Leserbrief

14.02.2002

Neue Zürcher Zeitung
Redaktion Leserbriefe
8008 Zürich

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Leserbrief betr. „Olympische Sumpftour“ vom 14.2.02

Da werden zwei Schlüsselspieler der Eishockey-Nationalmannschaft nach einer unprogrammgemässen Sauftour vorzeitig nach Hause geschickt. Sie waren dazu offenbar einschlägig vorbelastet. Dem Trainer blieb kaum eine andere Wahl. Ihn deswegen unterschwellig anzugreifen, scheint mir verfehlt. Die wirkliche Ursache für diese Fehltritte zu ergründen, müsste aber für die Verantwortlichen im SEHV
von brennendem Interesse sein. Ich möchte dazu ein paar Hinweise beisteuern:

Noch vor etwa 15 Jahren war es in gewissen Eishockey-Clubs möglich, dass die  jungen Spieler dort den Zugang zu Alkohol und Tabak fanden. Kein Training und kein Spiel nach dem man sich nicht noch zu einer feuchten Runde zusammenfand und die Anstrengungen hinunterspülte. Das änderte auch in späteren Jahren nicht. Nur kam dann noch die alkoholisierte Heimfahrt dazu. Die Familie durfte mit Bangen jedes Mal die hoffentlich unfallfreie Rückkehr ihres Sprösslings erwarten. Ob es heute überall anders ist? Die Feiern in gewissen Fussballkabinen nach den Spielen lassen da kaum auf neue Sitten hoffen.

Mich hat immer gewundert, dass Spieler, die ihre ganze Freizeit dafür einsetzen, körperlich topfit zu werden, mit Alkohol und Tabak immer wieder einen Teil dieser auch geistigen Leistungsfähigkeit ruinieren. Aber auch, dass Vereine nicht fähig sind, diesen Zusammenhang zu sehen und für andere, ungefährliche Rituale zu sorgen. Sport und Suchtmittel vertragen sich nun einmal nicht. Rücksichtnahmen auf Sponsoren und Werber aus der Suchtmittelbranche rächen sich so im eigenen Verein. Die allgegenwärtige Alkohol- und Tabakwerbung sollten möglichst bald aus der Sportwelt verschwinden.

Dass auch die Wirkung auf die Allgemeinheit nicht ausbleibt, ist ein weiteres trübes Kapitel. Nicht umsonst rief Simon Ammann am Schluss des Siegerinterviews seinen Fans in Unterwasser zu, sie sollten keine Schnapsleichen produzieren, er wolle nicht daran schuld sein.

Hermann T. Meyer, Effretikon

 

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Stand: 30.12.2008