
Leserbrief
15.1.1996
Redaktion Leserseite
Tages-Anzeiger
Postfach
8021 Zürich
Leserbrief zu "Soziale Sicherheit vermehrt über Steuern
finanzieren" TA vom 12.1.96
Die Zukunft unseres Sozialstaates bereitet weitherum Sorgen. Die
Krankenkassenprämien haben während Monaten für Schlagzeilen gesorgt.
Kranken-Zusatzversicherungen werden je länger je mehr für viele unbezahlbar.
Seltsam, dass trotz dieses offenkundigen Notstandes kaum jemand an das Tabu
rührt, das sowohl die Kosten senken, wie die Einnahmen steigern würde: Eine
allgemeine Steuer auf alkoholischen Getränken, wie sie in den meisten andern
Ländern, auch in typischen Weinproduzenten-Ländern, üblich ist.
Sogar der Tages-Anzeiger Chefredaktor sprach sich im Vorfeld der
Zwillings-Initiativen (Alkohol- und Tabakreklame-Verbote) für das
Verursacherprinzip aus.
Um die 3 bis 4 Milliarden Franken jährlichen Schäden aus dem Alkoholkonsum
einigermassen zu kompensieren, die wir alle über Krankenkassen- und
Versicherungsprämien sowie Steuern berappen, diese Schäden zu verringern und
die Volksgesundheit zu verbessern drängt sich eine allgemeine Alkoholsteuer
nachgerade auf. Die präventive Werbung könnte massiv unterstützt werden, was
ja Arbeitsplätze schaffen würde; die Unterstützung der Krankenkassen und der
AHV könnte den einzelnen Bürger spürbar entlasten, die mässig Alkohol
konsumierende Mehrheit profitierte mehr, als es sie kosten würde.
Wo sind die Bundesratsparteien, die endlich dieses heisse Eisen anfassen? Mit
gemeinsamer, ehrlicher Informationsarbeit wäre das Stimmvolk sicher zu
überzeugen.
Hermann Meyer

|