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Leserbrief20.11.2001 Tages-Anzeiger Redaktion Forum Postfach 8021 Zürich Leserbrief zu „ALKOHOLISMUS“ vom 19.11.01 Verdienstvoll, dass der
Tages-Anzeiger eine volle Seite mit der Überschrift Alkoholismus dem
Thema Alkohol im Verkehr widmet. Vor der Parlamentsdebatte im Ständerat zur
Herabsetzung der Promillegrenze hätte sie vielleicht noch mehr bewirkt. Das
Problem Alkoholismus wird leider häufig nur auf die chronischen Alkoholiker
reduziert. Alkohol am Steuer geht aber als mögliche Opfer alle und als
mögliche Täter sehr viele an. Der Bericht zeigt die Problematik
Strafe und/oder Therapie gut auf. Bei der Therapie wird das Therapieziel
angesprochen. Dass Totalabstinenz nicht das einzig mögliche Therapieziel sein
kann, ist in der Alkoholrehabilitation schon lange Praxis. Der Patient muss im
Laufe der Therapie selber erkennen, wohin er gehen will. Wer die
grösstmögliche Sicherheit haben will, nicht rückfällig zu werden, schliesst
nach der Therapie eine Nachsorge an. Bei den Verkehrsdelinquenten ist die
Wiedererlangung des Fahrausweises das nächstliegende Ziel. Die Nachsorge wird
vernachlässigt, dabei wäre diese im Interesse auch der Öffentlichkeit. Die Verurteilten wegen „Fahrens
im angetrunkenen Zustand (Fiaz)“ sind eine Gefahr für sich und ihre Umwelt.
Dieser Aspekt kommt in dem Bericht kaum zum Ausdruck. Es steht zwar am Anfang,
dass jeder dritte tödliche Verkehrsunfall alkoholbedingt oder -mitbedingt sei.
Giuseppe Schneider, der als Beispiel dienende verurteilte Fahrer, denkt aber nur
daran, welche Folgen er durch sein Pech, erwischt worden zu sein, tragen muss.
„Dabei habe er ausser am Freitagabend immer funktioniert, seine Beziehung sei
intakt, beruflich sei alles bestens gewesen.“ Diese seine „Beziehung“
äussert sich nicht dazu. Realisiert G. Schneider, welche Todesängste diese
jedes Wochenende ausgestanden hat, wie sie ihn antreffen werde? Mehrere
hunderttausend Frauen, Mütter und Kinder leiden in unserem Land ständig unter
diesem Albtraum. Wie viele Familien werden auf diese Weise zerstört! Dazu kommt
das Leid der bei Unfällen Verletzten und der Angehörigen von Getöteten. Ganz
abgesehen von den wirtschaftlichen Folgen. Deshalb muss das Hauptaugenmerk des
Gesetzgebers darauf zielen, wie am besten garantiert werden kann, dass nicht
alkoholisiert gefahren wird und auch dass kein Rückfall eintritt. Wenn 80% innert 2 Jahren nicht
rückfällig wurden, ist das auf den ersten Blick erfreulich, heisst aber genau
genommen nur, dass sie nicht erwischt wurden. Die grobe Schätzung lautet
bekanntlich: Auf 100 Blaufahrten 1 Kontrolle. Erst wenn rigoros verdachtsfrei
kontrolliert wird, und beim ersten Rückfall bereits längere Ausweisentzüge
drohen, wird sich die Situation verbessern. Selbstverständlich muss auch bei
uns die Promillegrenze gesenkt werden, wie es in diesem Jahr sogar in Portugal,
dem führenden Alkoholkonsum-Land geschehen ist. (0,2 ! Promille, zur Probe auf
6 Monate befristet.) Norwegen seit Anfang Jahr von 0,5 auf 0,2, nach 6 Monaten
bereits mit positivem Ergebnis. Auch Italien ist im neuen Gesetz auf 0,5
gegangen (30.3.01), es muss noch in Kraft gesetzt werden. Die angetrunkenen FahrerInnen
bilden eine ständige Gefahr für sich und die Allgemeinheit (jüngstes
Beispiel: Brand im Gotthardtunnel, 11 Tote), eine „Fünfte Kolonne“, die
unabsichtlich Terror ausüben und von der Mehrheit der Parlamentarier in Bern
noch unterstützt werden. Die Wähler sollten sich diese merken. Die sich
christlich nennende Partei müsste den Namen wechseln oder die entsprechenden
eigenen Parlamentarier ausschliessen, die durch ihr Verhalten bei der
Promille-Vorlage ihre Ideale verhöhnen. Mit freundlichen Grüssen Hermann T. Meyer
Nachträgliche nicht eingereichte Anmerkung: Bei jedem dieser Gerichtsfälle
müsste auch unsere Gesellschaft auf der Anklagebank sitzen. Sie bringt es nicht
fertig, ParlamentarierInnen zu wählen, die ihrem Amtseid getreu Gesetze
schaffen und deren Durchsetzung überwachen, die zum Wohle des Volkes den
Alkohol am Steuer wirksam bekämpfen.
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InhaltsverzeichnisEntwicklungen der schweizerischen Alkoholpolitik der letzten Jahre anhand von Leserbriefen Ihre Meinung interressiert uns Links zu Fachleuten und Institutionen Die Lobby-Arbeit der globalen Alkoholindustrie Dossiers: Suchtmittelwerbung; Alcopops; Absinth; WTO - GATS; Alkoholkonsum Jugendlicher; Alkohol und Verkehr / Drink Driving; Wein (Alkohol) sei (mässig genossen) gesund; Sport und Alkohol; Strukturelle Prävention; NPA (Nationales Programm Alkohol); botellón Projekt-Idee
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Herausgeber/Editor:Hermann T. Meyer, Projekte und Dienstleistungen, Lindenstr. 32, CH-8307
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