Leserbrief

20.01.2005          veröffentlicht: --

 

Redaktion Leserforum
Tages-Anzeiger
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 Leserbrief zu „Unübliche Wahl zum besten Werber“ vom 20.1.05

Der Migros Marketing-Chef wurde zum Werber des Jahres 2005 erkoren. Im Interview wird er nach seiner Meinung zu Werbeverboten gefragt. Er ist dagegen, weil sie nichts nützten. Die Weichen würden im frühen Kindesalter gestellt.

Mit der ersten Aussage hat er wohl das Branchen-Credo übernommen, ohne die zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema zu berücksichtigen. Die letzte, vom Zürcher Institut für Suchtforschung (ISF), Prof. Jürgen Rehm, ist genau dieser Frage nachgegangen und hat festgestellt, dass bisherige Alkohol-Werbeverbote einen Konsumrückgang von 5 – 8% mit entsprechender Schadenreduzierung bewirkten.

Dass die Weichen zum Teil schon im Kindesalter gestellt werden, stimmt. Amerikanische Studien haben gezeigt, dass Kinder die Alkoholwerbung besser verinnerlichen als Erwachsene. Sie bekommen auch mehr Alkoholwerbung zu sehen als diese. Obwohl die Alkoholindustrie immer wieder beteuert, sie würde die Jugend nicht bewerben. 

Der Nutzen von Werbeverboten liegt aber nicht nur beim zu erwartenden Konsumrückgang sondern bei der nachhaltigen „Reinigung“ der mit Alkoholwerbung „verschmutzten“ Umwelt unserer Jugend. Diese alkoholgetränkte gesellschaftliche Wirklichkeit, wie sie durch die Werbung seit dem 2. Weltkrieg immer mehr erzeugt wurde, verhindert, dass Alkoholprävention bei der Jugend wirkt. Die Botschaft der Prävention steht in krassem Widerspruch zum Stand der Gesellschaft und ist deshalb völlig unglaubwürdig und somit unwirksam. Genau das steht in einer WHO-Studie „Alkohol und Massenmedien“.

Wenn Werbeverbote nichts nützen, wie Herr Mühlemann sagt, drückt er doch damit aus, dass ein Nutzen nötig wäre. Er braucht also nur seine Meinung den tatsächlichen Beweisen anzupassen und seine Branche zu überzeugen, dass sie ihr unethisches Handeln aufgeben sollte. Und schon wäre ohne grosse Kosten ein segensreicher Nutzen erzielt. Würde dazu noch eine generelle Alkoholsteuer nach dem Verursacherprinzip erhoben, könnte die Werbebranche mit den zusätzlichen Mitteln für Prävention ihre Auftragsbücher nun mit gutem Gewissen mehr als vorher füllen.

Hermann T. Meyer, Effretikon

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Stand: 30.12.2008