
Forschungsergebnisse / Research results
11.04.2007 (forsc173.htm)
Source/Quelle
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SFA, Schweiz. Fachstelle für Alkohol- und andere Drogenprobleme,
Lausanne
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Authors/Verfasser:
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Gerhard Gmel, Co-Leiter der Studie, Forschungsabteilung SFA, Hervé
Kuendig, Sandra Kuntsche, Jean-Bernard Daeppen
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Theme/Thema:
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ALKOHOL UND VERLETZUNGEN: ALKOHOLKONSUM, BEZOGENE RISIKEN UND ATTRIBUTIVE
ANTEILE - Eine Studie in der Notfallaufnahme der Lausanner
Universitätsklinik (CHUV)
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Link to
SFA, 11.4.2007, Zusammenfassung
Link to
SFA,
11.4.2007, Forschungsbericht, pdf, 124 S.
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Medienmitteilung SFA/CHUV vom 11. April 2007
Alkoholkonsum erhöht das Risiko für Verletzungen und Unfälle
Alkoholkonsum spielt bei Verletzungen und Unfällen eine wichtige Rolle:
17% aller Verletzungen und Unfälle von Männern und 12% von Frauen sind
alkoholbedingt. Das belegt eine Studie des Lausanner Universitätsspitals
CHUV und der Schweizerischen Fachstelle für Alkohol- und andere
Drogenprobleme (SFA). Die für die Schweiz neuartige Untersuchung im
Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) zeigt: Wer sich
gelegentlich einen Rausch antrinkt, im Allgemeinen aber risikoarm
Alkohol konsumiert, trägt das höchste Unfallrisiko.
Die Befragung von rund 8700 Patientinnen und Patienten der
Notfallaufnahme des Lausanner Universitätsspitals CHUV zeigt:
Alkoholkonsum erhöht das Unfall- und Verletzungsrisiko deutlich. Im
Zeitraum von eineinhalb Jahren (Januar 2003 bis Juni 2004) hat ein
Forschungsteam die eingelieferten Patientinnen und Patienten zu ihrem
Alkoholkonsum vor dem Unfall und im Allgemeinen befragt. "Es zeigte
sich, dass bei sämtlichen Verletzungsarten und Unfalltypen der Alkohol
eine wichtige Rolle spielt", erklärt Jean-Bernard Daeppen, Co-Leiter der
Studie. So sind 17% aller Verletzungen und Unfälle von Männern und 12%
von Frauen dem Alkohol zuzuschreiben. Das heisst, sie wären nicht
passiert, wenn die Betroffenen keine alkoholischen Getränke konsumiert
hätten. Die Verletzungen durch Verkehrsunfälle sind zu 12% (Männer)
respektive zu 10% (Frauen) alkoholbedingt, und von den Stürzen gehen bei
Männern 20% auf das Konto des Alkohols und bei Frauen 12%. Am meisten
Einfluss hat der Alkohol auf das Gewaltverhalten: Bei den Männern ist
die Hälfte aller Verletzungen durch Gewalt dem Alkohol zuzuschreiben,
bei den Frauen sind es 23%. Auch bei Unfällen und Verletzungen in der
Freizeit (z.B. bei der Ausübung von Hobbys und im Ausgang) spielt
Alkohol eine grosse Rolle: 40% der Freizeitunfälle von Männern und 20%
von Frauen sind alkoholbedingt.
Hohes Unfallrisiko betrifft grosse Bevölkerungsteile Vom Unfallrisiko
durch Alkoholkonsum sind grosse Bevölkerungsteile betroffen. Wer sich
gelegentlich einen Rausch antrinkt, in der Regel aber risikoarm Alkohol
konsumiert, trägt gemäss der Studie das grösste Risiko für Unfälle und
Verletzungen. Dieses Konsummuster ist in der Bevölkerung sehr
verbreitet. "Deshalb dürfen sich die
Präventionsmassnahmen nicht auf die chronisch viel Trinkenden
beschränken", betont Gerhard Gmel, Co-Leiter der Studie, "vielmehr muss
die ganze Bevölkerung verstärkt für die Gefahren des Alkoholkonsums,
insbesondere in Risikosituationen, sensibilisiert werden."
Situationsunangepasst ist Alkoholkonsum z.B. am Arbeitsplatz, im
Strassenverkehr, beim Sport oder verknüpft mit der Einnahme von
Medikamenten. In solchen Situationen können schon kleine Mengen zu
Unfällen führen. Die Studie zeigt auch, dass das Risiko für Unfälle und
Verletzungen mit steigendem Alkoholkonsum zunimmt. Frauen, die 4 Gläser
oder mehr trinken, tragen ein 9-mal höheres Risiko für
Unfälle und Verletzungen als nüchterne Frauen. Männer, die 5 Gläser
Alkoholisches oder mehr trinken, erhöhen ihr Unfallrisiko gegenüber
nüchternen gar um das 27-fache.
Auskunft:
Janine Messerli, Mediensprecherin SFA, Tel.: 021 321 29 85
mailto:jmesserli@sfa-ispa.ch>
Gerhard Gmel, Co-Leiter der Studie, Forschungsabteilung SFA, Tel.: 021
321 29 59
mailto:ggmel@sfa-ispa.ch> |
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