Leserbrief

3.2.2005                    veröffentlicht: 16.2.05

Redaktion
Der Zürcher Oberländer

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Leserbrief zu „Trinkverhalten der Jugendlichen änderte sich“  vom 28.1.05

Die launige Einführung des Stadtpräsidenten und Podiumsgesprächsleiters wirkte eher verharmlosend, als dass sie unserm wichtigsten sozialmedizinischen Problem gerecht geworden wäre. Auch die meisten Voten der Fachleute auf dem Podium, mit Ausnahme des einzigen Fachmanns für Prävention, dienten nur dazu, zu zeigen, dass man das Problem im Griff hat und Besorgnis nicht am Platze ist. Das einzige Resultat war, dass man sich einig war, die Jugend ersäuft noch nicht im Alkohol. Dass bis dahin aber viele Probleme gar nicht entstehen sollten, davon merkte man höchst selten etwas. Etwa wenn ein Zuhörer die Verantwortung der Erwachsenen ansprach.

Dabei wäre dies eigentlich der Start zu einer echten Auseinandersetzung mit dem Alkoholproblem gewesen. Wie es kürzlich Prof. Ambros Uchtenhagen im Tages-Anzeiger sagte, ist die Jugend der Spiegel der Gesellschaft. Die Erwachsenen sollten sich klar sein, dass es an ihnen liegt, eine Trendwende einzuläuten. Solange die Erwachsenen-Gesellschaft nicht zeigt, dass es ihr ernst ist, sind ihre Präventionsbemühungen völlig unglaubwürdig und deshalb wirkungslos.

Heute ist es ganz klar wissenschaftlich erhärtet, dass die alkoholbedingten Sozialkosten, ca 500 Fr. pro Kopf/Jahr, und das meist versteckte Leid nur wesentlich gesenkt werden können, wenn der Alkoholkonsum deutlich zurückgeht. Dies wird erreicht durch die Preisgestaltung, die Einschränkung der Erhältlichkeit und ein Werbeverbot auf Alkoholika, das immerhin 5 – 8% Konsumrückgang brächte. Das würde der Jugend signalisieren, dass die Erwachsenen auch kleine Opfer bringen wollen. Alkoholprävention in der Schule würde auf einmal sinnvoll und könnte den Jugendalkoholismus bremsen. Heute wird nur das Wissen verbessert ohne Einfluss auf den Konsum.

Neben diesen drei wichtigsten aber vor allem auf nationaler oder kantonaler Ebene angesiedelten Massnahmen gibt es auch für die einzelne Gemeinde Wege, auf verschiedenste Weise aktiv zu werden:

-       Die Kontrollen in den Verkaufsstellen vermehren (unangemeldete),     Sanktionen nach höchstens einer Verwarnung aussprechen; Sanktionen im  Kiebitz veröffentlichen;

-       Die Alkoholwerbung auf öffentlichem Grund - und von öffentlichem Grund einsehbarem Grund - verbieten;

-       Dafür werben, dass die Politiker unserer Stadt alle Massnahmen auf allen Ebenen unterstützen, die präventiv wirken. (Gesundheit schafft Wohlstand, auch in der Wirtschaft.

-       Die Festwirte über ihre Pflichten genau instruieren, damit sie die Jugendschutzgesetze nicht unterlaufen. (Auch Sirupartikel) Strafen nicht nur androhen, sondern auch vollziehen.

-       Blutalkoholkontrollen von der Stadtpolizei häufig und gezielt durchführen lassen;

-       Bei öffentlichen Anlässen, Empfängen usw. mindestens auch eine gepflegte alkoholfreie Auswahl bereitstellen;

-       Zu Jubiläen und andern festlichen Gelegenheiten nicht immer die fantasielose Flasche Wein schenken, es gibt bekanntlich sinnvollere Geschenke als ..., es braucht nur ein bisschen mehr Einsatz. Der Staatskeller z.B. hat einen sehr schön etikettierten und guten Traubensaft;

-       Die Vereine animieren, neue Angebote für Jugendliche zu entwickeln und diese finanziell unterstützen.

-       Darauf achten, dass nur Vereine unterstützt werden, die für die Jugendlichen kein Alkoholrisiko bedeuten. Geselligkeit z.B. im Sportverein kann gemäss einer Studie Alkoholprobleme mit sich bringen.

      -    Die Behördemitglieder sollten sich das nötige Fachwissen aneignen, z.B. mit  
           der Lektüre bei www.alkoholpolitik.ch

      -       Beim Radix-Projekt der gemeindenahen Prävention mitmachen.

Freundliche Grüsse

Hermann T. Meyer

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Stand: 30.12.2008