positiven Auswirkungen wie oben
beschrieben.
(21.10.2006)
Umfassendes Tabak- und
Alkohol- Werbeverbot gefordert.
Die Schweiz soll die Steuern auf
Alkohol und Tabak erhöhen und die Werbung dafür
verbieten, rät ihr ein Expertenbericht von WHO und OECD,
der einen bunten Strauss von Reformideen präsentiert.
Überschrift in "20 Minuten" am 19.10.06.
Siehe auch unsere Meldungen unter
Aktuell am 18. und 20.
Okt. 06 mit Link zu Tages-Anzeiger-Artikel
Leserbrief unterwegs
(21.10.2006)
Der Tages-Anzeiger schliesst eine 6-teilige Serie über
Jugendgewalt ab. Unter dem Titel "Jugendgewalt ist
Chefsache" (von Claudia Imfeld und Stefan Hohler) werden
einige bemerkenswerte Feststellungen getroffen. Leider
werden online nur die
Statistiktabellen gezeigt. Im Schlussabschnitt
heisst es:
"Neben der klassischen
Prävention braucht es auch jene, die viele nur indirekt
mit Jugendkriminalität oder Jugendgewalt in Verbindung
bringen, die aber bei den wirklichen Ursachen ansetzt.
Dazu gehört die Drogenaufklärung: Denn wenn Jugendliche
dreinschlagen, sind sie oft betrunken oder stehen unter
anderen Drogen."
Und zum Schluss:
"Aber die Regierung muss
sich auch dann für ihr neues Schwerpunktthema einsetzen,
wenn es nicht offensichtlich die Aufschrift
"Jugendkriminalität" trägt. Sie muss dies auch tun gegen
den Widerstand derer, die sich mit kostenintensiver
Prävention schwerer tun als mit Repression - und noch
schwerer damit, die äusseren Umstände zu ändern. Diese
Umstände sind es, die die Kriminalität begünstigen -
auch bei Jugendlichen. Jugendkriminalität ist das
Spiegelbild unserer Gesellschaft."
Kommentar: Der letzte Satz müsste
wohl heissen: "Die Jugend ist das Spiegelbild unserer
Gesellschaft." Dass Drogenaufklärung normalerweise
nichts bringt, sollte auch bekannt sein. Es geht
effektiv um die Änderung der äusseren Umstände, des
Umfeldes, unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit. Das
ist Politik.
Leserbrief unterwegs
(01.10.2006)
Thomas Zeltner, BAG-Direktor, im Interview in der
SonntagsZeitung vom 24.09.06:
Für Prävention
ist immer weniger Geld vorhanden. Wie wollen Sie da noch
erfolgreich wirken?
"Es stimmt,
wir mussten Aktivitäten einstellen,
für die
Alkoholprävention haben wir praktisch kein Geld mehr.
(Siehe bei Top aktuell)
(30.09.2006) Tages-Anzeiger,
28.09.2006: "Ein erfrischend direkter Wissenschaftler".
Berichtet wird über Heinz Wanner, Schweizer
Klimaforscher von Weltruf. Er erhielt eben den
inoffiziellen Nobelpreis für Geografie, den "Vautrin
Lud". Martin Läubli schreibt über ihn u.a.:
"Wanner sieht sich nicht nur als Lieferant von
Forschungsresultaten. Wissenschaftler müssten "auf die
Politiker losgelassen werden". Mehrmals haben er und
weitere Kollegen Bundesräte instruiert, Parlamentarier
aufgeklärt, wieso sie mehr für den Klimaschutz tun
sollten. "Den Einzelnen kann man rasch überzeugen, aber
im parlamentarischen Prozess läuft alles wieder
anders.""
(24.07.2006) Bundespräsident
Moritz Leuenberger im Tages-Anzeiger-Interview "Das
Glück lässt sich nicht halten" am 24.7.06:
Frage: Soll denn der Staat den
Menschen vorgeben, worin ihr Glück zu bestehen habe?
Antwort: Er tut es jedenfalls: Er
setzt Grenzen, etwa bei Menschen, die ihr individuelles
Glück mit harten Drogen wie LSD suchen. Hier sagt der
Staat: Du darfst dich nicht auf Kosten eines kurzen
Glücks langfristig kaputt machen. Wir schützen dich vor
dier selber, aber auch die Allgemeinheit, die sonst
deine Gesundheitskosten bezahlen muss.
Kommentar: Beim Alkohol, der ein Mehrfaches an
Leid und Kosten für die Allgemeinheit bringt, ist der
Staat immer noch viel nachsichtiger.
(09.06.2006) Thomas Daum, seit 1.6.06
neuer Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes
im Interview in der COOPZEITUNG Nr. 9 vom 1.3.06:
"Und auch als Liberaler kann und muss
man soziale Verantwortung tragen."
(16.05.2006) Erwin Haas im heutigen
Tages-Anzeiger unter "Gewalt in den Stadien": "Lieber
Ethik als Fussball":
"Die Hooligans
nähren ihre Aggressivität aus einer hochexplosiven
Mischung. Treibstoff liefern die Beigeisterung für den
Sport, die Identifikation mit der eigenen Mannschaft,
die Energie der "erlebnisorientierten" Matchbesucher
(...) - aber auch der Alkohol. Gelegenheitszuschauer
stellen mit Erstaunen fest, dass man keine
Rivella-Petflasche ins Stadion mitnehmen darf, weil sie
als Wurfgeschoss dienen könnte. Bier in Plastikbechern
fliesst aber in Strömen, obwohl es gereizte Fans dazu
anregt, ganze Stühle auf den Rasen zu schmeissen. Ein
Alkoholverbot in den Stadien ist ein Muss."
(12.05.2006) Bundesrat Ch. Blocher bei
der Mitgliederversammlung des Verbandes Schweizer
Werbung am 21.4.06:
a) "Der
Markt ist gnadenlos und kennt keine Moral."
b) "Sowohl die
Marktwirtschaft wie auch die Demokratie setzen
Gedankenfreiheit, Meinungsfreiheit, Rede- und
Pressefreiheit sowie Freiheit für die Werbung voraus."
(Quelle:
Schweizer Werbung SW - Aktuell - Newsartikel)
Kommentar: a) Gerade deshalb muss die Politik
Priorität vor der Wirtschaft haben. Und dort, wo
letztere dem Volk schadet, muss die Politik Grenzen
setzen.
b) Freiheit für die Werbung ist in der Demokratie kein
Grundrecht. Die andern Freiheiten werden dagegen von der
Wirtschaft sehr willkürlich, d.h. den eigenen Zwecken
dienend gehandhabt. Sie werden eingefordert aber andern
nicht gewährt.
(11.04.2006) Aus dem Interview mit dem
EU-Abgeordneten Martin Schulz im Tages-Anzeiger am
11.4.06: "Europa hat zu passiv zugeschaut"
Frage: "Ist Berlusconi ein rein
italienisches Phänomen?" Antwort Schulz: "Nein,
die Kombination von politischer Macht und medialer Macht
ist ein Phänomen, das über Italien hinausweist. Die
Medien spielen heute in der Öffentlichkeit eine quasi
konstitutionelle Rolle. Sie sind die vierte Macht im
Staat. Wir müssen deshalb darüber nachdenken, wie die
Trennung von politischer und medialer Macht zu
organisieren ist."
Frage: "Ist das ein Plädoyer für
eine stärkere staatliche Kontrolle der Medien?"
Antwort Schulz: "... Und es braucht gesetzliche
Regelungen über die Trennung von medienpolitischen
Einflüssen von Politikern sowie von politischen
Einflüssen von Medienunternehmern."
Kommentar: Ausgerechnet der
Tages-Anzeiger liefert in der gleichen Nummer ein
treffendes Beispiel zur obigen Aussage: Unter dem Titel
"Neuer Anlauf ohne die Cannabis-Frage" berichtet er über
die Sitzung der nationalrätlichen Kommission für Soziale
Sicherheit und Gesundheit. Dass diese auch zuhanden der
Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK-N) eine
Empfehlung für eine substantiell höhere Biersteuer
ausgesprochen hat, wird unterschlagen. Wir berichteten
am 10.4.06 unter Aktuell
darüber.
(29.03.2006) Im Tages-Anzeiger vom
29.3.06:
"Zugespitzt": "Wie man Sucht bewirtschaftet" von
Hans-Peter Bieri:
"Der Staat holt Geld, wo die
öffentlichen Kosten am kleinsten, und verzichtet auf
Geld, wo sie am grössten sind." (Er vergleicht
Glückspiel mit Alkohol, Tabak und andern Drogen.)
Kommentar: Wenn der Autor aber
schreibt "Suchtbewirtschaftung nach dem Zufallsprinzip",
muss doch klargestellt werden, dass die Besteuerung oder
Nicht-Besteuerung der alkoholischen Getränke absolut
nicht dem Zufallsprinzip unterliegt, sondern sehr genau
gezielt den Interessen gewisser Kreise dient. Letztes
Beispiel: Die Biersteuer. Ausnahme: Die Alcopopsteuer
(Aber immer noch zu tief, Mindestpreise fehlen, wie sie
beim Tabak jetzt kommen sollen.)
(02.03.2006) "Brot für alle und das
Fastenopfer" haben ihre Agenda 2006 herausgegeben.
Thema: "Wir glauben,
Menschenrechte fordern Einsatz."
Kommentar: Auch in der
Alkoholfrage spielen Menschenrechte eine wesentliche
Rolle: Z.B. die Rechte der Kinder in einer
alkoholbehinderten Familie auf Lebenschancen. Deshalb
hier einige Zitate aus der Agenda:
"Sind die Rechte eines Menschen bedroht,
werden die Rechte aller gemindert." (John
F. Kennedy, 1917-1963, ehem. Präsident der USA)
"Gesundheit sollten wir uns nicht nur
wünschen, sondern als Recht erkämpfen."
(Kofi Annan, *1938, UNO-Generalsekretär)
"Wer das Übel akzeptiert, ohne dagegen
zu protestieren, verbindet sich in Wirklichkeit mit
ihm." (Martin Luther King, 1925-1968,
amerikanischer Bürgerrechtler)
"Wählt die, denen ihr vertrauen könnt."
Man könnte auch sagen: "An ihren Taten könnt ihr sie
erkennen." - Nutzen wir die Möglichkeiten, die wir
mehrmals im Jahr haben, um diejenigen zu wählen, die für
mehr Menschlichkeit und eine gerechtere Schweiz
einstehen? Die Botschaft gilt auch für uns: "Wählt die,
denen ihr Vertrauen könnt, und messt sie an ihren
Taten." (dö)
(24.02.2006) "Politiker sprechen
von Gewissen - handeln aber nicht nur danach"
Überschrift eines Artikels im
Tages-Anzeiger vom 18.2.06 von Michael Meier über "Ethik
2006. Ethikbilanz in der Schweizer Politik. NZZ Libro,
Zürich 2006, Hrsg.: Lassalle-Institut.
3700 Personen waren angeschrieben worden, 800
antworteten. "Überall wird der ethische Handlungsbedarf
als hoch taxiert - vor allem im Bildungs- und
Gesundheitswesen und bei den Finanzen." "Die grosse
Mehrheit der befragten Politiker ist der Meinung, nicht
eine äussere Instanz, wie etwa die Kirchen, gebe ethisch
den Ton an - die Verantwortung liege vielmehr bei jedem
Einzelnen und dessen Gewissen." "Schliesslich nennen die
Politiker als Referenzpunkt ihrer persönlichen Ethik
neben dem Gewissen fast ebenso oft die "Verantwortung
für Erde und Kosmos " und "humanistische Prinzipien."
"Auffallend ist, dass rechte Politiker ihr
Ethikverständnis stärker auch auf Gesetze, Normen und
gültige Verhaltensweisen stützen als linke."
Kommentar: Ist wohl die
Interpretation gestattet, dass sich in der Alkoholfrage
rechte Politiker offenbar gern auf die Gesetze, die sie
selbst gemacht haben, stützen, auf Normen und
Verhaltensweisen, die sie nicht hinterfragen können oder
wollen, weil sie mit "König" Alkohol vernetzt oder ihm
untertan sind? Das nennen sie dann politische
Entscheide. Ihren Amtseid, dem Volkswohl zu dienen,
nehmen sie dann aber doch nicht so ernst.
(26.01.2006) Aus: Ein Kannibale
und drei Konzerne". Beim Anti-WEF-Forum Public Eye
wurden die drei übelsten Konzerne 2006 geehrt. Und gegen
Moral argumentiert. (Tages-Anzeiger, 26.01.06)
Zitiert wird Gret Haller in ihrem
Eröffnungsreferat u.a.: "Nur griffige Gesetze hielten
Menschen wie Konzerne in den Schranken.
Absichtserklärungen seien schön, aber sobald sie dazu da
seien, klare Regeln durch Freiwilligkeit zu ersetzen,
seien sie gefährlich.
Kommentar: Siehe dazu die
freiwilligen Werbeeinschränkungen der Alkoholindustrie.
(21.01.2006) Prof. Dr. Roger Blum, Direktor des
Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft an
der Uni Bern im Tages-Anzeiger vom 21.1.06: "Der
manchmal notwendige 'Landesverrat'":
"Der schweizerische berufsethische Kodex steht genau aus
diesem Grund bei der Frage, was öfentlich werden soll,
der Rechtsordnung in gewissen Punkten klar entgegen: -
Er beharrt auf der Priorität der Öffentlichkeit ("Die
Verantwortlichkeit der Journalistinnen und Journalisten
gegenüber der Öffentlichkeit hat den Vorrang vor jeder
anderen, insbesondere vor ihrer Verantwortlichkeit
gegenüber ihren Arbeitgebern und gegenüber staatlichen
Organen")
Kommentar: Wieder der
berufsethische Kodex der Journalisten. Nur wagen sie es
kaum, in der Alkoholfrage gegen ihre Arbeitgeber
anzutreten.
(10.01.2006) Marcel
Hänggi, Wissenschaftsredaktor bei der WOZ, im
Tages-Anzeiger vom 10.1.06 unter dem Titel "Der
Preis der privaten Finanzierung":
"Die Nähe (von Wirtschaft und
Wissenschaft) schafft Interessenkonflikte. Das Ethos
des Forschers und das Ethos des Unternehmers sind nicht
vereinbar. Eine klinische Studie über ein Medikament
fällt mit deutlich grösserer Wahrscheinlichkeit zu
Gunsten dieses Medikaments aus, wenn die Studie von der
Pharmaindustrie gesponsert ist, als wenn sie neutral
finanziert wird, selbst dann, wenn der Sponsor den
Forschern völlig freie Hand lässt.
"Die öffentliche Hand muss dafür sorgen,
dass gesellschaftlich wichtige, aber kommerziell
uninteressante oder gar die Interessen der Industrie
tangierende Forschung ausreichend finanziert wird - ..."
Kommentar: Das gleiche Problem
kennen wir bei den Medien. Die Folgen tragen wir schon
lange.
(Siehe auch das Dossier "Wein
(Alkohol) sei (mässig genossen) gesund"
(08.12.2005) Aus der Replik von
Jean-Martin Büttner im Tages-Anzeiger vom 8.12.05 auf
die Rede Christoph Blochers an die Journalisten:
"Wirklichkeit ist eine Funktion der
Macht" ..."Wirklichkeit für einen Journalisten ist
zum Beispiel, was sein Verlag als Wirklichkeit definiert
haben möchte. ... Schreiben was ist? Schreiben was sein
darf."
Kommentar: Ein namhafter Insider
bestätigt unsere Meinung, die auch im
Leserbrief vom 3.12.05 zum
Ausdruck kommt.
(3.12.2005) Bundesrat Blocher im
Tages-Anzeiger vom 3.12.05:
"Journalisten müssen schreiben, was
ist!"
"Politiker neigen dazu - genauso wie
alle Menschen -, die Dinge zu beschönigen. Journalisten
müssen die Wirklichkeit darstellen. Das kann subversiv
und gefährlich sein, ist aber wichtig für Bürgerinnen
und Bürger."
(Rede von Christoph Blocher anlässlich
der Lokaljournalistenpreise der "Berner Zeitung" und der
"Swiss Press Photo" Preise der Espace Media am 2.12.05
im Landesmuseum in Zürich.)
Kommentar: Bundesrat Blocher's
Rede strotzt nur so von hehren Wünschen an die Zunft der
Journalisten. Doch vergisst er zu sagen, dass die
Verleger nur abdrucken lassen, was in ihr Konzept passt.
Die Schere der Selbstzensur wirkt schon zum voraus
derart mässigend, dass wir Bürgerinnen und Bürger die
Wahrheit in der Alkoholfrage nicht zu lesen bekommen.
Liegt es wohl daran, dass u.a. die SVP beim
Alkoholproblem noch immer so wirklichkeitsfremd
politisiert? Auch
Neue Zürcher Zeitung online, 3.12.05
Leserbrief pendent
|
| 23.11.2005 |
Chris Martin, Sänger der englischen Top-Band Coldplay im Migros-Magazin
vom 22.11.05:
"Politiker verändern Dinge erst, wenn sie das Gefühl haben, dass
alle darüber reden." |
|
31.10.2005
|
In der Wirtschaftszeitung "Bilanz" Nr. 18/05
schrreibt Prof. Dr. med. Oswald Oelz, Chefarzt am Zürcher Triemlispital:
"Diagnose - Ein Notfall für sich: Das Problem der steigenden Gesundheitskosten wäre leicht zu lösen: Man bestrafe Raucher, Trinker und Fette, schule Ärztinnen zu Kosmetikerinnen um und stoppe die Forschung. Doch wollen wir das?"
In der Arenasendung von SF DRS1 vom 28.10.05 nahm Prof. Oelz darauf Bezug
und erklärte, dass 30 - 50% der Spitalpatienten an
"selbstverschuldeten" Zivilisationskrankheiten leiden.
Kommentar: Der obere Wert ist der wahrscheinlich zutreffendere,
wenn man die Zahlen der WHO über die weltweit häufigsten Todesursachen
in Betracht zieht. (Übergewicht, Tabak, Alkohol) Prof. Oelz schüttet das
Kind gleich provozierend mit dem Bade aus. Die Zivilisationskrankheiten
mit Hilfe des Verursacherprinzips zu reduzieren, würde sicher auch von
den erfolgreichen Direktbetroffenen im Nachhinein mit Dankbarkeit
begrüsst. Für die Gesellschaft ist es das am meisten erfolgversprechende
Mittel, die uns alle belastenden Schäden und grosses Leid zu vermindern.
Unsere Projekt-Idee drängt sich als Lösungsweg geradezu auf. (Brief
an.... Arena-Frontteilnehmer unterwegs)
|
| 06.10.2005 |
"Das Podium war sich einig, dass Gottesdienste so
oder so politisch sind, denn "kirchliche Verkündigung muss sich
politisch äussern - sonst sind Gerechtigkeit, Solidarität und Bewahrung
der Schöpfung leere Worte", wie Willy Spieler zusammenfasste."
In "forum", Pfarrblatt der katholischen Kirche
im Kanton Zürich Nr. 21/2005, 9./16. Okt. 05, Seite 26: 15 Jahre
politische Abendgottesdienste - Gottesdienst ist immer politisch. http://www.politischegottesdienste.ch
|
| 07.09.2005 |
Bundespräsident Samuel Schmid an
der 1. Augustfeier auf dem Rütli: "Eidgenossenschaft bedeutet
auch, das Handeln am Wohl der Schwachen zu messen." (Quelle:
Tages-Anzeiger, 7.9.05)
Kommentar: Die Alkoholindustrie gehört offenbar
meistens zu den Schwachen.
Siehe Briefe an...
|
| 02.08.2005 |
Der Dalai Lama im Tages-Anzeiger vom
2.8.05: Auf die Frage "Sind Sie zuversichtlich für die Welt?"
antwortet er: "Grundsätzlich hoffnungsvoll. Aber das heisst
nicht, dass gute Dinge automatisch kommen. Nein. Wir müssen uns mehr
anstrengen. Ich denke, das Potenzial ist da, jetzt müssen wir uns
anstrengen, es zu realisieren." |
| 11.05.2005 |
Bundesrat Merz an der Jubiläumsfeier zum
80-jährigen Bestehen der Schweizer Werbung SW, Dachorganisation der kommerziellen Kommunikation
am 29.4.05 in Appenzell: Als Alternative gegen die zunehmende Verbotswelle empfiehlt Bundesrat Merz den Liberalismus. Und dabei meinte er nicht die parteipolitische Dogmatik, sondern die humane Philosophie, welche den selbstbestimmten, reifen Menschen ins Zentrum stellt, der Verantwortung für sich und seine Umwelt übernimmt. «Liberalismus bedeutet auch,» meinte Merz, «dass jeder Eingriff in die Privatsphäre des Menschen angemessen sein soll.» Und er folgerte daraus, dass Werbeverbote unter solchen Vorzeichen nicht zu rechtfertigen sind. «Unsere Gesellschaft wird lernen müssen, mehr Liberalismus zu leben und diesen von allen Formen des Missbrauchs abzugrenzen,» schloss Hans-Rudolf Merz seinen herzlich applaudierten Vortrag.
(SW-News
2.5.05)
Kommentar: Suchtmittelwerbung ist ein unverhältnismässiger
Eingriff in die Privatsphäre des Menschen und vor allem in die des Kindes
und der Jugendlichen. Der reife Mensch, der für sich und seine Umwelt
Verantwortung übernimmt, verschont die Gesellschaft vor der schädlichen
Suchtmittelreklame. Auch liberale Freiheit hört dort auf, wo sie den
Mitmenschen Schaden zufügt. |
| 12.04.2005 |
Tribüne-Artikel des Tages-Anzeigers vom 12.4.05: Wie
"positive" Studien noch "positiver" werden. Peter
Kleist leitet den Stabsbereich Besondere Projekte beim Schweizerischen
Heilmittelinstitut Swissmedic. Er schreibt: "Werden die
Resultate mehrfach publiziert, überschätzen Leser den wahren
Effekt".
Kommentar: Wie uns das doch bekannt vorkommt!
Siehe auch "Internationales"
am 14.4.05)
|
| 15.02.2005 |
Der Chef von Gastro-Zürich, Ernst Bachmann, als
Interviewpartner im "Kassensturz" von SF DRS1 als er die
Kalkulation der Weinpreise im Gastgewerbe verteidigte: "Es ist nicht
unsere Aufgabe, mit tiefen Weinpreisen den Alkoholismus zu fördern."
(Aus dem Gedächtnis notiert. Siehe auch unter Top-Aktuell und
Projekt-Idee) |
| 20.01.2005 |
Gemäss
Tages-Anzeiger vom 20.1.05 ist Beat Mühlemann vom Migros-
Genossenschaftsbund zum Werber des Jahres 2005 erkoren worden. Wir
gratulieren. Zur Diskussion über Werbeverbote für Alkohol und Tabak sagt
er im Interview: "Ich bin gegen
Werbeverbote. Sie nützen nichts. Die Weichen werden im frühen Kindesalter
gestellt, Werbung hat da später nur noch wenig Einfluss."
Kommentar: Auch ein Werber des Jahres
sollte sich weiterbilden und nicht die Dogmen seiner Branchenkollegen
unbesehen übernehmen. Z.B. die neuste Untersuchung des ISF, Institut für
Suchtforschung, Zürich, erschienen dieses Jahr: Werbeverbote
wirken; sie bringen eine Reduktion des Gesamtkonsums von 5 - 8%. Dadurch
werden die Schäden vermindert. Darüber hinaus verbessern sie das
suchtmittelgeprägte Umfeld unserer Jugend, die gesellschaftliche
Wirklichkeit. Prävention wird so glaubhafter bei der Jugend und damit hat
sie verbesserte Chancen zu wirken.
Dass Weichen (nicht alle) schon im frühen Kindesalter gestellt
werden, ist dagegen richtig. Untersuchungen in Amerika haben gezeigt, dass
Kinder die Alkoholwerbung besser verinnerlicht hatten als Erwachsene, weil
die Alkoholwerbung vor allem auf die Sendezeiten ausgerichtet ist, wenn
Kinder vor dem Kasten sitzen. Deshalb auch die verlangte Zulassung von
Alkoholwerbung auf Lokalsendern. Diese werden von Jugendlichen am meisten
geschätzt. Siehe neuer Leserbrief (in
Arbeit) und Briefe an ....
|
08.01.2005
|
Die
Verarbeitung der Flutkatastrophe in Südasien bringt auch kritische Artikel
hervor. Z.B. im Tages-Anzeiger vom 8.1.05: "Almosen sind gut,
Entwicklung ist besser" von Marlène Schnieper, Genf. Zitat: "Das
Sterben im Kongo summiert sich alle 4 Monate zu einer Tsunami-Tragödie."
Oder von Christian Kortmann: "Tsunami oder Wie die Wissensgesellschaft
versagt". Zitat: "Diese schizophrene, weil immer nur den
gerade beleuchteten Teil der Wirklichkeit, nicht aber ihre Nachtseite im
Blick habende Sprachpraxis decouvriert den Mythos von der
Wissensgesellschaft: Bei aller Grossartigkeit unserer modernen
Informationsressourcen ignorieren wir weiterhin Dinge so lange, wie sie uns
nicht unmittelbar betreffen."
Kommentar: Auch wenn es fast pietätlos anmutet, kann man auch
tatsächlich sagen, dass die Alkoholnot sich alle 4 Monate weltweit zu einer
Tsunami-Tragödie summiert, die von den meisten verdrängt wird, bis sie
persönlich als Opfer betroffen sind. Dazu einige Zahlen: (WHO Global Status
Report on Alcohol, 1999) Alkoholbedingte Todesfälle: 774'000 = 1,5%;
alkoholbedingte Invalidität: 28,4 Mio. = 6%. Die Schweiz erleidet jährlich
alkoholbedingte materielle Sozialkosten von ca 2,5 Mia. Fr. Die Bevölkerung
von Europa, Russland und Nordamerika zählt etwa 1100 Mio. Menschen. Nimmt
man pro unsere 7 Mio. Menschen nur 1 Mia. Kosten und rechnet die hoch,
ergibt sich theoretisch ein jährlicher Schaden von 157 Mia. Fr. ohne die
übrigen Gebiete.
|
| 06.01.2005 |
Tages-Anzeiger
vom 6.1.05: "Exzessiv leben bis zum Umfallen". Nach der
Schilderung des Risikoverhaltens der Jugendlichen und ihrer Befindlichkeit
werden die Zahlen der Sozialkosten erwähnt und gesundheitsfördernde
Präventionsmassnahmen aufgeführt. Hier der letzte Abschnitt wörtlich:
"Gefordert ist aber auch die Politik: Solange kurzfristige
wirtschaftliche Überlegungen wichtiger sind als die Gesundheit der
Jugendlichen, drohen Präventionsbemühungen zum Kampf gegen Windmühlen zu
verkommen. Ohne Werbebeschränkungen und Preiserhöhungen, das zeigt sich im
Ausland, läuft nichts. Denn das Suchtverhalten der Jugend, sagt
Suchtforscher Ambros Uchtenhagen, sei "Spiegel der Gesellschaft und
kein Naturereignis". " (Dazu soll eine Schrift herauskommen:
"Die Gesundheit der Jugendlichen als Spiegel der Gesellschaft"
(Uni Lausanne, Bern, Bellinzona und SFA)
|
| 05.01.2005 |
Thomas
Held, Direktor von Avenir Suisse im grossen Interview des Tages-Anzeigers am
5.1.05: "Die Schweizer Politik hat
immer wieder bewiesen, dass sie fähig ist, in schwierigen Situationen
pragmatisch zu handeln. Irgendwann sagt man, jetzt reicht es mit der
Blockade, und startet durch."
Kommentar: Hoffentlich hat er recht und diese Zeit kommt bei der
Alkoholfrage bald! Mindestens die Wirtschaft sollte endlich gemerkt haben,
dass Gesundheit Wohlstand bedeutet, auch für die Wirtschaft. Gemäss der
gleichentags veröffentlichten Studie von Georg Lutz und Thomas Votruba
stimmen die Stimmberechtigten meistens im Sinne der Wirtschaft. Die Chancen
wären also gut.
|
| 26.11.2005 |
Aus
dem Tages-Anzeiger vom 26.11.04: "Er hat eine Generation welscher
Journalisten geprägt." (Die Rede ist von Roger de Diesbach, der als
Chefredaktor der "Liberté" in Freiburg zurücktritt.):
"...In dieser Zeit hat sich im Westschweizer Journalismus eine Art
De-Diesbach-Schule entwickelt, die sich gegen den Trend wehrt, Information
nach Marketingkriterien aufzubereiten. Kompromisslos beharrt Roger de
Diesbach auf einer strikten Trennung von Journalismus und Kommerz. Als einer
der "letzten Mohikaner" empört er sich noch, wenn sich Verleger
in ihrer wirtschaftlichen Not von Grossinserenten dazu bewegen lassen,
Werbung in immer unverschämteren Formen mitten in redaktionelle Texte
einzutopfen."
Kommentar: Leider fehlt uns ein solcher Robin Hood in der
deutschschweizerischen Presse. Und ein Verlag, der ihn machen liesse. Bitter
nötig wären sie.
|
|