Briefe an ....

26.01.2005

Herrn 
Beat Mühlemann
Marketing-Chef
Migros Genossenschaftsbund
8005 Zürich

Ihre Aussage im Tages-Anzeiger vom 20.1.05: "Werbeverbote nützen nichts."

Sehr geehrter Herr Mühlemann,

Zuerst möchte ich Ihnen zur Wahl zum Werber des Jahres gratulieren. Ihre Migros-Werbung finde ich meistens auch gut.

Ihre obige Aussage im Tages-Anzeiger hat mich allerdings bewogen, einen Leserbrief zu schreiben. Leider hat ihn der Tages-Anzeiger nicht berücksichtigt. Über die Gründe will ich jetzt nicht spekulieren. Aber ich halte es für vielleicht nützlich, Ihnen diesen Text zur Kenntnis zu bringen. 

Mit freundlichen Grüssen

Hermann T. Meyer

 

PS  Ich werde mir erlauben, diesen Briefwechsel in meiner Webseite www.alkoholpolitik.ch unter "Briefe an ..." zu veröffentlichen. Sollten Sie mir antworten, könnten Sie vermerken, ob Sie Ihren Brief nicht oder doch auch veröffentlicht haben möchten. Ich würde mich entsprechend verhalten. 

******************

Redaktion Leserforum
Tages-Anzeiger
8021 Zürich

per e-mail

 Leserbrief zu „Unübliche Wahl zum besten Werber“ vom 20.1.05

Der Migros Marketing-Chef wurde zum Werber des Jahres 2005 erkoren. Im Interview wird er nach seiner Meinung zu Werbeverboten gefragt. Er ist dagegen, weil sie nichts nützten. Die Weichen würden im frühen Kindesalter gestellt.

Mit der ersten Aussage hat er wohl das Branchen-Credo übernommen, ohne die zahlreichen wissenschaftlichen Untersuchungen zu diesem Thema zu berücksichtigen. Die letzte, vom Zürcher Institut für Suchtforschung (ISF), Prof. Jürgen Rehm, ist genau dieser Frage nachgegangen und hat festgestellt, dass bisherige Alkohol-Werbeverbote einen Konsumrückgang von 5 – 8% mit entsprechender Schadenreduzierung bewirkten.

Dass die Weichen zum Teil schon im Kindesalter gestellt werden, stimmt. Amerikanische Studien haben gezeigt, dass Kinder die Alkoholwerbung besser verinnerlichen als Erwachsene. Sie bekommen auch mehr Alkoholwerbung zu sehen als diese. Obwohl die Alkoholindustrie immer wieder beteuert, sie würde die Jugend nicht bewerben. 

Der Nutzen von Werbeverboten liegt aber nicht nur beim zu erwartenden Konsumrückgang sondern bei der nachhaltigen „Reinigung“ der mit Alkoholwerbung „verschmutzten“ Umwelt unserer Jugend. Diese alkoholgetränkte gesellschaftliche Wirklichkeit, wie sie durch die Werbung seit dem 2. Weltkrieg immer mehr erzeugt wurde, verhindert, dass Alkoholprävention bei der Jugend wirkt. Die Botschaft der Prävention steht in krassem Widerspruch zum Stand der Gesellschaft und ist deshalb völlig unglaubwürdig und somit unwirksam. Genau das steht in einer WHO-Studie „Alkohol und Massenmedien“.

Wenn Werbeverbote nichts nützen, wie Herr Mühlemann sagt, drückt er doch damit aus, dass ein Nutzen nötig wäre. Er braucht also nur seine Meinung den tatsächlichen Beweisen anzupassen und seine Branche zu überzeugen, dass sie ihr unethisches Handeln aufgeben sollte. Und schon wäre ohne grosse Kosten ein segensreicher Nutzen erzielt. Würde dazu noch eine generelle Alkoholsteuer nach dem Verursacherprinzip erhoben, könnte die Werbebranche mit den zusätzlichen Mitteln für Prävention ihre Auftragsbücher nun mit gutem Gewissen mehr als vorher füllen.

Hermann T. Meyer, Effretikon  

Homepage             Briefe an... Übersicht

 

 

Inhaltsverzeichnis 

Entwicklungen der schweizerischen Alkoholpolitik der letzten Jahre anhand von Leserbriefen

Aktuell

Hinweise für Unterrichtende

Ihre Meinung interressiert uns

Links zu Fachleuten und Institutionen

Internationales

Briefe an ....

Die Lobby-Arbeit der globalen Alkoholindustrie

Veranstaltungen

Parlamentsdebatten

Zitatensammlung

Newsletter

Forschungsergebnisse

Archiv

English Texts      

Dossiers: Suchtmittelwerbung; Alcopops; Absinth; WTO - GATS; Alkoholkonsum Jugendlicher; Alkohol und Verkehr /  Drink Driving; Wein (Alkohol) sei (mässig genossen) gesund; Sport und Alkohol; Strukturelle Prävention; NPA (Nationales Programm Alkohol); botellón

Geschichten

Interventionen

Wir über uns

Projekt-Idee     Project in English


Herausgeber/Editor:

Hermann T. Meyer, Projekte und Dienstleistungen, Lindenstr. 32, CH-8307 Effretikon, Switzerland, 
Tel. +41 (0)52 343 58 75, Fax: +41 (0)52 343 59 29    e-mail

Copyright © 2001-2008: Hermann T. Meyer. Alle Rechte vorbehalten. Unsere eigenen Texte dürfen gerne unter Quellenangabe übernommen und weiterverbreitet werden. Fremde Texte entsprechen nicht unbedingt unserer eigenen Auffassung.

All rights reserved. Our own texts may be copied and distributed with stating the source. Texts from other sources do not necessarily represent our views.

Stand: 03.01.2009