|

Leserbrief
An die
Redaktion des
Leserforums
Tages-Anzeiger
8022 Zürich
e-mail
4.12.2002
Leserbrief
zu „Gerangel um Glimmstängel“ vom 4.12.02
Die Meldung, dass die EU einen Teil der Tabakwerbung verbieten wolle,
hat die Werbebranche, die Tabakmulties und bereits die Spirituosenbranche der
Schweiz aufgeschreckt. Sie haben eine „Allianz gegen Werbeverbote“ gebildet.
Die Angst der Werber und der von ihnen
teilweise abhängigen Medien wäre völlig unbegründet, wenn sie zustimmen
würden, dass die Suchtmittel nach dem Verursacherprinzip besteuert würden.
Dann erhielte der Staat allein von Alkohol und Tabak ca 5,5 Mia. Fr. pro Jahr,
wovon ein schöner Teil über Prävention, Kultur- und Sportsponsoring sowie
Marketing für neue gesündere Produkte in die Werbung und in die Medien
fliessen könnten. Ein entsprechendes Projekt wird im Internet seit einiger Zeit entwickelt und
wartet nur darauf, dass die interessierten Kreise den Ball aufnehmen und sich
und unserem Volk grossen Gewinn bringen. Es wäre u.a. vorgesehen, die Hälfte
der Einnahmen in die AHV/IV fliessen zu lassen. Da der Bund und die Kantone aus
ihrem Anteil ihre Kosten bei der Schadensbegrenzung erstattet bekämen, würden
auch bei diesen viele Mittel frei für andere wichtige Aufgaben oder sogar zu
Senkungen der Steuern oder Krankenkassen- und Versicherungsprämien. Die
Landwirtschaft könnte mit Beiträgen an die Struktur- und
Qualitätsverbesserung, für Umschulung, Produktumstellung,
Ausstiegsüberbrückung und Marketing massiv geholfen werden.
Die Probleme, die nun mit der
Cannabisliberalisierung auf uns zukommen, müssten in dieses Projekt einbezogen
werden. So würden alle legalen Drogen gleich behandelt. Die Einsicht scheint
nun zu wachsen, dass der Cannabiskonsum doch nicht so harmlos ist. Prävention
allein, die wie die Erfahrungen mit den alten legalen Drogen gezeigt haben, bei
den jetzigen Verhältnissen kaum etwas nützt, genügt nicht, um die neue
Suchtproblematik in den Griff zu bekommen, wenn einmal mehr auf Kosten des
Volkes von einzelnen grosse Profite gemacht werden. Es wäre schön, wenn die
Politik sich endlich von ihren internen Problemen auf die wichtigen unserer
Gesellschaft zurückbesinnen und aktiv würde.
Mit freundlichen Grüssen
Hermann T. Meyer
(Nachtrag am 19.11.03: Das Projekt wurde
zur Überarbeitung herausgenommen.)
|