Internationales

Aus: GUTTEMPLER DIALOG Ausgabe 3/2005, Seite 6

Das Projekt:

Widerstand gegen die internationale Alkoholindustrie formiert sich in Indien.

Indien wird in den nächsten 20 Jahren zu einer der größten Volkswirtschaften der Erde werden. Natürlich sieht hier auch die Alkohol Industrie einen Markt, der um ein Vielfaches größer ist als Europa. Es ist bekannt, dass die Manager und die Kapitaleigner der Brauereien und Spirituosenhersteller keinerlei Skrupel kennen, wenn es um ihren Profit geht. Indien hatte in den vergangenen 60 Jahren einen sehr geringen Pro-Kopf-Konsum von alkoholischen Getränken. Im Kampf gegen die Kolonialherrschaft spielte die Alkoholfreiheit eine wesentliche Rolle. Für Gandhi war ein abstinentes Leben selbst- verständlich und der Alkoholkonsum wurde als britische Lebensweise abgelehnt und die Deputate von Alkohol an die  Plantagen- arbeiter wurden als Unterdrückungsmaßnahme gebrandmarkt. Seit der Unabhängigkeit im Jahre 1947 ist ein langsamer Anstieg des Alkoholkonsums zu verzeichnen, welcher sich nun, bedingt durch den steigenden Wohlstand der Mittelschicht, beschleunigt. Mit Unterstützung von FORUT Norwegen und GAPA (Global Alkohol Policy Alliance) wurde nun die Indian Alkohol Policy Alliance

 

(IAPA) gegründet. IAPA hat die Aufgabe, eine wirkungsvolle Alkoholkontrollpolitik für Indien durchzusetzen. Dabei geht es nicht nur um die gesundheitlichen Schäden und Kosten, welche durch die Alkoholabhängigkeit für die Gesellschaft entstehen, sondern auch um die Gefahren, welche der zunehmende Alkoholkonsum für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens mit sich bringt. Alkoholbedingte Gewalt, auch in den Familien, Respektlosigkeit und Sittenverfall sind heute schon deutlich zu beobachten. Noch liegt der geschätzte Pro-Kopf-Verbrauch bei zirka 5 Liter reinem Alkohol im Jahr, etwa die Hälfte des deutschen Konsums. Es bedarf der politischen Einflussnahme, nicht nur in Indien, sondern auch in den Erzeugerländern Europas und den USA, um den Trend des Alkoholkonsums in Indien wieder umzukehren.

Gandhi selbst nannte folgende sieben Sünden der westlichen kapitalistischen Gesellschaft:

1. Politik ohne Prinzip
2. Wohlstand ohne Arbeit
3. Handel ohne Moral
4. Vergnügen ohne Gewissen
5. Erziehung ohne Charakter
6. Wissenschaft ohne Menschlichkeit
7. Religion ohne Opfer 

Jeder dieser sieben Punkte könnte auch in einem Guttemplerprogramm stehen. Global denken und lokal handeln, ist für uns wichtiger als je zuvor.

Jan Jacobs Hamburg


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Stand: 30.12.2008