Leserbrief

29.01.2008                                       

 

"Kassensturz"
Fernsehen DRS1

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Kommentar zur heutigen Kassensturzsendung: Kein Alkohol ab 21 Uhr: Schutz oder Schikane?

 

Das Nationale Programm Alkohol

Der Alkoholkonsum der Jugendlichen ist immer noch im Steigen begriffen. Das Rauschtrinken in dieser Regelmässigkeit ist ein neues Phänomen und hat nun endlich die Öffentlichkeit aufgeschreckt. Mindestens so erschreckt sollte sie über die mehr als 100'000 Kinder und Jugendlichen sein, die in alkoholbelasteten Familien aufwachsen und schwersten psychischen Belastungen ausgesetzt und deren Lebenschancen stark beeinträchtigt sind.

Eine Besserung der Situation ist nur mit einem ganzen Paket von Massnahmen möglich, das hat das BAG mit diesem NPA versucht. Wenn man nicht nur Alibiübungen durchziehen will, müssen Preismassnahmen und Einschränkungen der Erhältlichkeit dazugehören. Die bisherige Biersteuer ist nur eine kleine fiskalische Massnahme ohne Einfluss auf den Konsum. Eine Weinsteuer haben wir noch gar nicht und wäre dringend nötig. Auch hier wäre das Verursacherprinzip mit einer deutlichen Lenkungsabgabe ein sinnvoller Weg.

Der Vorwurf, die Allgemeinheit würde wegen ein paar unerzogenen Jugendlichen bestraft, ist unberechtigt. Das Problem geht die ganze Gesellschaft an. Vor allem ist auch die Erwachsenenwelt verantwortlich mit ihrem schlechten Beispiel beim Trinkverhalten, für die large Gesetzgebung, die es so weit hat kommen lassen, z.B. auch bei der Werbung, und die fehlende Durchsetzung der bestehenden Gesetze. Gerade die Politiker, die jetzt auf die Durchsetzung pochen, haben es versäumt, die nötigen Mittel bereitzustellen. Sie haben im Gegenteil mit ihrer Sparhysterie erreicht, dass diese Mittel immer geringer wurden. Die Testkäufe sind übrigens bei uns erst durch das Vorprellen von privaten Jugendorganisationen über viele Jahre in Gang gekommen.

Kürzlich wurde z.B. bekannt, dass bei uns die Kontrolldichte bei Alkohol am Steuer 6% beträgt. Das hält auch die Verurteilten nicht davon ab, rückfällig zu werden. 10% der Erstverurteilten werden innert 3 Jahren rückfällig. 9% der Kontrollierten sind alkoholisiert. In Finnland mit einer Kontrolldichte von 35% sind nur 0.3% alkoholisiert.

Übrigens, die oft gehörte Ausrede, die Eltern müssten ihre Kinder mehr in Griff bekommen, ist gut gemeint aber zwecklos. Nur die Eltern, die es nicht nötig haben, werden von der Elternschulung erreicht. Das ist die Erfahrung seit Jahrzehnten. Es wird bei der Erhältlichkeit immer von Verboten gesprochen, dabei geht es um die Rückstufung von früheren Bewilligungen, die damals schon fragwürdig waren.

Die Weltgesundheitsorganisation hat schon vor Jahren festgehalten, dass bei der Planung der dringend nötigen Präventivmassnahmen die Alkohol-Lobby nicht beigezogen werden dürfte. Sie ist nur auf ihren Absatz bedacht und widersetzt sich jeder wirksamen konsumsenkenden Massnahme. Herr Frick ist einer der schlimmsten Alkohol-Lobbyisten der Schweiz, der im Parlament noch jede kleine Massnahme aufs heftigste bekämpfte. Und das im Namen einer christlichen Partei.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer

 

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Stand: 03.01.2009