Briefe an ...

 

                                                                                                                                                    Effretikon, 2.1.2002

Herrn
Fritz Blaser
Präsident 
Schweizerischer Arbeitgeberverband
Postfach
8032 Zürich

 

Ihr Interview im Tages-Anzeiger vom 21.12.01

Sehr geehrter Herr Blaser,

Ich habe Ihr Interview mit Interesse gelesen. Statt eines diesbezüglichen Leserbriefes an den Tages-Anzeiger gestatte ich mir, Ihnen direkt zu schreiben in der bescheidenen Hoffnung, Sie würden den geäusserten Gedanken zur Kenntnis nehmen.

Sie sollen u.a. gesagt haben: „Ich will aber in Erinnerung rufen, was man im Volk spürt. Alles, was wir in der Wirtschaft tun, das tun wir ja schliesslich zum Wohl der Gesellschaft.“

Entweder ich gehöre nicht zu diesem Volk, oder ich spüre sehr oft etwas ganz anderes. Tatsache ist in meiner Wahrnehmung, dass „die Wirtschaft“ mindestens auf dem Gebiet unseres grössten Sozialmedizinischen Problems, der Alkoholfrage, so weit ich zurückdenken kann, wenn es darauf ankam, immer gegen die Interessen des Volkswohls gehandelt hat. Sei es bei Änderungen von Gastwirtschaftsgesetzen, Besteuerungsvorlagen oder Einschränkungen der Suchtmittelwerbung. Immer hat der Einsatz der Wirtschaft und der ihr nahestehenden PolitikerInnen Vorlagen, die Verbesserungen gebracht hätten, zu Fall gebracht.

Ich frage mich wirklich, wie lange es noch geht, bis die Exponenten der Wirtschaft und ihre politischen Freunde merken, dass Geld, das nicht in den Suchtmittelkonsum fliesst, für die Wirtschaft nicht verloren ist, sondern in hoffentlich sinnvollere andere Konsumgüter investiert oder als Spargelder über die Banken wieder in den Wirtschaftskreislauf gelangt und dort nicht für 3 – 4 Milliarden Franken jährlich Sozialkosten verursacht, die auch besser anderweitig investiert würden.

Es ist unbestritten, dass einige Firmen jeweils mit gemeinnützigen Zuwendungen ihr soziales Gewissen etwas beruhigen, doch stehen diese Spenden in keinem Verhältnis zu dem Schaden, den die Wirtschaft gesamthaft der Volksgesundheit zufügt, indem sie sich wie oben geschildert verhält und sich solidarisch zur Komplizin einiger schwarzer Schafe macht. 

Sie können diese Gedanken in verschiedenen Zusammenhängen in meinen Leserbriefen auf der Webseite www.alkoholpolitik.ch vertiefen. Auch finden Sie dort eine Projekt-Idee, die bei Realisierung ermöglichte, die Alkoholschäden zu reduzieren und die gleichzeitig der Wirtschaft helfen würde, Strukturprobleme zu bewältigen.

Ich wünsche Ihnen im neuen Jahr viel Kraft und Befriedigung in Ihrer anspruchsvollen Verbandsarbeit.

Mit freundlichen Grüssen

Hermann T. Meyer  

 


  SCHWEIZERISCHER ARBEITGEBERVERBAND

UNION PATRONALE SUISSE

DER PRÄSIDENT

 

 Herr

Hermann T. Meyer

Lindenstrasse 32

8307 Effretikon

                                                                                                    Basel,                        10. Januar 2002

 

 

 

Sehr geehrter Herr Meyer

 

Besten Dank für Ihr Schreiben vom 2. Januar 2002.

Mit Interesse habe ich Ihre Gedanken zur Wirtschaft und Politik, insbesondere der Alkoholpolitik zur Kenntnis genommen.

Das Interview im Tagesanzeiger vom 21.12.01 ist auf ein breites Echo gestossen und ich habe viele Reaktionen darauf erhalten.

Ich freue mich über Ihre Anregungen und werde Ihre Gedanken beherzigen.

 

Freundliche Grüsse

Fritz Blaser

 

 

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Stand: 03.01.2009