Leserbriefe

Gast-Brief mit der freundlichen Erlaubnis der Verfasserin

 

Tages-Anzeiger • Samstag, 11. März 2006

 

Prävention ist nicht ihr Bier

 

Ständerat baut die Biersteuer um, TA 7.4.06

Im Artikel wird der Eindruck erweckt, mit der «siegreichen Kommissionsminderheit» hätte auch die Sache der Suchtprävention in Bern einen Sieg errungen. Dem ist beileibe nicht so: Der Ständerat hat die Chance verpasst, dort Prävention zu betreiben, wo sie laut allen Studien tatsächlich wirkt: beim Portemonnaie. Nach Ansicht aller massgebenden Suchtverbände und Fachstellen hätte die heute viel zu tiefe Biersteuer erhöht werden müssen. Das beängstigend zunehmende Rauschtrinken unter Jugendlichen und die volkswirtschaftlichen Folgekosten des Alkoholmissbrauchs (6,5 Milliarden Franken/Jahr) sind lediglich zwei einer ganzen Reihe von Argumenten für eine Steuererhöhung.

Jede Steuer steuert, da sie Konsumentscheide beeinflusst. Dass das Konsumverhalten insbesondere von Jugendlichen durch Steuerpolitik beeinflusst werden kann, zeigt der Einbruch der Verkäufe von Alcopops nach Einführung der Sondersteuer auf alkoholische Süssgetränke. Heute ist Bier die unbestrittene Nummer 1, vor allem bei männlichen Jugendlichen. Kein Wunder, im Detailhandel kostet die Halbliterbüchse Bier 75 Rappen, die gleiche Menge Cola hingegen 1.25 Franken. Für 3 Franken kann sich also jeder junge Mensch in den Vollrausch trinken. Da hat man in Bern der Suchtprävention einmal mehr einen Bärendienst erwiesen.

EVELINE WINNEWISSER  ZÜRICH
   Leiterin städt. Suchtpräventionsstelle

 

 

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Stand: 30.12.2008