Gast-Leserbrief

In der NZZ am 27.5.2003 erschienen:

Wer von einem Motorradfahrer gefährdet worden ist, der sich als menschliches Wurfgeschoss zwischen den anderen Verkehrsteilnehmern durchpfeilt, , wünscht sich schon mehr Vernunft bei den Motorradfahrern. Dass diese allerdings kollektiv mit einer Geschwindigskeitlimite von 80 kmh versehen werden sollen, lässt ebenso die Vernunft vermissen. Die Geschwindigkeitsdifferenz zu Autos und Lastwagen ergibt neue Gefahren, die einen allfälligen Sicherheitsgewinn durch tiefere Geschwindigkeit überkompensieren. Eine gleichmässige Geschwindkeit aller am Verkehr beteiligten Fahrzeuge ist ein unverzichtbares Element für die Sicherheit auf den Strassen. Mit der unsinnigen Forderung der Spezial-Temporeduktion für Motorräder wird auch gerade eine zweite sinnvolle Massnahme gefährdet: Eine Senkung der Promille-Grenze auf 0,2 Promille. Im Vergleich zum Autofahrer mit vier Rädern, mit Knautschzone und heute sogar elektronischen Hilfen für Fahrfehler, ist der Motorradfahrer sicherheitsmässig noch weit im Hintertreffen. Die Knautschzone sind seine Glieder, kleine Fahrfehler können schlimme Folgen haben. Allein das Bremsen auf Motorrädern ist eine heikle Aufgabe. Stabilität während einer Vollbremsung erfordert höchste Aufmerksamkeit und Konzentration, mithin also genau das, was durch Alkoholisierung auch unter der gesetzlich festgelegten Promille-Grenze schon eingeschränkt ist.

Peter Ritschard, Zürich 

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Stand: 30.12.2008