Leserbrief

16.04.2008                     (veröffentlicht am 16.4.08)

 

Im Internet

Kommentar zu  Windmühlenkampf gegen den bösen König Alkohol vom 15.4.08 bei heise online

Im Prinzip ja, aber …

Der kritische Ton dieses Berichts ist völlig berechtigt. Es mutet oft wie ein Kampf gegen Windmühlen an, wenn sich verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger gegen die Allmacht des Alkoholkapitals und die mit ihm vernetzten Politiker und leider auch Wissenschafter im Namen der Volksgesundheit und Lebensqualität wehren.

Nur darf nicht vergessen werden, dass trotz vieler Rückschläge auch einiges erreicht wurde, sonst stünde es noch viel schlechter um uns. Es ist deshalb nicht von Vorteil, wenn eine Stimmung der Resignation verbreitet wird. Wie der Kampf gegen die Tabakindustrie zeigt, gewinnt doch irgendwann der gesunde Menschenverstand und auch der pure verständliche Egoismus einer unterdrückten Mehrheit die Oberhand. Das könnte beim Alkohol auch der Fall sein.

Es ist heute wissenschaftlich erhärtet, dass die Preisgestaltung und die Einschränkung der Erhältlichkeit die wirksamsten Massnahmen für eine Reduzierung der Alkoholschäden darstellen. Diese Kenntnis ins Volk zu bringen und seine Mitverantwortung zu wecken, ist die Aufgabe einer neuen Verhaltensprävention, damit solche Massnahmen politisch akzeptiert werden. Werbeeinschränkungen sind wichtig, damit die alkoholverseuchte Medienlandschaft gesäubert wird und Präventionsbemühungen bei Jugendlichen glaubhafter werden und wirken können.

Die gegenwärtige Konzentration der staatlichen Bemühungen auf die Einführung und Durchsetzung von Jugendschutzgesetzen, ist verständlich, weil das Rauschtrinken beängstigende Ausmasse angenommen hat. Darüber darf aber nicht vergessen werden, dass das Trinkverhalten der Erwachsenengesellschaft mitverantwortlich ist am jugendlichen Alkoholkonsum und viel stärker bearbeitet werden müsste.

Dass die EU versucht, den Mitgliedsländern bei den Präventionsbemühungen zu helfen, ist natürlich lobenswert. Leider nivelliert sie die bereits bestehenden und bewährten staatlichen Alkohol-Politik-Massnahmen auf einen Minimalstandard hinunter und beschert so Tiefkonsumländern einen höchst unerwünschten Mehrkonsum. Dass die Alkoholindustrie daran höchst interessiert ist, überrascht nicht, höchstens, dass die EU diese Industrie in ihre Alkohol-Bekämpfungsbemühungen einbezieht, entgegen der WHO-Empfehlungen, und damit den Bock zum Gärtner macht.

        Hermann T. Meyer

 

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Stand: 30.12.2008