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UBI
Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen
VPB Bundeskanzlei
3000 Bern
Beschwerde betr. Fernsehsendung „Kassensturz“ vom 12. Juni 2007
Sehr geehrte Damen und Herren,
Nachdem die Ombudsstelle DRS meine diesbezügliche Beschwerde
abgewiesen hat, gelange ich an Sie mit der Bitte, deren Berechtigung
abzuklären.
Betr. gesetzliche Voraussetzungen für eine Beschwerde.
Art. 94a: Da dieser Beschwerde eine solche bei der Ombudsstelle
vorausgegangen ist, bin ich der Meinung, diese Bedingung zu erfüllen.
Art. 94b: Meine enge Beziehung zum Gegenstand der beanstandeten
Sendung sollte eigentlich durch meine fachliche Beschäftigung mit dem
Thema, u.a. mit meiner Webseite
www.alkoholpolitik.ch, genügend ausgewiesen sein. Neben dem
Bundesamt für Gesundheit, der Eidg. Alkoholverwaltung und der Schweiz.
Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme habe ich
wahrscheinlich die engste Beziehung zum Gegenstand der beanstandeten
Sendung. Dazu käme meine persönliche Betroffenheit als Kind eines
Alkoholabhängigen, als Vater, Reallehrer, Christ, Bürger, Prämien- und
Steuerzahler (inzwischen mehrere zehntausend Franken an die Sozialkosten
beigetragen). Sollte Ihnen das nicht genügen, finden Sie beiliegend die
nötigen 20 Unterschriften.
Die Beschwerde ist wie folgt gegliedert:
1.
Meine Beschwerde an die
Ombudsstelle DRS vom 15.6.07 als beigelegte Kopie
2.
Der Schlussbericht von Achille
Casanova, Ombudsstelle DRS vom 5.7.07 (als Fotokopie beigelegt)
3.
Meine Stellungnahme zu den im
Schlussbericht der Ombudsstelle gebrachten Argumenten
4.
Zusätzliche Begründung meiner
Beschwerde
1. Meine Beschwerde an die Ombudsstelle DRS als beigelegte Kopie
Da der Ombudsmann meine Beschwerde nur unzulänglich beantwortet hat,
halte ich die Formulierungen auch für diese Beschwerde aufrecht.
2. Die Antwort von Achille Casanova, Ombudsstelle DRS (als
Fotokopie beigelegt)
3. Meine Stellungnahme zu den im Schlussbericht der Ombudsstelle
gebrachten Argumenten
Herr Wolfgang
Wettstein SF |
Meine
Gegenargumente |
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Abschnitte:
2.3 |
Nach dem BAKOM
geht es also darum, dass die Information gegen die Werbewirkung
abgewogen wird. Die Information muss überwiegen.
Werbung, wie sie
die Werbewirtschaft versteht, besteht aber zum grossen Teil aus
Information. Mit diesem Anspruch haben die beiden
Volksinitiativen zur Einschränkung der Alkohol- und Tabakwerbung
bekämpft. D.h. Information ist fast die ganze Werbung. Wie soll
denn da ein Unterschied zwischen Information=Werbung und
Werbewirkung hergestellt werden können? Anderseits finde ich es
sehr relevant, die Werbewirkung von Werbemassnahmen als Massstab
ihrer Zulässigkeit zu vergleichen. |
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Dass keine
Bezahlung erfolgte, bezweifle ich nicht. Es gibt andere
Möglichkeiten, sich erkenntlich zu zeigen, die nur schwer
nachweisbar sind. Wie im Fall der Sendung „Start-up“. |
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2.4 |
Informationsgehalt im Vordergrund, d.h. Information=Werbung. Ein
Werbeeffekt wird zugegeben. Dass er nicht das Ziel war, ist
völlig irrelevant. Der Werbeeffekt betrifft nicht nur ein
Produkt, sondern die ganze Gattung dieser Getränke. Schon der
Name, die Etikette, oder die Flaschenform wirken als
Werbebotschaft und werden bei Untersuchungen über die
Wirksamkeit einer Werbekampagne akribisch unterschieden,
festgehalten und können über deren Erfolg und über weitere
Aufträge entscheiden. Es gibt bekanntlich Hitparaden der
bekanntesten Markenlogos oder Flaschenformen, z.B. Coca Cola.
Der Nutzwert
der Tests für den Zuschauer wie für den Hersteller und dessen
Werber und Vertreiber wird zugegeben. Dieser Nutzwert ist der
Werbeeffekt, die Werbewirkung. Dass der Kassensturz diese
Vergleichstests sei 30 Jahren betreibt, ist mir bekannt, ich bin
ein treuer Kunde dieser sonst guten Sendung.
Das Problem
ist nur, dass er keinen Unterschied zwischen „normalen
Produkten“ und solchen, für die ein Werbeverbot besteht, macht.
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2.5 |
Diese Behauptung
ist absurd. Unbezahlte Schleichwerbung ist praktisch nur denkbar
für Produkte, für die ein Werbeverbot besteht. Bei normalen
Produkten sorgt die Konkurrenz dafür, dass keine Schleichwerbung
vorkommt, da ist es einfacher, einen bezahlten Werbespot zu
schalten. Ein aktuelles Beispiel ist die Sendung „Start-up“ des
Schweizer Fernsehens. Da wehrt sich ein Konkurrent gegen
unlauteren Wettbewerb, nicht weil es um Alkohol ging. Bei
Alkoholsendungen rührt sich die Konkurrenz normalerweise nicht,
weil sie bisher leider immer damit rechnen konnte, dass ihr
Produkt auch einmal von dieser Sendung – oder von andern -
profitieren würde. |
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2.6 |
Darin stimme ich
mit Herrn Wettstein völlig überein. Sie werben, wie er richtig
bemerkt, für Alkohol und sollten deshalb verboten werden.
Beschwerden laufen aus diesem Grunde auch. |
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2.7 |
Der sog.
Champagner-Entscheid ist mir bekannt. Darauf stützen sich alle
Programmverantwortlichen. Dazu möchte ich sagen, dass sogar das
Bundesgericht erst kürzlich von einem früheren Urteil abgewichen
ist und neue Massstäbe gesetzt hat. Neue Zeiten verlangen ab und
zu auch neue Überlegungen und Entscheide. Auch die UBI sollte
sich da nicht ausnehmen und gerade dieses Problem neu
überprüfen. Ich bemühe mich, dazu die nötigen Anstösse und
Unterlagen zu liefern.
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3.1 |
Dass es keine
Eigenproduktion von „Kassensturz“ war, ist für mich nicht
wichtig. Es zeigt höchstens, dass auch der Kassensturz nicht
immer mit offenen Karten spielt. |
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3.6 |
Dass Sie und die
Ombudsstelle für die unbezahlte Schleichwerbung zuständig sind,
habe ich inzwischen verstanden.
Der Ombudsmann
schreibt, redaktionelle Sendungen dürften nicht als
Werbeplattform missbraucht werden. Genau darum geht es hier. Es
war eine Werbeplattform. |
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3.7 |
Weiter erwähnt
er die durch die Bundesverfassung gewährleistete
Programmautonomie des Veranstalters. Es sei kein Thema denkbar,
das einer Behandlung oder einer kritischen Erörterung in den
elektronischen Medien entzogen ist. Die Kassensturz-Sendung sei
deshalb legitim. Dazu ist immerhin zu bemerken, dass diese
Programmautonomie auch ihre Grenzen hat: Z.B. die Beachtung der
Sittlichkeit, die Achtung der Menschenrechte, der Menschenwürde,
der religiösen Gefühle, usw. Erst kürzlich wurden Bilder in der
Tagesschau nicht gezeigt, weil sie zu schockierend waren. Die
Programmautonomie ist also kein unbegrenzter Freibrief.
Im Gegensatz
zum Ombudsmann bin ich der klaren Meinung, dass eine
fünfminütige, breitangelegte Sendung mit alkoholischen
Getränken, in der Kaufanreize mittels ausführlichen Geschmacks-
und Preisvergleichen, mit den entsprechenden Markennamen und den
Bildern der entsprechenden Flaschen und Etiketten geboten
werden, zu einer der besten Sendezeiten, mit einer der höchsten
Zuschauerquoten, als ausgesprochen werbewirksame Sendung
bezeichnet werden kann. Vergleicht man mit einer fünfminütigen
Werbespotsendung zur besten Sendezeit, wäre eine solche
wahrscheinlich von den Kosten her gesehen unrealistisch, da viel
zu teuer. Die Kassensturzsendung bietet mit attraktiver
Handlung, mit beliebtem Moderator, eine ungleich wirksamere und
erst noch kostenlose Werbung. Dazu kommt noch die schriftliche,
bebilderte Darstellung im K-tipp und auf der Webseite des
Schweizer Fernsehens, womit die Werbung einen bleibenden
Eindruck hinterlassen und im Falle eines Kaufes zur Entscheidung
beigezogen werden kann.
Erschwerend
kommt hinzu, dass die Sendung zu einer Zeit läuft, während der
bei der hohen Einschaltquote damit gerechnet werden muss, dass
vielerorts die ganze Familie mit den Kindern zuschaut. Kinder
und Jugendliche nehmen Werbesendungen bekanntlich sehr
nachhaltig auf, was gerade bei Alkohol sehr unerwünscht ist.
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3.8 |
Die Definition
von unerlaubter Schleichwerbung durch die UBI ermöglicht
stundenlange Werbesendungen für Alkohol und Tabak. Dabei sind
die wirksamsten Werbebotschaften die einfachen und klaren
Informationen, die sich im Unterbewusstsein des Zuschauers
einprägen und die auch bei den Erfolgsevaluationen von
Werbekampagnen abgefragt werden. Z. B. wie viele Zuschauer
können sich spontan an gewisse Bilder oder Namen erinnern. Da
verbietet es sich geradezu, viele zusätzliche, nicht
erforderliche Bilder und Aussagen einzuflechten, die vom
Wesentlichen nur ablenken könnten. |
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3.9 |
Ein indirekter
Werbeeffekt sei nicht auszuschliessen. Im Gegenteil: Es liegen
direkte Werbeeffekte vor. Wenn Grundlagen für einen
individuellen Kaufentscheid geliefert werden, die sonst nicht
erhältlich sind, ist dies eine Werbeanstrengung. Im Falle des
„Kassensturzes“ sogar eine mit grosser Wirkung. Dies ist auch
daraus zu ersehen, dass diese Tests von den Produzenten
gefürchtet werden, weil sie bei negativen Resultaten für ihre
Produkte mit schmerzlichen finanziellen Folgen rechnen müssen.
Oft reagieren sie noch vor der Sendung mit Statements, wie sie
das schwache Resultat erklären oder beheben. Das bedeutet nichts
anderes, als dass die Werbung via „Kassensturz“ das
Kaufverhalten der Zuschauer stark beeinflusst. Das ist bei
alkoholischen Getränken nicht anders als bei „normalen
Produkten.“ |
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3.10 |
Wir haben oben
dargelegt, dass die Sendung im Gegenteil starke Konsumanreize
geboten hat. Die Erwähnung am Schluss, dass bereits für wenig
Geld ein sehr guter Wein erhältlich sei, setzt noch die
Schlusspointe, oder bringt das Fass zum Überlaufen. Besonders
Junge oder wenig Verdienende sind natürlich dankbar für
derartige Hinweise. Warum nicht das nächste Mal ausprobieren?
Die Weinlobby wäre froh, denn das Lieblingsgetränk der Jungen
ist immer noch das Bier. |
4. Zusätzliche Begründung meiner Beschwerde:
Der Gesetzgeber unterscheidet bei der Werbung zwei Hauptgruppen:
a)
Werbung für normale Produkte und
Dienstleistungen
b)
Werbung mit Gefährdungspotential
für die Bevölkerung, wie Alkohol, Tabak, rezeptpflichtige Medikamente,
für die er deshalb ein Werbeverbot erlassen hat.
Ihre Behandlung von Beschwerden hat diesem Umstand bisher nicht oder
nicht genügend Rechnung getragen. Seit Ihrem
Champagner-Degustations-Entscheid ist der Jugendalkoholismus stetig im
Steigen begriffen. Sie Situation hat sich gerade in jüngster Zeit mit
dem Aufkommen des Rauschtrinkens bis zur Bewusstlosigkeit dramatisch
verschlechtert. Mit ein Grund dafür ist die Anstrengung der
Alkoholindustrie, nach den Frauen auch die Jugend als Konsumenten zu
gewinnen. (Süsse Mixgetränke mit Bier, Wein oder Schnaps, Alcopops) Die
Massenmedien, vereint mit der Werbebranche haben sie dabei mit
Lifestyl-Artikeln und –Sendungen, Berufsbildern, Absinthwerbeprogrammen,
Artikel und Programme mit Werbung für Weingebiete, Werbespots am
Fernsehen für alkoholfreies Bier, welche die gleichen grafischen
Auftritte zeigten wie diejenigen für alkoholisches Bier (wurden
inzwischen nach langer Zeit verboten), Kassensturz-Sendungen mit
Champagner- Bier- und Wein-Degustation, usw. kräftig unterstützt.
Bis in die jüngste Zeit haben Behörden und die Medien den
Zusammenhang zwischen dem Rauschtrinken, der Jugendgewalt und dem
Zustand der Gesellschaft tabuisiert, verschwiegen. Nun hat der
Tages-Anzeiger erstmals Klartext geschrieben.
Auszug aus meiner Webseite: Homepage, Neueste Zitate:
(03.07.07) Jean-Martin Büttner im Tages-Anzeiger: "Der Rausch auf dem
Felde". Ein Bericht über das St. Galler Openair mit neuen Tönen.
(Leider nicht online)
"Wer sich also über das Alkoholproblem junger Rauschtrinker empört,
sollte sich erst mal den Widerspruch zwischen Markt und Gesundheit
eingestehen. Und dann versuchen, den unsteten Gestalten auf dem Gelände
diesen Widerspruch zu erklären."
"Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Alkoholindustrie
der einzige Dealer auf dem Platz wäre."
Kommentar: Man kann für unser Land nur hoffen, dass dies eine
Trendwende und keine Eintagsfliege beim Tages-Anzeiger ist. Im ersten
Zitat wird seit langem erstmals die gesellschaftliche Relevanz des
Alkoholproblems angedeutet. Und gezeigt, wie unglaubwürdig und damit
erfolglos die heutige Erwachsenenwelt ist, wenn sie Alkoholprävention
für Jugendliche betreibt. (Siehe
Zitat auf dieser Seite zuoberst.) Im zweiten Zitat nimmt der Autor
Bezug auf den Hasch-Konsum am Open Air, der die Konsumenten beruhigt.
Dabei nennt er die Alkoholindustrie "Dealer". Wo hat man schon je so was
gelesen, wo sich sogar Gesundheits-Fachleute aus taktischen Gründen kaum
getrauen, Alkohol als Droge zu bezeichnen, aus Angst, man könnte Leute
vor den Kopf stossen! Dem Autor gebührt grossen Dank und Anerkennung.
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(08.07.2007) Rolf Weilenmann, Leiter des Jugenddienstes der
Kantonspolizei Zürich, im Interview mit dem Tages-Anzeiger, 7.7.07 mit
dem fetten Titel: "Der Alkohol ist das grösste Probblem der
Jugendlichen": (Leider nicht online)
"Meiner Meinung nach ist der Alkohol das Hauptproblem der
Jugendlichen - aber auch hier lautet meine Devise: Vorsicht vor
Pauschalurteilen. Die Jugend ist das Spiegelbild der Erwachsenenwelt,
denn sie kopiert diese. Man sollte vielleicht auch nachfragen, was mit
der Gesellschaft eigentlich nicht stimmt, bevor man die auffälligen
Jugendlichen pauschal verurteilt."
Kommentar: Nun hat der Tages-Anzeiger die Wende wahrscheinlich
endgültig vollzogen. Nach dem starken Artikel von J.-M. Büttner "Der
Rausch auf dem Felde" vom 3.7.07 und unserem veröffentlichten Leserbrief
kommt nun der dritte Artikel mit klarem Bezug auf das Alkoholproblem der
Jugendlichen und die Verantwortung der Gesellschaft, wie wir das seit
langem stipuliert haben. Jetzt hätten die Politiker vor den Wahlen
Gelegenheit, den Ball aufzunehmen und zu ihrem Standpunkt zu stehen. Die
meisten werden das heisse Eisen aber wie bisher nicht anfassen, dabei
wären hier Lorbeeren zu gewinnen. (Allerdings mit hohem Risiko!)
Die WHO-Veröffentlichung „Alkohol und Massenmedien zeigt deutlich,
warum die seit ca 1992 einsetzende staatliche Prävention bei
Jugendlichen keine Chance hat: Das Umfeld, die gesellschaftliche
Wirklichkeit, sendet zur Prävention diametral entgegengesetzte
Botschaften aus, welche die Prävention unglaubwürdig und damit unwirksam
machen.
(Zitat auf meiner Homepage
www.alkoholpolitik.ch):
„Etwas vom Grundlegendsten zu
unserem Thema fanden wir in "Alkohol und Massenmedien" (Regionale
Veröffentlichungen der WHO/Europäische Schriftenreihe Nr. 62, 1998) (Von
der WHO autorisiertes Zitat)
(Seite
2) "Aus den bisherigen Berichten zur Forschungslage lässt sich allgemein
schliessen, dass Alkoholaufklärung zwar aufklärt, Aufklärung allein aber
nur selten das Verhalten beeinflusst."
(Seiten 4/5) "Alkoholaufklärung hat
u.a. nur deshalb begrenzten Erfolg, weil sie gegen einen Schwall von
Botschaften ankämpfen muss, die den Alkoholkonsum fördern. Die primäre
Quelle alkoholpositiver Botschaften ist die gesellschaftliche
Wirklichkeit, sind die verbreitete und sichtbare Verfügbarkeit
alkoholischer Getränke sowie die Allgegenwärtigkeit und die Akzeptanz
des Alkohols in unterschiedlichsten Alltagssituationen und
Zusammenhängen. Wie sich die Menschen zu gesundheitsbezogenen Themen
stellen, wird tendenziell stärker durch Erfahrungen als durch
Information bestimmt. Oft machen persönliche Erfahrungen der
gesellschaftlichen Normen und Verhaltensweisen die weisen Ratschläge der
Alkoholaufklärung unglaubwürdig."
Bei der Revision des RTVG-Gesetzes hat der Gesetzgeber diesem Umstand
wenigstens bei den staatlichen Radio- und Fernsehgesellschaften Rechnung
getragen. Die Programmverantwortlichen sollten diesen Willen des
Gesetzgebers respektieren und Schleichwerbung für Alkohol unterlassen.
Über die Wirksamkeit von Filmen gibt es
inzwischen mehrere Untersuchungen:
Auszug aus meiner Webseite: Forschungsergebnisse / Research
results
22.06.2007 (forsc185.htm)
|
Source/Quelle |
JAMA
& Archives Journals Chicago, IL USA, International
Journal of Epidemiology |
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Authors/Verfasser: |
Reiner
Hanewinkel1,*, Susanne E Tanski2 and James
D Sargent2
1Institute
for Therapy and Health Research, Kiel, Germany.
2Dartmouth Medical School, Cancer Control Research
Program, Norris Cotton Cancer Center, Lebanon, NH 03756, USA.
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Theme/Thema:
|
Exposure to alcohol use in
motion pictures and teen drinking in Germany / Die Wirkung
des Alkoholkonsums in Kinofilmen auf den Alkoholkonsum der
Jugendlichen in Deutschland. |
Link to
International Journal of Epidemiology,
doi:10.1093/ije/dym128 Abstract
|
Übersetzung H.T.
Meyer: Hintergrund:
Herausfinden, ob
das Betrachten von Alkoholszenen in Kinofilmen einen
Zusammenhang hat mit dem Alkoholkonsum in der frühen Jugend.
Folgerung:
Diese Studie zeigt eine Verbindung zwischen dem Betrachten von
Alkoholszenen in US-Kinofilmen und dem Alkoholkonsum ohne Wissen
der Eltern in Deutschland, und es ist die erste Studie, die das
Filmesehen mit Rauschtrinken in Verbindung bringt. Da US-Filme
international vertrieben werden, kann das in ihnen gezeigte
Verhalten Jugendliche ausserhalb des Herstellerlandes
beeinflussen. |
und Auszug aus Forschung/Research auf
der erwähnten Webseite:
und:
19.05.2006 (forsc124.htm)
|
Source/Quelle |
Join Together /
Australian Associated Press |
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Authors/Verfasser: |
Hasantha
Gunasekera, paediatrician, University of Sydney |
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Theme/Thema:
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Study Tracks Alcohol, Other
Drug Use in Movies / Eine Studie auf den Spuren von Alkohol-
und anderem Drogenkonsum in Kinofilmen |
Link to
Join Together, 5/16/06
Link to
Australian Associated Press,
May 15, 2006
|
Study Tracks
Alcohol, Other Drug Use in Movies
(Join Together)
Übersetzung von
H.T. Meyer
Eine Studie über
die populärsten Kinofilme der letzten 20 Jahre zeigte, dass
viele Darstellungen von Alkohol- und anderem Drogenkonsum
enthielten und dass die meisten von ihnen dazu neigten, die
negativen Konsequenzen zu ignorieren.
Forscher der
Universität Sidney in Australien fanden, dass in 68% der Filme
die Schauspieler rauchten, 32% der Filme schilderten
Alkoholkonsum, 8% zeigten Marijuana-Konsum und 7% enthielten
Szenen mit Drogenkonsum ohne Spritzen. Die meisten zeigten
Alkohol- Tabak- und andern Drogenkonsum in einem positiven
Licht, sagten die Autoren.
"Wir wissen, wie
empfänglich besonders Jugendliche für Einflüsse sind", sagte der
leitende Autor
Hasantha
Gunasekera. "Deshalb geben Tabakfirmen Millionen von Dollars aus
... nur um ihr Produkt in einem Ein-Sekunden-Spot in einem Film
zu platzieren. Ich denke, es ist lächerlich anzunehmen, dass
dies keinen Einfluss auf das Verhalten habe."
"Ich sage nicht,
dass kein Sex oder Drogen in Filmen sein sollte", fügte er an.
"Wir wollen, dass Filme das Leben widerspiegeln, aber wenn es
eine Reflexion des Lebens ist, dann haben die Menschen
Konsequenzen zu tragen, wenn sie Drogen nehmen. Es gibt
Überdosen ... Warum werden die wahren Schilderungen und die
wahren Konsequenzen, wenn sie Drogen nehmen nicht richtig
gezeigt und dann können die Leute ihre eigene Meinung bilden,
was sie tun wollen." |
und:
10.01.2006 (forsch96.htm)
|
Source/Quelle: |
Medical News Today,
www.medicalnewstoday.com
/ Journal of Studies
on Alcohol, Jan.06 |
|
Authors/Verfasser: |
Dr. James Sargent,
professor of pediatrics at Dartmouth Medical School
(DMS); Co-authors of the study include Dr. Thomas Wills (Albert
Einstein
College of Medicine), Dr. Mike Stoolmiller (University of
Oregon),
Dr. Fredrick Gibbons (Iowa State University), and Jennifer
Gibson (Norris
Cotton Cancer Center). |
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Theme/Thema: |
Alcohol Influence
In Films - Can Predispose Younger Teens To Experiment
With Alcohol / Alkohol Einfluss in Filmen - kann Jugendliche
anfällig machen,
mit Alkohol zu experimentieren. |
This study was sponsored by
the National Institute on Alcohol Abuse and Alcoholism (NIAAA) and
grants from the National Cancer Institute, and the National Institute on
Drug Abuse.
Link
to Journal
of Studies on Alcohol (Subscribers only)
Link
to Medical
News Today, 14.01.2006
(Article)
|
Seeing movies
that feature characters drinking alcohol can predispose young
adolescents to experiment with alcohol at an early age,
concludes a study led by Dartmouth Medical School (DMS)
researchers. It is the first research study to measure the
influence of alcohol use in movies and, using data from more
than 600 films and 5,000 students, found that movies play a
significant role in an adolescent's decision to drink at a young
age.
Deutsche
Übersetzung von H.T. Meyer
Jugendliche, die
Filme sehen, in denen Schauspieler Alkohol konsumieren, können
anfällig werden, in jungen Jahren mit Alkohol zu
experimentieren, dies das Ergebnis einer Studie unter Leitung
von Forschern der Dartmouth Medical School (DMS). Es ist die
erste Untersuchung, die den Einfluss des Alkoholgebrauchs in
Filmen misst. Nach Überprüfung der Daten von mehr als 600 Filmen
und 5000 Studenten (Schülern) kommt sie zum Schluss, dass Filme
eine signifikante Rolle beim Entschluss eines Jugendlichen
spielen, in jungen Jahren Alkohol zu konsumieren. |
(Zitat-Ende)
Diese und andere Studien beweisen, dass
Jugendliche beeinflussbar sind. Auch dass in Filmen, die ja im Fernsehen
ebenfalls gesendet werden, eine Menge Szenen mit Alkoholkonsum
vorkommen, ohne dass auf die negativen Seiten des Konsums aufmerksam
gemacht wird.
Es genügt, dass die Zuschauer und Hörer in vielen Programmen dieser
Werbung ausgesetzt sind, es braucht nicht noch zusätzliche Produktionen,
die als Schleichwerbung bezeichnet werden können.
Die Aufgabe der UBI ist es meiner Meinung
nach, den Gesetzgeber zu unterstützen, dem Gesetz deutlich Nachachtung
zu verschaffen und nicht Schlupflöcher für seine Umgehung anzubieten.
Falls die dazugehörenden Verordnungen nicht klar genug sind, um
Fehlinterpretationen auszuschliessen, sollten sie angepasst werden. Und
bis dann haben Sie hiermit eine Gelegenheit, die Gewichte neu zu
verteilen.
Ich hoffe, dass Sie die Angelegenheit ihrer Bedeutung entsprechend
ernsthaft prüfen werden und danke Ihnen zum voraus bestens dafür.
Mit freundlichen Grüsse
Hermann T. Meyer
PS Am 3.7.07 sendete das Schweizer Fernsehen in „Schweiz aktuell“
etwa 5 Minuten über einen Schweizer Whisky-Brenner, der sein Produkt mit
allen möglichen Attributen rühmen konnte. (unheimlich mild, nussig, „sherryg“,
sehr gut) Die alte Masche. Ich werde dagegen keine Beschwerde einreichen
und erst einmal abwarten, wie Sie in den bisherigen Fällen entscheiden.
Beilagen: - Kopie meiner Beschwerde an die
Ombudsstelle
- Kopie des Entscheids der Ombudsstelle
- Liste mit 20 Unterschriften
- Kopie aus dem K-tipp Nr. 12 vom 20. Juni 2007
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