Leserbrief

 

                                                                                                              3.11.1996

Redaktion Leserbriefe
Tages-Anzeiger
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8021 Zürich

 

Zum Wohl allseits! vom 31.10.96

Der Artikel von Esther Schmid hat mich sehr beeindruckt. Noch selten ist im Tages-Anzeiger so sachlich ausgewogen über ein Alkoholproblem berichtet worden. Unsere Alkoholprobleme sind wirklich eine Frage des Masses. Wenn sich alle an die ziemlich unbedenkliche Menge von 1 - 2 Normalgläser pro Tag halten würden (Frauen die Hälfte), hätten wir keine. Wie schnell kommt doch mehr dazu: Hier ein Apéro, dort ein Schlummerbecher, ein Fernsehdrink, oder der Kellner schenkt unermüdlich nach, aber das ist alles bald vergessen. Bei jeder Trinkgelegenheit wird suggeriert, dass es die einzige ist für lange Zeit: Ein Gläschen in Ehren! Dass die Bibel die Vorzüge des Weins lobt, ist nicht so sicher. Vielleicht bringt die neue Uebersetzung der Zwinglibibel endlich Klarheit und Wahrheit darüber. Alle Stellen in der deutschen Uebersetzung sprachen bisher von "Wein", auch wenn es sich um Traubensaft, Traubenmus, vergorenen Wein oder um vergorenen oder unvergorenen Wein handelte. Die Urtexte sind viel detailierter. Auch wird in der Bibel sehr scharf vor dem Wein gewarnt. Erst die Römer verbreiteten die Weinrebe mit ihrem Weinkult in ihrem damaligen Weltreich und gingen schliesslich nicht zuletzt daran zugrunde.

Dass die Weinindustrie mit ihren grossen Ueberschüssen diese Studie ausgiebig vermarktet, ist nicht erstaunlich. Der Tages-Anzeiger hält da kräftig mit. Aufgabe der Prävention ist es, den Alkoholkonsum gesamthaft zu senken. Das ist bei der Alkohollobby nicht beliebt. Jeder der sich in präventivem Sinn dazu äussert, ist ein Sektierer oder Fanatiker. An den seriösen Massenmedien wäre es, trotzdem die Leserschaft sachlich zu informieren, dass sie durch den Nebel der Werbung hindurch die Wahrheit erkennen und sich selber entscheiden kann. Das würde allein unserem Land Milliarden an Schäden und viel Leid ersparen, die wir nicht hätten, würden die meisten Alkohol nur in kleinen Mengen konsumieren.

                                                                                                  Mit freundlichen Grüssen

                                                                                                          Hermann Meyer

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Stand: 11.11.2008