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Beilage:
Nach
zwei Jahrzehnten der Meldungen über wissenschaftliche Untersuchungen,
wonach mässiger Alkoholkonsum gut für die Gesundheit sei, häufen sich
nun die Studien, die dies relativieren oder ganz in Abrede stellen.
Ein wesentlicher Mangel der bisherigen Studien
besteht darin, dass sie mässig Alkohol Konsumierende vergleichen mit
Abstinenten. Wer sich mit der Alkoholfrage beschäftigt hat, wird leicht
verstehen, dass es nicht gleichgültig sein kann, ob mit lebenslang
Abstinenten oder mit ehemaligen Konsumenten, die z.B. seit einem Jahr
alkoholfrei leben, verglichen wird. Genau dies geschieht in der grossen
Mehrzahl solcher Studien.
Dazu kommt, dass die Alkoholindustrie ein beträchtliches
Interesse daran hat, mit ihren Getränken gesundheitliche Vorteile
verbinden zu können, was sie denn auch mit grossem Einsatz umgesetzt
hat. Ihr nicht zuletzt aus diesem Grunde gegründetes Institut in
Washington, ICAP, International Center for Alcohol Policies (www.icap.org)
ist wohl das Zentrum in diesem Bemühen. Bereits im Juni 2000 veröffentlichte
das ICAP den Bericht Nr. 8, "Who are the abstainers?" (Wer
sind die Abstinenten?) Darin wird sehr genau gezeigt, wie
unterschiedlich der Gesundheitszustand der nicht lebenslangen
Abstinenten sein kann. Ob sich gerade wegen dieses Berichts die
Untersuchungen über gesundheitliche Vorteile des Alkoholkonsums plötzlich
derart häuften?
Nicht nur das ICAP ist auf dem Gebiet der
Wissenschaft im Alkoholbereich tätig. Tausende Wissenschafter und
renommierte Institute sollen von der Alkoholindustrie mindestens
teilweise für Ihre Untersuchungen bezahlt worden sein, was die Glaubwürdigkeit
deren Resultate nicht gerade stärkt. Bekannt wurde kürzlich der Fall
des prominenten Forschers der Harvard Universität, USA, Meir Stampfer.
Er hörte auf, von Anheuser-Busch, dem grössten amerikanischen
Bierbrauer, gesponserte Vorträge über gesundheitliche Vorteile des
Bieres zu halten (bisher in Chicago und New York), nachdem das
Wallstreet Journal am 9.12.05 darüber berichtet hatte. Er fürchtete für
seinen Ruf, wenn die Presse noch mehr darüber berichtete. Die Universität
war mit $150'000 ebenfalls gesponsert. Auch in Zürich fand unter
der Ägide der Schweizer Bierbrauer am 27.4.05 ein ähnliches Seminar
statt, u.a. mit zwei ausländischen Referenten, die auch im Mai 06 an
einem gleichen Internationalen Komposium in Brüssel teilnehmen werden.
Bereits 1988 äusserte Dr. Gerry Shaper, GB Zweifel
an der Praxis, wie Abstinente mit Alkoholkonsumenten verglichen wurden.
Aus http://www.alkoholpolitik.ch/forschue/forsch61.htm 2.05.05
Forschungsergebnisse:
Im American Journal of Preventive
Medicine, May 2005 issue:
Wissenschafter der Centers for Desease Control and Prevention der
amerikanischen Regierung analysierten die Daten von 250'000 Amerikanern,
die an einer Telefonumfrage im Jahr 2003 teilgenommen hatten. Sie
fanden, dass die Vergleichsgruppe der Abstinenten viel mehr Risiken für
Herzkrankheiten aufwies, z.B. Übergewicht, Bewegungsmangel, hohen
Blutdruck und Diabetes, als die mässigen Alkoholkonsumenten.
Auf Grund dieser Ergebnisse konnte
die Agentur nicht sagen, dass mässiger Alkoholkonsum ein Faktor sei, um
das Herzkrankheit-Risiko zu vermindern.
Aus http://www.alkoholpolitik.ch/forschue/forsch76.htm am
6.9.05 Forschungsergebnisse:
Source/Quelle:
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Tages-Anzeiger/British
Journal of Social Psychology, Bd.43
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Authors/Verfasser:
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Prof. Adrian Bangerter, Arbeits- u. Organisationspsych., Universität
Neuenburg
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Theme/Thema:
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The Mozart effect:
Tracking the evolution of a scientific legend /
Der Mozart-Effekt: Der Evolution einer wissenschaftlichen Legende
nachspüren.
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Der
Begriff "Mozart-Effekt" beruht auf einer amerikanischen Studie
von Francine Rauscher und Gordon Shaw, die 1993 in "Nature"
veröffentlicht wurde. Das Ergebnis war: Der IQ von Collegestudenten
wurde kurzfristig erhöht, wenn sie 10 Minuten Mozart hörten. In der
Schweiz wurde darauf sogar versucht, mit Mozartmusik die Leistung von
Milchkühen zu verbessern. Obwohl die Autoren öffentlich klarstellten,
die Studie sei falsch interpretiert worden, hielt sich diese
wissenschaftliche Legende bis heute. Bangerter untersuchte nun, wie
solche Legenden entstehen und sich weiter entwickeln. Z.B. anhand des
"French Paradox". Die Amerikaner würden nun mehr Rotwein
trinken, um das Herzinfarkt-Risiko zu reduzieren.
Die
neuen Legenden hätten dann Chancen zu Volksweisheiten zu werden, wenn
sie auf ein Bedürfnis der Bevölkerung antworteten, die Medien dies
auszunützen verstünden und die Wirkung verstärkten.
Aus
http://www.alkoholpolitik.ch/forschue/forsch86.htm am
10.11.05 Forschungsergebnisse:
Alcohol
and Health: Current Evidence / Addiction. 2005;100(8):1150–1157
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Poikolainen K, Vahtera J,
Virtanen M, et al.
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Alcohol
and coronary heart disease risk–is there an unknown confounder?
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Abstinente und Herzkranzgefäss-Erkrankungen: Sind unbekannte
Risikofaktoren schuld?
Epidemiologische Studien haben
herausgefunden, dass Erkrankungen der Herzkranzgefässe (CHD) bei mässigen
Alkoholkonsumenten viel weniger vorkommen als bei Abstinenten. Um abzuklären,
ob unbekannte Risikofaktoren diese Ergebnisse erklären können, haben
Forscher in Finnland 1161 lebenslange Abstinente mit 27'311 mässigen
Alkoholkonsumenten (<6 Drinks pro Woche) verglichen. Die Analysen
wurden für mögliche Störfaktoren berichtigt. (z.B. Sex, Alter,
Einkommen)
- Von den 16 untersuchten möglichen
CHD-Risikofaktoren waren nur niedriger Körpermass-Index (BMI) und
geringe körperliche Betätigung in der Freizeit häufiger bei
Abstinenten als bei den mässig Konsumierenden.
- Fünf der Risikofaktoren (Rauchen,
Schlaflosigkeit, Angst, wenig berufliche Anerkennung, Schicksalsschläge)
kamen bei den Abstinenten weniger häufig vor.
Kommentar von Peter Friedmann, MD,
MPH:
Um den Alkoholkonsum als Grund für
weniger CHD bei leichten Konsumenten auszuschliessen, müsste ein
unbekannter Risikofaktor bei den Abstinenten viel häufiger auftreten
als bei den mässigen Konsumenten. Keiner der in der Studie untersuchten
16 CHD-Risikofaktoren hat dieses Kriterium erfüllt. Trotzdem bleibt die
Möglichkeit einer multifaktoriellen oder andern unbekannten Erklärung
bestehen.
Es sollte erwähnt werden, dass diese
Ergebnisse sich von denjenigen einer kürzlichen amerikanischen Studie
unterscheiden, vielleicht weil in dieser finnischen Studie die Gruppe
der Abstinenten lebenslange Abstinenten waren und nicht ehemalige
Alkoholiker, die aus gesundheitlichen Gründen abstinent wurden. Bei der
Fülle von Beobachtungs-Studien über das mässige Alkoholtrinken könnte
nur eine gut angelegte Untersuchung nach kontrolliertem Zufallsprinzip
mehr definitive Beweise liefern.
Kommentar von H.T. Meyer:
Es ist gut möglich, dass diese
Studie die Reaktion auf unsere Intervention auf eine frühere finnische
Studie ist, bei der mässiger Alkoholkonsum vorteilhafter abschnitt als
Abstinenz. Wir wiesen darauf hin, dass wahrscheinlich die
Abstinentengruppe mehrheitlich aus ehemaligen Alkoholikern mit körperlichen
Langzeitschäden bestand. Auch andere Krankheiten, z.B. Diabetes, können
ein Grund für eine abstinente Lebensweise sein. Eine Antwort erhielten
wir nicht.
Nun
wurden die Risikofaktoren in den beiden Gruppen verglichen, wobei
diesmal lebenslange Abstinente erfasst wurden. Wir erfahren nur, was man
sich ziemlich logisch selber denken könnte, wobei das weniger Rauchen
wahrscheinlich ins Gewicht fällt, vielleicht von der geringeren körperlichen
Betätigung aber wieder ausgeglichen wird. Welche Gruppe aber wirklich
mehr oder weniger CHD aufweist, erfahren wir nicht. Die Studie vernebelt
mehr als sie aufklärt. Es bräuchte Studien, die lebenslange Abstinente
mit willkürlich zusammengesetzer Abstinentengruppe vergleichen, wobei
in jedem Land die Verhältnisse anders sein können, d.h. der Anteil der
lebenslang Abstinenten in der Gesamtzahl der Abstinenten. Dazu Studien,
die lebenslange, nicht wegen einer Krankheit motivierte, Abstinenten mit
den mässigen Alkoholkonsumenten betreffend ihre CHD-Häufigkeit
vergleichen. Eigentlich kann nur diese letztere Untersuchung
interessieren.
Aus
http://www.alkoholpolitik.ch/forschue/forsch89.htm am
08.12.05 Forschungsergebnisse:
Join
Together, 12/05/05 / CNN, 12/02/05/ The Lancet, 12/05/05
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Rod Jackson and
colleagues from the University of Auckland in New Zealand
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Study:
Alcohol Health Risks Outweigh Benefits / Alkohol-Risiken übertreffen
Nutzen.
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Von
Join Together (Übersetzung H.T. Meyer):
"Verwirrte
Forschung" könnte hinter der populären Theorie stecken, dass
leichter bis mässiger Alkoholkonsum gut sei für die Gesundheit der
Herzkranzgefässe. Dies die Meinung von Forschern, die sagen, dass alle
gesundheitlichen Vorteile eines solchen Konsums wahrscheinlich von
dessen Risiken übertroffen werden.
CNN
berichtete am 2.12.05, dass eine Studie von Rod Jackson und Kollegen der
Universität von Auckland, Neuseeland zum Schluss kam, dass „eine
Schutzwirkung für die Herzkranzgefässe durch leichten bis mässigen
Alkoholkonsum sehr klein sein wird.“
Die
Forscher sagten, dass starke Trinker den grössten Schutz für ihr Herz
durch das Trinken erhielten – Untersuchungen bei toten Alkoholikern
fanden, dass viele klare, saubere Arterien hatten – aber bei grossen
Kosten für ihre übrige Gesundheit.
Eine
Anzahl Studien seit den 1970er-Jahren haben auf gesundheitliche Vorteile
für das Herz durch mässigen Alkoholkonsum hingewiesen. Aber Jackson
bezweifelte die Gültigkeit der nicht nach dem Zufallsprinzip durchgeführten
Studien, weil mögliche mildernde Faktoren nicht berücksichtigt waren.
“Während mässiges bis starkes Trinken vielleicht schützend für das
Herz wirkt, wird jeder Gewinn durch die bekannten Schäden übertroffen,“
sagt die Studie. „Wenn dem so ist, ist die Botschaft für die öffentliche
Gesundheit klar. Schliesse nicht, dass es ein Fenster gibt, in dem die
Gesundheitsvorteile durch Alkohol grösser sind als die Schäden.“
Kommentar:
Es berührt einen eigenartig,
aus Forschermund von "verwirrter Forschung" zu hören. Ob
damit bezahlte, absichtlich verwirrende Lobbyisten-Forschung gemeint
ist? Wir werden ziemlich sicher vergeblich darauf warten, dass diese
Untersuchung in unseren Medien grosses Echo findet.
Ich
verzichte darauf, weitere Hinweise zu Untersuchungen zu geben, die
ebenfalls Zweifel an den Ergebnissen betr. gesundheitlichen Vorteilen
hervorrufen, es sind solche ebenfalls auf meiner Webseite einsehbar. Die
neueste Studie, die entsprechend auch ein weltweites Echo ausgelöst
hat, sollte nun die letzten Skeptiker überzeugen:
Aus:
http://www.alkoholpolitik.ch/forschue/forsc117.htm
am 3l.3.2006
World
Health News / Los Angeles Times online / Addiction Research and
Theory /
Medical News Today / Join Together
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Kaye Middleton Fillmore A1,
William C. Kerr A2, Tim Stockwell A3, Tanya
Chikritzhs A4,
lan Bostrom A5:
A1 Department of Social and Behavioral Sciences,
University of California, San Francisco,
Box 0612, San Francisco, CA 94148-0612
A2 Alcohol Research Group, 2000 Hearst Avenue,
Suite 300, Berkeley, California 94709-2130
A3 Centre for Addictions Research of British
Columbia, University of Victoria, PO Box
1700 STN CSC, Victoria, BC V8W 2Y2, Canada
A4 National Drug Research Institute, Curtin
University, GPO Box U1987, Perth WA 6845,
Australia
A5 Department of Epidemology and Biostatistics,
University of California, San Francisco,
Box 0840, San Francisco, CA
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Moderate alcohol use
and reduced mortality risk: Systematic error in prospective
studies
Mässiger Alkoholkonsum und vermidertes Todesfallrisiko:
Systematische Fehler in
prospektiven Studien
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Übersetzung von H.T. Meyer:
"Eine Studie schlägt einen
Zapfen in den Glauben, dass ein bisschen Wein dem Herzen helfe"
Thomas
H. Maugh II, (Los Angeles Times, Mar. 30, 2006)
"Wenn du glaubst, ein Glas Wein
am Abend ist gut für dein Herz, überleg nochmals. Der lange gehegte
Glaube, dass mässiger Alkoholkonsum dein Risiko für Herzinfarkt oder
Tod verringere, basiert auf falschen Daten und ist höchstwahrscheinlich
falsch, gemäss einer heute veröffentlichten Studie."
Zusammenfassung:
Die Mehrheit der prospektiven Studien
über Alkoholkonsum und tödlichen Risiken zeigen, dass Abstinente ein
grösseres Todesfallrisiko haben sowohl von allen Ursachen wie auch von
Herzkranzkrankheiten (CHD). Diese Meta-Analyse von 54 publizierten
Studien untersuchte das Ausmass in welchem ein systematisch
falschklassifizierender Irrtum begangen wurde, indem als
"Abstinente" viele Menschen bezeichnet und eingeschlossen
wurden, die den Alkoholkonsum eingeschränkt oder gestoppt hatten, ein
Phänomen, das mit dem Altern oder mit Krankheit im Zusammenhang steht.
Die Studien, die als fehlerfrei beurteilt wurden, fanden keinen
signifikanten Schutz für alle Ursachen oder für die Herzkrankheiten,
was nahe legt, dass der Schutz bei Herzkrankheiten, der von Alkohol gewährt
wird, wahrscheinlich überschätzt wurde. Schätzungen der Todesfälle
durch starken Alkoholkonsum könnten ebenfalls höher sein als bisher
geschätzt.
Effretikon, 4.4.2006/ Hermann T.
Meyer
PS
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Copyrights Beachtung zu schenken. Meine Texte sind frei verwendbar. |