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Schweizerischer Arbeitgeberverband
economiesuisse
Schweizerischer Gewerbeverband
Sehr geehrte Damen und Herren,
Als aufmerksamer Beobachter der schweizerischen und internationalen
Alkoholpolitik habe ich auf ihre Komiteebildung mit einem Leserbrief im
Tages-Anzeiger reagiert. Dieser hat, wohl auch um Sie zu schonen, bei
der heutigen Veröffentlichung einen wesentlichen Teil weggelassen. Ich
denke aber, dass es für Sie wichtig ist, diese Stellen auch zur Kenntnis
zu nehmen. Vielleicht hilft es Ihnen, in hoffentlich nicht allzu ferner
Zeit, Ihre für Sie und unser Land schädliche Linie zu verlassen.
Freundliche Grüsse
Hermann T. Meyer
www.alkoholpolitik.ch
Lindenstr. 32
8307 Effretikon
Auszug aus www.alkoholpolitik.ch "Leserbriefe":

Leserbrief
25.05.2008 (stark
gekürzt am 28.5.08 veröffentlicht)
An die
Redaktion
des Leserforums
Tages-Anzeiger
8021 Zürich
per e-mail
Leserbrief zu „Präventiv gegen
die Präventionspolitik“ am 24.5.08
Der Schweizerische Gewerbeverband
schart wieder einmal die grossen Wirtschaftsverbände um sich, um sich
gegen kommendes „Unheil“ aus Bern zu wappnen. Seit 50 Jahren, gemäss
einer Historiker-Studie
im Auftrag des BAG (Bundesamt
für Gesundheit)
hat es keine Vorlage zur Alkoholprävention geschafft, vom Schweizer
Stimmvolk angenommen zu werden, weil immer die Wirtschaft mit ihrem
suggestiven Arbeitsplatzargument den Ausschlag gegeben hat. Alle
Präventionsbemühungen waren mehr oder weniger nutzlos, weil aus
Resignation nur noch auf Gesundheitsförderung und Verhaltensprävention
gesetzt wurde. Die gesellschaftliche Wirklichkeit bietet den
Jugendlichen heute eine derart vom Alkohol „verschmutzte“ Umwelt, dass
jede Prävention unglaubwürdig und deshalb nutzlos ist. Die Medien
dürfen, ohne negative Folgen befürchten zu müssen, Alkoholwerbung oder
in meinem Verständnis Schleichwerbung betreiben, auch wenn
Alkoholwerbung in Radio und Fernsehen verboten sind.
Unter diesen Vorzeichen darf sich
ein Nationalrat Spuhler, SVP erdreisten zu sagen: „Unter dem Deckmantel
der Gesundheitspolitik wird der Bürger systematisch entmündigt.“ Das
Gegenteil trifft zu: Wir kennen in vielen Bereichen des
staatlichen Zusammenlebens die Notwendigkeit, Regeln aufstellen zu
müssen, wobei ja die bürgerlichen Parteien mit ihrer Parlamentsmehrheit
dafür sorgen können, dass keine unnötigen Gesetze geschaffen werden.
Seit jeher wurde auf
dem Gebiet des Alkohols das Volk bevormundet. Es erträgt fast
klaglos, dass die Alkoholindustrie und die Werbebranche immer wieder
neue Betätigungsfelder entwickeln können, die Grauzonen schamlos
ausnützen und damit erreicht haben, dass erst die Frauen und dann die
Jugendlichen und sogar Kinder für den Alkoholkonsum gewonnen werden
konnten. Seit hundert Jahren hat sich ein riesiger Blutzoll angestaut,
den wir zu zahlen haben. Unzählige Familien sind zerbrochen, Kinder in
alkoholbelasteten Familien ihrer Lebenschancen beraubt worden, Mädchen
und Frauen mussten sexuelle Gewalt erleiden und viele Milliarden
Sozialkosten, die der Steuer- und Prämienzahler zu berappen hat,
belasten uns laufend.
Die meisten Wirtschaftsverbände, d.h. die ohne Alkoholinteressen,
schneiden sich ins eigene Fleisch, wenn sie die Bestrebungen der
Alkoholindustrie unterstützen und sich zu deren Komplizen machen.
"Sinnvoll" oder "vernünftig" ist für die Alkoholindustrie nur, was ihr
nützt. Der ganzen Wirtschaft kostet es vor allem Arbeitszeit und
mittelfristig viele gute Arbeitskräfte, die sie dann wieder im Ausland
holen, was neue Fremdenfeindlichkeit provoziert, was wiederum für die
rechtsbürgerlichen Kreisen Wasser auf deren Mühlen bedeutet.
Der frühere EU-Kommissär für Gesundheit und Konsumentenschutz, David
Byrne hat den Slogan geprägt „Health brings Wealth“, Gesundheit bringt
Wohlstand. – Auch der Wirtschaft.
Mit freundlichen Grüssen
Hermann T. Meyer |