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10.03.2004, Nationalratsbulletin:
Mittwoch, 3. März: Der Nationalrat
hat die am Dienstag begonnene Beratung des neuen Radio- und Fernsehgesetzes
fortgeführt. Mit 120 zu 64 Stimmen sprach er sich dafür aus, dass Privatradios
und TV-Stationen inskünftig Werbespots für Wein und Bier senden dürfen.
Gesprächs-Protokoll
der Sitzung
Kommentar: Man fragt sich, ob sich diese 120 ParlamentarierInnen
überhaupt bewusst sind, dass sie einmal einen Amtseid geleistet haben. Heisst
es da, sie sollen dem Volk dienen oder wirtschaftlichen Einzelinteressen?
Schützt die parlamentarische Immunität sogar vor dem Bruch des Amtseids?
Auch wenn die Wirkung der zusätzlichen Alkohol-Werbung nicht gross sein
sollte, (wer spricht die Gelder für eine seriöse Untersuchung) setzt diese
Liberalisierung wieder völlig falsche Zeichen, wie dies vom Kommissionssprecher
deutlich vorgebracht wurde. Die Erwachsenen-Gesellschaft demonstriert, wie egal
ihr die Suchtfrage im Grunde ist, d.h. sie nimmt ihren Präventionsversuchen bei
Jugendlichen wieder weitere Glaubwürdigkeit weg und stempelt sie zu
Alibiübungen, über die gelacht werden oder die man höhnisch als rein
fiskalische Massnahmen entlarven kann.
Am Anfang des letzten Jahrhunderts schufen liberale Politiker als damalige
Pionierleistung unsere erste Alkoholgesetzgebung. Was ist nur aus diesem
verantwortungsbewussten liberalen Geist geworden? Und was ist aus dieser sich
selbst als familienfreundlich profilierenden Partei geworden, die sich immer
noch anmasst, ein "C" im Namen zu führen? Die Jugend gehört für sie
offenbar nicht mehr zur Familie.
Es wäre dringend nötig, in Fortführung der ersten Alkoholgesetzgebung eine
für das neue Jahrhundert zu schaffen, die das Wissen aus 100 Jahren weltweiter
Forschung und Erfahrung zum Wohle unseres Volkes umsetzen und wieder
internationale Anerkennung finden würde.
Leider ist im Moment nicht daran zu denken. Die heutige Parlamentsmehrheit
würde die Situation wenn möglich noch verschlimmern.
Den Sprechern für die Kommissionsmehrheit sei immerhin gedankt für ihre
fundierten, von Verantwortung und Sachkenntnis geprägten Voten. Es ist hartes
Brot, derart gegen Unvernunft und Verantwortungslosigkeit ankämpfen zu müssen.
Hoffentlich lassen sie sich nicht entmutigen.
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