
Leserbrief
16.07.2008
(nicht erschienen)
Tages-Anzeiger
Regionaldirektion
Zürcher Oberland
8610 Uster
per e-mail
oberland@tages-anzeiger.ch
Leserbrief zu „Ein
Schluck Bier bringt die Leber auf Touren, 15.7.08
Bier-Lobbyistin Martina Gradmann erfreut die Biertrinker mit einem grossen
Lobgesang auf die gesundheitlichen Vorteile des mässigen Bierkonsums. Unzählige
Studien in vielen Ländern hätten diese bewiesen. Sie erzählt uns leider nicht,
wie viele von ihnen von der Alkoholbranche in Auftrag gegeben oder verdeckt
finanziert wurden. Der Tages-Anzeiger berichtete am 21.12.06 und am 9.1.07, dass
von der Nährmittelindustrie finanzierte Studien bis achtmal so viele positive
Ergebnisse brachten wie neutral finanzierte. Die Alkoholindustrie ist, wie die
Tabakindustrie, noch viel mehr auf positive Ergebnisse angewiesen, die sie
flächendeckend verbreitet.
Nachgewiesen ist, dass
diese Alkoholstudien zum grossen Teil systematische Fehler aufweisen und den
Gesundheitszustand und die Lebensumstände der Teilnehmer nicht berücksichtigten.
Forscher fragen auch, ob die positiven Ergebnisse nicht einfach darauf beruhen,
dass mässige Alkoholkonsumenten ganz allgemein gesund lebten. Auch ist oft nicht
klar, ob die positiven Ergebnisse dank des Alkohols oder anderer Inhaltsstoffe
zustande kamen. Dazu kommt, dass die im alkoholischen Getränk enthaltenen
Phenole und andere Stoffe auch in Fruchtsaftgetränken, alkoholfreiem Bier und
Früchten enthalten sind, wo sie ohne schädliche Nebenwirkung des Alkohols ihre
gesundheitsfördernde Wirkung leisten können. Nur macht dafür niemand Reklame.
Hier ein paar
Beispiele von aktuellen Studien, die man auf www.alkoholpolitik.ch nachlesen
kann: Ein Glas Wein täglich könne das Risiko, an nichtalkoholischer Fettleber zu
erkranken, halbieren. Kleine Mengen von Bier oder Schnaps würden dieses Risiko
vervierfachen. (23.5.08) Es wird vermutet, die Wirkung könnte nicht vom Alkohol
herrühren. Eine andere Studie warnt, 1,5 Liter Bier pro Tag habe eine
immunschwächende Wirkung und erschwere die Genesung nach einer Operation.
(29.8.07) Nach einer sportlichen Leistung sollte kein Bier getrunken werden, da
es die Regeneration der Kohlehydratspeicher der Muskeln verzögere. (15.8.06) Die
WHO berichtete von ihrer Studie, dass schon kleine Mengen Alkohols das
Krebsrisiko erhöhen, zusammen mit Rauchen sogar dramatisch. (23.11.07) Z.B.
bereits mässiger Alkoholkonsum bei Frauen nach der Menopause erhöht das
Brustkrebsrisiko. (15.4.08) Ein weiteres Problem sind die nicht einheitlichen
Angaben für die empfehlenswerte Menge. In England z.B. wird. der Alkoholkonsum
neu um einen Drittel höher eingeschätzt, weil die Gläser grösser und die
Getränke alkoholhaltiger geworden sind. Die englischen Fahrer wissen so nicht,
wie viel Alkohol in einem Glas ist. (29.11.07/14.12.07)
Zusammengefasst kann
man mit der amerikanischen Herzgesellschaft sagen, dass die Nachteile die
eventuell vorhandenen Vorteile weit übersteigen und es andere Möglichkeiten
gibt, die gewünschten positiven Effekte ohne schädliche Nebenwirkungen zu
erreichen.
Mit freundlichen
Grüssen
Hermann T. Meyer
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