Forschungsergebnisse

04.10.2004

Quelle:

12. Weltkongress für Biomedizinische Alkoholforschung (ISBRA) in Mannheim / University of York, GB

Verfasser

Christine Godfrey 

Thema:

"UK Alcohol Treatment Trial" (UKATT / Therapie der Alkoholabhängigkeit senkt Kosten und hebt Lebensqualität

IDW

IDW Pressemitteilungen

Nachrichten aus Forschung und Lehre

 

02.10.2004 - ISBRA 2004: Therapie der Alkoholabhängigkeit senkt Kosten und hebt Lebensqualität

Die gesellschaftlichen Kosten, die durch Alkoholmissbrauch entstehen, sind enorm. Neuere Forschungsergebnisse zeigen, dass sich diese Kosten in den USA auf 130 Milliarden EUR, in Australien auf 3,3 Milliarden EUR, in Deutschland auf 20 Milliarden EUR und in Großbritannien auf 30 Milliarden EUR jährlich belaufen. Diese Kosten beinhalten Kostenschätzungen zur alkoholbezogenen Gesundheitsversorgung, zur sozialen Betreuung, aus den Bereichen Strafjustiz und Arbeitsleben. Auf dem 12. Weltkongress für Biomedizinische Alkoholforschung (ISBRA 2004) in Mannheim wurden heute ökonomische Aspekte der Alkoholerkrankung diskutiert und neue Zahlen vorgestellt.

Zentralinstitut für Seelische Gesundheit, Mannheim- Die Kosten, die durch Alkoholmissbrauch entstehen, beinhalten Kostenschätzungen zur alkoholbezogenen Gesundheitsversorgung, zur sozialen Betreuung, aus den Bereichen Strafjustiz und Arbeitsleben.In den meisten Studien werden auch Schätzungen über die Folgen frühzeitigen Todes durch übermäßigen Alkoholkonsum berücksichtigt. Diese Kostenschätzungen unterscheiden sich zwar zwischen unterschiedlichen Ländern und Studien, ebenso wie für unterschiedliche kostenrelevante Faktoren, aber die generellen Ergebnisse laufen alle auf dasselbe hinaus: Alkoholmissbrauch ist eine Hauptursache für individuelles und familiäres Leid sowie ein gesellschaftliches Probleme und die Kosten hierfür sind enorm.

Auf dem 12. Weltkongress für Biomedizinische Alkoholforschung (ISBRA) in Mannheim wurden heute von Christine Godfrey von der University of York in England ganz aktuelle Ergebnisse des britischen Projekt "UK Alcohol Treatment Trial" (UKATT) vorgestellt. Es handelt sich hierbei um eine große Studie, bei der die Wirksamkeit und Kosteneffektivität zweier psychotherapeutischer Behandlungsstrategien überprüft werden sollte. Dabei handelt es sich einerseits um eine Therapieform, die auf die sozialen Beziehungen der Patienten fokussiert (Social Behaviour and Network Therapy - SBNT), andererseits um eine Therapie, welche die Motivation der Patienten zur Verhaltensänderung steigern soll (Motivational Enhancement Therapy - MET). Beide Therapieformen wurden in Behandlungs- und Beratungsstellen angeboten.

Ökonomische Analysen ergaben, dass diese Behandlungen zu einem moderaten Kostensatz von 170 EUR bzw. 254 EUR angeboten werden können. Patienten, die mit diesen Therapieformen behandelt wurden, benötigten im Verlauf weniger gesundheitsrelevante Dienstleistungen und soziale Betreuung sowie andere Behandlungen wegen der Alkoholabhängigkeit. Auch gab es signifikant weniger Straftaten. Alleine schon die kurzfristige Kostenreduktion durch die Therapie war sechs mal höher als die Therapiekosten, bei der MET konnten pro Patient 900 EUR und bei der SBNT 1300 EUR eingespart werden.
Würden solche Therapiemöglichkeiten flächendeckend in Großbritannien eingesetzt, so hätte dies sicherlich Einfluss auf die oben erwähnten Alkoholfolge-Kosten von 30 Milliarden EUR. Würden pro Jahr nur 10% der alkoholabhängigen Patienten solch eine Behandlung erhalten, würde dies kurzfristig zu einer Reduzierung gesellschaftlicher Kosten um 234 Millionen EUR führen. Diese Schätzung berücksichtigt noch nicht die langfristigen Auswirkungen der Therapie auf die Verbesserung akuter und chronischer Alkoholfolgekrankheiten und die Verlängerung der Lebenszeit.

Diese Ergebnisse zeigen, dass eine kompetent durchgeführte Psychotherapie ein wichtiger Bestandteil der Behandlung alkoholabhängiger Menschen ist, die dazu führt, alkoholbezogene Gefahren für Betroffene wie für die Gesellschaft zu reduzieren. Effektive Behandlungsformen können sowohl die gesellschaftlichen Kosten reduzieren als auch die Lebensqualität der Betroffenen steigern.

Aktuelle Zahlen aus Deutschland, die im Rahmen des Suchtforschungsverbundes Baden-Württemberg zur Zeit am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim erhoben und ausgewertet werden, werden nächste Jahr vorliegen.

Dr. Marina Martini,
Referat Öffentlichkeitsarbeit
Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim
Fon: 0621/1703-1301, -1302; Fax: 0621/1703-1305
E-Mail: martini@zi-mannheim.de

 

   Homepage       Forschung-Übersicht

 

 

Inhaltsverzeichnis 

Entwicklungen der schweizerischen Alkoholpolitik der letzten Jahre anhand von Leserbriefen

Aktuell

Hinweise für Unterrichtende

Ihre Meinung interressiert uns

Links zu Fachleuten und Institutionen

Internationales

Briefe an ....

Die Lobby-Arbeit der globalen Alkoholindustrie

Veranstaltungen

Parlamentsdebatten

Zitatensammlung

Newsletter

Forschungsergebnisse

Archiv

English Texts      

Dossiers: Suchtmittelwerbung; Alcopops; Absinth; WTO - GATS; Alkoholkonsum Jugendlicher; Alkohol und Verkehr /  Drink Driving; Wein (Alkohol) sei (mässig genossen) gesund; Sport und Alkohol; Strukturelle Prävention; NPA (Nationales Programm Alkohol); botellón

Geschichten

Interventionen

Wir über uns

Projekt-Idee     Project in English


Herausgeber/Editor:

Hermann T. Meyer, Projekte und Dienstleistungen, Lindenstr. 32, CH-8307 Effretikon, Switzerland, 
Tel. +41 (0)52 343 58 75, Fax: +41 (0)52 343 59 29    e-mail

Copyright © 2001-2008: Hermann T. Meyer. Alle Rechte vorbehalten. Unsere eigenen Texte dürfen gerne unter Quellenangabe übernommen und weiterverbreitet werden. Fremde Texte entsprechen nicht unbedingt unserer eigenen Auffassung.

All rights reserved. Our own texts may be copied and distributed with stating the source. Texts from other sources do not necessarily represent our views.

Stand: 23.12.2008