Forschungsergebnisse / Research results

12.05.2007  (forsc181.htm)  

Source/Quelle

HEUTE, Zürcher Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung

Authors/Verfasser:

Prof. Dr. J. Rehm, Michael Roerecke und Jayadeep Patra, Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung, Zürich, / Research Institute for Public Health and Addiction ISGF Zurich

Theme/Thema:

Alcohol-attributable mortality and burden of disease in Switzerland - Epidemiology and recommendations for alcohol policy / Alkohol-bedingte Mortalität und Krankheitslast in der Schweiz: Von der Epidemiologie zu empfehlenswerten Massnahmen


Link
to    HEUTE, 12.05.2007

 

Link to    Zürcher Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung, ISGF, Medienmitteilung, 10.5.07

 

Link to    Zürcher Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung, gesamter Bericht als pdf-Datei

 

 

ISGF News
Alkoholkonsum verursacht jährlich 3’500 Todesfälle in der Schweiz

10.05.07

Alkoholkonsum ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für vorzeitigen Tod und Krankheitslast in der Schweiz. In einer vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) in Auftrag gegebenen Studie stellt das Zürcher Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung fest, dass im Jahr 2002 in der Schweiz 2'432 Todesfälle bei Männern und 1'033 Todesfälle bei Frauen durch Alkoholkonsum verursacht wurden.

Unter Einberechnung der schützenden Effekte ist davon auszugehen, dass Alkoholkonsum für 5.2% aller Todesfälle bei Männern und 1.4% aller Todesfälle bei Frauen im Jahre 2002 verantwortlich ist. Die Folgen von Alkohol auf die gesundheitliche Situation der Schweizerinnen und Schweizer werden allerdings erst deutlich, wenn man nicht nur die reinen Todeszahlen betrachtet, sondern auch den (meist verfrüht eintretenden) Todeszeitpunkt. So war Alkoholkonsum verantwortlich für 10.5% aller vorzeitig verlorenen Lebensjahre bei Männern und für 4.9% bei Frauen. Auf die gesamte jährliche Krankheitslast bezogen, zählt der Alkoholkonsum mit 12.9% bei Männern und 4.2% bei Frauen zu den 5 wichtigsten Krankheitsfaktoren in der Schweiz.. Mit „Krankheitslast“ sind gemäss Definition der WHO sowohl durch Tod verlorene Lebensjahre wie durch krankheitsbedingte Behinderungen geminderte Lebensjahre gemeint. Für die Gesundheitsfolgen von Alkohol ist dieses Muster typisch: Viele der alkoholbedingten Krankheiten führen nicht unmittelbar zum Tod, sind aber mit deutlichen Einschränkungen verbunden.

Alkohol als krebserzeugende Substanz

Von der Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation in Lyon wurde Alkohol aufgrund der immer deutlicheren wissenschaftlichen Beweislage unlängst als „krebserzeugende Substanz“ eingestuft. Brust, Mund und Rachen, Speiseröhre, Leber, Darm und Rektum sind diejenigen Organe, bei denen Alkoholkonsum erwiesenermassen das Risiko für Krebs erhöht. Dabei ist, wie sich beim Brustkrebs zeigt, das Risiko unter Umständen schon bei einem Glas täglich signifikant höher als bei Nichttrinkerinnen, unabhängig davon, ob Bier, Wein oder Schnaps konsumiert wird. Alkoholkonsum kann zudem tödlich wirken, wenn Leberkrankheiten wie z.B. Leberzirrhose verursacht werden. Dass Alkoholkonsum durch erhöhte Unfallgefahr als „Killer“ wirken kann, ist weithin bekannt. Im Allgemeinen unterschätzt wird das tödliche Risiko, das mit sporadisch hohen Alkoholmengen – z.B. bei Rauschtrinken – in Bezug auf Herz-Kreislauf-Krankheiten und insbesondere Herzinfarkt entsteht. Insgesamt wurde für mehr als 60 Krankheiten ein Zusammenhang mit Alkoholkonsum nachgewiesen. 

Strukturelle Massnahmen sind kostengünstig und effizient

Das Ausmass alkoholbedingter Probleme ist umso erstaunlicher, als wirksame und effiziente Massnahmen existieren, um alkoholbedingte Krankheiten und Unfälle zu mindern. Steuererhöhungen sind eine Möglichkeit, hier effizient Abhilfe zu schaffen. Andere Möglichkeiten bestehen darin, den geltenden Jugendschutz in allen Kantonen besser durchzusetzen oder den Verkauf von Alkoholika auf bestimmten Veranstaltungen zu verbieten oder einzuschränken. Insgesamt lässt sich durch solche Massnahmen der strukturellen Prävention ein grosser Anteil der oben genannten Krankheitslast schnell und nachhaltig reduzieren. Für Personen, die alkoholkrank sind, sollten zudem wirksame Therapien angeboten werden. „In der Schweiz sollte aber vor allem im Bereich der strukturellen Prävention mehr getan werden“, erläutert Prof. Rehm. „Wir sollten uns an Ländern wie Italien und Frankreich ein Beispiel nehmen, in denen in den letzten Jahren der Alkoholkonsum und damit alkoholbedingte Krankheiten deutlich reduziert werden konnten! Dabei geht es auch darum, Schäden an unbeteiligten Dritten zu reduzieren.“

Auskunft: Prof. Dr. J. Rehm, Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung,
Tel. 044 448 11 60
E-Mail: jtrehm[at]isgf.unizh.ch

Der gesamte Bericht kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.


                            

 

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Stand: 23.12.2008