Interventionen

12.07.2007

Inhalt:

 

UBI
Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen
VPB Bundeskanzlei
3000 Bern

 

Beschwerde betr. Fernsehsendung „Kassensturz“ vom 12. Juni 2007

Sehr geehrte Damen und Herren,

Nachdem die Ombudsstelle DRS meine diesbezügliche Beschwerde abgewiesen hat, gelange ich an Sie mit der Bitte, deren Berechtigung abzuklären. 

Betr. gesetzliche Voraussetzungen für eine Beschwerde.

Art. 94a: Da dieser Beschwerde eine solche bei der Ombudsstelle vorausgegangen ist, bin ich der Meinung, diese Bedingung zu erfüllen.

Art. 94b: Meine enge Beziehung zum Gegenstand der beanstandeten Sendung sollte eigentlich durch meine fachliche Beschäftigung mit dem Thema, u.a. mit meiner Webseite www.alkoholpolitik.ch, genügend ausgewiesen sein. Neben dem Bundesamt für Gesundheit, der Eidg. Alkoholverwaltung und der Schweiz. Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme habe ich wahrscheinlich die engste Beziehung zum Gegenstand der beanstandeten Sendung. Dazu käme meine persönliche Betroffenheit als Kind eines Alkoholabhängigen, als Vater, Reallehrer, Christ, Bürger, Prämien- und Steuerzahler (inzwischen mehrere zehntausend Franken an die Sozialkosten beigetragen). Sollte Ihnen das nicht genügen, finden Sie beiliegend die nötigen 20 Unterschriften.

Die Beschwerde ist wie folgt gegliedert:

1.      Meine Beschwerde an die Ombudsstelle DRS vom 15.6.07 als beigelegte Kopie

2.      Der Schlussbericht von Achille Casanova, Ombudsstelle DRS vom 5.7.07 (als Fotokopie beigelegt)

3.      Meine Stellungnahme zu den im Schlussbericht der Ombudsstelle gebrachten Argumenten

4.      Zusätzliche Begründung meiner Beschwerde

 

1. Meine Beschwerde an die Ombudsstelle DRS als beigelegte Kopie

Da der Ombudsmann meine Beschwerde nur unzulänglich beantwortet hat, halte ich die Formulierungen auch für diese Beschwerde aufrecht.

2. Die Antwort von Achille Casanova, Ombudsstelle DRS (als Fotokopie beigelegt)

3. Meine Stellungnahme zu den im Schlussbericht der Ombudsstelle gebrachten Argumenten

Herr Wolfgang
Wettstein SF
Meine Gegenargumente
Abschnitte:

2.3

Nach dem BAKOM geht es also darum, dass die Information gegen die Werbewirkung abgewogen wird. Die Information muss überwiegen.

Werbung, wie sie die Werbewirtschaft versteht, besteht aber zum grossen Teil aus Information. Mit diesem Anspruch haben die beiden Volksinitiativen zur Einschränkung der Alkohol- und Tabakwerbung bekämpft. D.h. Information ist fast die ganze Werbung. Wie soll denn da ein Unterschied zwischen Information=Werbung und Werbewirkung hergestellt werden können? Anderseits finde ich es sehr relevant, die Werbewirkung von Werbemassnahmen als Massstab ihrer Zulässigkeit  zu vergleichen.

  Dass keine Bezahlung erfolgte, bezweifle ich nicht. Es gibt andere Möglichkeiten, sich erkenntlich zu zeigen, die nur schwer nachweisbar sind. Wie im Fall der Sendung „Start-up“.
2.4 Informationsgehalt im Vordergrund, d.h. Information=Werbung. Ein Werbeeffekt wird zugegeben. Dass er nicht das Ziel war, ist völlig irrelevant. Der Werbeeffekt betrifft nicht nur ein Produkt, sondern die ganze Gattung dieser Getränke. Schon der Name, die Etikette, oder die Flaschenform wirken als Werbebotschaft und werden bei Untersuchungen über die Wirksamkeit einer Werbekampagne akribisch unterschieden, festgehalten und können über deren Erfolg und über weitere Aufträge entscheiden. Es gibt bekanntlich Hitparaden der bekanntesten Markenlogos oder Flaschenformen, z.B. Coca Cola.

Der Nutzwert der Tests für den Zuschauer wie für den Hersteller und dessen Werber und Vertreiber wird zugegeben. Dieser Nutzwert ist der Werbeeffekt, die Werbewirkung. Dass der Kassensturz diese Vergleichstests sei 30 Jahren betreibt, ist mir bekannt, ich bin ein treuer Kunde dieser sonst guten Sendung.

Das Problem ist nur, dass er keinen Unterschied zwischen „normalen Produkten“ und solchen, für die ein Werbeverbot besteht, macht.

2.5 Diese Behauptung ist absurd. Unbezahlte Schleichwerbung ist praktisch nur denkbar für Produkte, für die ein Werbeverbot besteht. Bei normalen Produkten sorgt die Konkurrenz dafür, dass keine Schleichwerbung vorkommt, da ist es einfacher, einen bezahlten Werbespot zu schalten. Ein aktuelles Beispiel ist die Sendung „Start-up“ des Schweizer Fernsehens. Da wehrt sich ein Konkurrent gegen unlauteren Wettbewerb, nicht weil es um Alkohol ging. Bei Alkoholsendungen rührt sich die Konkurrenz normalerweise nicht, weil sie bisher leider immer damit rechnen konnte, dass ihr Produkt auch einmal von dieser Sendung – oder von andern - profitieren würde.
2.6 Darin stimme ich mit Herrn Wettstein völlig überein. Sie werben, wie er richtig bemerkt, für Alkohol und sollten deshalb verboten werden. Beschwerden laufen aus diesem Grunde auch.
2.7 Der sog. Champagner-Entscheid ist mir bekannt. Darauf stützen sich alle Programmverantwortlichen. Dazu möchte ich sagen, dass sogar das Bundesgericht erst kürzlich von einem früheren Urteil abgewichen ist und neue Massstäbe gesetzt hat. Neue Zeiten verlangen ab und zu auch neue Überlegungen und Entscheide. Auch die UBI sollte sich da nicht ausnehmen und gerade dieses Problem neu überprüfen. Ich bemühe mich, dazu die nötigen Anstösse und Unterlagen zu liefern.

 

3.1 Dass es keine Eigenproduktion von „Kassensturz“ war, ist für mich nicht wichtig. Es zeigt höchstens, dass auch der Kassensturz nicht immer mit offenen Karten spielt.
3.6 Dass Sie und die Ombudsstelle für die unbezahlte Schleichwerbung zuständig sind, habe ich inzwischen verstanden.

Der Ombudsmann schreibt, redaktionelle Sendungen dürften nicht als Werbeplattform missbraucht werden. Genau darum geht es hier. Es war eine Werbeplattform.

3.7 Weiter erwähnt er die durch die Bundesverfassung gewährleistete Programmautonomie des Veranstalters. Es sei kein Thema denkbar, das einer Behandlung oder einer kritischen Erörterung in den elektronischen Medien entzogen ist.  Die Kassensturz-Sendung sei deshalb legitim. Dazu ist immerhin zu bemerken, dass diese Programmautonomie auch ihre Grenzen hat: Z.B. die Beachtung der Sittlichkeit, die Achtung der Menschenrechte, der Menschenwürde, der religiösen Gefühle, usw.  Erst kürzlich wurden Bilder in der Tagesschau nicht gezeigt, weil sie zu schockierend waren. Die Programmautonomie ist also kein unbegrenzter Freibrief.

Im Gegensatz zum Ombudsmann bin ich der klaren Meinung, dass eine fünfminütige, breitangelegte Sendung mit alkoholischen Getränken, in der Kaufanreize mittels ausführlichen Geschmacks- und Preisvergleichen, mit den entsprechenden Markennamen und den Bildern der entsprechenden Flaschen und Etiketten geboten werden, zu einer der besten Sendezeiten, mit einer der höchsten Zuschauerquoten, als ausgesprochen werbewirksame Sendung bezeichnet werden kann. Vergleicht man mit einer fünfminütigen Werbespotsendung zur besten Sendezeit, wäre eine solche wahrscheinlich von den Kosten her gesehen unrealistisch, da viel zu teuer. Die Kassensturzsendung bietet mit attraktiver Handlung, mit beliebtem Moderator, eine ungleich wirksamere und erst noch kostenlose Werbung. Dazu kommt noch die schriftliche, bebilderte Darstellung im K-tipp und auf der Webseite des Schweizer Fernsehens, womit die Werbung einen bleibenden Eindruck hinterlassen und im Falle eines Kaufes zur Entscheidung beigezogen werden kann.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Sendung zu einer Zeit läuft, während der bei der hohen Einschaltquote damit gerechnet werden muss, dass vielerorts die ganze Familie mit den Kindern zuschaut. Kinder und Jugendliche nehmen Werbesendungen bekanntlich sehr nachhaltig auf, was gerade bei Alkohol sehr unerwünscht ist.

3.8 Die Definition von unerlaubter Schleichwerbung durch die UBI ermöglicht stundenlange Werbesendungen für Alkohol und Tabak. Dabei sind die wirksamsten Werbebotschaften die einfachen und klaren Informationen, die sich im Unterbewusstsein des Zuschauers einprägen und die auch bei den Erfolgsevaluationen von Werbekampagnen abgefragt werden. Z. B. wie viele Zuschauer können sich spontan an gewisse Bilder oder Namen erinnern. Da verbietet es sich geradezu, viele zusätzliche, nicht erforderliche Bilder und Aussagen einzuflechten, die vom Wesentlichen nur ablenken könnten.
3.9 Ein indirekter Werbeeffekt sei nicht auszuschliessen. Im Gegenteil: Es liegen direkte Werbeeffekte vor. Wenn Grundlagen für einen individuellen Kaufentscheid geliefert werden, die sonst nicht erhältlich sind, ist dies eine Werbeanstrengung. Im Falle des „Kassensturzes“ sogar eine mit grosser Wirkung. Dies ist auch daraus zu ersehen, dass diese Tests von den Produzenten gefürchtet werden, weil sie bei negativen Resultaten für ihre Produkte mit schmerzlichen finanziellen Folgen rechnen müssen. Oft reagieren sie noch vor der Sendung mit Statements, wie sie das schwache Resultat erklären oder beheben. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Werbung via „Kassensturz“ das Kaufverhalten der Zuschauer stark beeinflusst. Das ist bei alkoholischen Getränken nicht anders als bei „normalen Produkten.“
3.10 Wir haben oben dargelegt, dass die Sendung im Gegenteil starke Konsumanreize geboten hat. Die Erwähnung am Schluss, dass bereits für wenig Geld ein sehr guter Wein erhältlich sei, setzt noch die Schlusspointe, oder bringt das Fass zum Überlaufen. Besonders Junge oder wenig Verdienende sind natürlich dankbar für derartige Hinweise. Warum nicht das nächste Mal ausprobieren? Die Weinlobby wäre froh, denn das Lieblingsgetränk der Jungen ist immer noch das Bier.

4.  Zusätzliche Begründung meiner Beschwerde:

Der Gesetzgeber unterscheidet bei der Werbung zwei Hauptgruppen:

a)      Werbung für normale Produkte und Dienstleistungen

b)      Werbung mit Gefährdungspotential für die Bevölkerung, wie Alkohol, Tabak, rezept­pflichtige Medikamente, für die er deshalb ein Werbeverbot erlassen hat.

Ihre Behandlung von Beschwerden hat diesem Umstand bisher nicht oder nicht genügend Rechnung getragen. Seit Ihrem Champagner-Degustations-Entscheid ist der Jugendalkoho­lismus stetig im Steigen begriffen. Sie Situation hat sich gerade in jüngster Zeit mit dem Auf­kommen des Rauschtrinkens bis zur Bewusstlosigkeit dramatisch verschlechtert. Mit ein Grund dafür ist die Anstrengung der Alkoholindustrie, nach den Frauen auch die Jugend als Konsumenten zu gewinnen. (Süsse Mixgetränke mit Bier, Wein oder Schnaps, Alcopops) Die Massenmedien, vereint mit der Werbebranche haben sie dabei mit Lifestyl-Artikeln und –Sendungen, Berufsbildern, Absinthwerbeprogrammen, Artikel und Programme mit Werbung für Weingebiete, Werbe­spots am Fernsehen für alkoholfreies Bier, welche die gleichen grafischen Auftritte zeigten wie diejenigen für alkoholisches Bier (wurden inzwischen nach langer Zeit verboten), Kassensturz-Sendungen mit Champagner- Bier- und Wein-Degustation, usw. kräftig unterstützt.

Bis in die jüngste Zeit haben Behörden und die Medien den Zusammenhang zwischen dem Rauschtrinken, der Jugendgewalt und dem Zustand der Gesellschaft tabuisiert, verschwiegen. Nun hat der Tages-Anzeiger erstmals Klartext geschrieben.

Auszug aus meiner Webseite: Homepage, Neueste Zitate:

(03.07.07) Jean-Martin Büttner im Tages-Anzeiger: "Der Rausch auf dem Felde". Ein Bericht über das St. Galler Openair mit neuen Tönen.  (Leider nicht online)

"Wer sich also über das Alkoholproblem junger Rauschtrinker empört, sollte sich erst mal den Widerspruch zwischen Markt und Gesundheit eingestehen. Und dann versuchen, den unsteten Gestalten auf dem Gelände diesen Widerspruch zu erklären."

"Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Alkoholindustrie der einzige Dealer auf dem Platz wäre." 

Kommentar: Man kann für unser Land nur hoffen, dass dies eine Trendwende und keine Eintagsfliege beim Tages-Anzeiger ist. Im ersten Zitat wird seit langem erstmals die gesellschaftliche Relevanz des Alkoholproblems angedeutet. Und gezeigt, wie unglaubwürdig und damit erfolglos die heutige Erwachsenenwelt ist, wenn sie Alkoholprävention für Jugendliche betreibt. (Siehe Zitat auf dieser Seite zuoberst.) Im zweiten Zitat nimmt der Autor Bezug auf den Hasch-Konsum am Open Air, der die Konsumenten beruhigt. Dabei nennt er die Alkoholindustrie "Dealer". Wo hat man schon je so was gelesen, wo sich sogar Gesundheits-Fachleute aus taktischen Gründen kaum getrauen, Alkohol als Droge zu bezeichnen, aus Angst, man könnte Leute vor den Kopf stossen! Dem Autor gebührt grossen Dank und Anerkennung.

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(08.07.2007) Rolf Weilenmann, Leiter des Jugenddienstes der Kantonspolizei Zürich, im Interview mit dem Tages-Anzeiger, 7.7.07 mit dem fetten Titel: "Der Alkohol ist das grösste Probblem der Jugendlichen": (Leider nicht online)

"Meiner Meinung nach ist der Alkohol das Hauptproblem der Jugendlichen - aber auch hier lautet meine Devise: Vorsicht vor Pauschalurteilen. Die Jugend ist das Spiegelbild der Erwachsenenwelt, denn sie kopiert diese. Man sollte vielleicht auch nachfragen, was mit der Gesellschaft eigentlich nicht stimmt, bevor man die auffälligen Jugendlichen pauschal verurteilt."

Kommentar: Nun hat der Tages-Anzeiger die Wende wahrscheinlich endgültig vollzogen. Nach dem starken Artikel von J.-M. Büttner "Der Rausch auf dem Felde" vom 3.7.07 und unserem veröffentlichten Leserbrief kommt nun der dritte Artikel mit klarem Bezug auf das Alkoholproblem der Jugendlichen und die Verantwortung der Gesellschaft, wie wir das seit langem stipuliert haben. Jetzt hätten die Politiker vor den Wahlen Gelegenheit, den Ball aufzunehmen und zu ihrem Standpunkt zu stehen. Die meisten werden das heisse Eisen aber wie bisher nicht anfassen, dabei wären hier Lorbeeren zu gewinnen. (Allerdings mit hohem Risiko!)


Die WHO-Veröffentlichung „Alkohol und Massenmedien zeigt deutlich, warum die seit ca 1992 einsetzende staatliche Prävention bei Jugendlichen keine Chance hat: Das Umfeld, die gesellschaftliche Wirklichkeit, sendet zur Prävention diametral entgegengesetzte Botschaften aus, welche die Prävention unglaubwürdig und damit unwirksam machen.

(Zitat auf meiner Homepage www.alkoholpolitik.ch):

„Etwas vom Grundlegendsten zu unserem Thema fanden wir in "Alkohol und Massenmedien" (Regionale Veröffentlichungen der WHO/Europäische Schriftenreihe Nr. 62, 1998) (Von der WHO autorisiertes Zitat)

(Seite 2) "Aus den bisherigen Berichten zur Forschungslage lässt sich allgemein schliessen, dass Alkoholaufklärung zwar aufklärt, Aufklärung allein aber nur selten das Verhalten beeinflusst."

(Seiten 4/5) "Alkoholaufklärung hat u.a. nur deshalb begrenzten Erfolg, weil sie gegen einen Schwall von Botschaften ankämpfen muss, die den Alkoholkonsum fördern. Die primäre Quelle alkoholpositiver Botschaften ist die gesellschaftliche Wirklichkeit, sind die verbreitete und sichtbare Verfügbarkeit alkoholischer Getränke sowie die Allgegenwärtigkeit und die Akzeptanz des Alkohols in unterschiedlichsten Alltagssituationen und Zusammenhängen. Wie sich die Menschen zu gesundheitsbezogenen Themen stellen, wird tendenziell stärker durch Erfahrungen als durch Information bestimmt. Oft machen persönliche Erfahrungen der gesellschaftlichen Normen und Verhaltensweisen die weisen Ratschläge der Alkoholaufklärung unglaubwürdig."

Bei der Revision des RTVG-Gesetzes hat der Gesetzgeber diesem Umstand wenigstens bei den staatlichen Radio- und Fernsehgesellschaften Rechnung getragen. Die Programmver­antwortlichen sollten diesen Willen des Gesetzgebers respektieren und Schleichwerbung für Alkohol unterlassen.

Über die Wirksamkeit von Filmen gibt es inzwischen mehrere Untersuchungen:

Auszug aus meiner Webseite: Forschungsergebnisse / Research results

22.06.2007  (forsc185.htm)  

Source/Quelle JAMA & Archives Journals Chicago, IL  USA, International Journal of Epidemiology
Authors/Verfasser: Reiner Hanewinkel1,*, Susanne E Tanski2 and James D Sargent2 1Institute for Therapy and Health Research, Kiel, Germany.
2Dartmouth Medical School, Cancer Control Research Program, Norris Cotton Cancer Center, Lebanon, NH 03756, USA.
Theme/Thema: Exposure to alcohol use in motion pictures and teen drinking in Germany / Die Wirkung des Alkoholkonsums in Kinofilmen auf den Alkoholkonsum der Jugendlichen in Deutschland.

Link to    International Journal of Epidemiology, doi:10.1093/ije/dym128   Abstract
 

Übersetzung H.T. Meyer: Hintergrund: Herausfinden, ob das Betrachten von Alkoholszenen in Kinofilmen einen Zusammenhang hat mit dem Alkoholkonsum in der frühen Jugend.

Folgerung: Diese Studie zeigt eine Verbindung zwischen dem Betrachten von Alkoholszenen in US-Kinofilmen und dem Alkoholkonsum ohne Wissen der Eltern in Deutschland, und es ist die erste Studie, die das Filmesehen mit Rauschtrinken in Verbindung bringt. Da US-Filme international vertrieben werden, kann das in ihnen gezeigte Verhalten Jugendliche ausserhalb des Herstellerlandes beeinflussen.

und Auszug aus Forschung/Research auf der erwähnten Webseite:

12.05.2007 Youth Drinking Influenced by Advertising, Rand Study Says
Middle-school children exposed to high levels of alcohol advertising and marketing are 50 percent more likely to drink and 36 percent more likely to intend to drink than peers who were exposed to few ads, according to new research.
Join Together, 4.5.07
 

und:

19.05.2006  (forsc124.htm)

Source/Quelle Join Together / Australian Associated Press
Authors/Verfasser: Hasantha Gunasekera, paediatrician, University of Sydney
Theme/Thema: Study Tracks Alcohol, Other Drug Use in Movies / Eine Studie auf den Spuren von Alkohol- und anderem Drogenkonsum in Kinofilmen


Link to
Join Together, 5/16/06

 

Link to Australian Associated Press,  May 15, 2006

 

 

Study Tracks Alcohol, Other Drug Use in Movies  (Join Together)

Übersetzung  von H.T. Meyer Eine Studie über die populärsten Kinofilme der letzten 20 Jahre zeigte, dass viele Darstellungen von Alkohol- und anderem Drogenkonsum enthielten und dass die meisten von ihnen dazu neigten, die negativen Konsequenzen zu ignorieren.

Forscher der Universität Sidney in Australien fanden, dass in 68% der Filme die Schauspieler rauchten, 32% der Filme schilderten Alkoholkonsum, 8% zeigten Marijuana-Konsum und 7% enthielten Szenen mit Drogenkonsum ohne Spritzen. Die meisten zeigten Alkohol- Tabak- und andern Drogenkonsum in einem positiven Licht, sagten die Autoren.

"Wir wissen, wie empfänglich besonders Jugendliche für Einflüsse sind", sagte der leitende Autor Hasantha Gunasekera. "Deshalb geben Tabakfirmen Millionen von Dollars aus ... nur um ihr Produkt in einem Ein-Sekunden-Spot in einem Film zu platzieren. Ich denke, es ist lächerlich anzunehmen, dass dies keinen Einfluss auf das Verhalten habe."

"Ich sage nicht, dass kein Sex oder Drogen in Filmen sein sollte", fügte er an. "Wir wollen, dass Filme das Leben widerspiegeln, aber wenn es eine Reflexion des Lebens ist, dann haben die Menschen Konsequenzen zu tragen, wenn sie Drogen nehmen. Es gibt Überdosen ... Warum werden die wahren Schilderungen und die wahren Konsequenzen, wenn sie Drogen nehmen nicht richtig gezeigt und dann können die Leute ihre eigene Meinung bilden, was sie tun wollen."

und:

10.01.2006  (forsch96.htm) 

Source/Quelle:

Medical News Today, www.medicalnewstoday.com / Journal of Studies
on Alcohol, Jan.06

Authors/Verfasser:

Dr. James Sargent, professor of pediatrics at Dartmouth Medical School
(DMS); Co-authors of the study include Dr. Thomas Wills (Albert Einstein
 College of Medicine), Dr. Mike Stoolmiller (University of Oregon),
Dr. Fredrick Gibbons (Iowa State University), and Jennifer Gibson (Norris
Cotton Cancer Center).

Theme/Thema:

Alcohol Influence In Films - Can Predispose Younger Teens To Experiment
With Alcohol / Alkohol Einfluss in Filmen - kann Jugendliche anfällig machen,
mit Alkohol zu experimentieren.

This study was sponsored by the National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA) and grants from the National Cancer Institute, and the National Institute on Drug Abuse.

 

Link to Journal of Studies on Alcohol  (Subscribers only)
 

Link to Medical News Today, 14.01.2006 (Article)

 

 

Seeing movies that feature characters drinking alcohol can predispose young adolescents to experiment with alcohol at an early age, concludes a study led by Dartmouth Medical School (DMS) researchers. It is the first research study to measure the influence of alcohol use in movies and, using data from more than 600 films and 5,000 students, found that movies play a significant role in an adolescent's decision to drink at a young age.

Deutsche Übersetzung von H.T. Meyer  

Jugendliche, die Filme sehen, in denen Schauspieler Alkohol konsumieren, können anfällig werden, in jungen Jahren mit Alkohol zu experimentieren, dies das Ergebnis einer Studie unter Leitung von Forschern der Dartmouth Medical School (DMS). Es ist die erste Untersuchung, die den Einfluss des Alkoholgebrauchs in Filmen misst. Nach Überprüfung der Daten von mehr als 600 Filmen und 5000 Studenten (Schülern) kommt sie zum Schluss, dass Filme eine signifikante Rolle beim Entschluss eines Jugendlichen spielen, in jungen Jahren Alkohol zu konsumieren.

(Zitat-Ende)

Diese und andere Studien beweisen, dass Jugendliche beeinflussbar sind. Auch dass in Filmen, die ja im Fernsehen ebenfalls gesendet werden, eine Menge Szenen mit Alkoholkonsum vorkommen, ohne dass auf die negativen Seiten des Konsums aufmerksam gemacht wird.
Es genügt, dass die Zuschauer und Hörer in vielen Programmen dieser Werbung ausgesetzt sind, es braucht nicht noch zusätzliche Produktionen, die als Schleichwerbung bezeichnet werden können.

Die Aufgabe der UBI ist es meiner Meinung nach, den Gesetzgeber zu unterstützen, dem Gesetz deutlich Nachachtung zu verschaffen und nicht Schlupflöcher für seine Umgehung anzubieten. Falls die dazugehörenden Verordnungen nicht klar genug sind, um Fehlinterpretationen auszuschliessen, sollten sie angepasst werden. Und bis dann haben Sie hiermit eine Gelegenheit, die Gewichte neu zu verteilen.

Ich hoffe, dass Sie die Angelegenheit ihrer Bedeutung entsprechend ernsthaft prüfen werden und danke Ihnen zum voraus bestens dafür.

Mit freundlichen Grüsse

Hermann T. Meyer

 

PS  Am 3.7.07 sendete das Schweizer Fernsehen in „Schweiz aktuell“ etwa 5 Minuten über einen Schweizer Whisky-Brenner, der sein Produkt mit allen möglichen Attributen rühmen konnte. (unheimlich mild, nussig, „sherryg“, sehr gut) Die alte Masche. Ich werde dagegen keine Beschwerde einreichen und erst einmal abwarten, wie Sie in den bisherigen Fällen entscheiden.

 

Beilagen:        - Kopie meiner Beschwerde an die Ombudsstelle

                    - Kopie des Entscheids der Ombudsstelle

                    - Liste mit 20 Unterschriften

                    - Kopie aus dem K-tipp Nr. 12 vom 20. Juni 2007

 

 

Beschwerde bei der Umbudsstelle für Radio und Fernsehen

Entscheid der Ombudsstelle

Beschwerde bei der UBI - Unabhängige Beschwerde Instanz für Radio und Fernsehen (siehe oben)

Stellungnahme der Beschwerdegegnerin Schweizer Fernsehen, vertreten durch ihren Anwalt

Begründung der Ablehnung der Beschwerde durch die UBI  (ausstehend)

 

 

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Stand: 30.12.2008