
Internationales
30.05.2003
Übersetzung von H.T. Meyer aus "alcohol ALERT" Nr. 1, 2003,
Herausgeber: The Institut of Alcohol Studies, London IAS
Wie bekommt man sein Roxxoff
Originaltitel: How to get your Roxxoff
Die jungen Saufkumpane verhelfen England an die Spitze der
Alcopops-Liga
Alkoholbedingte sexuelle Schwäche (brewer’s droop) könnte
bald der Vergangenheit angehören: jetzt kannst du saufen und gleichzeitig die
Libido verstärken. Eine neue Generation von Alcopops, so die Produzenten, ist
daran, den Markt für alkoholische Getränke für Jugendliche, im Sturm zu
erobern. Es wird behauptet, die Getränke würden die sexuelle Leistungsfähigkeit
ankurbeln und sie fanden bereits heftige Ablehnung, weil sie nur die Probleme
des Rauschtrinkens und der unerwünschten Schwangerschaften verschlimmern würden.
Ein Sprecher des Instituts für
Alkoholstudien sagte: „Roxxoff und seine Nachahmer demonstrieren den
erschreckenden Zynismus einer Industrie, die keine Skrupel beim Vermarkten ihrer
Produkte an Jugendliche hat. Alkohol ist bereits ein Hauptfaktor bei ungewollten
sexuellen Kontakten, und im unwahrscheinlichen Fall, dass diese buchstäblich
geschmacklosen Produkte ihr schlüpfriges Versprechen halten sollten, können
sie nur grossen Schaden anrichten. Wenn die Portman Gruppe mehr als nur der
Industrie Pudel sein soll, muss sie entschieden reagieren.“
Es wird angekündigt, dass jene in diesem
Sommer die Bars überschwemmen werden, da das Marketing der Getränkeindustrie
mit einer berauschenden neuen Reihe von Produkten auf die jungen Clubbesucher
(Discos) zielt, die bereits als „Viagra pops“ bekannt werden.
In ausgesprochen schockierenden Phrasen
behaupten Getränkeproduzenten, dass diese kraftvollen Mischungen von Wodka,
Passionsfrucht und chinesischem Aphrodisiakum eine „Generation von geilen
Superwesen“ erschaffen werden. Die Alkohol-Industrie erwartet voll Vertrauen,
dass diese Getränke die gleiche Wirkung im Markt haben werden wie das
Erscheinen der Alcopops in den Neunzigerjahren.
Keiner der Drinks wird wirklich Viagra
enthalten, das von der amerikanischen pharmazeutischen Firma Pfizer hergestellt
wird. Statt dessen vertrauen sie auf chinesische Kräuter, z.B. cordyceps und
epimedium grandiflorum, besser bekannt als Chinas heilender Pilz und horniges
Ziegenkraut (siehe dazu am Schluss den Link zur Spezialseite), um dem
Konsumenten einen amourösen Antrieb zu verleihen.
Die erste dieser Marken, witzig Roxxoff
benannt (möglicherweise in Anlehnung an „on the Rocks, off the Rocks“, d.Übers.),
wird zu nur £1.50 verkauft, wenn sie in England erscheint. Man nimmt an, dass
mindestens drei andere Firmen daran sind, ihre eigenen Versionen zu lancieren.
„Das ist, wovon jedermann in der
Branche spricht,“ sagte eine Gewährsperson aus der
Getränke-Industrie. „Seit Monaten haben die Firmen versucht, das richtige
Aroma zu finden, gerade zur rechten Zeit für das warme Wetter.“
Marketing Experten schätzen, dass von
diesem neuen Produkt im ersten Jahr mehr als fünf Millionen Harrasse verkauft würden.
Lynch Wines, eine Firma, die von Surrey aus
operiert, bringt Roxxoff heraus, das einen Alkoholgehalt von 5,4% aufweist. In
einer Inserateserie werben sie mit dem Star Dannii Minogue. Ihre erste Werbung
verspricht eine „sensationelle, wissenschaftlich zusammengestellte Mischung
von potenten und bewährten Aphrodisiakums, die zu einer „Generation von
geilen Superwesen“ führen könnte.“
Der Prospekt von Viagra pops und die übertriebene
Begleitmusik hat Experten aus dem Gebiet der Alkoholprobleme aufgeschreckt. Jack
Law, von der in Glasgow tätigen Gruppe Alkohol Focus, hat zu einem Verbot von
Roxxoff aufgerufen. Er sagt, dass es eindeutig die Richtlinien breche, die die
Portman Gruppe (Alkoholindustrie) aufgestellt habe. Diese „Regeln für die
Praxis halten fest, dass kein Getränk oder seine Verpackung irgend eine
Verbindung zu sexuellem Erfolg suggerieren dürfe, oder dass es physische Fähigkeiten
verbessern könne,“ sagte er.
„Roxxoff
sendet eine ganz unverantwortliche Botschaft an die jungen Konsumenten, für
die es bestimmt ist, und wird nur die Wahrscheinlichkeit des Rauschtrinkens und
des ungeschützten Sex erhöhen.“
Mitarbeiter von Alcohol Concern warnten,
dass solche Drinks zu einer Zunahme der Vergewaltigungen bei Dates und der
Schwangerschaften von Teenagern führten. „Wir möchten, dass diese
verboten werden, ob sie nun die sexuelle Leistungsfähigkeit steigern oder
nicht,“ sagt ein Sprecher. „Vielen Untersuchungen ist zu entnehmen,
dass Teenager bedauern, wenn sie betrunken ungeschützten Sex gehabt haben, also
ist das beunruhigend.“
Aber Lynch Wines antworten, dass viele „junge
Leute zu Clubs und Bars gehen, um Leute zu treffen, in der Absicht, Sex zu haben
– wir helfen ihnen nur dabei.“ Anscheinend ist die Firma skeptisch, was
die Potenz der britischen Jugend angeht und hat sich selbstlos die Rolle des
Kupplers zugelegt.
„Wir sind uns sehr genau unserer
Verantwortung bewusst. Dies sieht nicht wie ein Getränk für Kinder aus und
sein Design verleitet einen nicht zu denken, das sei Limonade.“
Diese „Liebestranke“ erscheinen, während
kürzlich publizierte Zahlen zeigen, dass England der grösste Markt für
Alcopops in Europa geworden ist. Neue Trinkgewohnheiten unter jungen Frauen und
die „ladette culture“ (Die neue Sitte Jugendlicher, sich zum Zwecke des Besäufnisses
zu treffen) haben geholfen, uns diesen nicht beneidenswerten Ruf zu verschaffen.
Die Tatsache, dass die Konsumenten in England letztes Jahr £5 Millionen pro Tag
für Alcopops ausgaben, wird bekannt zu einem Zeitpunkt, da die von der
Regierung weit verspätete Alkoholstrategie entworfen wird und Minister überlegen,
wie mit der ansteigenden Welle des Alkoholismus in Grossbritannien, vor allem
unter Frauen, umgegangen werden kann. Die Anziehungskraft von Alcopops wird sehr
stark von jungen Frauen gespürt, angezogen vom süssen Geschmack wie auch von
aggressiven Werbemethoden.
„Junge weibliche Konsumenten sind
immer noch bei weitem der Schlüssel-Ziel-Markt,“ sagte
John Band von Datamonitor, die Konsumenten-Analysten. „Zusätzlich zum
leicht zu trinkenden süsseren Geschmack haben Marken, wie Archers Aqua, einen
absichtlich weiblichen Focus in Bezug auf Verpackung und Inhalt, und sie bieten
einen höheren Alkoholgehalt an als Biere.“
„Während niemand einen Bierbauch haben will, finden die meisten Frauen
diese Aussicht eher noch bestürzender als die meisten Männer.“
Die Verkäufe von Alcopops beliefen sich im
Jahr 2002 auf mehr als £2 Milliarden, eine Zunahme um 50% im Vergleich zum
Vorjahr. Analysten der Getränkeindustrie sagen, die Zunahme im Alcopopmarkt sei
durch die Begeisterung für alkoholische Softdrinks und einen Trend zu
vorgemischten Spirituosen verursacht worden.
„Es wird immer einen bereiten Markt für süssschmeckende Drinks
geben, die den Alkoholgeschmack maskieren,“ sagte Herr Band. „Der
grosse Erfolg der Alkoholindustrie war es, süsse Drinks zu kreieren, die als
Spitzen-Produkte angesehen werden, die sogar erfahrene Konsumenten zufrieden
stellen.“
Er fuhr fort vorauszusagen, dass die
Popularität der Alcopops europaweit wachsen würde, aber dass die britische
Spitzenposition über die nächsten fünf Jahre unangefochten bleiben werde. Bis
jetzt gab es wenig Anzeichen eines Verkaufsbooms in Ländern wie Frankreich und
Spanien. Im Moment sind Alcopops immer noch weitgehend ein Phenomen in
Nordeuropa. Die Ausgaben pro Kopf der
britischen Konsumenten für Alcopops betrugen letztes Jahr £33. Die Iren gaben
£49 pro Kopf aus, vor allem weil die Marken dort teurer sind.
Herr Band sagte, dass es „nicht überraschend
war, dass England und andere nordeuropäische Länder den Markt anführen. Sie
gehen an Wochenenden aus und werden beschwipst. In Spanien, Italien und
Frankreich, wo die Leute den Alkoholkonsum über die Woche verteilen und
trinken, weil sie den Geschmack geniessen, werden Alcopops nie den gleichen
Markteinfluss haben.“
(Kommentar des Übersetzers: Die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied wurde von
England aus offenbar nicht als Alcopop-Land erkannt. Frankreich hat die Alcopops
mit hohen Steuern rechtzeitig abgewehrt, bei uns kommt die Alcopopsteuer erst
jetzt vors Parlament)
Spezielle aus dem Internet kopierte Seite
über die beiden Aphrodisiakums, die Roxxoff beigemischt werden sollen.
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