Leserbrief

28.02.2007                                        (veröffentlicht am 8.3.07 mit mehreren Kürzungen)

 

Redaktion der
Neuen Zürcher Zeitung
Briefe an die NZZ
8021 Zürich

Per e-mail redaktion@nzz.ch

 

 

Leserbrief betr. „Plakate stinken nicht" vom 23.2.07

Als ich meiner Frau den Titel vorlas, sagte sie spontan: „Mafiageld auch nicht."

Seit 50 Jahren hat es keine schweizerische Volksabstimmung mehr mit positivem Ausgang gegeben, mit der eine Alkoholpräventions-Massnahme hätte erreicht werden sollen. Die Industrie und die Werbebranche haben es in dieser Zeit geschafft, dass die Frauen und in letzter Zeit Jugendliche und Kinder (süsse Alcopops) zum Alkoholkonsum verführt worden sind. Dass Werbung einen Einfluss vor allem auf junge Konsumenten hat, ist inzwischen mehrfach durch internationale Untersuchungen bewiesen. Nur die Werber behaupten das Gegenteil und werben fröhlich weiter. Warum wohl? Und warum kolportieren Journalisten, auch der angesehenen NZZ, deren unhaltbare Argumente weiter, als ob sie sich nicht bei www.alkoholpolitik.ch mit wenig Aufwand auf dem laufenden halten könnten?

Wahrscheinlich die wirksamste Folge der Werbung ist allerdings die von ihr verursachte „Umweltverschmutzung". Sie prägt unsere Gesellschaft in einer Weise, dass es nicht möglich ist, den Jugendlichen mit Präventionsmassnahmen zu begegnen, die halbwegs glaubwürdig sind. Sie erleben die gesellschaftliche Wirklichkeit völlig anders: Wein- und bierselig bei allen Gelegenheiten, von allen Plakatwänden, im Kino, bei Empfängen, bei jedem Familienanlass von der Wiege bis zur Bahre, ja sogar beim Sport. (Nachzulesen in der Publikation der WHO: „Alkohol und Massenmedien".

Wenn nun die Kantone der Werbung einen Riegel schieben wollen, ist dies das Ergebnis des Versagens des Bundesparlaments und ein Zeichen, dass das Fass am Überlaufen ist. Was im letzten Jahrhundert mit zwei Volksinitiativen nicht erreicht werden konnte, weil die Werbung mit Hilfe der Mehrheit der Politiker das Volk für dumm verkaufte, muss jetzt mühsam nachgeholt werden. Es bleibt zu hoffen, dass die Einsicht gewachsen ist, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Zum Wohl unserer Kinder: Bei 300'000 Alkoholkranken in der Schweiz muss mit mehreren hunderttausend alkoholbehinderten Kindern mit eingeschränkten Lebenschancen gerechnet werden. Können wir uns dieses wahnsinnige Verdrängen weiterhin leisten?

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer

 

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Stand: 30.12.2008