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Pressemitteilung der SFA vom 28.2.08
Fünf Jugendliche pro Tag wegen Alkoholmissbrauchs in
Schweizer Notfallstationen
In der Schweiz werden jeden Tag rund fünf Jugendliche oder junge
Erwachsene wegen einer Alkoholvergiftung oder Alkoholabhängigkeit ins
Spital eingeliefert. Die Behandlungen infolge Alkoholmissbrauchs nahmen
im Vergleich zur ersten Untersuchung für das Jahr 2003 stetig zu. So
lautet das Ergebnis der aktuellen Studie der Schweizerischen Fachstelle
für Alkohol- und andere Drogenprobleme im Auftrag des Bundesamtes für
Gesundheit.
Etwa fünf Jugendliche oder junge Erwachsene zwischen 10 und 23 Jahren
landen täglich wegen Alkoholmissbrauchs in einem Schweizer Spital. Pro
Jahr sind dies rund 1800 Jugendliche, die infolge einer
Alkoholvergiftung oder Alkoholabhängigkeit behandelt werden müssen. Dies
zeigt die neuste Untersuchung der Schweizerischen Fachstelle für
Alkohol- und andere Drogenprobleme (SFA), welche die Situation bis zum
Jahr 2005 beleuchtet. Jeweils rund 850 Knaben und junge Männer im Alter
zwischen 10 und 23 Jahren wurden in den Jahren 2004 und 2005 mit einer
Alkoholvergiftung - in der Fachsprache Alkohol-Intoxikation - im Spital
behandelt. Bei gleichaltrigen Frauen waren es jährlich etwa 460. Die
Haupt- und Nebendiagnosen zu Alkoholvergiftungen nahmen im Vergleich zur
ersten Untersuchung zwischen 2003 und 2005 um 40 % massiv zu. Ausgeprägt
war der Anstieg bei 16- und 17-jährigen Jungen sowie bei 14- und
15-jährigen Mädchen. Alkohol-Intoxikationen sind durch einen akuten
Alkoholrausch gekennzeichnet, der das Bewusstsein, die Wahrnehmung oder
das Verhalten beeinträchtigt.
Alkoholabhängigkeit bereits bei Jugendlichen
Neben den rund 1300 Fällen von Alkoholvergiftungen wurden im 2004 und
2005 jährlich knapp 500 Jugendliche und junge Erwachsene mit der
Diagnose Alkoholabhängigkeit in Schweizer Krankenhäusern behandelt. Nach
einem starken Anstieg bis 2003 nahmen die Haupt- und Nebendiagnosen bis
zum Jahr 2005 weiter zu. 2004/2005 wurde in der Altersgruppe der 20- bis
23-Jährigen jährlich bei etwa 120 Personen die Hauptdiagnose
Alkoholabhängigkeit gestellt. Die ersten Fälle finden sich bereits bei
14-Jährigen. Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, welcher in der
Regel ein jahrelanger missbräuchlicher Konsum vorausgeht. "Die
Ergebnisse deuten darauf hin, dass einige Jugendliche sehr früh stark
konsumieren oder, dass sich Alkoholabhängigkeit im Jugendalter schneller
entwickelt", erläutert der Autor der Studie, Gerhard Gmel von der
Forschungsabteilung der SFA.
Zahlen bilden nicht ganzes Ausmass des Problems ab
Diagnosen in Verbindung mit Alkoholabhängigkeit steigen mit zunehmendem
Alter stetig an. Dagegen nehmen jene in Verbindung mit
Alkohol-Intoxikationen ab einem Alter von etwa 22 Jahren ab oder bleiben
stabil. Dieser Rückgang wird durch die gehäuften Fälle von Abhängigkeit
mehr als ausgeglichen. "Auch wenn diese Daten keine Aussagen über
individuelle Trinkkarrieren zulassen, so deuten sie doch darauf hin,
dass aus jugendlichem Rauschtrinken im frühen Erwachsenenalter eine
Abhängigkeit entstehen kann", erklärt der Studienautor.
Die Zahlen widerspiegeln nur die Spitze des Eisbergs. Die Studie
berücksichtigt ausschliesslich die in Spitälern eingelieferten Personen.
Betrunkene Jugendliche, welche die Polizei nach Hause bringt,
Behandlungen in Hausarztpraxen oder ambulanten Notfallaufnahmen sind
hier ausgeklammert.
Jugendschutz weiter stärken
"Die Ergebnisse der Studie sind äusserst Besorgnis erregend", hält
Michel Graf, Direktor der SFA, fest. Die massive Zunahme der
Alkoholvergiftungen innerhalb von zwei Jahren zeigt, dass der
Jugendschutz weiter intensiviert werden muss. Besonders die Bestimmungen
zur Abgabe müssen besser durchgesetzt werden. Die Prävention ist Aufgabe
der gesamten Gesellschaft: "Auf struktureller Ebene sind die
Einschränkung der Erhältlichkeit und die Preisgestaltung wichtige
Massnahmen, um dem Alkoholmissbrauch entgegenzuwirken", betont der
SFA-Direktor.
Eine wirksame Prävention setzt auch beim Individuum an. Es ist wichtig,
eine Alkoholabhängigkeit früh zu erkennen sowie Jugendliche und
Erwachsene über die Gefahren des Rauschtrinkens aufzuklären. Das
Rauschtrinken im Jugendalter ist mit zahlreichen negativen Folgen
verbunden. Neben den Vergiftungserscheinungen wie Gedächtnislücken,
Kopfschmerzen oder starker Übelkeit berichtet die Literatur über
verschlechterte Schulleistungen, Unfälle und Verletzungen
(Fahrzeugunfälle, Stürze, Selbstmord etc.), Gewalt, aggressives
Verhalten oder Beeinträchtigung sozialer Beziehungen.
Zweite Studie zu Daten von Spitälern
Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung basieren auf den
Statistiken der Schweizer Spitäler von 1999 bis 2005, die Personen
stationär oder teilstationär behandelten. Seit 2002 liegen diese
Statistiken fast vollständig vor. Nach der im April 2006
veröffentlichten Untersuchung der Zahlen von 1999 bis 2003 legt die SFA
im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zum zweiten Mal einen
Bericht über Alkohol-Intoxikationen Jugendlicher und junger Erwachsener
vor. Die vorliegende zweite Studie aktualisiert die Situation bis 2005.
Die medizinischen Diagnosen gemäss internationalen Kriterien ergänzen
die Erkenntnisse aus Befragungen, bei denen Jugendliche über ihren
Alkoholkonsum selbst berichten.
Auskunft:
Monique Helfer
Medienverantwortliche SFA
mailto:mhelfer@sfa-ispa.ch
Tel.: 021 321 29 74
Kommentar: Man muss davon ausgehen, dass sich die
Situation seit 2005 noch verschlechtert hat. Trotzdem ist in der
Öffentlichkeit keine grosse Besorgnis erkennbar. Muss es wohl erst
soweit kommen wie im österreichischen
Timelkam? (Wir berichteten gestern
(27.2.08) darüber.) |