Forschungsergebnisse

06.11.2004

Quelle:

Newsletter Infoset 5.11.04/ bfu/Bundesamt f. Statistik

Verfasser

bfu und BFS

Thema:

Fahrzeuglenker haben keine Angst vor Polizeikontrollen

 

FahrzeuglenkerInnen fahren zu schnell und betrunken: Eine von fünf Personen gibt zu, manchmal mit zu viel Alkohol im Blut ein Motorfahrzeug zu lenken  – und eine von zwei Personen räumt ein, gelegentlich die Tempolimiten innerorts zu überschreiten. Dies die Resultate einer Befragung, die von der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu)und vom Bundesamt für Statistik (BFS) bei 6000 Haushalten durchgeführt wurde.


12.10.2004



Fahrzeuglenker haben keine Angst vor Polizeikontrollen
Resultate einer gemeinsamen Befragung von bfu und BFS


Eine von fünf Personen gibt zu, manchmal mit zu viel Alkohol im Blut ein Motorfahrzeug zu lenken – und eine von zwei Personen räumt ein, gelegentlich die Tempolimiten innerorts zu überschreiten. Eine repräsentative Befragung, die von der Schweizerischen Beratungsstelle für Unfallverhütung bfu und vom Bundesamt für Statistik BFS bei 6000 Haushalten durchgeführt wurde, hat weiter ergeben, dass die Schweizer die Wahrscheinlichkeit, im Strassenverkehr kontrolliert zu werden, als sehr gering einstufen. Und: Die Befragten sprechen sich nicht gegen mehr Polizeikontrollen aus…

21 Prozent der Lenker bekennen bei der Befragung, manchmal mit einer Blut­alkoholkonzentration von mehr als 0,8 Promille unterwegs zu sein; dieser Prozentsatz steigt beim Grenzwert 0,5‰ auf 38%. Zum Thema Geschwindigkeitsüberschreitung erklären 52% der Lenker, dass sie innerorts hin und wieder zu schnell fahren; ausserorts stieg diese Zahl auf 74%, auf Autobahnen gar auf 81%.

Die Wahrscheinlichkeit, in eine Polizeikontrolle zu geraten, schätzen die Motorfahrzeuglenker als gering ein: 63% rechnen nie oder selten mit einer Geschwindigkeitskontrolle und gar 82% nie oder selten mit einer Alkoholkontrolle. Dabei zeigen sich regionale Unterschiede: Mit 69% respektive 93% erachten die Westschweizer die Möglichkeit von Geschwindigkeits- und Alkoholkontrollen deutlich tiefer als die Deutschschweizer (45% respektive 68%) und die Tessiner (44% respektive 78%).

Wie beurteilen die Befragten die Schwere der Verstösse gegen die Verkehrsregeln? Fast zwei von drei Personen (62%) vertreten die Meinung, Fahren in angetrunkenem Zustand sei kriminell. Bei Geschwindigkeitsüberschreitungen hingegen sind nur gerade 15% dieser Ansicht; 32% plädieren aber immerhin dafür, Zuwiderhandlungen zu bestrafen. Fast die Hälfte der Befragten (46%) glaubt, dass gewisse Tempoverstösse verständlich seien, wenn man die konkreten Umstände betrachtet. Und 6% geben zu Protokoll, Geschwindigkeitsüberschreitungen seien nicht wirklich ein Problem, wenn man aufpasse…

Viele Befragte sind der Meinung, es würden im Strassenverkehr zu wenig Polizeikontrollen durchgeführt: 38% wünschen sich mehr Geschwindigkeits- und 57% mehr Alkoholkontrollen. Zumindest dieser Wunsch dürfte in Erfüllung gehen: Am 1. Januar 2005 tritt – gleichzeitig mit der Einführung der 0,5-Promille-Grenze – die verdachtsfreie Atemalkoholkontrolle in Kraft. Die Polizei wird also künftig Kontrollen ohne bestimmten Verdacht auf einen erhöhten Promillewert durchführen können.

Informationen: bfu-Medienstelle, Tel. 031 390 21 11

 

Kommentar: Diese Untersuchung kommt zum richtigen Zeitpunkt. Hoffentlich nehmen die Kantonalen Polizeibehörden dies zum Anlass, die Zeit nach dem 1.1.05 gut vorzubereiten. Mit Erschrecken nimmt man zur Kenntnis, wie wenig bisher Alkoholkontrollen durchgeführt wurden und man ahnt, welchen positiven Effekt es haben könnte, wenn diese Kontrollen nun verschärft würden. Da lohnte es sich vielleicht, wenn nötig andere Schwerpunkte in der Polizeiarbeit zu setzen.


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Stand: 23.12.2008