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Alkohol und Massenmedien" 
(Regionale Veröffentlichungen 
der WHO/Europäische 
Schriftenreihe Nr. 62, 1998):

(Seite 2) "Aus den bisherigen Berichten zur Forschungslage lässt sich allgemein schliessen, dass Alkoholaufklärung zwar aufklärt, Aufklärung allein aber nur selten das Verhalten beeinflusst.

(Seiten 4/5) Alkoholaufklärung hat u.a. nur deshalb begrenzten Erfolg, weil sie gegen einen Schwall von Botschaften ankämpfen muss, die den Alkoholkonsum fördern. Die primäre Quelle alkoholpositiver Botschaften ist die gesellschaftliche Wirklichkeit, sind die verbreitete und sichtbare Verfügbarkeit alkoholischer Getränke sowie die Allgegenwärtigkeit und die Akzeptanz des Alkohols in unterschiedlichsten Alltagssituationen und Zusammenhängen. Wie sich die Menschen zu gesundheitsbezogenen Themen stellen, wird tendenziell stärker durch Erfahrungen  als durch Information bestimmt. Oft machen persönliche Erfahrungen der gesellschaftlichen Normen und Verhaltensweisen die weisen Ratschläge der Alkoholaufklärung unglaubwürdig.

Hinter jedem Suchtmittel, das ein 
Halbwüchsiger konsumiert, steht 
ein Erwachsener, der Geld verdient. 
Das  verurteile ich.
(Roland Stähli, Beauftragter für 
Gesundheitsförderung und Prävention im Kt. Zürich im neuen Bericht über den
Gesundheitszustand der Zürcher Jugend)

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Das Ziel aller Werbung ist die Steigerung des Umsatzes. Würde dieses Ziel nicht erreicht, würden nicht jährlich Milliarden von Werbefranken ausgegeben.
(Der Bundesrat 1978 in seiner Botschaft zur Änderung des Alkoholgesetzes) (Quelle: SDA/Tages-Anzeiger 27.6.02)

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Wenn man die Webseite und die Publikationen des International Center for Alcohol Policies liest, kommt man zum Schluss, dass, weit davon entfernt ein Fürsprecher für die Volksgesundheit zu sein, ICAP nur eines der Marketing-Werkzeuge der internationalen Alkoholindustrie ist."
(Dr. Peter Anderson)

 

 

Das Menschengeschlecht ist ein Ganzes, wir arbeiten und dulden, säen und ernten füreinander.
(Johann Gotttfried Herder)

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Wer sich nicht schämt, selbst von denen zu lernen, die dem Range nach tief unter ihm stehen, wird mit Recht zu den Weisen gezählt.
(Kungfutse)

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Wer Politik als Kunst des Möglichen definiert, begnügt sich mit Mittelmässigkeit. (Guy-Olivier Segond, zurücktretender Genfer Staatsrat)

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Politik ist die Kunst, möglich zu machen, was erforderlich ist. 
(Vaclav Havel)

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Dumm ist nur, dass das spatzenhirnige Beharren auf der Realpolitik zum totalen Stillstand führt. Wer aufhört zu träumen, gibt seinem Schlaf etwas Tödliches. Was nur noch ist, kann nicht mehr werden.
(Thomas Hürlimann)

Gesundheitspolitik bezüglich Alkohol muss vom öffentlichen Gesundheitswesen formuliert werden, ohne Einmischung seitens kommerzieller Interessen.
(Die Stockholmer Deklaration der WHO von 2001 zu Jugend und Alkohol")

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Weltweit verursachen die alkoholbezogenen Todesfälle und Behinderungen die grösseren Kosten an Leben und Lebenserwartung als der Tabakkonsum. Das Ziel der Alkoholpolitik muss deshalb die Reduzierung dieser Schäden sein und alkoholpolitische Massnahmen müssen im Lichte ihrer diesbezüglichen Wirksamkeit beurteilt werden. (WHO, Murray.J.L. und Lopez,A.D. Eds. The Global Burden of Desease. Harvard, Harvard University Press, 1996)

Die Bekämpfung der Alkoholprobleme gelingt nur, wenn die Gesellschaft ihre Mitverantwortung akzeptiert. Gegenwärtig verläuft aber der Trend entgegengesetzt. Dies ist ein zentraler Punkt bei der Bewältigung der Alkoholprobleme: Der Einzelne ist mitverantwortlich, dass die Gesellschaft als Kollektiv verantwortlich handelt. Solche Erkenntnisse bewegten das Bundesamt für Gesundheit (BAG), im Rahmen des Alkohol-Programms "Alles im Griff" ein Internet-Präventionsspiel zum Herunterladen zu gestalten. Dass ein vernünftiger Umgang mit Alkohol keine trockene Angelegenheit sein muss, wird klar.

(Bruno Di Gaetano in "communica" 2/2002 Juni, Informationsmagazin der Eidg. Alkoholverwaltung)

Es gilt, den Staat, der Garant ist für viele soziale Errungenschaften, zu verteidigen gegen die Archaik des Marktes.

(Pierre Bourdieu, Soziologe, Frankreich
Gestorben am 23.1.2002)

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Wann verbreitet sich endlich die Einsicht, dass Mittel, die nicht in den Suchtmittelkonsum fliessen, der Wirtschaft erhalten bleiben, sei es durch Konsum in andern Sektoren oder durch Sparanlagen, die von den Banken in die Wirtschaft investiert werden? Von Ethik ganz zu schweigen.
(Hermann T. Meyer im Leserbrief vom 20.3.01)

Urs Jecker, hat als Kirchen- und Religionsspezialist bei Radio DRS gekündigt, im radio magazin Nr. 47 2002 v. 23-29.11.02:
"Die Theologie ist heute weitgehend impotent. Statt sich an den gesellschaftsrelevanten Diskussionen zu beteiligen, betreibt die Theologie dogmatische Nabelschau."

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Radio DRS1, 5.12.02, Sendung Espresso, 08.15 Uhr: 
Es wurde entdeckt, dass Duftlämpchen einen brennbaren Untersatz aufweisen können. Mehrere Brände und zwei Tote sind deshalb bereits zu beklagen. Darauf angesprochen meint die Vizedirektorin eines Berner Warenhauses: "Dies wird sofort untersucht und die gefährliche Ware aus dem Sortiment genommen. Wir wollen doch nicht, dass Kunden zu Schaden kommen können."

"Der Einsatz der FDP für die Wirtschaft ist also weiterhin richtig. Aber er muss einer integren Wirtschaft gelten, einer Wirtschaft, die ihre Verantwortung für das  politische und soziale Umfeld wahrnimmt, einer Wirtschaft, die Dienstleistungs betrieb für alle und nicht Bereicherungs- und Machtinstrument weniger ist. Wirtschaft schliesst Moral nicht aus."

"..Doch Politik ist nicht bloss Wirtschaft. Gesundheitswesen, Bildung, Aussen-, Sicherheits, und Sozialpolitik, das Arbeiten an unseren staatlichen Strukturen - um nun wenige Stichworte zu nennen - benötigen dieselbe Aufmerksamkeit".
(Alt-Bundesrat Rudolf Friedrich, am 16.11.02 im Tages-Anzeiger: "FDP in der Krise?)

 

Ivan Illich ist einer der bedeutendsten Zivilisationskritiker unserer Zeit. Er hat diese Worte 1974 in den Räumen der ETHZ bei der Eröffnung der Ausstellung "Umdenken - Umschwenken" gesprochen:

"Nimmt man Gewissheiten ernst, so töten sie das Herz und fesseln die Phantasie".

(Gelesen im Bulletin Nr. 13 vom Dezember 2002 des Netzwerks für eine sozialverantwortliche Wirtschaft, NSW)

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"Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist".

Leon de Winter, Holland, preisgekrönter Schriftsteller, hier auf Vorlesungstour mit "Malibu"

 

Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger für Wirtschaft, ehemals Berater von Präsident Clinton und Chefökonom der Weltbank in einem grossen Interview des Tages-Anzeiger-Magazins Nr. 01 vom 4.1.03:
"Den kategorischen Imperativ gibt es noch nicht im internationalen Wirtschaftsleben. Wir verletzten ständig unsere eigenen moralischen Gebote."

"Sobald die materiellen Anreize gross genug sind, dreht der Mensch durch."

Daniel Borel, Mitbegründer von Logitech im grossen Interview des Tages-Anzeigers vom 30.12.02:"Neues ausprobieren kann wehtun"
"TA: Also gibt es hier einfach zu wenig Druck, innovativ zu sein?
Borel: Ja. Visionen umzusetzen, ist auch mit Schmerz verbunden. Etwas Neues auszuprobieren, kann wehtun. Wie viele Leute warten, bis ihnen Millionen von anderen Leuten sagen, etwas Neues sei cool, bevor sie es ausprobieren? Die Schweiz ist stark gefordert, sich in den nächsten 50 Jahren neu zu erfinden."
Adolf Muschg wurde zum Präsidenten der Berlin-Brandenburger Akademie der Künste gewählt. In einem Tages-Anzeiger Interview am 12.5.03 sagte er u.a., die Aufgabe der Akademie sei auch eine Art Politikberatung. Und: 

"Unsere Rolle ist es, Vorstellungen bei der anderen Seite zu wecken, wir müssen auch das Undenkbare denken und vorschlagen."

"Es hat sich gezeigt: Unser Land ist nicht blockiert, wenn es um Reformen geht."

Bundesrätin Ruth Metzler, im Tages-Anzeiger vom 10.2.03 zitiert.

 

 

«Die Herabsetzung des Blutalkoholgrenzwertes auf 0,5 Promille gehört zum Triumph des politisch Korrekten, zur Hysterie und zu den Ängsten einer verstädterten und keimfreien Gesellschaft, die das Risiko, den Unfall und den Tod nicht mehr erträgt.»
Der liberale Waadtländer Nationalrat Serge Beck während der Debatte zur 0,5-Promillegrenze am 6.3.03
Interview mit Dr. Thomas Borer-Fielding in der Coopzeitung Nr. 16 vom 16.4.03. Auf die Frage "Welche Lehren haben Sie gezogen?" antwortet er:
                                                    
"Eine Vielzahl! Eine ist, dass die Medien sehr viel unkontrollierte Macht haben, dass diese Macht sehr leicht missbraucht wird, und dass selbst in einem Rechtsstaat wie der Schweiz kaum Instrumente dagegen zur Verfügung stehen."
"In vielen Ländern besteht aber leider eine eigentümliche Vorliebe der Gesundheitspolitik und der Präventionsfachleute für solche Massnahmen wie Aufklärungskampagnen und schulische Präventionskampagnen, die bislang ohne nachweisbare Wirkung auf Krankheitsbelastung geblieben sind, während erwiesen wirksame und sehr kosteneffektive Massnahmen wie erhöhte Besteuerung oder häufige verdachtsfreie Alkoholkontrollen im Strassenverkehr politisch wenig attraktiv sind."
Prof.Jürgen Rehm in seinem Pressetext anlässlich seines Referats: Alkoholkonsum und seine Folgen: epidemiologische und ökonomische Aspekte, während des 16. Heidelberger Kongresses des FVS zum Thema "Sucht macht krank!" Hier zum vollständigen Text.
Guido Kalberer in seinem Artikel "Defensivkultur" im Tages-Anzeiger vom 7.6.03:
Über die Vortragsreihe "Kapitalismus und Gerechtigkeit" im Zürcher Schiffbau schreibt er am Ende: "...ergriff die Mehrheit des Publikums lärmend die Flucht - getreu dem Motto: Ein Vortrag ist dann schlecht, wenn er anderer Meinung ist. Dabei hätte sich erst zu diesem Zeitpunkt das bilden können, was Debattenkultur genannt wird: ein Wettstreit um das stärkere Argument. (...) Was fehlt, ist eine Streitkultur und der Wille zur Artikulation des Antithetischen. Intellektuelle Kreativität setzt die Abarbeitung am Begriff voraus, die genauso kritische wie respektvolle Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Meinungen und Ansichten."
In einem Tribüne-Artikel am 5.5.03 im Tages-Anzeiger äusserte sich Gottfried Schatz, Präsident des Schweizerischen Wissenschafts- und Technologierats zu den Sparvorschlägen des Bundesrates, die den akademischen Nachwuchs gefährden. Über seine Erfahrungen mit Rektoren und Politikern meinte er u.a.: "Aber die föderalistische Schweiz ist ein ausgeklügeltes Mikadospiel, bei dem es darum geht, nichts zu bewegen."

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Und ist ein Schwindel noch so dumm, Er findet doch sein Publikum.
Wilhelm Busch

Kommentar: Gab es denn schon zu Buschs Zeiten Suchtmittelreklame?

Prof. Rico Maggi, Prof. für Ökonomie an den Universitäten Zürich und Lugano über Verkehrsprobleme im Tages-Anzeiger Interview am 11.6.03:
"
Es ist ein altes ökonomisches Anliegen, die Kosten den Verursachern korrekt anzulasten. Denn wenn diese ihre Kosten nicht voll decken, versagt der Markt."

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Roger de Weck in "Das Schweizer Schweigen" im Tages-Anzeiger Magazin Nr. 29/2003: "

..."Ein Land, das den Verzicht auf Visionen zur Tugend erhebt, leidet unter Kurzsichtigkeit."

Hugo Bütler, Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung, in "Journalismus in Gefahrenzonen" in der NZZ am Sonntag, am 28.9.03:

"Es gibt ein würdiges Ziel für Journalisten: Die Suche nach Wahrheit, so gut wir sie eben eruieren können."

Kommentar: Schön wär's! Dann hätten wir das Alkoholproblem schon lange im Griff! Es kommt halt darauf an, wo man zu suchen gewillt ist, wie schnell man mit einer "Wahrheit" zufrieden ist und ob man mit der Werbe- und Suchtmittelindustrie gemeinsame Sache macht.

"Eine Vision muss nicht real sein, um einen guten Zweck zu erfüllen." 

Dorothy L. Sayers & Jill Paton Walsh in "In feiner Gesellschaft"

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Der zentrale Gedanke ihrer Abschlussrede am Frauen-College Wellesley:

"Politik ist die Kunst, das möglich zu machen, was unmöglich erscheint."
(Hillary Clinton im Tages-Anzeiger Magazin-Interview von Moritz von Uslar, Nr. 30/2003)

"Ich glaube, dass Guiness die Landhockey-Nationalmannschaft Irlands unterstützt, ist die falsche Botschaft an die Jugend dieses Landes. Alkohol sollte nicht mit sportlichem Erfolg in Zusammenhang gebracht werden."
Michael Martin, Gesundheitsminister von Irland, zitiert in "alcohol Alert" 2/2003)
"Ich habe nie die Illusion gehabt, dass über Drogenerfahrungen eine Veränderung der Gesellschaft stattfindet."
(Günter Amendt im Interview "Bis zum sozialen Kollaps" in NZZam Sonntag, am 5.10.03)

Kommentar: Wie wärs mit einer Untersuchung über die Rolle des Alkohols als soziales Schmiermittel und Korrumpeur der Politik? Warum tun sich unsere, vor allem bürgerlichen, Politiker so schwer mit wirksamer Alkoholprävention? (Leserbrief dazu unterwegs)

"Politik ist die Kunst, so dagegen zu sein, dass man später dafür sein kann."
(Peter Frei, Obmann der Schützengesellschaft der Stadt Zürich am Festbankett des Zürcher Knabenschiessens am 15.9.03)

Kommentar: Leider gibt es oft kein "später"!

Das eigentliche Problem ist nicht die Werbung, sondern die Unfähigkeit der Menschen, ihr zu widerstehen."
Prof. Suzette Sandoz, Uni Lausanne, Nationalrätin 1991-98, in ihrem unsäglichen Artikel "Zensur fördert die Dummheit" in der NZZ am Sonntag vom 23.11.03

Kommentar: Das ist doch gerade der Grund, weshalb Werbung für schädliche Artikel wie die Suchtmittel zu verbieten ist.

Unser Leserbrief an den Tages-Anzeiger im Zusammenhang mit der Verschleppung der 0,5-Promillegrenze (um diese Stelle gekürzt): 

"Die Polizei dein Freund und Helfer. Hat sie vergessen, wessen Freund und Helfer sie sein sollte?"

 

"Worin könnte man sein Geld besser investieren als in die Gesundheit?"

Christian Huber, SVP, Regierungspräsident 2004 des Kt. Zürich im Tages-Anzeiger Interview vom 5.1.04: ..."Man konsumiert, will aber nichts beitragen. Der Egoismus überwiegt, wir haben keinen Gemeinschaftssinn mehr." ..."Alles was rundherum geschieht, interessiert ihn oder sie nicht. So geht die Schweiz als Willensnation kaputt."                                ak

Kommentar: Wie wahr, wie wahr! Und gerade in der Alkoholfrage haben wir das Resultat dieser von der SVP an führender Stelle vertretenen Politik der Deregulierung. Weg von der gesellschaftlichen Verantwortung, hin zum Individuum. Wann sieht die SVP (und die FDP) diesen falschen Kurs endlich ein? (5.1.04)

"Die künftigen Kaderleute müssen ethischer handeln als die heutigen."

Der Sozialethiker Prof. Hans Ruh, zitiert im Tages-Anzeiger vom 14.1.04 im Artikel "Matura mit ethischem Akzent". Wir berichten unter "Aktuell" am 19.1.04
Unter dem Titel "Ich wünsche mir von der Politik mehr Mut" erschien im Tages-Anzeiger vom 6.2.04 ein grosses Interview mit Martin Heller, dem damaligen künstlerischen Direktor der EXPO. Einige seiner kritischen Aussagen könnten sich genau auch auf die Alkoholpolitik beziehen. Z.B.Thema Föderalismus: "Es scheint dermassen in unsere politische Genstruktur eingeschrieben, dass selbst die offensichtlichsten Defekte einfach hingenommen werden." ak Oder: "Anscheinend geht es uns halt finanziell noch nicht so schlecht, als dass man überall nach Kostenfaktoren suchen müsste. Solange die Schweiz nicht pleite ist, wird sie nicht über die Kosten des Föderalismus nachdenken. Und weil sich damit keine Stimmen holen lassen, interessiert sich auch in der Politik niemand dafür." Sein Schlusssatz: "Ich wünsche mir gerade von der Politik den Mut, auf etwas zu setzen und zu sagen: Wir glauben daran - und riskieren es." (14.2.04) Michael Hermann, (Universität Zürich) in "Warum es die Mitteparteien so schwer haben" im Tages-Anzeiger vom 30.3.04: 

"Das Trumpf-Ass der gemässigten Kräfte sind umsetzbare Visionen und konkrete Lösungen. (..) Es braucht Reformkräfte, die offen sind für gute Vorschläge jenseits ideologischer Schablonen und die von der Zukunft mehr erwarten, als dass alles so bleibt, wie es ist."
Jean-Martin Büttner zitiert im Tages-Anzeiger vom 24.4.04 die Lausanner Soziologin Viviane Prats im Artikel "Sinnlos, immer dieselben Kiffer zu verzeigen": "Je mehr man mit Drogenproblemen zu tun habe, desto mehr wünsche man sich eine andere Politik."
Kommentar: Es rächt sich halt immer wieder, dass sich viele Drogenfachleute nicht mit Politik befassen und hoffen, andere holten die heissen Kastanien aus dem Feuer. Sie sehen auch die Drogenproblematik nur im Bereich der illegalen Drogen und merken nicht, dass unsere tabak- und alkoholgeschädigte Gesellschaft den Nährboden für die Nachfrage nach illegalen Drogen darstellt und den Konsum "legitimiert". 
Daniel Bächtold in seinem Kommentar "Publizieren, was passt" im Tages-Anzeiger vom 27.4.04 zur Publikationspraxis der Pharmakonzerne, Hersteller von Antidepressiva: "Die Publikationspraxis ist besonders verwerflich, weil der Profit über die Gesundheit von jungen Menschen gestellt wird."
Kommentar: Sehr einverstanden. Nur lässt sich dasselbe von vielen, auch angesehenen Presseerzeugnissen sagen, die den Profit über die Gesundheit ihrer Leser stellen und nicht genug Lifestyle-Reklame für den Alkoholmarkt bringen können, obwohl er ihnen an Inseraten gar nicht viel bringt. Auch ihr bei Feierstunden selbst hochgelobte Recherchier-Journalismus wagt es nicht, hinter die Kulissen zu schauen und Klartext zu schreiben.
"Überall müssen im gemeinsamen Wirken aller Akteure - Bund, Länder und Kommunen sowie Organisationen - krankmachende Faktoren reduziert und eine gesunde Lebensweise gefördert werden", skizziert Ulla Schmidt, deutsche Gesundheitsministerin, das Ziel bei der Entwicklung eines neuen Präventionsgesetzes. (Pressemitteilung vom 1.7.04  (Siehe auch Internationales)

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"Man muss das Undenkbare denken".  
Überschrift  im grossen Tages-Anzeiger Interview mit Bundesrat Hans-Rudolf Merz vom 7.7.04. 
Kommentar: Der sollte unser Projekt in Betracht ziehen. Dann hätte er bald  weniger Sorgen .
Siehe Leserbrief vom 7.7.04 (noch nicht veröffentlicht)

David Byrne, EU-Kommissar für Gesundheit und Konsumentenschutz am 15.7.04 an der EPC-Konferenz in Brüssel: "Gesundheit erzeugt Wohlstand. Gute Gesundheit und wirtschaftliches Gedeihen gehen Hand in Hand. Wird in die Gesundheit investiert, steigt die Lebenserwartung, was wiederum das Bruttosozialprodukt anhebt."                       
                                         
ak          
In seinem Grundlagenpapier zur Rede schreibt er:
"Jeder Gesundheits-Euro, der sinnvoller ausgegeben wird, könnte ein Gewinn für das individuelle Wohlbefinden wie für die EU-Wettbewerbsfähigkeit darstellen." 
"Alkohol ist das Thema, über das wir nicht sprechen, weil wir ihn trinken. Wir trinken. Wir als Gesellschaft haben ihn so sehr akzeptiert, dass wir nicht immer bereit sind, die Kehrseite zu sehen."  Frank Warren, Koordinator des Freitagnacht Live-Programms, das einen alkoholfreien, jugendlichen Lifestyle ohne Drogenmissbrauch propagiert.
"Der Preis der Freiheit, zu rauchen, ist die Verantwortung, die daraus entstehenden Kosten zu tragen. Die Herstellung von Kostenwahrheit ist in einer Marktwirtschaft der Königsweg zur Reduktion schädlichen Verhaltens."  Pascal Hollenstein in NZZ am Sonntag online, 25.7.04

Kommentar: Diesen Artikel sollten unsere Politiker verinnerlichen. Dann wäre auch das Alkoholproblem bald entschärft.
"Glaubwürdig als Reformkraft ist nur jene Partei, die auch die eigenen Pfründen in Frage stellt und ihre Basis Veränderungen aussetzt. Für eine Politik der Erneuerung ist dies der Lackmustest." 

Matthias Baer im Tages-Anzeiger vom 11.8.04 in: Wer profiliert sich zuerst als Reformpartei?
Nassim Taleb im Tages-Anzeiger-Interview vom 24.9.04: "Erwarte den bösen schwarzen Schwan!": "Wir Menschen sind nicht gerüstet, um mit den Risiken moderner Gesellschaften umzugehen." Interviewer: "Welchen Schluss ziehen Sie daraus?" Taleb: "Die wichtigste Lektion könnte sein, dass wir Menschen belohnen und uns nicht über sie lustig machen, wenn sie das Undenkbare denken."
Auf die Interviewfrage "Wo sehen Sie den grössten drogenpolitischen Handlungsbedarf" antwortete Prof. Ambros Uchtenhagen im Tages-Anzeiger vom 11.8.04:
"Das Bundesamt für Gesundheit hat ja kürzlich angekündigt, den Kampf vermehrt auf Alkohol- und Tabaksucht auszurichten. Die grössten Zuwachsraten gibt es nicht bei den Junkies, sondern beim Durchschnittsbürger. Alkohol ist ein Riesenthema, etwa das Rauschtrinken von Jugendlichen..."
Kommentar am 8.1.07: Statt dessen muss es die Sektionen Alkohol und Tabak zusammenlegen, was wieder einer Schwächung gleichkommt. Die Mittel wurden drastisch gekürzt. (Siehe dazu auf dieser Seite am 1.10.06)
Aus "Weiterlesen fördert die Gesundheit", einer an die Haushalte (21.8.04) verteilten Broschüre der "Gesundheitsförderung Kanton Zürich" mit vielen Tipps zu Bewegung, Ernährung, Entspannung: "Seien Sie masslos. Beim Trinken von ungesüssten, nicht-alkoholischen Getränken. Mindestens 2 Liter am Tag." / "Sagen Sie ruhig mal Nein. An zwei Tagen pro Woche oder öfters zu Alkohol."
Kommentar: Gut gemeint und aufgemacht. Nur haben leider aufklärende Prävention und Ratschläge von Behördenseite praktisch keinen Einfluss auf das Verhalten von Alkoholkonsumenten. (d.h. Alibiübung oder Vorbereitung wirksamer Massnahmen in 50? Jahren?)
Thomas Held, Direktor von Avenir Suisse im grossen Interview des Tages-Anzeigers am 5.1.05: "Die Schweizer Politik hat immer wieder bewiesen, dass sie fähig ist, in schwierigen Situationen pragmatisch zu handeln. Irgendwann sagt man, jetzt reicht es mit der Blockade, und startet durch."
Kommentar: Hoffentlich hat er recht und diese Zeit kommt bei der Alkoholfrage bald! Mindestens die Wirtschaft sollte endlich gemerkt haben, dass Gesundheit Wohlstand bedeutet, auch für die Wirtschaft. Gemäss der gleichentags veröffentlichten Studie von Georg Lutz und Thomas Votruba stimmen die Stimmberechtigten meistens im Sinne der Wirtschaft. Die Chancen wären also gut. 
Coop: "Wir würden auch Cannabis verkaufen". Felix Wehrle, Kommunikationschef von Coop im Tages-Anzeiger vom 2.11.04. Coop biete alles an, was die Kundschaft wünsche und legal sei.
Kommentar: Das ist die reine Horrorvision. Überrascht sollte man zwar nicht sein, ist doch Coop ohne moralische Skrupel bereits heute einer der grössten Suchtmittelverkäufer in der Schweiz. Nur müsste damit gerechnet werden, dass auch die Migros als Coop-Konkurrent einsteigen würde, Denn Duttweiler hat damals über Cannabis wahrscheinlich nichts gewusst und gesagt. Auch die andern Discounter würden einsteigen, das Rennen um tiefste Preise wäre lanciert, wenn nicht evtl. Gesetze einschränken würden. Es könnte sein, dass diese Aussicht eine zukünftige Legalisierung der Droge Cannabis verhindern wird. 
Aus dem Tages-Anzeiger vom 26.11.04: "Er hat eine Generation welscher Journalisten geprägt." (Die Rede ist von Roger de Diesbach, der als Chefredaktor der "Liberté" in Freiburg zurücktritt.): "...In dieser Zeit hat sich im Westschweizer Journalismus eine Art De-Diesbach-Schule entwickelt, die sich gegen den Trend wehrt, Information nach Marketingkriterien aufzubereiten. Kompromisslos beharrt Roger de Diesbach auf einer strikten Trennung von Journalismus und Kommerz. Als einer der "letzten Mohikaner" empört er sich noch, wenn sich Verleger in ihrer wirtschaftlichen Not von Grossinserenten dazu bewegen lassen, Werbung in immer unverschämteren Formen mitten in redaktionelle Texte einzutopfen."
Kommentar: Leider fehlt uns ein solcher Robin Hood in der deutschschweizerischen Presse. Und ein Verlag, der ihn machen liesse. Bitter nötig wären sie. 
Gemäss Tages-Anzeiger vom 20.1.05 ist Beat Mühlemann vom Migros-Genossenschaftsbund zum Werber des Jahres 2005 erkoren worden. Wir gratulieren. Zur Diskussion über Werbeverbote für Alkohol und Tabak sagt er im Interview: "Ich bin gegen Werbeverbote. Sie nützen nichts. Die Weichen werden im frühen Kindesalter gestellt, Werbung hat da später nur noch wenig Einfluss."

Kommentar: Auch ein Werber des Jahres sollte sich weiterbilden und nicht die Dogmen seiner Branchenkollegen unbesehen übernehmen. Z.B. die neuste Untersuchung des ISF, Institut für Suchtforschung,  Zürich, erschienen dieses Jahr:  Werbeverbote wirken; sie bringen eine Reduktion des Gesamtkonsums von 5 - 8%. Dadurch werden die Schäden vermindert. Darüber hinaus verbessern sie das suchtmittelgeprägte Umfeld unserer Jugend, die gesellschaftliche Wirklichkeit. Prävention wird so glaubhafter bei der Jugend und damit hat sie verbesserte Chancen zu wirken. 
Dass  Weichen (nicht alle) schon im frühen Kindesalter gestellt werden, ist dagegen richtig. Untersuchungen in Amerika haben gezeigt, dass Kinder die Alkoholwerbung besser verinnerlicht hatten als Erwachsene, weil die Alkoholwerbung vor allem auf die Sendezeiten ausgerichtet ist, wenn Kinder vor dem Kasten sitzen. Deshalb auch die verlangte Zulassung von Alkoholwerbung auf Lokalsendern. Diese werden von Jugendlichen am meisten geschätzt. 

Tages-Anzeiger vom 6.1.05: "Exzessiv leben bis zum Umfallen". Nach der Schilderung des Risikoverhaltens der Jugendlichen und ihrer Befindlichkeit werden die Zahlen der Sozialkosten erwähnt und gesundheitsfördernde Präventions- massnahmen aufgeführt. Hier der letzte Abschnitt wörtlich: "Gefordert ist aber auch die Politik: Solange kurzfristige wirtschaftliche Überlegungen wichtiger sind als die Gesundheit der Jugendlichen, drohen Präventionsbemühungen zum Kampf gegen Windmühlen zu verkommen. Ohne Werbebeschränkungen und Preiserhöhungen, das zeigt sich im Ausland, läuft nichts. Denn das Suchtverhalten der Jugend, sagt Suchtforscher Ambros Uchtenhagen, sei "Spiegel der Gesellschaft und kein Naturereignis".  (Dazu soll eine Schrift herauskommen: "Die Gesundheit der Jugendlichen als Spiegel der Gesellschaft" (Uni Lausanne, Bern, Bellinzona und SFA)

Kommentar: Wir freuen uns natürlich sehr, dass unsere Aussagen zu diesem Thema nun endlich auch von der offiziellen Suchtforschung in der Schweiz vertreten werden. Siehe dazu die auf der Homepage dargestellte Schrift der WHO von 1998 "Alkohol und Massenmedien". 
Die Verarbeitung der Flutkatastrophe in Südasien bringt auch kritische Artikel hervor. Z.B. im Tages-Anzeiger vom 8.1.05: "Almosen sind gut, Entwicklung ist besser" von Marlène Schnieper, Genf. Zitat: "Das Sterben im Kongo summiert sich alle 4 Monate zu einer Tsunami-Tragödie." Oder von Christian Kortmann: "Tsunami oder Wie die Wissensgesellschaft versagt". Zitat: "Diese schizophrene, weil immer nur den gerade beleuchteten Teil der Wirklichkeit, nicht aber ihre Nachtseite im Blick habende Sprachpraxis decouvriert den Mythos von der Wissensgesellschaft: Bei aller Grossartigkeit unserer modernen Informationsressourcen ignorieren wir weiterhin Dinge so lange, wie sie uns nicht unmittelbar betreffen."

Kommentar: Auch wenn es fast pietätlos anmutet, kann man auch tatsächlich sagen, dass die Alkoholnot sich alle 4 Monate weltweit zu einer Tsunami-Tragödie summiert, die von den meisten verdrängt wird, bis sie persönlich als Opfer betroffen sind. Dazu einige Zahlen: (WHO Global Status Report on Alcohol, 1999) Alkoholbedingte Todesfälle: 774'000 = 1,5%; alkoholbedingte Invalidität: 28,4 Mio. = 6%. Die Schweiz erleidet jährlich alkoholbedingte materielle Sozialkosten von ca 2,5 Mia. Fr. Die Bevölkerung von Europa, Russland und Nordamerika zählt etwa 1100 Mio. Menschen. Nimmt man pro unsere 7 Mio. Menschen nur 1 Mia. Kosten und rechnet die hoch, ergibt sich theoretisch ein jährlicher Schaden von 157 Mia. Fr. ohne die übrigen Gebiete.
(15.02.2005) Der Chef von Gastro-Zürich, Ernst Bachmann, als Interviewpartner im "Kassensturz" von SF DRS1 als er die Kalkulation der Weinpreise im Gastgewerbe verteidigte: "Es ist nicht unsere Aufgabe, mit tiefen Weinpreisen den Alkoholismus zu fördern." (Aus dem Gedächtnis notiert. Siehe auch unter Top-Aktuell und Projekt-Idee)

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(12.04.2005) Tribüne-Artikel des Tages-Anzeigers vom 12.4.05: Wie "positive" Studien noch "positiver" werden. Peter Kleist leitet den Stabsbereich Besondere Projekte beim Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic. Er schreibt: "Werden die Resultate mehrfach publiziert, überschätzen Leser den wahren Effekt".
Kommentar: Wie uns das doch bekannt vorkommt!

Bundesrat Merz an der Jubiläumsfeier zum 80-jährigen Bestehen der Schweizer Werbung SW, Dachorganisation der kommerziellen Kommunikation am 29.4.05 in Appenzell: Als Alternative gegen die zunehmende Verbotswelle empfiehlt Bundesrat Merz den Liberalismus. Und dabei meinte er nicht die parteipolitische Dogmatik, sondern die humane Philosophie, welche den selbstbestimmten, reifen Menschen ins Zentrum stellt, der Verantwortung für sich und seine Umwelt übernimmt. 
                                     
«Liberalismus bedeutet auch,» meinte Merz, «dass jeder Eingriff in die Privatsphäre des Menschen angemessen sein soll.» Und er folgerte daraus, dass Werbeverbote unter solchen Vorzeichen nicht zu rechtfertigen sind. «Unsere Gesellschaft wird lernen müssen, mehr Liberalismus zu leben und diesen von allen Formen des Missbrauchs abzugrenzen,» schloss Hans-Rudolf Merz seinen herzlich applaudierten Vortrag. (SW-News 2.5.05)
                                                       
Kommentar: Suchtmittelwerbung ist ein unverhältnismässiger Eingriff in die Privatsphäre des Menschen und vor allem in die des Kindes und der Jugendlichen. Der reife Mensch, der für sich und seine Umwelt Verantwortung übernimmt, verschont die Gesellschaft vor der schädlichen Suchtmittelreklame. Auch liberale Freiheit hört dort auf, wo sie den Mitmenschen Schaden zufügt.
Der Dalai Lama im Tages-Anzeiger vom 2.8.05: Auf die Frage "Sind Sie zuversichtlich für die Welt?" antwortet er: "Grundsätzlich hoffnungsvoll. Aber das heisst nicht, dass gute Dinge automatisch kommen. Nein. Wir müssen uns mehr anstrengen. Ich denke, das Potenzial ist da, jetzt müssen wir uns anstrengen, es zu realisieren."

Bundespräsident Samuel Schmid an der 1. Augustfeier 2005 auf dem Rütli: "Eidgenossenschaft bedeutet auch, das Handeln am Wohl der Schwachen zu messen."

Kommentar: Die Alkoholindustrie gehört offenbar meistens zu den Schwachen.

 

"Das Podium war sich einig, dass Gottesdienste so oder so politisch sind, denn "kirchliche Verkündigung muss sich politisch äussern - sonst sind Gerechtigkeit, Solidarität und Bewahrung der Schöpfung leere Worte", wie Willy Spieler zusammenfasste."
In "forum", Pfarrblatt der katholischen Kirche im Kanton Zürich Nr. 21/2005, 9./16. Okt. 05, Seite 26: 15 Jahre politische Abendgottesdienste - Gottesdienst ist immer politisch.

(31.10.2005) In der Wirtschaftszeitung "Bilanz" Nr. 18/05 schreibt Prof. Dr. med. Oswald Oelz, Chefarzt am Zürcher Triemlispital: "Diagnose - Ein Notfall für sich: Das Problem der steigenden Gesundheitskosten wäre leicht zu lösen: Man bestrafe Raucher, Trinker und Fette, schule Ärztinnen zu Kosmetikerinnen um und stoppe die Forschung. Doch wollen wir das?" 
In der Arenasendung von SF DRS1 vom 28.10.05 nahm Prof. Oelz darauf Bezug und erklärte, dass 30 - 50% der Spitalpatienten an "selbstverschuldeten" Zivilisationskrankheiten leiden. 

Kommentar: Der obere Wert ist der wahrscheinlich zutreffendere, wenn man die Zahlen der WHO über die weltweit häufigsten Todesursachen in Betracht zieht. (Übergewicht, Tabak, Alkohol) Prof. Oelz schüttet das Kind aber gleich provozierend mit dem Bade aus. Die Zivilisationskrankheiten mit Hilfe des Verursacherprinzips zu reduzieren würde sicher auch von den erfolgreichen Direktbetroffenen im Nachhinein mit Dankbarkeit begrüsst. Für die Gesellschaft ist es das am meisten erfolgversprechende Mittel, die uns alle belastenden Schäden und grosses Leid zu vermindern. Unsere Projekt-Idee drängt sich als Lösungsweg geradezu auf.

(Briefe an.... Arena-Frontteilnehmer)

(23.11.2005)

Chris Martin, Sänger der englischen Top-Band Coldplay im Migros-Magazin vom 22.11.05
"Politiker verändern Dinge erst, wenn sie das Gefühl haben, dass alle darüber reden."

 

Bundesrat Blocher im Tages-Anzeiger vom 3.12.05: "Journalisten müssen schreiben, was ist!"  

"Politiker neigen dazu - genauso wie alle Menschen -, die Dinge zu beschönigen. Journalisten müssen die Wirklichkeit darstellen. Das kann subversiv und gefährlich sein, ist aber wichtig für Bürgerinnen und Bürger."

(Rede von Christoph Blocher anlässlich der Lokaljournalistenpreise der "Berner Zeitung" und der "Swiss Press Photo" Preise der Espace Media am 2.12.05 im Landesmuseum in Zürich.)         

Kommentar: Bundesrat Blocher's Rede strotzt nur so von hehren Wünschen an die Zunft der Journalisten. Doch vergisst er zu sagen, dass die Verleger nur abdrucken lassen, was in ihr Konzept passt. Die Schere der Selbstzensur wirkt schon zum voraus derart mässigend, dass wir Bürgerinnen und Bürger die Wahrheit in der Alkoholfrage nicht zu lesen bekommen. Liegt es wohl daran, dass u.a. die SVP beim Alkoholproblem noch immer so wirklichkeitsfremd politisiert?

(08.12.2005) Aus der Replik von Jean-Martin Büttner im Tages-Anzeiger vom 8.12.05 auf die Rede Christoph Blochers an die Journalisten:

"Wirklichkeit ist eine Funktion der Macht" ..."Wirklichkeit für einen Journalisten ist zum Beispiel, was sein Verlag als Wirklichkeit definiert haben möchte. ... Schreiben was ist? Schreiben was sein darf."

Kommentar: Ein namhafter Insider bestätigt unsere Meinung, die auch im Leserbrief vom 3.12.05 zum Ausdruck kommt.
PS  Und in unserer Beschwerde an den Schweizer Presserat. ("Briefe an ...")

(10.01.2006) Marcel Hänggi, Wissenschaftsredaktor bei der WOZ, im Tages-Anzeiger vom 10.1.06 unter dem Titel "Der Preis der privaten Finanzierung:

"Die Nähe (von Wirtschaft und Wissenschaft) schafft Interessenkonflikte. Das Ethos des Forschers und das Ethos des Unternehmers sind nicht vereinbar. Eine klinische Studie über ein Medikament fällt mit deutlich grösserer Wahrscheinlichkeit zu Gunsten dieses Medikaments aus, wenn die Studie von der Pharmaindustrie gesponsert ist, als wenn sie neutral finanziert wird, selbst dann, wenn der Sponsor den Forschern völlig freie Hand lässt.

"Die öffentliche Hand muss dafür sorgen, dass gesellschaftlich wichtige, aber kommerziell uninteressante oder gar die Interessen der Industrie tangierende Forschung ausreichend finanziert wird - ..."
Kommentar:  Das gleiche Problem kennen wir bei den Medien. Die Folgen tragen wir schon lange.

(21.01.2006) Prof. Dr. Roger Blum, Direktor des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Uni Bern im Tages-Anzeiger vom 21.1.06: "Der manchmal notwendige 'Landesverrat'": 

"Der schweizerische berufsethische Kodex steht genau aus diesem Grund bei der Frage, was öffentlich werden soll, der Rechtsordnung in gewissen Punkten klar entgegen: - Er beharrt auf der Priorität der Öffentlichkeit ("Die Verantwortlichkeit der Journalistinnen und Journalisten gegenüber der Öffentlichkeit hat den Vorrang vor jeder anderen, insbesondere vor ihrer Verantwortlichkeit gegenüber ihren Arbeitgebern und gegenüber staatlichen Organen")

Kommentar: Wieder der berufsethische Kodex der Journalisten. Nur wagen sie es kaum, in der Alkoholfrage gegen ihre Arbeitgeber anzutreten.

(siehe auch 3.12. und 8.12.05)

 

(26.01.2006)  Aus: Ein Kannibale und drei Konzerne". Beim Anti-WEF-Forum Public Eye wurden die drei übelsten Konzerne 2006 geehrt. Und gegen Moral argumentiert. (Tages-Anzeiger, 26.01.06) 

Zitiert wird Gret Haller in ihrem Eröffnungsreferat u.a.: "Nur griffige Gesetze hielten Menschen wie Konzerne in den Schranken. Absichtserklärungen seien schön, aber sobald sie dazu da seien, klare Regeln durch Freiwilligkeit zu ersetzen, seien sie gefährlich.

Kommentar: Siehe dazu die freiwilligen Werbeeinschränkungen der Alkoholindustrie.

 

(24.02.2006)  "Politiker sprechen von Gewissen - handeln aber  nicht nur danach"

Überschrift eines Artikels im Tages-Anzeiger vom 18.2.06 von Michael Meier über "Ethik 2006. Ethikbilanz in der Schweizer Politik. NZZ Libro, Zürich 2006, Hrsg.: Lassalle-Institut.
3700 Personen waren angeschrieben worden, 800 antworteten. "Überall wird der ethische Handlungsbedarf als hoch taxiert - vor allem im Bildungs- und Gesundheitswesen und bei den Finanzen." "Die grosse Mehrheit der befragten Politiker ist der Meinung, nicht eine äussere Instanz, wie etwa die Kirchen, gebe ethisch den Ton an - die Verantwortung liege vielmehr bei jedem Einzelnen und dessen Gewissen."                        Fortsetzung
                         

"Schliesslich nennen die Politiker als Referenzpunkt ihrer persönlichen Ethik neben dem Gewissen fast ebenso oft die "Verantwortung für Erde und Kosmos " und "humanistische Prinzipien." "Auffallend ist, dass rechte Politiker ihr Ethikverständnis stärker auch auf Gesetze, Normen und gültige Verhaltensweisen stützen als linke."

Kommentar: Ist wohl die Interpretation gestattet, dass sich in der Alkoholfrage  rechte Politiker offenbar gern auf die Gesetze, die sie selbst gemacht haben, stützen, auf Normen und Verhaltensweisen, die sie nicht hinterfragen können oder wollen, weil sie mit "König" Alkohol vernetzt oder ihm untertan sind? Das nennen sie dann politische Entscheide. Ihren Amtseid, dem Volkswohl zu dienen, nehmen sie dann aber  doch nicht so ernst.

 

(29.03.2006) Im Tages-Anzeiger vom 29.3.06: "Zugespitzt": "Wie man Sucht bewirtschaftet" von Hans-Peter Bieri:

"Der Staat holt Geld, wo die öffentlichen Kosten am kleinsten, und verzichtet auf Geld, wo sie am grössten sind." (Er vergleicht Glückspiel mit Alkohol, Tabak und andern Drogen.)

Kommentar: Wenn der Autor aber schreibt "Suchtbewirtschaftung nach dem Zufallsprinzip", muss doch klargestellt werden, dass die Besteuerung oder Nicht-Besteuerung der alkoholischen Getränke absolut nicht dem Zufallsprinzip unterliegt, sondern sehr genau gezielt den Interessen gewisser Kreise dient. Letztes Beispiel: Die Biersteuer. Ausnahme: Die Alcopopsteuer (immer noch zu tief, Mindestpreise fehlen, wie sie beim Tabak jetzt kommen sollen; sie betrifft nur die Jungen, die sich nicht wehren können.)

(02.03.2006) "Brot für alle und das Fastenopfer" haben ihre Agenda 2006 herausgegeben. Thema: "Wir glauben, Menschenrechte fordern Einsatz." 

Kommentar: Auch in der Alkoholfrage spielen Menschenrechte eine wesentliche Rolle: Z.B. die Rechte der Kinder in einer alkoholbehinderten Familie auf Lebenschancen. Deshalb hier einige Zitate aus der Agenda:

"Sind die Rechte eines Menschen bedroht, werden die Rechte aller gemindert." (John F. Kennedy, 1917-1963, ehem. Präsident der USA)
 
Fortsetzung                         

"Gesundheit sollten wir uns nicht nur wünschen, sondern als Recht erkämpfen." (Kofi Annan, *1938, UNO-Generalsekretär)

"Wer das Übel akzeptiert, ohne dagegen zu protestieren, verbindet sich in Wirklichkeit mit ihm." (Martin Luther King, 1925-1968, amerikanischer Bürgerrechtler)

"Wählt die, denen ihr vertrauen könnt." Man könnte auch sagen: "An ihren Taten könnt ihr sie erkennen." - Nutzen wir die Möglichkeiten, die wir mehrmals im Jahr haben, um diejenigen zu wählen, die für mehr Menschlichkeit und eine gerechtere Schweiz einstehen? Die Botschaft gilt auch für uns: "Wählt die, denen ihr Vertrauen könnt, und messt sie an ihren Taten." (dö)

 

(11.04.2006) Aus dem Interview mit dem EU-Abgeordneten Martin Schulz im Tages-Anzeiger am 11.4.06: "Europa hat zu passiv zugeschaut"

Frage: "Ist Berlusconi ein rein italienisches Phänomen?" Antwort Schulz: "Nein, die Kombination von politischer Macht und medialer Macht ist ein Phänomen, das über Italien hinausweist. Die Medien spielen heute in der Öffentlichkeit eine quasi konstitutionelle Rolle. Sie sind die vierte Macht im Staat. Wir müssen deshalb darüber nachdenken, wie die Trennung von politischer und medialer Macht zu organisieren ist. " 

Fortsetzung 
                      

(12.05.2006) Bundesrat Ch. Blocher bei der Mitgliederversammlung des Verbandes Schweizer Werbung am 21.4.06:

a) "Der Markt ist gnadenlos und kennt keine Moral." 

b) "Sowohl die Marktwirtschaft wie auch die Demokratie setzen Gedankenfreiheit, Meinungsfreiheit, Rede- und Pressefreiheit sowie Freiheit für die Werbung voraus."
(Quelle: Schweizer Werbung SW - Aktuell - Newsartikel)

Kommentar:  a) Gerade deshalb muss die Politik Priorität vor der Wirtschaft haben. Und dort, wo letztere dem Volk schadet, muss die Politik Grenzen setzen. 
b) Freiheit für die Werbung ist in der Demokratie kein Grundrecht. Die andern Freiheiten werden dagegen von der Wirtschaft sehr willkürlich, d.h. den eigenen Zwecken dienend gehandhabt. Sie werden eingefordert aber andern nicht gewährt.

(16.05.2006) Erwin Haas im heutigen Tages-Anzeiger unter "Gewalt in den Stadien": "Lieber Ethik als Fussball": 

"Die Hooligans nähren ihre Aggressivität aus einer hochexplosiven Mischung. Treibstoff liefern die Beigeisterung für den Sport, die Identifikation mit der eigenen Mannschaft, die Energie der "erlebnisorientierten" Matchbesucher (...) - aber auch der Alkohol. Gelegenheitszuschauer stellen mit Erstaunen fest, dass man keine Rivella-Petflasche ins Stadion mitnehmen darf, weil sie als Wurfgeschoss dienen könnte. Bier in Plastikbechern fliesst aber in Strömen, obwohl es gereizte Fans dazu anregt, ganze Stühle auf den Rasen zu schmeissen. Ein Alkoholverbot in den Stadien ist ein Muss."

 

 

Frage: "Ist das ein Plädoyer für eine stärkere staatliche Kontrolle der Medien?" Antwort Schulz: "... Und es braucht gesetzliche Regelungen über die Trennung von medienpolitischen Einflüssen von Politikern sowie von politischen Einflüssen von Medienunternehmern." 

Kommentar: Ausgerechnet der Tages-Anzeiger liefert in der gleichen Nummer ein treffendes Beispiel zur obigen Aussage: Unter dem Titel "Neuer Anlauf ohne die Cannabis-Frage" berichtet er über die Sitzung der nationalrätlichen Kommission für Soziale Sicherheit und Gesundheit. Dass diese auch zuhanden der Wirtschaftskommission des Nationalrates (WAK-N) eine Empfehlung für eine substantiell höhere Biersteuer  ausgesprochen hat, wird unterschlagen. Wir berichteten am 10.4.06 unter Aktuell darüber.

(09.06.2006) Thomas Daum, seit 1.6.06 neuer Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes im Interview in der COOPZEITUNG Nr. 9 vom 1.3.06:

"Und auch als Liberaler kann und muss man soziale Verantwortung tragen."

(24.07.2006)  Bundespräsident Moritz Leuenberger im Tages-Anzeiger-Interview "Das Glück lässt sich nicht halten" am 24.7.06:

Frage: Soll denn der Staat den Menschen vorgeben, worin ihr Glück zu bestehen habe?

Antwort: Er tut es jedenfalls: Er setzt Grenzen, etwa bei Menschen, die ihr individuelles Glück mit harten Drogen wie LSD suchen. Hier sagt der Staat: Du darfst dich nicht auf Kosten eines kurzen Glücks langfristig kaputt machen. Wir schützen dich vor dir selber, aber auch die Allgemeinheit, die sonst deine Gesundheitskosten bezahlen muss.

Kommentar: Beim Alkohol, der ein Mehrfaches an Leid und Kosten für die Allgemeinheit bringt, ist der Staat immer noch viel nachsichtiger.

(30.09.2006)  Tages-Anzeiger, 28.09.2006: "Ein erfrischend direkter Wissenschaftler". Berichtet wird über Heinz Wanner, Schweizer Klimaforscher von Weltruf. Er erhielt eben den inoffiziellen Nobelpreis für Geografie, den "Vautrin Lud". Martin Läubli schreibt über ihn u.a.: "Wanner sieht sich nicht nur als Lieferant von Forschungsresultaten. Wissenschaftler müssten "auf die Politiker losgelassen werden". Mehrmals haben er und weitere Kollegen Bundesräte instruiert, Parlamentarier aufgeklärt, wieso sie mehr für den Klimaschutz tun sollten. "Den Einzelnen kann man rasch überzeugen, aber im parlamentarischen Prozess läuft alles wieder anders.""

(01.10.2006)  Thomas Zeltner, BAG-Direktor, im Interview in der SonntagsZeitung vom 24.09.06:  

Für Prävention ist immer weniger Geld vorhanden. Wie wollen Sie da noch erfolgreich wirken?

"Es stimmt, wir mussten Aktivitäten einstellen, für die Alkoholprävention haben wir praktisch kein Geld mehr.   (Siehe bei Top Aktuell) und auf dieser Seite am 11.8.04

 

(21.10.2006)  Umfassendes Tabak- und Alkohol-Werbeverbot gefordert. Die Schweiz soll die Steuern auf Alkohol und Tabak erhöhen und die Werbung dafür verbieten, rät ihr ein Expertenbericht von WHO und OECD, der einen bunten Strauss von Reformideen präsentiert.

Überschrift in "20 Minuten" am 19.10.06. Siehe auch unsere Meldungen unter Aktuell am 18. und 20. Okt. 06.

 

 (26.10.2006)   Hans-Peter Bieri in einer Tages-Anzeiger Glosse "Zugespitzt" am 25.10.06 im Zusammenhang mit Warnungen vor Radarfallen:

"Prävention versperrt den Himmel. -
Für die SVP sind die Warnungen nicht nur kein Problem, sondern legitime zivile Selbstverteidigung - mit geradezu segensreichen Auswirkungen. Ohnehin ist jeder Batzen, den man dem Moloch Staat entreisst, sein Gewicht in Gold wert.
Fortsetzung 
                      

(21.10.2006) Der Tages-Anzeiger schliesst eine 6-teilige Serie über Jugendgewalt ab. Unter dem Titel "Jugendgewalt ist Chefsache" (von Claudia Imfeld und Stefan Hohler) werden einige bemerkenswerte Feststellungen getroffen. Leider werden online nur die Statistiktabellen gezeigt. Im Schlussabschnitt heisst es:

"Neben der klassischen Prävention braucht es auch jene, die viele nur indirekt mit Jugendkriminalität oder Jugendgewalt in Verbindung bringen, die aber bei den wirklichen Ursachen ansetzt. Dazu gehört die Drogenaufklärung: Denn wenn Jugendliche dreinschlagen, sind sie oft betrunken oder stehen unter anderen Drogen."
     
 Und das Artikelende:                    

"Aber die Regierung muss sich auch dann für ihr neues Schwerpunktthema einsetzen, wenn es nicht offensichtlich die Aufschrift "Jugendkriminalität" trägt. Sie muss dies auch tun gegen den Widerstand derer, die sich mit kostenintensiver Prävention schwerer tun als mit Repression - und noch schwerer damit, die äusseren Umstände zu ändern. Diese Umstände sind es, die die Kriminalität begünstigen - auch bei Jugendlichen. Jugendkriminalität ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft."

Kommentar: Der letzte Satz müsste wohl heissen: "Die Jugend ist das Spiegelbild unserer Gesellschaft." Dass Drogenaufklärung normalerweise nichts bringt, sollte auch bekannt sein. Es geht effektiv um die Änderung der äusseren Umstände, des Umfeldes, unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit. Das ist Politik.

Und er ist noch wertvoller, weil er im Umlauf bleibt: Der Besitzer wird ihn verkonsumieren - und Umsatz und Gewinne der KMU erhöhen. Oder er wird ihn investieren - und nochmals Umsatz und Gewinne der KMU steigern. Oder er wird ihn aufs Sparkonto legen - und erneut durch billige Kredite Umsatz und Gewinne der KMU maximieren. (Das ist Ihnen zu einseitig? Aber wofür soll sich die SVP denn sonst einsetzen?)"

Kommentar: Die Frage kann klar beantwortet werden: Für eine wirksame Besteuerung alkoholischer Getränke, wie sie z.B. in unserer Projekt-Idee skizziert wird. Dann erreicht die SVP genau die gleichen KMU-positiven Auswirkungen wie oben beschrieben. ob wohl Herr Bieri bei uns abgeschrieben hat?

(4.12.2006)  Christine Davatz, Vizedirektorin des Schweizerischen Gewerbeverbandes im Interview der Neuen Zürcher Zeitung am 2./3.12.2006:a) Frage: Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag?
Antwort: Über jene, die vorgeben, eine Sache zu vertreten, aber nur den persönlichen Vorteil suchen. Manchmal sage ich es ihnen.
b) Frage: Was stört Sie am meisten als Staatsbürgerin?
Antwort: Zwei Dinge: der mangelnde Nationalstolz der Schweizerinnen und Schweizer und der fehlende Mut, Missstände energisch und konsequent anzugehen.
Kommentar:
Da fällt einem doch gleich der Gewerbeverband ein.

(23.12.2006) Michel Graf, Direktor der SFA, Schweiz. Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme in Lausanne im Interview der Neuen Zürcher Zeitung, am 23.12.06:

Frage: Worüber ärgern Sie sich immer wieder im beruflichen Alltag?

Antwort: "Die Präventionsarbeit wird von Politikerinnen und Politikern weder wirklich verstanden noch geschätzt. Wir müssen deshalb ständig darum kämpfen, dass unsere Anliegen berücksichtigt werden."

Kommentar: Beizufügen wäre noch: Diese sind damit für Milliardenschäden und unsägliches Leid in hohem Masse mitverantwortlich, die das Volk seit Jahrzehnten zu tragen hat.

                       2007

(14.02.2007)  Jürgen Margraf, Basler Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie in einem Artikel der Neuen Zürcher Zeitung am 14.2.07:

"Wissen ist die beste Grundlage der Prävention"

Kommentar: Bei der Alkoholprävention ist das nicht anders. Die Frage ist nur, welche Prävention wird angestrebt und entsprechend mit Wissensvermittlung vorbereitet. Da Politiker und Medien sich offensichtlich weigern, sich mit dieser Frage - trotz klarer wissenschaftlicher Grundlagen - auseinanderzusetzen, kommen wir nicht weiter, können die Schäden nicht vermindert werden.

(23.02.2007)  Zu den Unterlagen der Aktion "Brot für alle" und "Fastenopfer" gehört die AGENDA 2007. Sie trägt den Titel "Wir glauben. Arbeit muss menschenwürdig sein."
Der erste Slogan ist ein Zitat von Johannes Rau, ehem. Deutscher Bundespräsident:

"Wo Menschenwürde berührt ist, zählen keine wirtschaftlichen Argumente."

Kommentar: Schön wär's. Die Hälfte des bei uns konsumierten Alkohols wird von Abhängigen und starken Trinkern konsumiert, bei deren Konsum die Menschenwürde sehr oft verloren wird. Die Gewinnerin ist die Alkoholindustrie, die ohne diesen Alkoholmissbrauch kaum leben könnte. Auch bei den Politikern zählen oft nur die wirtschaftlichen Argumente. Sie nennen das dann einen politischen Entscheid.

Schon das zweite Zitat zeigt die Ahnungslosigkeit der Herausgeber: 
                           Fortsetzung  
                                      

"Wer Wein verdient, soll nicht Wasser bekommen." (Sprichwort aus Ghana)Kommentar: Das weckt Erinnerungen an die biblische Hochzeit zu Kanaa. Aber auch der Wein kann zum Verlust der Menschenwürde führen. In Südafrika war - und ist z. Teil vielleicht immer noch - das sogen. Tot-System üblich: Arbeiter im Rebberg erhielten einen Teil des Lohns täglich in Naturalien, d.h. als Wein. Sie lehnten sich in ihrer Alkohol-Abhängigkeit nicht gegen die teils unmenschlichen Arbeitsbedingungen oder gegen das Apartheid-Regime auf. Vielleicht ist der Satz auch nur einem Übersetzungsfehler wie die vielen "Wein-Stellen" in der Bibel zum Opfer gefallen. Dort wird alles mit Wein übersetzt, auch wenn es sich um frischen Saft, getrocknete Weinbeeren, Beerenmus, vergorenen oder unvergorenen Saft handelt. Es gibt auch Ausdrücke im Urtext, die beide Bedeutungen haben können, vergoren und unvergoren. Welche Bibelübersetzung räumt mit dieser historischen Lüge einmal auf? Das wäre wichtige Prävention.
Der Wein wird zu etwas sehr gutem hochstilisiert, dabei ist gerade Wasser das höchste Gut im trockenen Afrika. Der Alkoholkonsum in Entwicklungsländern, gefördert durch die Alkoholmultis, macht einen nicht unbedeutenden Teil unserer Entwicklungshilfe zunichte. Das sollten auch unsere Entwicklungsorganisationen endlich zur Kenntnis nehmen.
(14.03.2007) Dieter Imboden in einem Essay auf der Onlineplattform "ETH Life": Der gute Wissenschaftler sei ein Anarchist des Geistes, er akzeptiere keine Macht, die auf Strukturen basiere, die vom Staat, von der Wissenschaft, der Kirche oder der eigenen Hochschule geschaffen worden sei.

Kommentar:
Offenbar hat er auch keine moralischen Bedenken. Z.B. sich von interessierten Kreisen finanzieren zu lassen. (?)
(29.03.2007)  Interview in der Coopzeitung  vom 27.3.07 mit WWF-CEO Hans-Peter Fricker:

Frage des Coopzeitungs-Redaktors Daniel Sägesser: Coop verkauft auch Benzin und Heizöl und fördert damit indirekt den CO2-Aussstoss. Hat der WWF da keine Skrupel?

Antwort des WWF-CEO Hans-Peter Fricker: Uns ist wichtig, dass bei der Zusammenarbeit unter dem Strich möglichst viel für Umwelt und Gesundheit herausschaut. Natürlich begrüssen wir aber den Verkauf von Heizöl und Benzin nicht. Unglaubwürdig wäre Coop, wenn sie den Verkauf speziell fördern würde.

Kommentar: Coop fördert (mindestens bisher den Verkauf mittels Bons. Z.B. 3 Rp. Rabatt pro Liter . Die Rechte weiss nicht, was die Linke tut? Uns interessierte allerdings mehr, ob Coop in Anbetracht der 6.5 Mia. Franken Alkoholschäden in der Schweiz nicht auch wenigstens auf die speziellen Alkohol-Verkaufs-Förderaktionen verzichten könnte?           (siehe Leserbrief dazu)

(13.04.2007)  Myrta Schläpfer, zitiert vom Tages-Anzeiger, 13.4.07, im Artikel: Das Tessin reagiert gelassen auf das Rauchverbot: "Weshalb verbietet das Tessin eigentlich nicht den Alkohol? Raucher werden ja schliesslich nicht ausfällig, und sie fahren auch keine Leute um, Süffel hingegen schon."

Kommentar: Wäre Alkohol heute eine neue Erfindung, würde ihre Frage wahrscheinlich positiv beantwortet. Da sich die Bevölkerungsmehrheit trotz oder wegen keinem oder mässigem Konsum nicht mitverantwortlich fühlt, ist es nicht einmal möglich, die Schäden auf ein erträgliches Mass zu reduzieren. Die Dummen sind sie trotzdem selber. Sie können einem Alkoholisierten zum Opfer fallen und sie zahlen jährlich über Fr. 800.-- pro Kopf (immaterielle Schäden inklusiv) (Schweiz) an die Schäden. Hauptschuldige sind natürlich die Alkoholbranche mit ihren Werbern, Medien, Politikern und weiteren Kreisen, die vom Leid anderer profitieren, sei es aktiv oder durch passives Wegschauen und tolerieren.

 

(25.04.2007)   Tages-Anzeiger-Artikel von Jürg Schmid über die Arbeit des Jugenddienstes der Stadtpolizei Winterthur: "Mädchen prügeln wie Knaben":

"Und weshalb kommt es zu Delikten? (.. Überforderte ausländische Eltern) ..Und zunehmend spielten Alkohol (Rauschtrinken) und Drogen sowie starker Gruppendruck bei Mädchen und Knaben eine grosse Rolle."

 
(14.05.2007) Tages-Anzeiger-Interview mit dem neuen Tamedia-Verleger Pietro Supino am 4.5.07:

Frage: Funktioniert ein Medienhaus wie jedes börsenkotierte Unternehmen?

Pietro Supino: Die Medienbranche hat, wie andere Branchen auch, ihre grossen Besonderheiten. Tamedia stellt Plattformen für den öffentlichen Diskurs zur Verfügung. Diese Plattformen sind unverzichtbar für das Funktionieren und die Fortentwicklung unserer freien Gesellschaft. Verleger und Journalisten nehmen die Funktion der vierten Gewalt wahr, indem wir einflussreiche Institutionen und Personen beobachten. Und damit exponieren wir auch Personen und Organisationen in der Öffentlichkeit. Das macht unsere Arbeit interessant und bringt gleichzeitig eine ganz besondere Verantwortung mit sich.  (usw.)         Fortsetzung  
                                  

Kommentar: Er hat noch weitere, ähnlich unschuldig tönende Sätze geäussert. Wir werden versuchen, ihm unsere Beschwerde beim Presserat zur Kenntnis zu bringen. Denn gerade dieser von ihm erwähnte öffentliche Diskurs wird vom Tages-Anzeiger beim Thema Alkohol auf Sparflamme gehalten. Und von eigener lösungsorientierter Recherche findet sich keine Spur. Er will Mittel für Recherchen bereitstellen. Ob auch fürs Thema Alkoholproblem?

(07.06.07) Benedikt Weibel, Chef-Delegierter des Bundesrates für die EURO 2008 im Tages-Anzeiger-Interview vom 7.6.07: "Wir gelten als relativ kalte Krämerseelen":

Frage: "Bei Gewalt ist oft auch Alkohol ein grosses Problem. In den Stadien herrscht an der Euro 08 ein Alkoholverbot, aber davor können sich die Fans betrinken. Nehmen Sie das einfach so hin?"

Benedikt Weibel: "Ich weiss hier keine Antwort auf das Problem. In bestimmten Fangruppen ist der Alkohol ein derart bestimmendes Moment, da habe ich gar keine Hoffnung, dass man das korrigieren kann. An gut gemeinte Appelle glaube ich nicht."

Kommentar: Ich auch nicht. Wie wär's, wenn die guten Beispiele von Rom und Portugal beachtet würden?
Oder wenn den Alkoholverkäufern schon vorher klar gemacht würde, dass man sie für alle Schäden und Ermittlungskosten haftbar machen werde und sie die Lizenz verlören, wenn sie nicht freiwillig auf den Verkauf in der fraglichen Zeit verzichten würden? Oder wie wär's mit einem einfachen Blastest bei der Eingangskontrolle? Wer anspricht, verliert sein Ticket. Die Tickets gelangen sofort in den Verkauf und decken die Kontrollkosten.

(16/17.06.2007) Michael Agoras, Managing Director  von Adecco Schweiz im Interview bei NZZexecutive:

"Ich bin stolz, dass ich in meiner Jugend alles ausprobiert habe- und nicht auf die schiefe Bahn geraten bin."

Kommentar: Für Aussenstehende ist es schwierig abzuschätzen, wie stark sein eigenes Verdienst dafür zählt. Vielleicht wäre es etwas bescheidener von ihm zu sagen, er danke Gott für den guten Ausgang. Denn viele der heutigen Rauschtrinker werden es nicht schaffen. Und wie heute in der NZZ am Sonntag steht, werden noch die Enkel darunter zu leiden haben. Ob die dann auch stolz auf ihren Grossvater sein werden?

(03.07.07) Jean-Martin Büttner im Tages-Anzeiger: "Der Rausch auf dem Felde". Ein Bericht mit neuen Tönen.

"Wer sich also über das Alkoholproblem junger Rauschtrinker empört, sollte sich erst mal den Widerspruch zwischen Markt und Gesundheit eingestehen. Und dann versuchen, den unsteten Gestalten auf dem Gelände diesen Widerspruch zu erklären."

"Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Alkoholindustrie der einzige Dealer auf dem Platz wäre."

                           

                                  Fortsetzung  
                                                         

 
Kommentar: Man kann für unser Land nur hoffen, dass dies eine Trendwende und keine Eintagsfliege beim Tages-Anzeiger ist. Im ersten Zitat wird seit langem erstmals die gesellschaftliche Relevanz des Alkoholproblems angedeutet. Und gezeigt, wie unglaubwürdig und damit erfolglos die heutige Erwachsenenwelt ist, wenn sie Alkoholprävention für Jugendliche betreibt. (Siehe Zitat auf der Homepage zuoberst.) Im zweiten Zitat nimmt der Autor Bezug auf den Hasch-Konsum am Open Air, der die Konsumenten beruhigt. Dabei nennt er die Alkoholindustrie "Dealer". Wo hat man schon je so was gelesen, wo sich sogar Gesundheits-Fachleute aus taktischen Gründen kaum getrauen, Alkohol als Droge zu bezeichnen, aus Angst, man könnte Leute vor den Kopf stossen! Dem Autor gebührt grossen Dank und Anerkennung.
(08.07.2007) Rolf Weilenmann, Leiter des Jugenddienstes der Kantonspolizei Zürich, im Interview mit dem Tages-Anzeiger, 7.7.07 mit dem fetten Titel: "Der Alkohol ist das grösste Problem der Jugendlichen": (Leider nicht online)

"Meiner Meinung nach ist der Alkohol das Hauptproblem der Jugendlichen - aber auch hier lautet meine Devise: Vorsicht vor Pauschalurteilen. Die Jugend ist das Spiegelbild der Erwachsenenwelt, denn sie kopiert diese. Man sollte vielleicht auch nachfragen, was mit der Gesellschaft eigentlich nicht stimmt, bevor man die auffälligen Jugendlichen pauschal verurteilt."                                             Fortsetzung                                

Kommentar: Nun hat der Tages-Anzeiger die Wende wahrscheinlich endgültig vollzogen. Nach dem starken Artikel von J.-M. Büttner "Der Rausch auf dem Felde" vom 3.7.07 und unserem veröffentlichten Leserbrief kommt nun der dritte Artikel mit klarem Bezug auf das Alkoholproblem der Jugendlichen und die Verantwortung der Gesellschaft, wie wir das seit langem stipuliert haben. Jetzt hätten die Politiker vor den Wahlen Gelegenheit, den Ball aufzunehmen und zu ihrem Standpunkt zu stehen. Die meisten werden das heisse Eisen aber wie bisher nicht anfassen, dabei wären hier Lorbeeren zu gewinnen. (Allerdings mit hohem Risiko!)

(14.08.2007) Leserbrief in der Neuen Zürcher Zeitung am 14.8.07: Christian Müller, Feldbrunnen, schreibt u.a. unter dem Titel "Was es für guten Journalismus braucht":
"Als ehemaliger Journalist, Chefredaktor und heutiger Verlagsmanager habe ich da allerdings eine andere Sicht: Ob guter Journalismus überlebt oder sogar eine Zukunft hat, hängt weniger von den Journalisten und ihrer Ausbildung ab als von der Frage, ob es - um an ein Bonmot von Gerd Bucerius anzuknüpfen - in Zukunft noch Verleger gibt, die sich auch für Inhalte interessieren und die ihren Journalisten zwischen den Inseraten ausreichend Platz und geistigen Freiraum gewähren."

(30.10.2007)  Bundespräsidentin Calmy-Rey forderte am Verleger-Kongress politischen Journalismus.

"Halten Sie an der politischen Berichterstattung fest. Lassen Sie auf Ihren Redaktionen weiterhin Meinungen zum Ausdruck kommen - möglichst viele und unterschiedliche."

(09.11.2007) In der Neuen Zürcher Zeitung wird über eine Herzberg-Tagung des Vereins Qualität am 7.11.07 in Basel berichtet. Titel: "Nichts als die Wahrheit". Es ging um Journalismus und PR. Hier einige Zitate des Referenten Sacha Wigdorovits, ehem. Journalist, Chefredaktor und heutiger Manager des Gratisblattes ".ch":

"Arbeitsethos hin oder her - auch die gute Gesinnung kann ein strukturelles Problem nicht lösen: nämlich die wachsende Wissenskluft zwischen Medienorganisationen und der Firmen- bzw. Staatskommunikation.
                     Fortsetzung        

 Die im Verdrängungswettbewerb stehenden Medien verknappen ihre Budgets und schmälern damit ihre Kompetenzen, während die PR-Abteilungen wachsen. Diese Entwicklung wird seit Jahrzehnten von den Wissenschaftern beobachtet (und die Journalisten spüren es am eigenen Leib)."

Kommentar:
Wir spüren es auch. Aber der Schweizer Presserat z.B. stellt sich blind und taub.

(24.11.2007)  Neue Zürcher Zeitung, Bund NZZexecutive, 24.11.07:
Interview mit Benjamin Thut, Designer:

Frage: "Was stört Sie als Staatsbürger?"

Antwort: "Dass sich zu wenig bewegt. Das gegenseitige Schachmattstellen, so dass selten etwas Grosszügiges, Gewagtes oder Spektakuläres entstehen kann."

(11.12.2007) Verena Vonarburg, Bern im Tages-Anzeiger vom 11.12.07 in: "Das Kraut benebelt die Politiker"

a) "Mit dem Strafrecht lassen sich nun mal keine Suchtprobleme lösen." (Gestern entschied der Nationalrat gegen die Legalisierung von Canabis)
Im gleichen Artikel: b) "Viele Politiker sind auch nicht bereit, den Zusammenhang zwischen Rauschtrinken und Gewalt zu thematisieren und die Jugend ernsthaft vor Alkohol zu schützen."

Kommentar: a) Das Strafrecht ist sicher nicht die Lösung, aber ein wichtiges Mittel bei der Durchsetzung von verhältnispräventiven Massnahmen. b) Bedenklich ist auch, dass dies sogar auf gewisse Sozialarbeiter zutrifft. Allerdings aus andern Gründen.

                        2008

(07.01.2008)  Ueli Maurer, SVP Nationalrat und ausscheidender SVP-Präsident im Tages-Anzeiger Interview am 7.1.08:

"Wir sind nur noch dem Volk verpflichtet und in keiner Art und Weise mehr der "Classe politique".

Kommentar: Wie schön wäre das, wenn die SVP mithelfen würde, das Alkoholproblem zu verringern, indem sie die Interessen des Volkes vertreten würde, statt die einiger Profiteure (auch in ihren Reihen.) Übrigens gehören sie ja mit ihren gewählten Exponenten auch zu dieser "Classe politique".

 

(09.01.2008)  Über "Die Zukunft des Qualitätsjournalismus" hielt der Tamedia-Veleger Pietro Supino eine Rede an der Dreikönigstagung des Presseverbandes. Der Tages-Anzeiger druckte eine gekürzte Fassung am 9.1.08 unter dem Titel "Recherche statt Skandälchen" ab. Man könnte gut 50 Zeilen davon als Zitate bringen. Es ist zu schön, was er sagte. Z.B.:

"Unsere Leser pflegen mit unseren Zeitungen eine dynamische Beziehung wie in einer Freundschaft. Neben intellektuellen Kriterien sind Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit zentral. Dazu gehört insbesondere die Trennung von Sachverhalt und Wertung. Je grösser die Transparenz und je fundierter die Berichterstattung, desto weniger muss die Wertung mit den persönlichen Ansichten der Leserschaft übereinstimmen...."
                         Fortsetzung                                                                

"Eine vornehme Besonderheit unserer Aufgabe als Verleger ist die Rolle der Medien als 4. Gewalt im Staat. Wir finanzieren diese Funktion und halten unseren Redaktionen den Rücken frei. Dabei nehmen Medien diese Aufgabe in einem grossen Spektrum wahr. Es reicht vom legendären Watergate-Skandal bis zur Regionalberichterstattung. .."

"Wir Verleger stellen für das Funktionieren und die Entwicklung unserer Gesellschaft wichtige Plattformen zur Verfügung. Ohne freie Presse wären der politische Diskurs und damit die gelebte Demokratie nicht möglich..."

                    Fortsetzung     

Kommentar:  Vorausgesetzt, dies ist keine der bisher üblichen Sonntagsreden, wären dies sehr begrüssenswerte Aussagen. Wir müssen immerhin zugestehen, dass seit unserer Beschwerde beim Schweizer Presserat im März 2006 ein paar Artikel zum Alkoholproblem im Tages-Anzeiger erschienen sind, die Hoffnung aufkommen lassen, sogar recherchierte und auch wieder Leserbriefe. Nachdem das Raucherproblem seine grösste Aktualität verloren hat, weil die Akzeptanz im Volk vorhanden ist, wäre nun der richtige Zeitpunkt, wenn die freie Presse den politischen Diskurs zum Alkoholproblem eröffnen würde, damit die gelebte Demokratie (wie im Zitat erwähnt) möglich und das Alkoholproblem entschärft wird.
(11.01.2008)   Gleichsam als Fortsetzung zu den vorigen Zitaten: Aus: "147 Keuschheitsgelübde" - Der Verhaltenskodex für "saubere" Medien fördert Heuchelei, in der Neuen Zürcher Zeitung vom 11.1.08.

"Das Vorhaben der Vorkämpfer für saubere Medien ist edel. Dass es ihnen gelingt, den real existierenden Sumpf auszutrocknen, ist allerdings fraglich. Denn erfolgreiche Korruption zeichnet sich dadurch aus, dass alle Beteiligten dank gemeinsamem Schweigen gegenseitig voneinander profitieren. Zu befürchten ist, dass neue Regeln dazu führen, dass künftig etwas perfekter geheuchelt wird..."  (Quelle: NZZ, 11.1.08)

Kommentar: Wir freuen uns ob der deutlichen Worte. Vielleicht hat unsere Beschwerde beim Presserat doch etwas bewirkt.

(18.01.2008)  "Die selbstgebastelte Herausforderung des Bode Miller". Gespräch mit dem Trainer des Favoriten in Kitzbühel. Im Tages-Anzeiger vom 18.1.08.

"'Er will es aber vor allem sich selbst zeigen", sagt McBride, der einige Dinge klären musste, ehe er Millers Anfrage akzeptierte. Gehörte da auch der Verzicht auf Alkohol dazu? "Nicht explizit, aber ich habe Bode klar gemacht, dass er meiner Meinung nach sein Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft hat." Und zwar nicht an einem einzelnen Tag. Denn da konnte Miller die Konkurrenz schon früher distanzieren. "Ich meine damit, dass Bode eine gesamte Saison auf diesem Niveau durchhält", sagt McBride. Seit August hat Miller keinen Tropfen Alkohol getrunken."' 
Kommentar: Gibt es in unsern Sportkreisen keine solchen Trainer? Oder liegt es an den Funktionären, den Sponsorenverträgen oder an den Sportlern selber?

 

(31.01.2008)  Artikel im Tages-Anzeiger, online, 31.1.08 mit dem Titel:
"Moral als Erfolgsrezept" - Die Wirtschaft hat die «Corporate Social Responsibility» entdeckt. Die Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft wird zum Geschäft.- letzter Abschnitt:

"Bertold Brecht hat einst erklärt: Das Fressen kommt vor der Moral. Das war im letzten Jahrhundert. Inzwischen hat sich das wirtschaftliche Umfeld rasant verändert. Der Standortwettbewerb verunsichert die Arbeitnehmer, der drohende Klimawandel die Bürger. CSR ist nicht mehr Luxus, sondern wird immer mehr eine Notwendigkeit, sie wird Teil einer erfolgreichen Unternehmensstrategie. «Sich um CSR zu kümmern, wird zum aufgeklärten Selbstinteresse», schreibt der «Economist». Anders ausgedrückt. Manager, die die CSR nicht im Griff haben, machen einen lausigen Job."
(Quelle: Tages-Anzeiger online, 31.1.08)
Kommentar: Jetzt sollte man hoffen dürfen, dass die Wirtschaft den eher kleinen Teilbereich der Alkoholindustrie nicht länger unterstützt und ihren Nutzen an einer gesünderen Gesellschaft erkennt. Oder steht den Managern (wie vielen Politikern auch) ihr eigenes Alkohol-Konsumverhalten im Wege?

(10.03.2008)  McBride, Trainer von Bode Miller soll über ihn gesagt haben: "Schliesslich tut er dafür Dinge, die man ihm zuvor nie zugetraut hätte. Er hat seit letztem Herbst keinen Tropfen Alkohol getrunken und vor allem das Taktieren gelernt." (Artikel im Tages-Anzeiger, 10.3.08: "Der Sololauf eines Freigeistes" von Christian Andiel)

Kommentar: Wir haben seine Entwicklung auf der Seite Dossier: "Sport und Alkohol" verfolgt. Ob unsere Sportler und Trainer auch lesen können?

(03.04.2008)  175 Jahre Universität Zürich: Theologieprofessor Pierre Bühler plädiert für eine kritische Rückbesinnung auf das christliche Erbe. Gemäss NZZ sagt er u.a.: "Mit verschiedensten Ansprüchen ist auch die Kirchenleitung konfrontiert. Obwohl sie es von links bis rechts niemandem wirklich recht machen kann, erwartet Bühler von ihr mehr Mut. Selbst wenn Kirche und Staat entflochten würden, müsse die Kirche weiterhin ihre Rolle in der Öffentlichkeit, ihr "prophetisches Wächteramt" wahrnehmen. In politischen Fragen sollte die Kirche seines Erachtens nicht nur vermehrt Stellung beziehen, sondern auch aktiv konkrete Anliegen fördern. Er versucht deshalb, die Studierenden diesbezüglich zu ermuntern." (Quelle: NZZ, 2.4.08)                              

Kommentar: Was für die reformierte Kirche gilt, betrifft die katholische ebenso. Alkoholpolitik wäre ein hochaktuelles Thema für die Kirchen, um sich einzusetzen. Menschenwürde, Menschenrechte, Nächstenliebe, Verantwortung in der Gesellschaft, Kinder- und Jugendförderung, Entwicklungshilfe rufen doch, im Zusammenhang mit der Alkoholfrage, geradezu nach dem Engagement der Kirchen. Aber wie wir schon in der Einleitung auf der Homepage sagten: Alkoholpolitik ist in der Schweiz wie auch in andern Ländern ein eher unbeliebtes Thema, weil sehr oft die eigene Konsumhaltung, wirtschaftliche Eigeninteressen oder einfach die gesellschaftliche Wirklichkeit einer objektiven Betrachtungs- und Handlungsweise im Wege stehen.  

(24.05.2008)   Im Tages-Anzeiger vom 24.5.08 wird der Thurgauer SVP-Nationalrat und Industrielle Peter Spuhler im Artikel "Präventiv gegen die Präventionspolitik" von Jean-Martin Büttner zitiert:

"Unter dem Deckmantel der Gesundheitspolitik wird der Bürger systematisch entmündigt."

                                                    

 

 

Kommentar: Das Gegenteil trifft zu:  Wir kennen in vielen Bereichen des staatlichen Zusammenlebens die Notwendigkeit, Regeln aufstellen zu müssen, wobei ja die bürgerlichen Parteien mit ihrer Parlamentsmehrheit dafür sorgen können, dass keine unnötigen Gesetze geschaffen werden. Seit jeher wurde auf dem Gebiet des Alkohols das Volk bevormundet. Es erträgt fast klaglos, dass die Alkoholindustrie und die Werbebranche immer wieder neue Betätigungsfelder entwickeln können, die Grauzonen schamlos ausnützen und                           damit errreicht haben, dass erst die Frauen und dann die Jugendlichen und sogar die Kinder für den Alkoholkonsum gewonnen werden konnten. Seit hundert Jahren hat sich ein riesiger Blutzoll angestaut, den wir zu zahlen haben. Unzählige Familien sind zerbrochen, Kinder in alkoholbelasteten Familien ihrer Lebenschancen beraubt worden, und viele Milliarden Sozialkosten, die der Steuer- und Prämienzahler zu berappen hat, belasten uns laufend. (Quelle: Tages-Anzeiger, 23.5.08)  (Siehe auch "Aktuell")

 

(12.06.2008)  Die Neue Zürcher Zeitung vom 12.6.08 bringt die gekürzte Fassung einer Rede von Bundesrat Moritz Leuenberger an der Universität Zürich zum Thema "Eigeninteresse und Gemeinwohl in der Politik". Zwei Ausschnitte:

"Je enger der Horizont, desto unmittelbarer wird Partikulärinteresse als Gemeinwohl verstanden. Wir sprechen deshalb von der Froschperspektive. Wie eng aber seine Perspektiven sind, kann der Frosch gar nicht realisieren. Brechen wir also nicht einfach den Stab über ihn. Auch wir haben, jeder für sich, unsere Perspektiven und definieren das Gemeinwohl nach ihnen. Wir sind alle Frösche und quaken in unseren Tümpeln. Lassen wir also Milde walten…" (Originaltext)                         
 

"Das Streben nach dem eigenen Glück und das Gemeinwohl sollen eine Symbiose bilden. Davon geht auch die Bundesverfassung aus. Sie garantiert die individuellen Freiheitsrechte und erwartet von den Bürgern, sich für die Allgemeinheit einzusetzen und dafür Verantwortung zu übernehmen. Dieser Einsatz erfolgt im eigenen Interesse und formt, wenn er von allen geleistet wird, zugleich das Allgemeinwohl." (Quelle: NZZ, 12.6.08)
Originaltext der Rede

                                    

Kommentar:  Auf das Nationale Programm Alkohol (NPA) angewendet könnte das heissen, dem einzelnen Bürger muss klar werden, dass Massnahmen auch zu seinem Wohl beitragen, dann wird er seine Verantwortung der Allgemeinheit gegenüber akzeptieren können. Ein praktisches Beispiel wäre dazu unsere Projekt-Idee, die für die grosse Mehrheit bedeutenden Nutzen bringen würde.

(16.6.2008)  Der Parteipräsident der Zürcher CVP, Markus Arnold, wird in der Neuen Zürcherzeitung vom 16.6.08 zitiert:

"Markus Ärger hängt mit einer andern CVP-spezifischen Perspektive zusammen. Es ist die Orientierung am Gemeinwohl, an Gerechtigkeit, an der Menschenwürde und am Wohl der Schwachen.  …Glaubwürdig könne eine C-Partei nur als Garantin der von ihr vertretenen Werte sein."   
Kommentar:
Werte, Perspektiven, Grundsätze - wie schön auf dem Papier. Wenn die CVP nur geschlossen dafür einstehen würde, hätte das Alkoholproblem der Schweiz längst eine viel kleinere Dimension. Von Glaubwürdigkeit noch keine Spur. Auch Herr Arnold hatte auf unsere Briefe damals nur Ausflüchte zu bieten.

(21.06.2008)  BAG-Direktor Thomas Zeltner im Tages-Anzeiger-Interview am 21.6.08:

Frage: Es ist doch klar, dass es die Wirtschaft nicht freut, wenn sie weniger Bier und Zigaretten verkaufen kann.

Direktor Zeltner: Dass Wirtschafsorganisationen wie Economiesuisse und Arbeitgeberverband gegen die Krankheitsprävention Sturm laufen, ist in Europa einmalig.

                                  

Sie müssten wissen, dass eine gesunde Bevölkerung für ökonomische Stärke sorgt. Und deshalb für eine bessere Gesundheit eintreten. Im übrigen zeigen alle Umfragen, dass die Bevölkerung eine stärkere Prävention will.

Kommentar: Diese Sätze könnten von uns stammen. Wir vertreten diese Ansicht schon lange. Warum hat sich das BAG und seine Lobby bis jetzt so bescheiden zurückgehalten und der Wirtschaft das Feld überlassen?

 

(02.07.2008) Jean-Martin Büttner in seinem Tages-Anzeiger-Kommentar zur ESPAD-Schülerstudie: "Das Bier und die Moral":

"Dazu passt der heftige Widerstand der Branche gegen eine Prävention, die solche Einkäufe verhindert - was dazu geführt hat, dass die neuen Präventionsversuche des Bundes mehrheitlich symbolischen Wert haben, also keinen."
"Dazu passen auch die Widersprüche einer Gesellschaft, die das Verhalten anpreist, das sie gleichzeitig missbilligt. Wie will man die Jugendlichen vom Saufen abhalten, um ein aktuelles Beispiel zu nennen, wenn ausgerechnet ein Bierbrauer die Europameisterschaft bewerben durfte?"
Kommentar: Freude herrscht!

(11.08.2008)  René Staubli im Tages-Anzeiger-Kommentar vom 11.8.08  zur Street Parade:

 "Kampf den Exzessen" ..."Zürichs Strassen boten in der Nacht von Samstag auf Sonntag ein erschreckendes Bild. Von einer Trendwende zu reden, wirkt schönfärberisch. Esther Maurer scheint auf dem besten Weg, die Probleme, die sie so klar angesprochen hat, wieder zu verharmlosen. ....Es ist lediglich die Aufforderung, ein wichtiges Problem nicht unter den Teppich zu kehren: den sorglosen Umgang der Jugendlichen mit dem Alkohol. Nötig ist eine breite öffentliche Diskussion, um das bedrohliche Phänomen jenseits von politischen und finanziellen Interessen zu bekämpfen." (Quelle: Tages-Anzeiger, 11.8.08, nicht online)
                               

Kommentar: Wie oft haben wir genau dies gefordert, bis zum Schweizer Presserat. Zu glauben, es sei mit Repression getan, für die oft die Mittel fehlen, ist aber immer noch zu kurz gedacht. Es geht nicht nur um die jugendlichen Exzesse. Die sind erst möglich geworden durch die unverantwortlich large Haltung unserer Politiker, die nicht einsehen, dass das Alkoholproblem die ganze Gesellschaft betrifft und deshalb wirksame strukturelle Massnahmen nötig sind. (Siehe auch letztes Zitat.)

(21.08.2008) Am Ende des zustimmenden Kommentars in der Neuen Zürcher Zeitung vom 21.8.08 von mbm zum Zürcher Stadtratsentscheid betr. Botellón:

"Sollte sich der "botellón" allerdings zu einem wiederkehrenden Anlass entwickeln, müssen härtere Massnahmen ins Auge gefasst werden. Irgendwann hört auch die Freiheit des Einzelnen auf und wird die Eigenverantwortung ad absurdum geführt."

                                     

 

 

Kommentar: Wenn man die Situation in Spanien als Massstab nimmt, ist mit dieser Tradition zu rechnen. Hoffentlich führt der von Stadtpräsident Ledergerber angekündigte Erfahrungsaustausch mit Spanien nicht gerade zu dieser Entwicklung. Immerhin bemerkenswerte Worte aus der liberalen NZZ, die bisher auch extreme liberale Standpunkte dazu verbreitet hat.
Bemerkenswert leider auch, dass noch keine der grossen Zeitungen es gewagt hat, das Alkoholproblem der Gesellschaft als Nährboden dieser Manifestation des Jugendalkoholismus anzusprechen. (Quelle: NZZ, 21.8.08)

(23.08.2008)   Pierre Maudet, FDP, Präsident der eidgenössischen Jugendkommission und Genfer Stadtrat, für den öffentlichen Raum und die Sicherheit in der Rhonestadt zuständig, sagte in der Zeitung «Le Temps»:
Die Politik der Alkoholprävention stütze sich heute zu einseitig auf hohe Preise für alkoholische Getränke in Gaststätten, Bars und Nachtclubs. Jugendliche mit wenig Geld würden daher nach Wegen wie dem «Botellon» suchen, um die Preisschranken zu umgehen. … Er fordert, in der Alkoholprävention Widersprüche in der Preispolitik, Werbung und Verkaufspraxis zu beseitigen und stärker auf Verhaltensänderungen der Jugendlichen hinzuwirken.

Kommentar: Herr Maudet scheint von Kenntnissen über die tatsächlichen Verhältnisse und Bedürfnisse in der Prävention völlig unbelastet zu sein. Wie kommt ein solcher Mensch nur zu diesem Amt? Will er den Alkohol in Gaststätten für Jugendliche subventionieren?

(02.09.2008) Peter Hartmeier, Chefredaktor des Tages-Anzeiger in seinem Kommentar zu "Saufparty hinterlässt einen Scherbenhaufen" am 2.9.08:

Titel: "Verantwortung übernehmen"
..letzter Satz: "Wir haben als Gesellschaft offenbar verlernt, mit öffentlichem Grund und Boden respektvoll umzugehen."

Kommentar: Nachdem der Tages-Anzeiger bekanntlich kräftig für den Botellón geworben hat, ehrt es den Chefredaktor natürlich, wenn er sich mit dessen Teilnehmern solidarisiert und sie zur Gesellschaft emporhebt.

                                                           

Allerdings denke ich, dass sich doch einige Mitbürgerinnen und Mitbürger von dieser Haltung distanzieren möchten. In jede Lektionsreihe über die Alkoholfrage gehört am Anfang das Unterthema Wirkungen des Alkohols. Und da lernen wir, dass Alkohol zuerst im Gehirn das Verantwortungsbewusstsein beeinträchtigt. Deshalb sieht es die Gesellschaft z.B. nicht gern, wenn sich Alkoholisierte ans Steuer setzen. Eine solche Bildungslücke setze ich bei einem Chefredaktor eigentlich nicht voraus. Wenn wir also von den Teilnehmern respektvollen Umgang mit öffentlichem Grund und Boden erwarten, sind wir blauäugig oder heucheln uns etwas vor, um uns selber aus der Verantwortung zu stehlen.

(13.09.2008) Jürg Rohrer im Tages-Anzeiger vom 11.9.08) (nicht online), Kommentar "Ballermann in Zürich" zum Artikel "Zürich will bei den Events mit der Konkurrenz mithalten":

"Zürich muss aufpassen, dass die Festhütte nicht zum Ballermann verkommt. Doch kaum passt die Stadt tatsächlich auf und schränkt den Alkoholverkauf während der Street Parade oder riskanter Fussballspiele ein, reklamiert das Gewerbe und beschwört den freien (Sauf-)Markt. Also ausgerechnet die, die von der Festerei profitieren, nehmen in Kauf, dass die Festhütte versifft."
Kommentar:
Das Alkoholgewerbe ist an wirksamer Prävention naturgemäss nicht interessiert, da sie ja den Umsatz schmälern muss, sonst ist sie nicht wirksam. Deshalb hat die WHO schon vor Jahren davor gewarnt, mit der Alkoholindustrie bei der Prävention zusammenzuarbeiten. Unsere Projekt-Idee würde den einheimischen Produzenten helfen, Einbussen auszugleichen.

(19.09.2008)  In "Brauchen Chefredaktoren Peitschen?" über Disziplin, Rechte und Pflichten in Redaktionen, Neue Zürcher Zeitung, 19.9.08:

"Folgendes steht in der Vereinbarung zum Eintritt der Verleger in den Presserat: Die Verantwortlichkeit der Medienschaffenden gegenüber der Öffentlichkeit hat Vorrang vor Verpflichtungen gegenüber dem Arbeitgeber und staatlichen Organen. …Allerdings hält es (das Vertragswerk) auch fest: Wenn schlechte Arbeitsbedingungen zu berufsethischen Fehlleistungen führen, können sich Journalisten an den Presserat wenden. Eine solche Beschwerde könnte spannende Fragen aufwerfen."     

Kommentar: Die Verantwortung vor der Öffentlichkeit in Bezug auf die Behandlung des Alkoholproblems durch  die Medienschaffenden wird immer noch nicht oder nur in seltenen Fällen wahrgenommen. Da dies der Presserat selber nicht sehen will, würde wohl auch keine Beschwerde von Journalisten bei ihm Rückhalt finden. Abgesehen davon wird kaum ein Journalist den Mut haben, den Ast, auf dem er sitzt, abzusägen. Hoffen wir, dass auf andern Gebieten dieser Vertrag mehr als Augenwischerei ist. (Auch als Online-Kommentar)

(22.10.2008) Klaus Schwab, Gründer und Präsident des Weltwirtschaftsforums (WEF) im Tages-Anzeiger vom 22.10.08 im Artikel "Ein hyppokratischer Eid für Manager":

"Die Krise führt vor Augen: Wirtschaften muss der Gesellschaft dienen."

Kommentar: Das fordern wir auch schon lange. Letztes Negativbeispiel: Die Allianz der Wirtschaft ist gegen das Präventionsgesetz. (siehe Aktuell, 21.10.08)

 

(28.10.2008) Aus einem Gespräch mit dem Philosophen A.C. Grayling, London, im Tages-Anzeiger vom 28.10.08:

"Da bleibe einem nichts anderes übrig, als gegen "solche Verdummung" beharrlich anzukämpfen: "Wenn man nicht für etwas kämpft, verliert man automatisch. Nicht kämpfen heisst, im Grunde schon verloren zu haben.""

Kommentar: Das trifft auch auf die Alkoholpolitik zu.

 

(30.10.2008)   Martin Kiesewetter, leitender Arzt an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich und Leiter des Forensisch-Psychiatrischen Dienstes im Tages-Anzeiger vom 30.10.08 unter der Überschrift "Immer mehr unbegrenzte Gewalttätigkeit" (zur Tötung an der Street Parade): 

Der Druck in einer Gruppe kann enorm hoch sein und die Hemmschwelle nach unten setzen. Ist noch Alkohol im Spiel, wie dies bei dem jungen Thailänder und seiner Jugendgruppe offenbar der Fall war, verschärft sich die Situation zusätzlich.

Kommentar: Ein Fachmann spricht Klartext.

 

(07.11.2008) Filippo Leutenegger, FDP-Nationalrat und Präsident der "Aktion Medienfreiheit" im Tages-Anzeiger vom 7.11.08 unter dem Titel: "Eine Teilverstaatlichung der Medien":

"Bedenklich ist der Umstand, dass die zunehmende Schwächung der publizistischen Unabhängigkeit in den elektronischen Medien unsere Journalistinnen und Journalisten nicht zu interessieren scheint, obwohl die publizistische Unabhängigkeit nicht nur für die Ausübung des Berufs, sondern auch für das Funktionieren unserer Demokratie zentral ist."  (Quelle: Tages-Anzeiger vom 7.11.08)

Kommentar: Ob Herrn Leutenegger auch die Abhängigkeit der Presse von gewissen Teilen der Wirtschaft interessiert (z.B. die Alkohol- und Werbebranchen)? Auch darunter leidet die Demokratie und dazu die Volksgesundheit, die Lebensqualität und die Kaufkraft. Ich habe nicht vernommen, dass er sich für meine diesbezügliche Beschwerde beim Schweizer Presserat eingesetzt hätte. (siehe Briefe an... 27.2.06 etc.)

(06.12.2008)  Der Chefredaktor der "Zeit", (deutsche Wochenzeitung mit 2 Seiten für die Schweiz) Giovanni di Lorenzo im ganzseitigen Interview im Tages-Anzeiger vom 6.12.08 im letzten Abschnitt:

"Frage: Was können Zeitungen angesichts der grossen Probleme noch leisten?

Antwort: Ich nehme jetzt ein grosses Wort in den Mund - auch auf die Gefahr hin, dass das pathetisch klingt: Wir wollen, wir müssen uns beim Zeitungmachen an einem Grundsatz orientieren, der da heisst: Wider die Verdummung!"

                                                     

 

Kommentar: Da bin ich ihm schon sehr dankbar. Hoffentlich nehmen sich das auch unsere Journalisten und Verlage zu Herzen. Es ist ja schliesslich nicht umsonst Samichlaus-Tag heute. Die Verdummung hat sich bei uns schon auf vielen Gebieten breit gemacht: Z.B. bei Volk, Wirtschaftsführern und Politikern, denen zum Alkoholproblem von den Medien Sand in die Augen gestreut wird, so dass sie ihre Verantwortung nicht mehr sehen und den falschen Propheten der Alkoholbranche auf den Leim kriechen. Dabei hätten sie es in der Hand, mit den richtigen Massnahmen die alkoholbedingten Schäden in unserer Gesellschaft wesentlich zu reduzieren.

(18.12.2008) Der "Lancet"-Redaktor Stuart Spencer zur Ethik beim Publizieren von medizinischen Studien in grossem Interview in der Neuen Zürcher Zeitung vom 17.12.08:
"Es fällt uns schwer, nicht an das Gute zu glauben." (Titel des Artikels) "Wir erhalten rund 8000 Fachartikel pro Jahr - etwa 350 veröffentlichen wir."  (Quelle: NZZ, 17.12.08, nicht online)

Kommentar: Es wäre interessant zu erfahren, ob auch Studien der Alkoholindustrie oder solche, die von ihr offen oder heimlich gesponsert wurden, darunter sind. Andererseits hat es die Industrie gar nicht nötig, ein Teil der Presse nimmt ja diese Studien auch ungeprüft gerne auf. Jetzt ahnen wir auch warum: Die Journalisten und Verleger glauben an das Gute!

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Letzte Bearbeitung: 30.12.2008

 

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Stand: 30.12.2008