|

Briefe an ....
11.11.2005
Herrn
Stadtrat Michael Künzle
Departement Sicherheit und Umwelt
8400 Winterthur
online
Offener Brief:
Sehr geehrter Herr Stadtrat,
Dem heutigen Tages-Anzeiger entnehme ich mit Schrecken, dass heute Abend in Winterthur zum wiederholten Male ein grosses Studentenbesäufnis stattfinden soll. In 14 Betrieben werden die Studenten Gratisdrinks erhalten.
Ich wundere mich, dass die Stadtpolizei bisher nicht eingeschritten ist, denn es geht hier offensichtlich ab einer gewissen Zeit um die Abgabe von Alkohol an Betrunkene.
Besonders stossend finde ich in diesem Zusammmenhang, dass in Winterthur die Hochschule für Gesundheitsberufe ihren Sitz hat.
Wenn man die Alkohol-Probleme an den amerikanischen Hochschulen kennt, kann es einem nicht gleichgültig sein, wenn bei uns ähnliche Zustände und Sitten Einzug halten.
Ich ersuche Sie dringend, Ihrer Pflicht als Polizeivorstand nachzukommen und diesen Unfug abzustellen.
Mit freundlichen Grüssen
Hermann T. Meyer
Kopie an:
Herrn Regierungsrat Notter
|
Antwort vom 17.11.2005
Sehr geehrter Herr Meyer
Stadtrat Michael Künzle hat von Ihrem Mail Kenntnis genommen. Ihr Anliegen werden wir mit den zuständigen Stellen prüfen und Sie zu gegebener Zeit wieder orientieren.
Mit freundlichen Grüssen
Martina Modes
Martina Modes-Geisser
Sekretariat Stadtrat Michael Künzle
Dep. Sicherheit und Umwelt, Stadthaus, 8402 Winterthur
Telefon +41 52 267 58 12
Telefax +41 52 267 58 99
mail to: martina.modes@win.ch
Besuchen Sie auch die Homepage: www.stadt-winterthur.ch
|
Telefon am 24.11.2005 von Herrn Lehmann, Kommandant der
Stadtpolizei Winterthur, im Auftrag des Stadtrates M. Künzle
(Aus dem Gedächtnis zusammengefasst)
Die Polizei sei mit den Wirten im Gespräch, eine gütliche Regelung
zu finden. Er bedauert diese Zustände, sei doch die Polizei am Ende mit
den unangenehmen Folgen konfrontiert. Sie hätten gerade zwei Betriebe
geschlossen und jede Menge Verzeigungen wegen Alkoholverkäufen an
Jugendliche versandt. Ich wünsche eine schriftliche Stellungnahme des
Stadtrates, da es Sache der Behörden sei, für die Durchsetzung von
Gesetzen zu sorgen und der Polizei Rückendeckung zu geben
|
Antwortbrief erhalten am 1.12.2005
Stadt Winterthur
Departement Sicherheit und Umwelt
Stadtrat Michael Künzle
Stadthaus
Postfach
3402 Winterthur
Telefon 052 267 58 12
Fax 052 267 58 99
E-Mail:
michael.künzle@win.ch
Herr
Hermann T. Meyer
Lindenstrasse 32
8307 Effretikon
25. November 2005
Ihr
offener Brief vom 11. November 2005 via Internet - Kontaktformular
Stadtrat
Sehr
geehrter Herr Meyer
In der
aufgeführten Angelegenheit hatten Sie mit unserem Polizeikommandanten
bereits ein telefonisches Gespräch. Er hat Sie über die polizeiliche
Haltung im Zusammenhang mit Alkoholkonsum ins Bild gesetzt.
Als
Stadtrat von Winterthur liegt mir viel an einem gesitteten
Ausgehverhalten unserer Jugend; und exzessiven Alkoholkonsum verurteile
ich einesteils aus persönlichen Gründen, andernteils lasse ich die
geltenden Gesetze von der Stadtpolizei durchsetzen. So konnten Sie der
Lokalpresse entnehmen, dass wir während des vergangenen Sommers den
widerrechtlichen Alkoholausschank an Jugendliche konsequent ahndeten.
Sie
sprechen in Ihrem Schreiben das alljährliche Diplomandenfest der ZHW
an. In der Tat schenken mehrere Gastwirte den Festteilnehmenden
alkoholische und alkoholfreie Gratisgetränke aus. Dabei handelt es sich
um eine Tradition, die in den letzten Jahren jedoch stagniert, weil auch
die Wirte diesen Anlass nur noch bedingt unterstützen. Ich stehe in
Kontakt mit den Vertretern des lokalen Gastgewerbes, um zeitgemässere Lösungen
zu finden; vorab mit der Absicht, den Alkoholkonsum einzudämmen. Dabei
müssen wir uns allerdings bewusst sein, dass das Trinkverhalten in
erster Linie ein gesellschaftliches und kein politisches oder
polizeiliches Problem ist. Zudem geniesst der weitaus grösste Teil der
Festteilnehmenden keinen oder nur wenig Alkohol. Eine
Pauschalverurteilung, so wie sie in der Presse vorgenommen wurde, wird
den Winterthurer Studierenden nicht gerecht.
Ihr
Engagement zur Eindämmung des exzessiven Alkoholkonsums geht mit
unseren/ meinen langfristigen Absichten einher. Ich wünsche Ihnen
deshalb viel Erfolg bei Ihren weiteren Aktivitäten zu Gunsten einer
gesunden Jugend.
Mit
freundlichen Grüssen
..................
Künzle
|
|
per e-mail:
01.12.2005
Sehr geehrter Herr Stadtrat,
Besten Dank, dass Sie sich die Mühe genommen haben,
meinem Wunsch entsprechend, eine persönliche Stellungnahme abzugeben.
Sie deckt sich im Grossen Ganzen mit den Ausführungen von Herrn
Lehmann, Polizeikommandant.
Ich muss allerdings gestehen, dass mir die im
Tages-Anzeiger geschilderten Randalierszenen etwas gar im Widerspruch zu
Ihrer Inschutznahme der Studierenden steht. Und das war das Geschehen
des letzten Jahres.
Ihre Beurteilung, das Trinkverhalten sei in erster
Linie ein gesellschaftliches und kein politisches Problem muss ich etwas
relativieren. Die Politik trägt eine grosse Mitverantwortung dafür,
dass die Gesellschaft sich nicht in die falsche Richtung entwickelt,
wobei sich beide natürlich gegenseitig beeinflussen. Die
unverantwortlich large Haltung der Politik hat die heutigen Auswüchse
und die Verniedlichung des Alkoholproblems als unvermeidliche
Begleiterscheinung des modernen Lifestyles erst ermöglicht. Eine
Besserung ist nicht in Sicht.
Ich hoffe, dass Ihr Verständnis des Alkoholpoblems
weiter reicht, als nur bis zur "Eindämmung des exzessiven
Alkoholkonsums", und Sie letzteren auch kurz- und mittelfristig
angehen, wie es als Polizeivorstand Ihre Pflicht ist. Es geht ja um
Menschenleben. Gestern zitierte ich auf meiner Webseite Reza
Zadeh, Timberline's 28-jährigen Pastor und Gründer des neuen
alkoholfreien Lighthouse (Studentenheim) bei der State University of
Colorado, USA. Er sagte: "Wir versuchen nicht, jemandes Studienzeit zu killen. Wir wollen einfach
nicht, dass jemand während der Studienzeit im College getötet wird."
(Eine 19-jährige Studentin starb letztes Jahr in dieser Universität an
einer Alkoholvergiftung).
Nochmals vielen Dank für Ihre Antwort und für Ihren Erfolgswunsch.
Die Politik könnte sehr viel zu diesem Erfolg beitragen.
Mit freundlichen Grüssen
Hermann T. Meyer
|
|