Unterrichtshilfe

Arbeitsblatt zu einer erst jetzt via Google eingegangene Artikel-Serie des FDP-Europa-Parlamentariers

Holger Kramer

29.12.2008

Kommentar: Diese Artikel eignen sich gut für die Abfassung eines Leserbriefes. Die Thematik ist immer noch aktuell.

 
Artikel Anmerkungen
EU-Alkoholpolitik entmündigt Verbraucher

Ein Studie im Auftrag der Europäischen Kommission zur Regulierung des Bier-, Wein- und Spirituosenkonsums in Europa könnte ganz massiv die Rechte und Freiheiten der Verbraucher in Deutschland bedrohen, wenn die Europäische Kommission den Empfehlungen der Studie folgen sollte: Das alkoholpolitische Maßnahmenpaket könnte die Verfügbarkeit von alkoholischen Getränken auch in Deutschland stark begrenzen, den Wettbewerb im Getränkemarkt empfindlich behindern, alkoholische Getränke verteuern, Werbung als Informationskanal der Verbraucher über neue Produkte verstopfen und zahlreiche Arbeitsplätze gefährden. Die EU-Kommission erklärt den Verbraucher wohl erneut für unfähig, eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen.

Dass diese Politik der Volksverdummung schon Früchte trägt, da offensichtlich eine wachsende Anzahl der Bürger dieses erschreckende Ausmaß der Beschränkung ihrer persönlichen Freiheiten nicht nur in Kauf nimmt, sondern sogar herbeisehnt, ist erschreckend. Die Politik darf der Verlockung dieser scheinbaren Einwilligung in die schleichende eigene Entmündigung auf keinen Fall erliegen.

[erschienen im Journal EU vom September 2006]

 

 
Leserbrief hierzu, per Email am 21. Oktober 2006 erhalten

>>Sehr geehrter Herr Krahmer, lieber Parteifreund,

ich kann Ihnen nur als Privatmann und Arzt schreiben, da ich die Meinung "meiner" Partei zu dem von Ihnen kommentierten Thema nicht eingeholt habe.
Natürlich ist es liberale Grundauffassung, dass die Menschen sozusagen mit ihrem Leben anfangen können, was sie wollen, z.B. auch es zu "versaufen". Ich als Arzt sehe allerdings die täglichen katastrophalen Folgen, die sich "Laien" (und: entschuldigung, dazu darf ich Sie auch rechnen) nicht vorstellen (können). Dabei spielt dann eines Tages der "freie Wille" keine Rolle mehr, weil das Trinken zur Sucht geworden ist, die natürlich keiner gewollt hat als er einmal damit anfing. Immer mehr junge Leute (8-jährige!!) trinken, Entzugsbehandlungen bei Kindern und Jugendlichen sind notwendig, wie wollen Sie das "in den Griff" bekommen? Oder ist auch das alles kein Thema für die Gesellschaft? Wenn man Ihrem Gedankengang konsequent nachgehen wollte, so würde man sowohl die Gurtpflicht im Auto wie auch die 50-km-Geschwindigkeitsbegrenzung in Ortschaften abschaffen müssen. Schließlich sind die Menschen doch so vernünftig! Ich meine, diese ganze Problematik sollte die liberale Fraktion und Sie im speziellen nochmals mit Experten aus dem Suchtbereich besprechen, so jedenfalls macht man es sich zu einfach.<<

 

 
Antwort auf den Leserbrief vom 14. Dezember 2006

>>Ich möchte gern auf Ihren Hinweis eingehen, dass Sie in Ihrer beruflichen Praxis mit den bitteren Folgen von Alkoholmissbrauch konfrontiert sind. Ich bin fest davon überzeugt, kein einziges dieser erwachsenen, tatsächlichen Suchtopfer durch einen Aufkleber „Alkohol tötet" auf dem Etikett oder dadurch, dass der Wein beim Aldi 2,49 € statt 1,99 € kostet, einen anderen Weg eingeschlagen hätte. Und auch Ihr Beispiel, dass ein Achtjähriger bereits alkoholabhängig sein kann, spricht nicht für härtere Reglements im Handel: Schließlich ist hierzulande auch heute schon Alkohol für Minderjährige verboten, selbst wenn der Vollzug dieses Verbotes nicht 100prozentig durchgesetzt werden kann.

Die Suchtopfer, ob erwachsen oder halbwüchsig, haben ihren Weg nicht durch die Werbeanzeigen oder die günstigen Preise eingeschlagen, sondern aufgrund emotionaler, familiärer - ja, auch gesellschaftlicher - Schwierigkeiten. Das ist die Erkenntnis der Suchtexperten, die ich in meiner Arbeit zurate ziehe.

Sie haben in Ihrer Email das dargestellt, was meine Arbeit im Ausschuss hier so verdammt schwer macht: Tief getroffen und verunsichert durch Eindrücke von Suchtkranken wie die Ihren bringt es kaum ein Politiker buchstäblich über sein Herz, gegen eine vermeintliche Schutzmaßnahme zu votieren - und das, obwohl er weiß, dass der Erfolg der Maßnahme gen Null geht, Kosten und Bevormundung in Kauf nehmend - nur weil sich ein wahrhaft hilfreiches Instrument nicht so schnell oder mit politisch einfachen, vermarktungsfähigen Botschaften aus dem Hut zaubern lässt.

Was also können wir tun, politisch? Kein Weg führt an der Auseinandersetzung darüber vorbei, welche gesellschaftlichen Aufgaben wir ernster zu nehmen haben, damit die Anzahl der Suchtkranken zurückgeht: Unsere Gesellschaft in Deutschland und Europa verändert sich. Als engagierter Liberaler wissen Sie um die „Prekariatsdebatte", die sozialen Schieflagen, um das Wegbrechen der Familienkreise als Sicherheitsfundament, um die mangelnde Bildung und Aufklärung, um die Lasten auf den Schultern der so genannten Leistungsträger, deren Status immer unattraktiver wird, um Bürokratie, um die bald nicht mehr in diesem Umfang haltbare Vergesellschaftung aller möglichen persönlichen Risiken und so vieles mehr. Dagegen kann kein Aufkleber auf einer Weinflasche ankommen, sondern nur die Lust auf morgen und der Lebenshunger und die Zuversicht, dass es morgen besser wird als heute. Dafür kann die Politik ihren Beitrag leisten.

Ich hoffe ich konnte Ihnen mit etwas ausführlicheren Worten, als es im Journal EU möglich war, darlegen, dass sich mein Veto gegen die angesprochenen Sanktionen aus der EU-Alkoholstrategie nicht auf Gleichgültigkeit gegenüber Suchtkranken gründet, sondern auf meiner Überzeugung, dass die gewählten Instrumente das Ziel verfehlen. <<

 

Warnetiketten allein bewirken wenig.

Preiserhöhungen sind am besten wirkende Massnahmen.

Härtere Reglemente, die auch nicht voll durchgesetzt werden, nützen mehr als dito schwache.

Er sollte bessere Experten befragen. Z.B. heutige Studie in England über die Wirkung der Medien.

Bis jetzt hat die Alkoholindustrie noch die meisten Politiker zum Nichtstun gebracht.

Diese Situation besteht seit über 150 Jahren, seit der Industrialisation. Lebenshunger und Zuversicht sind schön, die Korrektur von Fehlentwicklungen ist trotzdem nötig.

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Stand: 30.12.2008