Leserbriefe

13.09.2006                                (nicht veröffentlicht)

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DER LANDBOTE
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Leserbrief zu "Wo bleibt die aktive Prävention?" Leserbrief vom 13.9.06

Sehr geehrte Damen und Herren

Es würde mich freuen, wenn Sie den nachfolgenden Leserbrief veröffentlichen würden. Mit bestem Dank und

mit freundlichen Grüssen

Hermann T. Meyer

 

Dieser Rundumschlag der Leserbriefschreiber vom Verein Seemer Dorffest kann nicht unerwidert bleiben. Vorausschicken möchte ich, dass ich nicht Mitglied des Blauen Kreuzes bin, doch dessen Arbeit ab und zu aus der Nähe beobachten konnte. Die Leserbriefschreiber scheinen Alkoholprävention recht eigenwillig zu interpretieren. Wer nicht selber an der Front, d.h. am Fest auftritt, dürfe sich nicht über Missstände beklagen.  Noch vor 15 Jahren, bevor der Staat die Prävention ziemlich autoritär übernahm, waren die Abstinentenvereine neben manch andern Tätigkeiten an vielen Festen mit eigenen Ständen aktiv, manchmal als einzige, die alkoholfreie Getränke günstig abgaben, aber auch sonst bei vielen Gelegenheiten mit Infoständen unterwegs, z.B. auf Autobahnrastplätzen im Zusammenhang mit Alkohol am Steuer. Auch heute, trotz Mitgliederschwund, wie bei vielen ideellen Vereinigungen mit hohem Anspruch, sind Abstinentenvereine, zum Teil dank Professionalisierung, immer noch rege. Auch als Mahner und Wächter, (wie Frau Burtscher, die ich nicht kenne) denn die staatlichen Präventionsstellen haben bis in letzter Zeit in dieser Hinsicht Zurückhaltung geübt. Heute führen sie zusammen mit dem Blauen Kreuz im Kanton Zürich in verdankenswerter Weise immer wieder Testkäufe durch, die unumgänglich sind, wenn die Jugendschutzbestimmungen eine Chance haben sollen.

Es ist erfreulich, dass die Festleitung am Seemer Dorfet die Vereine ermahnt hat. Offenbar hat es nicht überall gewirkt. Das zeigt, dass diese Vorkehrungen nicht ausreichend sind. Dafür das Blaue Kreuz verantwortlich zu machen, heisst von der eigenen Verantwortung oder der Problematik abzulenken. Der Kantonale Beauftragte für Gesundheitsförderung und Prävention, Roland Stähli sagte im Bericht über den Gesundheitszustand der Zürcher Jugend: „Hinter jedem Suchtmittel, das ein Halbwüchsiger konsumiert, steht  ein Erwachsener, der Geld verdient.  Das  verurteile ich.“ Warum nicht Prohibition am Fest? Dafür etwas mehr Fantasie und nachher keine Probleme?

Der Alkohol ist Ursache unseres grössten sozial medizinischen Problems. Vor allem die sozialen Folgen sind eine schmerzliche Belastung für unsere Gesellschaft. Da sind die alkoholisierten Vandalen noch ein kleines Übel. Endlich hat die Wissenschaft nun herausgefunden, welche Massnahmen die Schäden reduzieren würden. Leider sind es gerade nicht die, welche von den Leserbriefschreibern gefordert wurden: Schulprävention und Belehrung der Eltern bringen keine nennenswerte Wirkung beim Verhalten. Das würde generationenweite Erziehungsmassnahmen erfordern, die nicht erbracht werden können. Effektiv sind Einwirkungen auf die Preise, z.B. hohe Steuern, minimale Preise, die Einschränkung der Erhältlichkeit, d.h. z.B. weniger Alkoholpatente in Verkaufsstellen, Durchsetzung der Jugendschutzbestimmungen mit ständigen Kontrollen und nahrhaften Strafen, auch mit dem zur Verantwortungziehen der Erwachsenen, die Jugendlichen Alkohol verkaufen oder weitergeben oder die Alkoholparties in ihren Räumlichkeiten dulden. Heraufsetzen des Mindestalters, Senkung der Promillegrenze im Strassenverkehr, Werbestopp für Alkohol, damit die Prävention bei Jugendlichen eine Chance bekommt. Dies ist nachzulesen bei Thomas Babor u.a.: „Alkohol – kein gewöhnliches Konsumgut“. Bei der SFA in Lausanne (Schweiz. Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme) Ist eine Kurzfassung auf 27 Seiten erschienen, die gratis bezogen werden kann. (Frankiertes A5 Couvert beilegen)

Wenn die Vereine wirklich an einer Lösung interessiert sind, die sie verantworten können, die ihnen auch sauberes Geld einbringt, könnten sie sich an meinem Projekt beteiligen, das unter www. alkoholpolitik.ch erläutert wird. Sie könnten, statt zu lamentieren, eine bedeutende Pionierleistung für unser Land vollbringen, die auch ins Ausland ausstrahlen würde. Aber es bräuchte etwas Zivilcourage, den Mut, den das Blaue Kreuz und andere Abstinentenvereine in dieser alkoholseligen Gesellschaft schon immer aufbringen mussten.

PS  Die Bilduntertitelung ist auch eigenartig. Die Erwachsenen geben ja das schlechte Beispiel. Die Jugend ist der Spiegel der Gesellschaft.

 

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Stand: 30.12.2008