Brief an:

26.2.2002

Schweizerische Bischofskonferenz
Herrn Dr. Agnell Rickenmann
Generalsekretär
Case postale 122
1706 Fribourg

 

Ihr Schreiben vom 31.1.02

Sehr geehrter Herr Generalsekretär,

Ich möchte Ihnen nochmals für Ihre ausführliche Antwort und die Zusendung des Textes „Das Wort der Kirchen“ herzlich danken. Die Fr. 15.— für Kopierkosten werde ich Ende Monat einzahlen. Wie in meiner ersten Antwort angekündigt, werde ich nun (am Ende meiner Ferien) versuchen, Ihnen meine Ansichten dazu genauer darzulegen und ich hoffe, dass Sie die Zeit finden, sie ernsthaft in Erwägung zu ziehen. Damit auch die evangelische Seite auf dem laufenden gehalten ist, sende ich eine Kopie dieses Schreibens auch an Herrn Prof. Peter, der mir für diese geantwortet hat.

Zuerst zu Ihrem Brief: Ich gehe mit Ihnen einig, wenn Sie die Kirche verteidigen, dass sie sich nicht lächerlich machen darf, indem sie unrealistische Lösungen für unsere gesellschaftlichen Probleme anbietet. Es kann auch nicht darum gehen, das Paradies auf Erden zu fordern. Andererseits ist es natürlich sehr einfach, unliebsame Themen mit diesen Argumenten vom Tisch zu wischen. Ich wünschte mir, dass es möglich würde, dass die Kirchenleitung abklärt oder abklären lässt, inwiefern die von mir angesprochene Alkoholfrage in der Kirche thematisiert und auf politischem Weg, mit der Unterstützung der Kirchen, entschärft werden könnte.  

Nach der Lektüre des Wortes der Kirchen spreche ich den Verantwortlichen gerne meine Anerkennung für diese gewaltige Leistung aus, nach einer breiten Debatte eine derart geschlossene und stilistisch einheitliche Zusammenfassung zustande gebracht zu haben. Als Lehrer, der auch jahrzehntelang in der Erwachsenenbildung tätig war, weiss ich diese Arbeit zu würdigen. Ob der Wert und Effekt dieses kirchlichen Beitrages bloss in der internen Weiterbildung liegt, wird sich erst weisen, nachdem in der Basis daraus Früchte erwachsen sind oder auch nicht. Wobei ich diese Weiterbildung als solche bereits als nötig und sehr wertvoll betrachte. D.h. erst wenn sich diese Problemfelder und gesellschaftlichen Faktoren, die im Wort der Kirchen sehr schön erarbeitet wurden, auch in der gesellschaftlichen Wirklichkeit, im täglichen Leben, umgesetzt werden, wird sich der Wert dieser Arbeit ermessen lassen.

Zum Inhalt des Wortes der Kirchen brauche ich nicht viel zu sagen, er entspricht in fast allen Teilen meiner Weltsicht. Ich bedaure nur, dass es nicht viel früher entstanden ist. Dann hätte ich mich nicht so lange in der Opposition zu „meiner“ Kirche fühlen müssen. 

Wenn Sie zum Alkoholproblem Stellung nehmen, um das es mir in erster Linie geht, habe ich doch Bedenken, ob Sie dessen Tragweite erkennen, weil Sie nur von den direkt Betroffenen und den armen Teufeln auf den Parkbänken sprechen. Da beginnt bereits die Problematik, ob in der Kirche dieser Frage die ihr gebührende Wichtigkeit beigemessen werden kann, solange das Ausmass des Problems nicht einmal bekannt ist. Ich mache Ihnen deswegen keinen Vorwurf. Aber es lässt mich hoffen, dass dies der Anfang eines Meinungsbildungsprozesses sein könnte, der sich mit zunehmendem Wissen um die Alkoholfrage in die von mir angestrebte Richtung bewegen würde.

Dass es immer wieder akutere Tagesprobleme gibt, ist klar. Jede andere Sucht wird gleich hochgespielt, um damit die Alkoholfrage in den Hintergrund zu schieben, obwohl diese weitaus am bedeutendsten ist. Sie gilt als das grösste sozialmedizinische Problem in der Schweiz und umfasst nicht „nur“ den Alkoholismus, d.h. das Problem der 300'000 Abhängigen und ihrer Angehörigen, sondern auch alle andern Bereiche, in denen durch den Gebrauch von Alkohol Schaden entsteht. (Unfälle, Kriminalität, Aids, unerwünschte Schwangerschaft, Vergewaltigung, wodurch völlig unbeteiligte Personen zu Schaden kommen.)

Das heisst nicht, dass ich z.B. Ihren Hinweis auf die heutige Überbewertung der Sexualität nicht auch unterschreiben könnte. Meiner Meinung nach hat die Abwertung der traditionellen Familie viel damit zu tun. Mir geht es aber wie gesagt darum, auf dem Gebiet des Alkoholproblems, das seit über 100 Jahren immer nur mit kleinen Pflästerchen behandelt wurde, einen markanten Schritt weiterzukommen. Die Zeit scheint mir reif dafür und die Voraussetzungen gut.

So ist auf internationalem Gebiet eine breite Front gegen die Alkoholindustrie aufgebaut worden und unter Führung der WHO sind Aktionspläne entwickelt worden, die bis auf die lokale Ebene hinunter jetzt der Umsetzung harren. Auch in der Schweiz sind die wissenschaftlichen Grundlagen durch anerkannte Fachleute in privaten Institutionen und Ämtern des Bundes bereit, um eingesetzt zu werden. Was fehlt, ist die Einsicht der Politiker. Sie bewegen sich erst, wenn sie sich von der Basis abgesichert fühlen können. Diese „Mutspritze“ zu verabreichen, könnte die wichtige Aufgabe der Kirchen im Verbund mit andern grossen Organisationen sein.

Mit Sucht im allgemeinen befasst sich die sogenannte Gesundheitsförderung, die versucht, den einzelnen so zu stärken, dass er „immun“ wird. Dies ist ein sehr langfristiger Erziehungsprozess, der über Generationen gehen wird, wenn er überhaupt je Erfolg hat. Denken wir nur daran, welche Mühe wir seit Tausenden von Jahren mit den 10 Geboten haben.

In der Alkoholfrage gibt es aber die strukturelle Prävention, die mit politischen Massnahmen die Erhältlichkeit, die Preisgestaltung und die Vermarktung regeln kann, womit der Konsum gesenkt wird und damit die Schäden reduziert werden können. Dies sind die einzigen Möglichkeiten, die markante messbare Ergebnisse bringen. Aufklärende Prävention kann nur Wissen vermitteln aber keine Haltung ändern. (Siehe Homepage von www.alkoholpolitik.ch)

Nun aber zum Wort der Kirchen. Ich habe untersucht, in welcher Weise die Alkoholfrage in den verschiedenen Kapiteln und Thesen enthalten ist. Zusammenfassend finde ich, dass es kaum ein anderes schweizerisches Problemfeld gibt, das derart vielschichtig ist und so umfassend durch das Wort der Kirchen erfasst wird wie das Alkoholproblem. Ich fände es wirklich an der Zeit, dass die Kirchen mit ihren Basisorganisationen und politischen Gremien dieses in ihre Aktivitäten aufnehmen und zusammen mit Fachinstitutionen und weiteren grossen Organisationen einer Lösung näher bringen würden.

Im Vorwort finde ich die Legitimation für meinen Vorstoss: Die Ökumenische Konsultation will zur Fortsetzung der Diskussionsprozesse ermuntern, für eine gute Ausrichtung der zukünftigen Gesellschaftsentwicklung stimulieren... Und der letzte Abschnitt: „Dieses Wort soll unsere Überzeugung zum Ausdruck bringen, dass die Kirchen nicht abseits stehen können und wollen, wenn es um die Gestaltung der Zukunft geht. ....“ Genau das hoffe ich auch für die praktische Umsetzung.

Seite/

Absatz

Zitat, Textstelle

Kommentar

3

Das erste Kapitel bringt die Frage nach der menschengerechten Gestaltung unserer Gesellschaft und die unentbehrliche Rolle der ethischen Orientierung.

In der Alkoholfrage ist die Menschenwürde stärkstens betroffen.

Die Entscheidung, gegen die Alkoholprobleme anzukämpfen, ist letztendlich eine Frage der Moral.

9

..warum wir für die Geltung und Anerkennung der Werte... auch im gesellschaftlichen Umfeld einstehen.

Die Bekämpfung der Alkoholprobleme gelingt nur, wenn die Gesellschaft ihre Mitverantwortung akzeptiert. Gegenwärtig verläuft der Trend entgegengesetzt.

14/5

.. die zu den „Mühseligen und Beladenen“ der heutigen Zeit gehören.

z.B. Familien mit Alkoholproblemen eines Elternteils. Alkoholgeschädigte Kinder mit schlechten Bildungschancen und einer grossen Chance, später selber Alkoholprobleme zu entwickeln.

15/7

In dem Masse, wie der Glaube die Hinwendung... ist die christliche Hoffnung keine Utopie.

Eine Gesellschaftsform, in der der Alkohol keine derart dominierende Rolle spielt, brächte mehr Gerechtigkeit, müsste keine Utopie sein.

16/10

...dass die wirtschaftlichen, politischen und sozialen Strukturen im Dienste des Menschen stehen....

In Bezug auf das Alkoholproblem ist diese Voraussetzung nicht erfüllt.

17/12

Es genügt in der Tat nicht, Werte zu proklamieren, sie müssen auch umgesetzt werden;...

Viele versuchen es, helfen Sie mit.

18/16

...Wandel so zu bewältigen, dass es der Menschenwürde...

z.B. die Menschenwürde eines Betrunkenen; eines Familienvaters, der sieht, wie seine Familie untergeht.

18/18

...auf der Achtung der Menschenwürde ....Diese neue Form der Solidarität...

Eine Form der Solidarität wäre z.B. wenn der mässig Alkohol Konsumierende eine Preiserhöhung in Kauf nehmen würde, damit der Konsum zurückgeht. Nach der Projekt-Idee auf www.alkoholpolitik.ch würde er diese sogar wieder rückerstattet erhalten. Solidarität zeigen kann man auch, wenn man mit einem Alkoholgefährdeten zusammensitzt und für einmal auch alkoholfrei konsumiert. Oder wenn bei kirchlichen Festen der Auswahl der alkoholfreien Getränke mindestens die gleiche Beachtung geschenkt wird wie bei den Alkoholika.

19/21

...im Spannungsfeld von individueller Freiheit und gesellschaftlicher Solidarität. Menschenwürde und Respekt des Andern....Die allgemeinen Menschenrechte...

Z.B. dass Menschen mit alkoholfreiem Lebensstil nicht ausgegrenzt werden. Gewalt in der Familie unter Alkoholeinfluss. Dass weniger alkoholgeschädigte Familien ihren Kindern schlechte Startchancen fürs Leben geben. Dass nicht die Industrieländer mit ihren Alkoholmultis die Entwicklungshilfeanstrengungen zunichte machen.

21/25

Gleichzeitig ist der Mensch selbst Wächter dieser Solidarität und des Gemeinwohls, aber auch Hüter seiner Mitmenschen. ...dass alle Menschen sich der Unverletzlichkeit und Unantastbarkeit der Menschenwürde gewahr sind.

Dies ist ein zentraler Punkt bei der Bewältigung der Alkoholprobleme. Der einzelne ist mitverantwortlich, dass die Gesellschaft als Kollektiv verantwortlich handelt.

 

Die Menschenwürde wird auch bei uns täglich in Tausenden von Fällen verletzt. Bei der Alkoholisierung werden zuerst die höchsten menschlichen Funktionen ausgeschaltet.

21/27

..Umsetzung der Grundwerte... Zweifel an ihrer Durchsetzbarkeit..

Das ist die schwierige Überzeugungsarbeit, interne Weiterbildung. Aber ohne Umsetzung bleibt die ganze Theorie Schall und Rauch, eine Alibiübung.

22/28

...dass ihre Konkretisierung im praktischen individuellen oder kollektiven Handeln in der Verantwortung einer jeden Person liegt. Die kirchliche Ethik ...

Hier haben sich die Verfasser möglicherweise ein Hintertürchen geöffnet, um aus der Verantwortung bei der praktischen Umsetzung aussteigen zu können.(?)

23/31

Ethische Verantwortlichkeit wird also bei der Ausgestaltung und Einsetzung ...Institutionen in die Pflicht genommen. ...Solidarität, Gerechtigkeit, Nachhaltigkeit usw.

Hier wären vor allem auch die Politiker gefragt, deren Partei ein „C“ im Namenskürzel aufweist. Leider waren sie für mich in der Vergangenheit oft ein Ärgernis. Auch jetzt wieder in der Promille-Debatte bei der Revision des Strassenverkehrsgesetzes und betr. Alkoholwerbung  im Zusammenhang mit dem Radio- und Fernsehgesetz.

23/32

An der Verantwortung aller Bürgerinnen und Bürger für das Gemeinwohl in einer Demokratie...

Wie schwierig muss es sein, den einfachen Bürger zum verantwortlichen ethischen Handeln zu führen, wenn es nicht einmal alle CVP-Parlamentarier fertig bringen, die doch einen entsprechenden Eid abgelegt haben.

24/33

Wenn die Kleinen und Schwachen in unserem Land.... und dass die Stärke des Volkes sich misst am Wohl der Schwachen.“

Dazu gehören die Opfer unserer bisherigen Alkoholpolitik. Sie zählen inzwischen Millionen.

25/35

...wurzelt die Gleichheit aller Menschen und die Würde der Person ....; geht es um die Gestaltung der Gesellschaft, räumen wir diesem Recht absolute Priorität ein.

Hier nochmals der Hinweis, dass die Industrieländer mit ihren Alkoholmultis die Entwicklung der Drittweltländer torpedieren. Auch haben die kein entsprechendes soziales Auffangnetz  wie wir.

(Weltmacht Alkohol, Neuland Verlag Hamburg; Thirsting for Markets, The Marin Institute for the Prevention of Alcohol and other Drug Problems, USA; THE GLOBE, Special issue 4, 2001-02:GAPA Bangkok consultation: Alcohol in Asia)

26/36

Der Mensch muss der Schöpfung Sorge tragen.

Und der Mensch sei die Krone dieser Schöpfung.

27/39

Weigert sich jemand, seines Bruders oder seiner Schwester Hüter zu sein, dann bricht der Totschlag in die Geschichte ein.

Das ist eines der wesentlichen Zitate im Kampf gegen die Alkoholprobleme. Wesentlich scheint mir, dass der „Hüter“ vor dem Unheil schützt und nicht nur wie der gute Samariter pflegt. D.h. hier kommt die Prävention deutlich zur Sprache.


27/40

Das Evangelium zu leben und zu verkündigen schliesst die Verpflichtung ein, sich für die integrale Befreiung jedes Menschen in seiner lebenspraktischen Wirklichkeit einzusetzen. Auf dem Spiel steht die Glaubwürdigkeit unseres Glaubens.

Jeder Abhängige liegt in Ketten, aus denen er Befreiung sucht, allein vielleicht nicht findet. Dafür zu sorgen, dass nicht so viele abhängig werden, scheint mir ebenso wichtig.

27/41

Deshalb unterstützen wir alle Männer und Frauen, die sich aktiv für die Beseitigung aller wirtschaftlich, politisch oder gesellschaftlich bedingten Hindernisse einsetzen, sofern sie die der Menschenwürde inhärente Freiheit bedrohen.

Eine absolut geniale Formulierung des Alkoholproblems. Ich freue mich auf diese Unterstützung!

28/42

So hat Christus unsere Beziehung zum Nächsten erneuert und die Grundlagen für eine neue Ethik gelegt.

 


29/45

Deshalb sind alle Christen und Christinnen eingeladen, ihren Teil zu dessen Kommen beizutragen und ihre Verantwortung gegenüber allen Brüdern und Schwestern im Mensch-Sein wahrzunehmen.

 

32/48

...zu gross sind die Einflüsse der Werbung, des Medienangebots usw.

Die Werbung behauptet das Gegenteil, und das Volk glaubt den Unsinn. (Zwillingsinitiativen abgelehnt) Wo war damals die Stimme der Kirchen?

41/70

Beispiele wie die steigenden Krankenkassenprämien...

Die Krankenkasseprämien enthalten einen bedeutenden Beitrag an die Kosten der Alkoholschäden. Familien mit Alkoholproblemen kämpfen oft am Existenzminimum.

60/118

Ein Paradies auf Erden ist nicht zu haben, was aber nicht davon entbindet, nach besseren und gerechteren Lebensbedingungen zu streben.

Diesen ersten Teil hört man in der Kirche als Ausrede noch öfters.

63/127

...insbesondere mit einer  aktiven Mitwirkung der Schweiz in der internationalen Arbeitsorganisation für gerechte Arbeitsverhältnisse zu sorgen.

Es gibt z.B. immer noch Länder, in denen z.T. ein Naturallohn in Form von Alkoholika bezahlt wird. Dies ist auch eine Methode, Kritik zu besänftigen.

65/133

Oberstes Ziel der Wirtschaft ist nicht der Profit, sondern die Entfaltung des Menschen und des sozialen Lebens.

Wie weit sind wir davon heute noch entfernt!

67/138

...doch reicht das Wissen allein offensichtlich nicht aus, um das Umweltverhalten zu ändern. ...anderseits können ökonomische Anreize helfen, den Wertewandel und die Verhaltensänderung voranzutreiben.

Beim Alkoholproblem ist es genau gleich: Aufklärung allein verbessert nur das Wissen, bringt aber keine Verhaltensänderung. (siehe www.alkoholpolitik.ch homepage und Projekt-Idee)

68/139

Das Prinzip der Ehrfurcht vor dem Leben verlangt erhöhte Beachtung.

Dies könnte ein Slogan für die Suchtprävention sein.

69/143

Der Traum eines einzelnen ist ein Traum; träumen viele gemeinsam denselben Traum, ist es der Beginn einer neuen Wirklichkeit (Dom Helder Camara).

Ich bin auf der Suche nach den vielen.

79/169

Jede Person soll sich bewusst werden, dass Eigenverantwortung nicht bloss das Wohl des Einzelnen, sondern das Wohl aller im Auge hat.

Diese Mitverantwortung ist im Gefolge der Liberalisierungswelle und im Suchtbereich durch die Politik der Gesundheitsförderung verloren gegangen.


83/182

Heute mehr denn je ist es Aufgabe des Staates, für das Gemeinwohl zu wirken.

Leider hat der Staat beim Alkoholproblem bisher versagt. Bei der Tabakbesteuerung spielt er gerade jetzt die gleiche verhängnisvolle Rolle. Was ist mit den CVP-Bundesräten?

84/184

...den Grundsatz der Subsidiarität in Erinnerung zu rufen.

Beim Alkoholproblem spielt dieses Prinzip. Nur die Regierung und das Parlament in Bern weigern sich, ihre Verantwortung zu übernehmen.

88/194

Wir ermutigen zudem die Journalisten, ihrem Berufsethos treu zu bleiben und allen Druckversuchen zu widerstehen, die darauf abzielen, den Sensationsjournalismus auf Kosten der Hintergrundinformation zu privilegieren.

Noch wichtiger scheint mir, dass die Journalisten bei der Darstellung der Wahrheit sich nicht einem Druck ihrer Verleger und deren Inserenten beugen.

90/198

...Globalisierung mit allem Nachdruck eine globale Struktur auch bezüglich politischer, rechtlicher, sozialer und kultureller Aspekte fordern.

Zum Alkoholproblem kann in dieser Beziehung gesagt werden, dass z.B. in der EU die Einsicht wächst, dass alkoholische Getränke nicht nur unter ökonomischen sondern auch unter gesundheitlichen und sozialen Aspekten behandelt werden müssen.

91/200

...Aids und andere Epidemien... diese Probleme machen vor Staaatsgrenzen nicht halt. Sie können nur gemeinsam gelöst werden.

Der Alkoholismus ist seit über 100 Jahren die verdrängte Epidemie der Industrieländer und hält nun, dank „unsern“ Alkoholmultis, auch Einzug in den Entwicklungsländern.

95/211

...wie der Samariter im Gleichnis selber zum Nächsten jedes andern Menschen zu werden, ...

Ich verstehe dieses Gleichnis nicht nur als Beispiel des Helfens und Pflegens. Als Nächste sollten wir mithelfen, dass der Überfall nicht mehr stattfinden kann, d.h. ich bin vor allem für die Prävention.

  104/233

Alles hängt letztlich davon ab, wie die Achtung der Menschenwürde und der Schöpfung konkret in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Gesellschaft unseres Landes gewichtet wird; wir weisen ihr einen unverhandelbaren Vorrang zu.

Wenn die Kirchen zu dieser Aussage stehen, müssen sie der Lösung der Alkoholfrage eine zentrale Bedeutung beimessen. Ich hoffe, sie haben die Einsicht und den Mut zur Tat.

Ich hoffe, dass ich Ihre Geduld nicht überstrapaziert habe und Sie einigermassen mit der Sachlage vertraut machen konnte. Es würde mich freuen, wenn dieser Gedankenaustausch Früchte trüge. Ich bin natürlich gerne bereit, z.B. auch Kontakte mit Fachleuten zu arrangieren, um ein weiteres Vorgehen zu planen.

Mit freundlichen Grüssen

Hermann T. Meyer

 

Kopie an:

Herrn Prof. Peter

 


 

      SCHWEIZER BISCHOFSKONFERENZ
CONFERENCE DES EVEQUES SUISSES
CONFERENZA DEI VESCOVI SVIZZERI
CONFERENZA DILS UESTGS SVIZZERS
                                                                                           
SEKRETARIAT
SECRETARIAT
SEGRETARIA
SECRETARIAT

                                                                     

02/355/AR/jk

                                                                                                          Herrn
                                                                                                          Hermann T. Meyer
                                                                                                          Lindenstr. 32
                                                                                                          8307 Effretikon

 

                                                                                                          Freiburg, 8. März 2002

 

 

Sehr geehrter Herr Meyer,

Ich danke Ihnen für Ihren Brief vom 25. Februar 2002, den wir am 28. Februar erhalten haben. Sie haben das «Wort der Kirchen» ja wirklich eingehend studiert und es freut mich, dass Sie Ihre Meinung über diese meines Erachtens wertvolle Broschüre positiv geändert haben, nachdem Sie es einmal selbst gelesen und sich nicht bloss auf gewisse Artikel in der Presse verlassen haben.

Es ist wichtig, dass sich Menschen wie Sie in den vielfältigen Fragen unserer Gesellschaft engagieren und nachdrücklich auf Probleme und Missstände aufmerksam machen. In diesem Sinne ist es sehr gut, dass Sie «unangenehm» bleiben und eine mahnende Stimme sind. Mit bequemem Wegsehen allein löst man nämlich sicher keine Schwierigkeiten, und da wir dennoch oft dazu neigen, Störendes zu übersehen, brauchen wir Menschen, die uns immer wieder wachrütteln.

Als Kirche, die nicht abseits stehen möchte, weil Christus selbst nicht abseits stand, sondern die Nöte der Menschen ernstnahm, ist es unsere Pflicht, uns mit den genannten Fragen und Problemen auseinanderzusetzen und -  was noch wichtiger ist -  zu handeln. Ich denke, Herr Peter vom SEK hat bereits treffend auf die Arbeit in den einzelnen Diakonien und auf die enge Kooperation der kirchlichen Sozialeinrichtungen mit dem Blauen Kreuz hingewiesen. Sicher kann man in jedem Fall immer noch mehr tun, doch wie Sie selbst gesehen haben, stellen sich uns viele Probleme, die alle nach einer sorgfältigen und effizienten Bewältigung verlangen und von denen einige noch dringlicher sind als das Alkoholproblem. Ich bin jedenfalls ganz klar der Meinung, dass wir uns auch künftig verstärkt und nach besten Kräften zum Schutz und zur Hilfe für die Schwachen und Kranken aller Art einsetzen müssen und uns nicht vor ihrem Elend verschliessen dürfen. Dazu zählen sicher nicht zuletzt auch all die Leute, die in irgendeiner Form Opfer des Alkohols wurden.

Ich hoffe, dass wir auch in der nahen Zukunft die Möglichkeit und die Mittel haben, auf die Vorsätze im «Wort der Kirchen» handfeste Taten folgen zu lassen und dazu vermehrt auch mit der staatlichen Seite und den vielen verdienstvollen Privatinitiativen Synergien zu schaffen. Gerade das Engagement einzelner beherzter Menschen von Ihrem Format ist dabei wertvoll und lobenswert. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen weiterhin viel Kraft und Mut zu Ihrer Aufgabe. Es hat mich gefreut, mich mit Ihnen austauschen zu dürfen und ich werde in Zukunft gerne ab und zu wieder einen Blick auf Ihre ansprechende und gut gestaltete Website werfen.

Mit freundlichen Grüssen

Dr. Agnell RICKENMANN
Generalsekretär 
der Schweizer Bischofskonferenz

  

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Copyright © 2001-2008: Hermann T. Meyer. Alle Rechte vorbehalten. Unsere eigenen Texte dürfen gerne unter Quellenangabe übernommen und weiterverbreitet werden. Fremde Texte entsprechen nicht unbedingt unserer eigenen Auffassung.

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Stand: 03.01.2009