
Internationales
29.11.2002
Frankreichs Alkoholpolitik nach dem Regierungswechsel
Quelle: ANPA (Assoc. Nationale de Prévention de l'Alcool)
Bisher gründete die Alkohol-Politik auf zwei Studien, die die vorherige
Regierung in Auftrag gegeben hatte:
a) Prof. Roques, 1998: Er folgerte, dass Alkohol vom wissenschaftlichen
Standpunkt aus gesehen die bedeutendste psychoaktive Substanz ist, vor Heroin
oder Cannabis. Deshalb betrachtet er Alkohol als eine Droge. (legale Droge)
b) Das nationale Institut für Gesundheit und medizinische Forschung, 2001: Die
medizinischen Folgen des Alkoholkonsums.
Die neue Regierung scheint nun den Märchen der Alkoholindustrie zu glauben,
die nicht akzeptieren kann, dass Alkohol gefährlich ist.
Die Industrie verteilte 3 Mio. Bierdeckel an ca 30'000 Cafés und Restaurants
mit dem Aufdruck: "Alkohol ist keine Droge und wir sind keine Dealer".
Gleichzeitig schrieb sie an die Politiker, ihre Produkte seien legal,
Mässigkeit hätte noch keinen getötet und dass sie nie Jugendliche oder
Betrunkene bedienten. Die Alkohol-Industrie ist also daran, mit grossem Aufwand
eine Gesundheitskampagne zu betreiben und die Prävention zu beeinflussen.
ANPA (Assoc. Nationale de Prévention de l'Alcoolisme) betreibt nun eine
grosse Gegenkampagne, als Zielgruppen die Regierung, das Parlament, die lokalen
Behörden, Finanzpartner und die Medien, mit den Hauptzielen:
a) Aufzeigen, warum Prävention für Jugendliche und Erwachsene wichtig ist und
jedes Jahr unterstützt werden muss.
b) Den Handlungsbedarf klarstellen, der angesichts der sozialen Kosten des
Alkoholkonsums gegeben ist. (auf ca 17 Mia. € geschätzt) (10 Mio. € werden
für Prävention ausgegeben.)
Diese 17 Mia. € beruhen auf einer Untersuchung, mit der die alte Regierung
Prof. Kopp, einen Oekonomen, beauftragt hatte. Dieser bezifferte den
Alkohol-Anteil an den totalen sozialen Kosten aller Drogen mit 53%, den des
Tabaks mit 41% und den der illegalen Drogen mit 6%. Dies war die erste Erhebung
der sozialen Kosten, die in Frankreich durchgeführt worden ist. Sie
berücksichtigt nicht nur den Verlust an Leben, sondern auch die Verletzten, die
Strassenunfälle, die Kosten für den ganzen Justizapparat sowie Krankheit,
Behandlungskosten und Produktivitätsverluste.
Wenn die Alkoholindustrie den "vernünftigen" Konsumenten
anspreche, hält Prof. Kopp dagegen: "Die Oekonomie des Alkohols ist eine
Oekonomie der Drogen und kann sich deren Regeln nicht entziehen. Nehmen wir an,
die Idee der WHO stimme, wonach drei Gläser Wein pro Tag kein Risiko
darstellen. Dass aber das Risiko steigt, sobald mehr als das getrunken wird.
Der Prozentsatz der Menschen, die diese empfohlene Menge konsumieren, ist
sehr klein, praktisch zu vernachlässigen. Also ist die Zielgruppe der
Alkoholindustrie nicht der "vernünftige" Konsument. Das bestätigt,
dass ihre Marketing- Strategie (...) auf den viel konsumierenden
abzielt(...)"
ANPA greift die Alkoholindustrie auch an, weil Ricard und Kronenbourg im Juni
Studenten-Parties in Frankreich gesponsert und Alkohol an Jugendliche abgegeben
haben. Das ist durch das Gesundheitsgesetz verboten.
Dazu sagt der Delegierte von "Entreprise et Prévention" (Gründung
der Alkoholindustrie): "Die Politik der Industrie ist es, überall anwesend
zu sein, wo Jugendliche sind, in Diskoteken, Bars, Studentenparties. Das ist
nicht unmoralisch."
|