Leserbrief

25.08.2008                             (stark gekürzt veröffentlicht, 1.9.08)                           

 

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Leserbrief zu „Jugend und Alkohol gehörten schon immer zusammen“ vom 25.8.08

Der Sozialwissenschafter Paul Nolte nimmt zu unserer neuen Trinkkultur-Errungenschaft Stellung.  Dabei gibt er sich liberal und wertkonservativ. Seine Äusserungen zu Alkohol sind allerdings oft widersprüchlich. Goethe sagte einmal: „Jugend ist Trunkenheit ohne Wein“.  In der Nachkriegsgeneration gab es keine regelmässigen Besäufnisse. Das Geld hätte gefehlt. Erst die Werbung, die durch die Kaufkraftverbesserung ständig sinkenden Alkoholpreise, die Veränderungen bei der Freizeitgestaltung, die elektronischen Medien, die Emanzipation der Frau und der Jugend brachten mit der Zeit die Jugend näher an den Alkohol heran. Höhepunkt war der Aufstieg der Alcopops, der durch die Sondersteuer stark gebremst aber nicht völlig besiegt werden konnte.

Er findet nächtliche Ausgehverbote für Jugendliche in Städten problematisch. Verbote und staatliche Regelungen seien grundsätzlich nicht geeignet, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Umgekehrt würde er sogar Verkaufsverbote für bestimmte Produkte ins Auge fassen. - Dabei ist klar, dass die Gemeinden mit Ausgehverboten diese als letzte Möglichkeit beschlossen haben, weil eben z.B. Verkaufsverbote in unserer liberalen Gesellschaft nicht möglich sind. Und Bern untätig bleibt.

In Bezug auf die Ernährung müsse diskutiert werden, ob man einen bestimmten Lebensstil vorschreiben könne, wenn er dazu führe, dass die Lebenserwartung sinkt und die volkswirtschaftlichen Kosten steigen. - Vielleicht sollte er sich einmal die Zahlen über die alkoholbedingten Todesfälle und die Sozialkosten im Zusammenhang mit Alkohol zu Gemüte ziehen. Da besteht offenbar eine Bildungslücke oder eine Verdrängungsautomatik.

„Ein Rauchverbot geht an die Grenze dessen, was der Staat sich erlauben darf. Dabei kommt allerdings der Schutz von Dritten dazu, das Problem des Passivrauchens. Dieses Problem stellt sich beim Essen und beim Alkohol nicht.“ - Das Alkoholproblem wird als sozialmedizinisches Problem bezeichnet, weil es die Gesellschaft mitbetrifft. Herr Nolte hat noch nie von alkoholbedingter Gewalt, sexueller Gewalt, ungewollten Schwangerschaften, von Kindern in alkoholbelasteten Familien, Scheidungsziffern, alkoholbedingten Unfällen, usw. gehört.

In Bezug auf Alkohol, was ja der Aufhänger des Artikels war, überschreitet er bei weitem die Grenzen der bei einem Sozialwissenschafter tolerierbaren Fahrlässigkeit diesem schwergewichtigen Thema gegenüber. Der unkritische Fragensteller war offenbar auch überfordert.

Mit freundlichen Grüssen

Hermann T. Meyer

 

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Stand: 30.12.2008