Forschungsergebnisse

(15.02.2004

Quelle:

 

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Deutschland

Verfasser

Volker Stander, Gerhard Christiansen, Jürgen Töppich

Thema:

Repräsentativerhebungen zu „Bekanntheit, Kauf und Konsum von Alcopops 2003“ und
"Bekanntheit, Kauf und Konsum von Alcopops bei Jugendlichen 2003" (in Deutschland)

Pressemitteilung

19.01.2004

Alcopops bei Jugendlichen beliebter als Bier, Wein und Spirituosen - Konsum dramatisch angestiegen

In der letzten Zeit haben Berichte in den Medien über den gestiegenen Konsum von Alcopops bei Jugendlichen und Warnungen vor den sich daraus entwickelnden gesundheitlichen Problemen zugenommen. Aktuelle Repräsentativerhebungen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zu „Bekanntheit, Kauf und Konsum von Alcopops“ in der Bevölkerung, die Ende 2003 durchgeführt wurden, bestätigen die dramatische Entwicklung im Alkoholkonsum bei Jugendlichen. Die erste Studie zu diesem Thema hat die BZgA 1998 durchgeführt. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse sind mit der fünf Jahre vorher durchgeführten Untersuchung vergleichbar und aus diesem Grund besonders aussagekräftig.

Die Ergebnisse zeigen, dass im Vergleich zu 1998 im Jahr 2003 vier Mal so viel Alcopops in der Gesamtbevölkerung gekauft wurden (12 Prozent gegenüber 3 Prozent). Bei den Käufern bis 29 Jahren hat sich das Kaufverhalten sogar fast versechsfacht (von 7 Prozent auf 40 Prozent). Mit der Kaufhäufigkeit steigt auch der Konsum. Tranken 1998 neun Prozent der 14- bis 29Jährigen mindestens einmal im Monat Alcopops, so sind es fünf Jahre später bereits 42 Prozent, bei den 14- bis 17-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 48 Prozent.

Bei den Alcopops handelt es sich im Wesentlichen um Limonadengetränke, denen destillierter Alkohol (Spirituosen, Branntwein) zugefügt wird. Durch den hohen Zuckergehalt der Getränke wird der für Jugendliche häufig unangenehme Alkoholgeschmack überdeckt. Mit den Alcopops nehmen sie so - häufig zunächst unbemerkt - größere Mengen Alkohol zu sich, wobei der Alkohol durch den hohen Zuckergehalt auch noch schneller vom Körper aufgenommen wird. Die körperliche und psychische Gewöhnung an Alkohol kann somit viel früher erfolgen.

Mittlerweile sind in der Gruppe der 14- bis 17Jährigen Alcopops die beliebtesten alkoholischen Getränke und liegen vor Bier, Wein/Sekt und Spirituosen. Obwohl rund 80 Prozent der Minderjährigen selbst wissen, dass Bier/Weinmixgetränke nicht an Jugendliche unter 16 Jahren und Spirituosenmixgetränke nicht an unter 18-Jährige abgegeben werden dürfen, hindert sie diese Kenntnis nicht am Alkoholkonsum. Bemerkenswert ist, dass mehr als die Hälfte (54 Prozent) der jungen Befragten angeben, eigentlich keine hoch prozentigen Alkoholika zu trinken. Über den Gebrauch von Alcopops konsumieren insgesamt 75 Prozent der Jugendlichen aber in hohem Maße doch Spirituosen. Der süße Geschmack der alkoholischen Mixgetränke überdeckt den Spirituosengeschmack und vermittelt den Eindruck eines Erfrischungsgetränkes.

Gerade bei minderjährigen Jugendlichen sind die alkoholischen Fruchtgetränke besonders beliebt. Kauften 37 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 29 Jahren im letzten Monat Alcopops, so liegt der Anteil der Jugendlichen im Alter zwischen 14 bis 17 Jahren sogar noch höher, nämlich bei 39 Prozent. Unterteilt man diese Gruppe noch einmal, so haben über die Hälfte (52 Prozent) der 16- bis 17-Jährigen Alcopops im letzten Monat gekauft, bei den 14- bis 15-Jährigen waren es 26 Prozent. Zwischen Jungen und Mädchen gibt es keine Unterschiede im Alcopops-Konsum.

„Vor dem Hintergrund, dass es gerade im Alter zwischen 16 und 17 Jahren häufig vorkommt, dass Jugendliche betrunken werden und sie besonders in diesem Alter mit dem Alkoholtrinken experimentieren stellen die Alcopops eine Gefährdung für junge Menschen dar“, erklärt Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. „Die breite Verfügbarkeit, der süße Fruchtgeschmack, der den Alkoholgehalt und -geschmack überdeckt und das positive Image bei Jugendlichen machen Alcopops bei immer mehr und vor allem immer jüngeren Jugendlichen zu einer süßen Verführung mit der Konsequenz, dass junge Menschen immer früher einen regelmäßigen Alkoholkonsum entwickeln.“

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung weist im Rahmen ihrer Jugendkampagne „Bist Du stärker als Alkohol?“ und in ihrem Internetangebot www.drugcom.de bereits seit längerem auf die Gefahren und Probleme im Zusammenhang mit dem Konsum von Alcopops hin.

  • Unter www.drugcom.de informiert die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Jugendliche über Alkohol, seine Wirkung und seine Gefahren. In den Monaten Februar und März werden speziell die Alcopops das Thema des Monats sein.
  • Unter www.bist-du-staerker-als-alkohol.de informiert die BZgA ebenfalls rund um das Thema Alkohol. Mit der gleichnamigen Sommeraktion wird die Bundeszentrale auch in diesem Jahr wieder in deutschen und europäischen Ferienregionen vertreten sein und Jugendliche auf einen riskanten Alkoholkonsum ansprechen.
  • Unterrichtsmaterial für die Klassen 5 bis 10 zum Thema Alkohol wird von der BZgA Ende April zur Verfügung stehen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf dem Thema Alcopops.
  • Das Suchtberatungstelefon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist von Montag bis Donnerstag von 10.00 bis 22.00 Uhr und von Freitag bis Sonntag von 10.00 bis 18.00 Uhr unter der Telefon-Nummer 0221-89 20 31 erreichbar.

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Stand: 23.12.2008