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Leserbrief
19.06.2007
gekürzt veröffentlicht: 26.6.07
Redaktion
der
Neuen Zürcher Zeitung
Briefe an die NZZ
8021 Zürich
Per
e-mail redaktion@nzz.ch
Leserbrief betr. „Die Schweizer Jugend – eine Generation von Rauschtrinkern?“
Ein
Reporter will es genau wissen. Er besucht die Gruppen jugendlicher Säufer beim
Eintreffen im Hauptbahnhof, auf der Tramfahrt zum See, zur Party-Meile beim
Escher-Wyss-Platz und lässt uns an den gehörten Sprüchen teilhaben. Dazwischen
ein wenig unverstandene Statistik. Dann wird noch etwas Wissen vermittelt: Ob
sich ein Jugendlicher zum Alkoholiker entwickle, hange vom sozialen Umfeld und
von der genetischen Disposition ab.
Am andern Tag titelt die NZZ am
Sonntag: "Rauchen schadet dem Enkel". "Belastungen, denen ein Heranwachsender
ausgesetzt ist, beeinflussen die Gesundheit seiner männlichen Nachkommen während
mindestens zweier Generationen."
(Z.B. das Aufwachsen in einer alkoholbehinderten Familie) Dazu müsste auch
gesagt sein, je früher Jugendliche beginnen, desto grösser die Chance einer
späteren Abhängigkeit. Und die akute Beeinträchtigung der geistigen und
charakterlichen Entwicklung in der Pubertät und der Einfluss auf die schulischen
Leistungen und die Berufschancen ist für den einzelnen wie für die Gesellschaft
von einiger Bedeutung.
Mich hätte interessiert zu
lesen, was der Journalist zu seinen Erlebnissen denkt. Ob es für ihn einfach ein
amüsanter Abendausgang war, von dem er früh genug zurückkehrte, um nicht die
unschönen Folgen des Konsums mitansehen zu müssen, wenn die Menschenwürde völlig
verloren geht, und er womöglich noch in eine Schlägerei verwickelt würde.
Zeichnet es heute den guten Journalisten aus, wenn er eine coole unbeteiligte
Reportage abliefert, ohne nach dem Warum richtig zu fragen? Hat er noch nie
etwas davon gehört, dass die Jugend das Spiegelbild der Erwachsenenwelt
darstellt? Dass die sich aus der Verantwortung stiehlt und fröhlich am
Koma-Saufen noch verdient? Es ist ja eine legale Droge! Hat er sich noch nie die
Frage gestellt, was es noch braucht, bis die Politik merkt, was sich da für
unsere Zukunft zusammenbraut?
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
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