Betr. Senkung des Promillewertes von 0,8 auf 0,5 in der Wintersession des Nationalrates.

 

Sehr geehrte National- und Ständerätinnen,

Sehr geehrte National- und Ständeräte

In der Wintersession entscheidet der Nationalrat über die Festlegung des Blutalkohol-Promillesatzes im Strassenverkehr. Nachdem der Ständerat in der letzten Session erfreulicherweise zugestimmt hat, und nun auch die Verkehrskommission des Nationalrates mit grosser Mehrheit 0,5 Promille als Grenzwert empfiehlt, ist nun der Nationalrat gefordert. Wir hoffen, dass innerhalb der Parteien Überzeugungsarbeit geleistet wird, damit ob der Statistik-Spiegelfechterei die Tatsachen nicht übersehen werden:

In Deutschland hat es im ersten Jahr nach der Umstellung auf 0,5 Promille 13% weniger alkoholbedingte Unfälle gegeben. In Österreich war der Erfolg ebenfalls offensichtlich.

Am 1.1.2001 führte Norwegen die 0,2 Promille ein. Gemäss der Zeitung "Folket" verzeichnete die Polizei einen markanten Rückgang der Verstösse von 22% zum Vorjahr 2000. Der Rückgang verlief gleichmässig über alle illegalen Blutalkoholgehalt-Niveaus. Die grösste prozentuale Reduktion gab es zwischen 0,2 und 0,5, mit etwa 50%. Den grössten absoluten Rückgang zwischen 1,0 und 1,5. Der einzige Anstieg war unter 0,2 zu verzeichnen. Total 1885 Lenker wurden verzeigt. 

Ergebnis: Die Strassen in Norwegen sind nun markant sicherer. Die Senkung der Promillegrenze hatte einen starken präventiven Effekt bei Konsumenten über 0,5 Promille. Obwohl die Polizei in diesem ersten Jahr mehr Zeit für Strassenkontrollen aufwendete, mussten weniger Lenker  Bluttests über sich ergehen lassen, weniger Zeit wurde gebraucht für Erkundigungen, Anklageerhebung, Gerichtsverfahren und weniger Lenker wurden "kriminalisiert". (Quelle: Eurocare Newsletter June 2002)

Es ist anzunehmen, dass auch bei einer Senkung des Grenzwertes auf 0,5 eine ähnliche Entwicklung festzustellen wäre wie in Norwegen.

Wichtig scheint uns auch der psychologische Effekt, den der österreichische Fachmann in der Doppelpunkt-Sendung von Radio DRS „Der unheilige Krieg“ am 30.6.02 erwähnt hat: Wer bereits 0,5 Promille erreicht hat, ist vielleicht schon etwas euphorisch und vermag nicht mehr ohne weiteres auf zusätzliche Gläser zu verzichten. Wer schon früher überlegt, bringt noch genug Willenskraft dafür auf.

Oft wird behauptet, man dürfe bei vorgeschriebenen 0,5 Promillen als Grenzwert nichts mehr konsumieren. Tatsächlich können zu einem Essen durchaus 2 – 3 Standarddrinks konsumiert werden, da ja Alkohol auch laufend vom Körper abgebaut wird. Diese Menge entspricht dem für erwachsene Männer gesundheitlich unbedenklichen täglichen Quantum. Was darüber liegt, ist sowieso zuviel als gut tut. Wenn die Wirte die zu erwartende Umsatzeinbusse reklamieren, geben sie indirekt zu, dass sie vom Risikokonsum profitieren wollen. Andererseits legt ja die Alkoholindustrie in letzter Zeit grossen Wert darauf festzustellen, dass sie am schädlichen Konsum nicht interessiert sei.

Wir bitten Sie, sehr geehrte Nationalrätinnen und Nationalräte, Ihrer Verantwortung bewusst zu sein und für die 0,5 Promillegrenze zu stimmen.

Mit bestem Dank zum voraus und

                                                                        mit freundlichen Grüssen

                                                                           www.alkoholpolitik.ch

                                                                           Hermann T. Meyer

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Stand: 03.01.2009