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Quelle:
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Jürgen RehmProf. Jürgen Rehm ist der Jellinek Memorial Fund Award für 2003 verliehen worden, "for outstanding contributions to the advancement for knowledge on alcohol/alcoholism (category epidemiology and population studies)" Wir gratulieren an dieser Stelle sehr herzlich. |
Forschungsstätte: |
Institut für Suchtforschung, Zürich,
Schweiz; Centre for Addiction and Mental Health, Toronto, Kanada; University
of Toronto, Public Health Sciences, Kanada
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Thema: |
Alkoholkonsum und seine Folgen:
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krank!" wird im Vorfeld der Veranstaltung in der Stadthalle Heidelberg eine
Pressekonferenz durchgeführt. Der nachfolgende Text stellt die
Presseverlautbarung von Prof. Rehm dar, der an dieser Veranstaltung ein Referat
unter dieser Überschrift hält. Wir freuen uns, dass darin sehr deutlich die
von uns immer vertretene Alkoholpolitik zum Ausdruck gebracht wird. Wenn nun das
renommierte Forschungsinstitut IfS diese Richtung vertritt, lässt das Hoffnung
auf weitere Fortschritte in der schweizerischen Suchtpolitik aufkommen.
Alkoholkonsum ist mit mehr als 60 im ICD
definierten Krankheiten und Verletzungen kausal verbunden. Die meisten der
Auswirkungen von Alkohol auf die Gesundheit sind negativ: Alkohol bedeutet einen
Risikofaktor für die Entstehung dieser Krankheiten und/oder verschlechtert oft
den Krankheitsverlauf. Ausnahmen von dieser Regel sind die ischämischen
Krankheiten (z.B. koronare Herzkrankheiten). Bestimmte Trinkmuster (regelmässiger
und strikt begrenzter Konsum) können hier auch positive Auswirkungen haben.
In der Gesamtrechnung überwiegen allerdings deutlich die negativen
Konsequenzen..
Eine aktuelle Untersuchung der
Weltgesundheitsorganisation (WHO, 2002; Ezzati et al., 2002) zeigt, dass Alkohol
von den untersuchten 27 weltweit bedeutsamsten Risikofaktoren nach dem Rauchen
und dem Blutdruck in etablierten Markwirtschaften wie Deutschland am meisten
Krankheitsbelastung nach sich zieht. Über 9% der gesamten
Krankheitsbelastung in diesen Ländern wird allein durch Alkoholkonsum
verursacht. Diese Zahl ist netto berechnet, d.h. die positiven
Auswirkungen von Alkoholkonsum auf Krankheiten sind darin bereits berücksichtigt.
Die wirtschaftliche Belastung durch Alkoholkonsum ist enorm. Schätzungen des Robert Koch Instituts (RKI, 2002) haben ergeben, dass 1995 in Deutschland Alkohol bedingte soziale Kosten in Höhe von fast 40 Milliarden DM entstanden, davon mehr als 15 Milliarden für direkte Kosten, mehrheitlich im medizinischen System. Indirekte Kosten durch entstandene Produktivitätsausfälle sind noch weit höher. Entgegen der weit verbreiteten Meinung entstehen diese immensen Kosten keineswegs nur bei Sucht. Auch durch sozial akzeptierten, nicht süchtigen Konsum werden beispielsweise bei Unfällen hohe Kosten aufgeworfen: Alkohol bedingte Unfälle werden häufig von Personen verursacht, die nicht abhängig sind, sondern situativ zuviel getrunken haben.
Die gesundheitliche wie die ökonomische
Belastung durch Alkohol wird sich in den nächsten Jahren auch in Deutschland
weiter erhöhen, wenn keine entsprechenden Gegenmassnahmen getroffen werden.
In vielen Ländern besteht aber leider eine eigentümliche Vorliebe der
Gesundheitspolitik und der Präventionsfachleute für solche Massnahmen wie
Aufklärungskampagnen und schulische Präventionskampagnen, die bislang ohne
nachweisbare Wirkung auf Krankheitsbelastung geblieben sind, während erwiesen
wirksame und sehr kosteneffektive Massnahmen wie erhöhte Besteuerung oder häufige
verdachtsfreie Alkoholkontrollen im Strassenverkehr politisch wenig attraktiv
sind. Die Weltgesundheitsorganisation fordert daher eine strikte
Umorientierung der Präventionspolitik auf der Grundlage empirisch gesicherter
Erkenntnisse. Gerade im Alkoholbereich gibt es eine Reihe verhältnispräventiver
Massnahmen, die alkoholbedingte Krankheitsbelastung deutlich zu reduzieren vermögen
(Babor et al., im Druck).
Literatur:
Babor T, Caetano R, Casswell S, Edwards G, Giesbrecht N,
Graham K, Grube J, Gruenewald P, Hill L, Holder H, Homel R, Österberg E, Rehm
J, Room R & Rossow I (im Druck). Alcohol: No Ordinary Commodity –
Research and Public Policy. Oxford: Oxford University Press.
Ezzati M, Lopez AD, Rodgers A, Vander Horn S, Murray CJL,
and the Comparative Risk Assessment Collaborating Group (2002). Selected
major risk factors and global and regional burden of disease. Lancet,
360:1347-1360.
RKI (Robert Koch Institut) (2002). Beiträge zur
Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Kosten alkoholassoziierter Krankheiten.
Schätzungen für Deutschland. Hrsg: Robert Koch-Institut, Berlin; Druck:
Mercedes-Druck, Berlin.
WHO (World Health Organization) (2002). World Health
Report 2002: reducing risks, promoting healthy life. Geneva: World Health
Organization.
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InhaltsverzeichnisEntwicklungen der schweizerischen Alkoholpolitik der letzten Jahre anhand von Leserbriefen Ihre Meinung interressiert uns Links zu Fachleuten und Institutionen Die Lobby-Arbeit der globalen Alkoholindustrie Dossiers: Suchtmittelwerbung; Alcopops; Absinth; WTO - GATS; Alkoholkonsum Jugendlicher; Alkohol und Verkehr / Drink Driving; Wein (Alkohol) sei (mässig genossen) gesund; Sport und Alkohol; Strukturelle Prävention; NPA (Nationales Programm Alkohol); botellón Projekt-Idee
Project in English
Herausgeber/Editor:Hermann T. Meyer, Projekte und Dienstleistungen, Lindenstr. 32, CH-8307
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