Leserbrief

                                                                                                                                                                                                                                                                                                   15.11.1995

Redaktion Leserbriefe  
Tages-Anzeiger  
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8021 Zürich

 

FCZ Goalgetter muss ins Gefängnis (TA vom 15.11.95)

Der Grasshopper-Club wurde Ende August von der Suchprophylaxestelle der Stadt Zürich für sein Junioren-Suchtpräventionskonzept gerühmt. Fast zur gleichen Zeit feierte seine erste Fussball-Mannschaft, die noch mit dem Slogan "No drogs" Vorbildwirkung erzielen wollte, mit viel Alkohol den Meistertitel, und angebliche Fans machten mit ihren alkoholunterstützten Saubannerzügen Schlagzeilen. (TA)

Nun trifft es ausgerechnet den Stadtrivalen, den FC Zürich, dessen Goalgetter, der gerade am letzten Spieltag seiner Mannschaft mit zwei Toren zum Sieg verholfen hat, mit einer unbedingten Gefängnisstrafe wegen Alkohol am Steuer im Wiederholungsfall.

Wann erkennen die Verantwortlichen unserer Sportvereine (nicht nur die Fussballer!) endlich, dass Alkohol eine gefährliche Droge ist, dass sie ihren Clubs und ihren Spielern einen schlechten Dienst erweisen, wenn sie den alkoholischen Ritualen in ihrem Clubleben Tür und Tor öffnen? Dass sie vielen Eltern grosse Erleichterung verschaffen würden, wenn die sicher sein könnten, dass ihre Tochter oder ihr Sohn im Club nicht den Einstieg in eine Alkoholiker-Karriere riskieren müssten? Auch die übrigen Mitglieder der Gesellschaft könnten natürlich sicherer sein. Es müsste selbstverständlich sein, dass ein aktiver Sportler alkoholfrei lebt. Dann hätte der verurteilte FCZ-Fussballer mit seinen Fans keine Probleme gehabt.

Die Verantwortlichen der Clubs wären nun gefordert, neue ungefährliche Rituale für die Feiern von Siegen und Niederlagen zu erfinden. Die Freude in vollen Zügen bei klarem Kopf geniessen zu können, hat durchaus seinen Reiz. Auch "alkoholfreie" Sponsoren sollten mit etwas Einsatz zu finden sein.

                                                                                                 Mit freundlichen  Grüssen  

                                                                                                    Hermann T. Meyer

                                                                                          

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Stand: 11.11.2008